Obsequial Joy – Show My Mercy

verfasst von Louisa

Die Taiwaner Obsequial Joy sind der Inbegriff des Underground. Internetauftritt? Fehlanzeige! Die einzigen Plattformen, auf denen man etwas über die Band erfahren kann, sind Instagram und Facebook und auch hier sind die Posts ausschließlich auf Chinesisch. Obsequial Joy gründeten sich im Jahr 2015 als Doom/Post Black Metal Band und zeigen mit ihrer EP Show „My Mercy“ das erste Mal was sie können. Passend zum Genre thematisieren sie auf ihrer EP Strudel aus Selbstzerstörung und negativem Karma, geben aber auch eine hoffnungsvolle Botschaft mit.

Schaut man sich die Tracktitel einmal genauer an, scheint es auf jeden Fall einen roten Faden zu geben. Die Taiwaner nehmen ihre Hörer auf eine 30-minütige Reise von Hilflosigkeit zu Hoffnung mit. Direkt im Intro überrascht die Platte mit eindeutigen poppigen und elektronischen Elementen, die auf den ersten Eindruck sogar die Metal-Einflüsse überwiegen. Erst ab dem zweiten Track „Helpless“ fangen Obsequial Joy an, Pop/Elektro mit Growling und Metal-GesC$ngen zu kombinieren. Die antithetische Verbindung aus oft ruhigen, harmonischen Melodien und verzweifeltem Gesang wirkt spannend und neu, wird nach einer kleinen Weile aber etwas repetitiv.

Das Hauptwerk des Albums ist mit 11 Minuten der Song 因為太深所以淹死了, was laut Google Übersetzer so viel heißt wie „Ertrunken, weil es zu tief war“. Hier zeigen die Taiwaner mehr Klargesang, der sehr Grunge- und Gothic-anmutend daherkommt und sogar deutlich besser zum Instrumental passt als die überwiegenden Growls. Allerdings nehmen hier auch die elektronischen Einflüsse deutlich die überhand und man hört heraus, dass Obsequial Joy, die noch viel Spaß am Experimentieren haben, den Grundstein ihres eigenen Sounds noch nicht ganz gefunden haben.

Der Schluss des Albums wird mit dem Instrumental „Mercy’s Gate“ eingeleitet, das als kurze Auflockerung nach dem langen Vorgänger sehr gut funktioniert und dem Hörer in schönen Klangbildern die Illusion vermittelt, tatsächlich durch die Tore der Hoffnung zu schreiten. Die klangliche Transition von Verzweiflung, Wut und Ausweglosigkeit bis zu innerer Ruhe und Hoffnung ist auf der EP sehr gut gelungen.

Insgesamt zeigen Obsequial Joy auf ihrer ersten EP sehr viel Potenzial, das sich weiter im Auge zu behalten lohnt. Sobald die Doom-Metaller ihren eigenen Stil etwas klarer herausgearbeitet haben, ist musikalisch Vielversprechendes zu erwarten. Die vordergründigen Elektro-Einflüsse werden nicht nach jedermanns Geschmack sein, aber die grungigen, atmosphärischen Lichtblicke zwischendurch dürften dafür entschädigen. Die einzige Frage, die noch offenbleibt: Was hat es mit dem Cover-Artwork auf sich und was genau hat es mit dem Thema der EP zu tun? Interpretationsvorschläge werden gerne angenommen.

Tracklist

  1. Intro
  2. Helpless
  3. 因為太深所以淹死了
  4. Mercy’s Gate
  5. Hope

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