Empyrium – Über den Sternen

von Tim Otterbeck

Wenn man ein Album von Empyrium anmacht, dann hält die Welt um sich herum auf zu atmen. Die Bajuwaren schaffen es wie kaum eine andere Band auf der Welt, den Zuhörer mit ihrer Musik derart in einen Bann zu versetzen. Da Empyrium seit ihrer Gründung 1994 bisher nur fünf Studioalben veröffentlicht haben und sich zwischen den Veröffentlichungen auch gerne mal sehr lange Inspirationspausen gönnen („The Turn of the Tides“ erschien 2014!), kann jedes Erscheinen eines Albums als Ereignis gefeiert werden. Mit „Über den Sternen“ erscheint nun das langersehnte sechste Album der Düsterromantiker. Und auch hier wird der Zuhörer gleich von Beginn an in die bekannten Sphären hineingesogen. Sanfte Streicherklänge gepaart mit einer leichten Akustikgitarre läuten „The Three Flames Sapphire“ ein, dass dann zu einem Neofolk-Gigant heranwächst. Wie schon auf der „Weiland“ regiert hier der tragend hohe Gesang, der hier akzentuiert eingesetzt wird. Nur hier und da, setzt leichter Kreischgesang ein, der von E-Gitarren unterstützt wird. Ähnlich wie auch auf der Tides ist der Gesang auch auf dem neuen Album überwiegend Englisch. Das ist angesichts der Großartigkeit „Weilands“ (das vor allem wegen der deutschen Texte so stimmungsvoll wirkt) schade, sorgt aber für wenig Abzüge an Stimmung. Da Empyrium auch bei einem internationalen Publikum immer mehr Zulauf erfahren, sind englische Texte nur verständlich. Ward er erste Song noch leichter Neofolk, setzt „A lucid Tower beckons on the Hills afar“ auf mehr Tiefgang und Düsternis (Krächzgesang und tief getrimmte Gitarren dominieren hier das Klangbild). Mit „The Oaken Throne“ kehren sie dann wieder stärker zurück zu ihren Wurzeln und präsentieren den sanft-wabernden Neofolk, der sie einst berühmt gemacht hat. Ganz großes Ohrenkino. Auch das rein akustische „Moonrise“ möchte einem nicht aus seinem Traum aufwecken. Im Gegenteil, dank „The Archer“ darf der Hörer seine Reise in die düsteren Traumwelten fortsetzen. Auf „The Swans“ wechseln sich dann düstere Gitarrenfronten mit dem sanften Neofolk stimmungsvoll ab und bilden so einen schwarz-weißen Reigen, wie es nur Empyrium zelebrieren können. „In the Morning Mist“ lässt einen dann noch einmal kurz durchatmen, bevor es mit „Über den Sternen“ dann zum großen Finale und Höhepunkt des ganzen Albums geht. Endlich ist der Gesang wieder auf Deutsch (Im Kreischgesang eingeleitet) und E-Gitarren erzeugen eine unglaublich dichte Dunkelheit um einen herum, die jüngst von „Weiland“-typischem Neofolk kurz aufgerissen wird, bis uns Empyrium mit doomartigen Klängen schweben lassen. So macht man gute, zeitlose Musik.

Fazit

Können Empyrium eigentlich enttäuschen? Können die beiden Herren denn überhaupt schlechte Musik machen? Es scheint nicht der Fall zu sein und das ist auch verdammt gut so. Empyrium beweisen mit ihrem neuesten Werk wieder einmal, dass sie auch nach fast 30 Jahren nicht an Kraft und Inspiration verloren haben. Sie zeigen auch, dass sie immer noch für Überraschungen gut sind. War das Vorgängeralbum doch relativ monoton schwebend gehalten und ein klarer Kontrast zu „Weiland“, gehen sie nun gekonnt zu ihren Wurzeln zurück, ohne diese 1:1 zu kopieren. Vielmehr erweitern sie diese um Klangspektren aus dem Black und Doom Metal und präsentieren sich damit auch im Jahre 2021 noch frisch und neu. Wie auch ihre alten Alben, kann „Über den Sternen“ als Gesamtkunstwerk in einem Stück gehört werden, aber auch einzelne Songs als kleine Meisterwerke für sich gefeiert werden. Empyrium stehen einfach immer noch über allen Dingen.

Tracklist

  1. The Three Flames Sapphire
  2. A lucid Tower beckons on the Hills afar
  3. The Oaken Throne
  4. Moonrise
  5. The Archer
  6. The Wild Swans
  7. In the Morning Mist
  8. Über den Sternen

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