Interview – Feuerschwanz

Gast: Johanna von der Vögelweide
Interviewer: Kalle
Mailinterview
22.01.2022

Kalle: Hallo Johanna, es freut mich sehr, das du dir ein paar Minuten Zeit für meine Fragen zu eurem aktuellen Album „Memento Mori“ nimmst. Zuerst möchte ich sagen, das ich die Platte feiere und sie für ein absolut grandioses Werk halte. Das habt ihr sauber hinbekommen.

Kalle: Dann komme ich mal zu meiner ersten Frage zu dem Album, denn ich war schon bei den Vorabvideos total überrascht, das der Ton etwas härter geworden ist. Wie seid ihr auf die Entscheidung gekommen, die Platte mehr Heavy zu machen?

Johanna: Diese Entwicklung hat sich schon über die ganzen letzten Alben angedeutet und eigentlich schon zum Methämmer Album vollzogen. Über die letzten beiden Alben haben wir den Sound dann im Grunde nur noch verfeinert und komplettiert.

Kalle: Ihr habt elf neue Songs aufgenommen. Wie viele waren urspr¸nglich geplant und wie lange hat der Prozess der endg¸ltigen Auswahl gedauert?

Johanna: Tatsächlich produzieren wir immer ziemlich genau auf den Punkt, da bleibt gar nicht viel an Entwürfen übrig.

Kalle: Thematisch habt ihr euch an vielen Themen bedient. Wer hat wo welchen Einfluss auf welchen Song gehabt?

Johanna: Das Songwriting stemmt hauptsächlich Hodi, textlich unterstützt vom Hauptmann und musikalisch von Hans. Allerdings haben wir bei Memento Mori gemeinsame Listening Sessions während des Songwritings eingelegt, wo jeder noch so seine Gedanken und Änderungsvorschläge einbringen konnte, das hat auch nochmal einiges gebracht.

Kalle: Wir befinden uns ja leider noch in der Pandemie, daher würde mich interessieren, wie ihr vorgegangen seid. Habt ihr euch regelmäßig treffen können oder viel über digitale Möglichkeiten ausgetauscht?

Johanna: Ja, das ist für uns als Gruppe nicht so einfach gewesen. Zu unserer großen Onlineshow Die Letzte Schlacht haben wir uns zum Proben natürlich getroffen, aber auch da teilweise aufgeteilt auf zwei nebeneinander liegende Proberäume und mit Maske. Die großen Albumsplanungssessions danach liefen dann viel über virtuelle Meetings, allerdings hat uns der persönliche Kontakt dann auf Dauer natürlich trotzdem gefehlt. Seit wir alle geimpft sind, ist für uns dieses Thema zum Glück wieder etwas entspannter, und zu Aufnahmen, Konzerten und Videodrehs haben wir uns im Sommer dann sowieso wieder persönlich getroffen.

Kalle: Musstet ihr dann zu den Aufnahmen einzeln ins Studio oder konnte das halbwegs geschlossen stattfinden?

Johanna: Bei uns ist es ohnehin so, dass die Musiker nacheinander im Studio einspielen, das hat für uns also keinen großen Unterschied gemacht.

Kalle: Viele der Songs sind für mich persönlich wirklich starke Hymnen. Sie gehen direkt ins Ohr und man kann sie fast nach dem ersten Mal hören mitsingen. Meine Vermutung: Ihr könnt die Platte fast vollständig live spielen und ihr würdet viele Fans begeistern. War es bei der Planung ein Gedanke, das diese Songs live gut funktionieren können?

Johanna: Ja, das ist tatsächlich immer ein Gedanke, und oft stelle ich mir schon im Studio vor, wie der Song später vor einer großen Menschenmenge funktionieren wird. Und du hast Recht, da sind tatsächlich eine Knaller dabei, die ich kaum erwarten kann live zu spielen! Zum Beispiel Ultima Nocte, Rohirrim, Skaldenmet oder von der Coverplatte Dragostea Din Tei!

Kalle: Du als Violinspielerin musst dich oft gegen starke Gitarren behaupten, was dir auf der Platte sehr gelungen ist. Gibt es eine erhöhte Schwierigkeit für dich, in deiner Spielweise, wenn der Sound mehr Heavy als Melodisch ist?

Johanna: Ganz ursprünglich habe ich ja eine ganz klassische Geigenausbildung, damit hat die Musik bei Feuerschwanz natürlich nicht mehr viel zu tun. Je nach Song darf der Geigensound auch mal etwas derber und kräftiger sein, bei harten Melodieriffs wie bei Untot im Drachenboot fast schon ein wenig hart und kratzig. Dann bei emotionalen Balladen wie Das Herz eines Drachen dagegen wieder eher sanft und fein. Ich passe mein Spiel also immer dem jeweiligen Song an.

Kalle: Ihr habt sprachlich ein wenig aufgerüstet in den Songs. Latein kommt hier und da vor. Bist du selbst sprachlich sehr bewandert?

Johanna: Ich spreche selbst gut Englisch und Französisch, mit Latein kenne ich mich dagegen gar nicht so aus – da muss im Zweifelsfall der Google Übersetzer ran…

Kalle: Euren Release habt ihr mit einem langem Stream in einer Taverne gefeiert und dazu ein tolles Konzert für die Fans gestreamt. Hast du dir danach das Feedback, zu den neuen Songs, von den Fans durchgelesen oder auch viele Nachrichten bekommen?

Johanna: Bei den Streaming Shows ist ja im Prinzip das Einzige, was man vom Publikum mitbekommt, die Kommentare und Nachrichten. Jetzt Silvester hatten wir sogar einen extra Bildschirm an der Seite, wo wir die Kommentare live mitlesen konnten, das hat mir super gut gefallen! Generell schaue ich in die Kommentare in den verschiedenen Netzwerken auch so regelmäßig rein und freue mich über die vielen lieben Nachrichten!

Kalle: Es ist erneut, wenn man die Deluxe Edition sich besorgt, eine CD mit Covern dabei. Ein paar davon kann ich komplett verstehen, ein paar davon haben mich ein wenig verwirrt, wobei ihr so manch Song wirklich aufgewertet habt. Wie ist hier die Auswahl getroffen worden?

Johanna: Erlaubt ist, was Spaß macht! Die Auswahl ist wirklich ziemlich wild gemischt, aber so sind wir selbst ja auch! Jedes Bandmitglied durfte einen Coversong vorschlagen, und wir haben geschaut, was uns als Challenge dabei richtig reizt. Ich bin selbst mega happy mit der Coverplatte, da sind einige echte Überraschungen bei rausgekommen!

Kalle: Beim Cover, zu Manowar ihrem Hit „Warriors Of The World United“, sind mit Alea von Saltatio Mortis, Melissa Bonny und Thomas Winkler, drei wirklich starke Größen mit dabei. Wie seid ihr auf die Drei gekommen, wobei ich mir bei Melissa denken kann, das es durch das geniale Seeed Cover gekommen ist. (Anmerkung: Das kam auf der letzten Platte mit raus)

Johanna: Zu allen Dreien hatten wir schon lange eine besondere Verbindung. Bei Melissa über das Seeed Cover, bei Tom über seinen Gastauftritt bei I See Fire bei der Onlineshow Die Letzte Schlacht und mit Alea sind wir seit mehr als 15 Jahren eng befreundet. Insofern war es naheliegend, die drei als unsere Warriors einzladen!

Kalle: Dann würde mich interessieren… habt ihr das Cover für die Platte mit geplant oder jemanden beauftragt, dieses zu gestalten. Für mich persönlich wäre es ein Cover, wo ich die Platte einfach „blind“ kaufen würde wenn man euch nicht kennen würde. Es gibt halt genau solch Cover, die einen sofort überzeugen und wo man eigentlich schon sagen kann, die Platte kann nur stark sein.

Johanna: Wir planen die Coverdesigns immer mit, umsetzen tun sie aber dann die jeweiligen Künstler, die auch ihre eigenen Ideen und ihren persönlichen Stil mit einbringen. Ich freue mich jedes Mal über die tollen Ergebnisse bei der Grafik!

Kalle: Zu guter Letzt würde mich interessieren… ihr habt bereits ein Streamingkonzert gemacht, welches auf einer Burg war, dann habt ihr jetzt in einer Taverne den Release von „Memento Mori“ gefeiert… wie sehr fehlt euch die Bühne mit Publikum und wie schwer ist es für euch, sich bei solch Streamingkonzerten in die richtige Stimmung zu bringen, weil man kein Livepublikum hat?

Johanna: Es wird von Mal zu Mal routinierter, auch wenn es niemals das selbe ist, wie bei einem echten Live Konzert. Das fehlt einfach unbeschreiblich und ich freue mich so sehr, wenn es im Sommer endlich wieder mit den regulären Festivals losgehen kann!

Kalle: Und wenn wir gerade bei Live sind… wenn es mal wieder normal mit Publikum stattfinden kann… was kann man auf einer kommenden Feuerschwanz Tour erwarten? Ich hab euch persönlich schon viele Male live erleben dürfen, doch es mag ja noch „Frischlinge“ geben, die euch noch nie live erlebt haben und sich jetzt, dank auch von „Memento Mori“ kennenlernen, auf euch freuen.

Johanna: Feuerschwanz Shows sind immer Party und Eskalation pur. Im Publikum herrscht dabei immer eine besondere Stimmung, unsere Fans lieben es zu feiern, sind dabei aber super herzlich und ich denke, jeder Frischling findet hier schnell Anschluss. Musikalisch erwartet die Fans eine Mischung aus den neuen Hits und alten Klassikern. Auf jeden Fall bekommt man live nochmal einen ganz anderen Zugang zur Band und unseren Songs, also unbedingt ein Muss mal persönlich eine Show zu besuchen!

Kalle: Johanna, dann möchte ich dir Danke sagen, das du dir die Zeit genommen hast und ich hoffe sehr, man sieht sich einmal mehr auf Tour wieder. Danke für ein grandioses Album, welches für mich schon jetzt ein großer Kandidat zur Platte des Jahres ist. Bleibt so geil wie ihr seid und natürlich bleibt bitte alle gesund. Grüße an die Truppe \m/

Johanna: Lieben Dank, und wir sehen uns hoffentlich im Sommer wieder live!

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