Moonspell – Hermitage

von Tim Otterbeck

Es gibt wahrscheinlich nur wenige Bands, die innerhalb ihrer über dreißigjährigen Karriere so einen starken musikalischen Wandel hingelegt haben, wie Moonspell. 1989 als Black Metal Band gegründet (die auch damals schon einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Black Metals bewirkt hat), wandelte sich der Stil immer mehr in Richtung Dark/Gothic Metals mit einem starken Einschub aus Melodic und Progressive Metal. Auch Live haben sich Moonspell dank ihrer enigmatischen Performances zu einer handfesten Größe etabliert.

Mit „Hermitage“ veröffentlichen die Portugiesen nun den Nachfolger zu dem umjubelten „1755“. Die erste Single „All or Nothing“ hat Fans schon mehr als überrascht, da sich Moonspell hier eher ruhigem Progressive Rock hingegeben haben, der in dieser Form auch von Opeth stammen könnte. Eine Entwarnung für Fans der „Alpha Noir“ und „Extinct“ Ära kann nicht gegeben werden. Monnspell scheinen sich von dem düster-brachialen Melodien losgesagt zu haben. Auf „The Greater God“ steht der Progressive Metal klar im Vordergrund. Doch sie schaffen es, trotzdessen, die gewohnte Stimmung von Moonspell einzufangen. Vor allem, wenn die Stimme von Fernando Ribeiro einsetzt, fühlt man sich gleich wieder von dem gewohnten Moonspell-Charme eingefangen. Auch wird nicht komplett auf härteren gesang verzichtet. In der zweiten Hälfte des Songs blitzt wieder das alte „Extinct“-Feuer auf. Dass sich Moonspell bei der Ausrichtung ihres neuen Albums stark von Opeth haben inspirieren lassen haben, wird auf „Common Prayers“ mehr als deutlich. Nur scheint Ribeiros Gesang nicht komplett zu passen, was den hervorragenden Instrumentalparts einen kleinen Dämpfer verpasst. Das gleiche lässt sich auch von „All or Nothing“ sagen. Die Hommage an den psychedelischen Progressive Rock der 60er/70er Jahre ist auf musikalischer Ebene wirklich gelungen, doch scheint es dem Gesang an etwas Seele zu fehlen.

Auf „Hermitage“ geht es dankenswerter Weise wieder härter zu und man merkt hier deutlich, wo Ribeiros Stärke liegt, auch wenn er sie hier nicht vollständig ausspielt. Mit „Entitlement“ versucht man sich dann wieder mehr am Progressive Metal mit jazzigen Einflüssen. Auch hier wieder ein Song, der auf einem Opeth-Album gut funktioniert hätte, aber unter dem Stempel Moonspell irgendwie fehl am Platz wirkt (so gut er technisch auch ist). „Solitarian“ wirkt wie die Fortsetzung von „Entitlement“, nur dass hier (zum Glück) auf den Gesang verzichtet wird. „The Hermit Saints“ bringt dann endlich mal wieder den alten Charme von Moonspell zurück und könnte noch als Highlight bezeichnet werden. Mit „Apoptheghmata“ dann aber wieder die Kehrtwende, schade drum. „Without Rule“ ist ebenso ein spannungsarmer Song, der das Album nur ausplätschern lässt.

Fazit

Ach, Moonspell. Dieses Album hätte etwas großes werden können, wenn man sich nicht schon fast pedantisch an den Progressive Metal geklammert hätte. Es wirkt alles so nach dem Motto: Sehr her, wir können auch so spielen. Dass die Band progressiven Metal auf instrumentaler Ebene auf hohem Niveau spielen können ist wirklich beeindruckend. Allerdings passt dieser Genreausflug nur in Ausnahmen zu der Stimme von Fernando Ribeiro. Der Gesang wirkt an vielen Stellen einfach nur fehl am Platz und wirkt oftmals auch einfach komplett emotionslos. Ich habe ja nichts dagegen, dass sich eine Größe wie Moonspell an Experimente wagt und versucht, ihren Stil stetig zu erweitern. Das ist ja auch mehr als begrüßenswert. Allerdings sollte dabei die bekannte (und beliebte) Moonspell-Formel nicht verloren gehen. Es fehlt an dem gewohnten Bombast, an der einsaugenden düsteren Atmosphäre, die die vergangenen Alben so hervorragend gemacht haben. Schade drum.

  1. The Greater Good
  2. Common Prayers
  3. All or Nothing
  4. Hermitage
  5. Entitlement
  6. Solitarian
  7. The Hermit Saints
  8. Apoptheghmata
  9. Without Rule
  10. City Quitter (Outro)

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