Interview – Night Laser

05.08.2020
Gast: Benno Hankers (Sänger)
Interviewer: Kalle
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Kalle: Mahlzeit Benno, vielen Dank das du dir den Abend mal Zeit nimmst für ein paar Fragen zu eurem kommenden Album und ein wenig drum herum. Erste Frage direkt… Bier kalt genug bei dem Wetter?

Benno: Na da nicht für. Für alte Freunde nimmt man sich doch gerne Zeit! Witzig, dass du das fragst. Ich habe mir tatsächlich gerade eine Dose aufgemacht. In diesem Sinne: „Prost, da draußen!“ Ich denke den Kampf Temperatur gegen Bier gewinnt hier gerade ganz klar das Bier! Aber heute war es wirklich schon gut heiß.

Kalle: Heiß ist ein gutes Stichwort. Eure neue Platte steht in den Startlöchern und nennt sich „Power To Power“: ich durfte bereits lauschen und ein Review verfassen und bin guter Dinge, dass sie großen Anklang finden wird. Die ersten Videos, somit Auskopplungen daraus sind vielversprechend. Am 28.08.2020 ist es soweit und wie groß ist die Vorfreude und Aufregung bei dir?

Benno: Ich hab das Review natürlich gelesen. Besten Dank nochmal dafür! Wir bekommen quer durch die Bank gutes Feedback zu den Singles und die ersten Reviews sind soweit auch alle gut. Das macht natürlich schon Hoffnung, dass die Scheibe insgesamt gut ankommen wird. Die Klickzahlen bei den Videos sind soweit auch schon ganz gut… Aber Luft nach oben ist natürlich immer. Ich bin wirklich sehr gespannt auf den Release. Wir können ja keine Shows zu Promotion spielen. Daher bin ich echt nervös, ob sich das Ding trotzdem gut am Markt machen wird!

Kalle: Es ist euer drittes Album insgesamt und die zweite Veröffentlichung über Out Of Line Music. Wie sehr hilft es bei der Albumproduktion, wenn ein Label dahinter steckt?

Benno: Das ist schon sehr gut diese Sicherheit im Hinterkopf zu haben. Als wir „Laserhead“ aufgenommen haben, wussten wir ja noch nicht über welches Label das am Schluss raus kommen wird. Dieses Mal war ja im Vorfeld schon klar, wie die ganze Kiste laufen wird. Das entspannt den Prozess wirklich sehr. Und ich denke auch, dass die Zusammenarbeit mit Out Of Line mit jedem Tag effektiver und besser wird.

Kalle: Was macht das Label für euch als Band bei einer Albumproduktion? Wie muss man sich die Unterstützung vorstellen? Viele Musikfans kennen ja nicht alle Prozesse hinter einem Album. Da wird oft gedacht, die Band geht mal in einer Studio, dann wird an ein paar Regler gedreht, am Ende hat man ein paar Dateien. Doch da steckt ja mehr dahinter.

Benno: Das stimmt. Ich lerne da auch jeden Tag was dazu. Wir nutzen auch nicht alle Möglichkeiten in der Zusammenarbeit mit Out Of Line voll aus. Diverse Design-Arbeiten macht unser Bassist, mein Bruder Rob, nach wie vor selbst. Das Booking erledige ich. Dafür hätten wir aber auch Ansprechpartner bei OOL. Das Label kommt dann federführend bei der Vermarktung und Bewerbung des Albums zu tragen. In der Regel braucht man einen Labelcode um CDs pressen zu lassen. Da ist für eine Band alleine schon mal schwer ran zu kommen. Ganz wichtig sind die Kontakte des Labels. Dort wurden ja oft über Jahre Beziehungen zu Redakteuren, Reviewern, Veranstaltern etc. aufgebaut. Von diesem Netzwerk profitiert der Künstler ja auch extrem. Dazu beteiligt sich das Label ja auch an den Kosten der Produktion und bekommt dafür seinen Cut ab. Win-Win wie man so schön sagt!

Kalle: Ja Vitamin B ist der Branche tatsächlich Alles. Nun kenne ich eure Band schon ein paar Jahre, damals seid ihr auf dem Rocktreff in Berlin Mariendorf noch unter anderem Namen aufgetreten. Seit daher ist mit dem Label und zweitem Album viel passiert und nun steht das dritte Album ins Haus und ja ich hab mir mal den Spaß gemacht und alle Alben verglichen. Ihr habt euch von der Qualität stark verbessert, seid aber eurem Stil treu geblieben, wobei die neuen Songs reifer klingen. Wie hast du selbst diese Entwicklung für dich aktuell wahr genommen?

Benno: Das war eine tolle Nummer! Da bin ich noch bei der Abfahrt betrunken aus dem fahrenden Wagen gerollt…. Toller Gig! Eigentlich passt die Story ganz gut. Sowas würde mir heute vermutlich eher nicht mehr passieren. Danke dir! Das höre ich gerne. Wir sind tatsächlich reifer geworden. Da stimme ich dir voll zu. Das erstreckt sich über so viele Bereiche, an die wir mit einer viel professionelleren Einstellung ran gehen als noch vor ein paar Jahren. Ich denke das merkt man, nicht zuletzt, bei den Songs. Wobei die musikalische Marschroute bei uns schon weiter verfolgt wird.

Kalle: Das stimmt… auf den 12 neuen Songs merkt man schon eure Wurzeln klar an. Schon die ersten zwei Songs hauen ordentlich rein. Der erste Songs „Street King“ hat ja direkt einen Special Guest mit dabei. „Gerre“ von Tankard leiht seine Stimme. Ich muss aber gestehen… ich kann ihn da irgendwie nicht raushören. Sind nur die Screams von ihm?

Benno: Ja der Gerre. Schon ein echt geiler Typ! Ne, er hat tatsächlich den gesamten Song mit gesungen. Wir haben ihn hier und präsenter drin und hier und als Backing. Wir dachten zunächst, dass er eine komplette Strophe machen könnte, aber ich finde so ist es am Schluss schon ganz cool geworden. Seine Screams sind aber wirklich echt gut!

Kalle: Ich gestehe… trotz seiner markanten Stimme hab ich ihn nur in den Screams wirklich erkennen können. Da ist deine Stimme tatsächlich kräftiger… und das will bei Gerre schon was heißen.

Benno: Jaaaa, das liegt natürlich überhaupt nicht am Mix sondern weil ich so viel geiler singe. Ironie off

Kalle: Ja das stellst du eindrucksvoll im zweiten Song und damit auch dem Titeltrack „Power To Power“ unter Beweis. Das ist ja genau der Stil, den ich musikalisch so an euch liebe. Heavy Metal mit Tempo und Hymnentexte zum mitgröhlen, dennoch dieses gewisse Etwas. Der Song geht mächtig ab und ist einer meiner Lieblinge auf der Platte. Allerdings, und das hab ich ja im Review auch so geschrieben, ging dir bei den Screams ein wenig die Luft aus. Woran hat das denn gelegen? Die hohe Stimme hätte hier mehr Volumen vertragen können. Falsch Luft geholt?

Benno: Ja der Track liefert ja auch eine intensive Botschaft in den Lyrics und die Musik bildet das perfekte Fundament dafür. Das mit den Screams finde ich witzig. Ich mag die ansich ganz gerne. Ich habe da bewusst weniger Distortion drauf gelegt. Das findet man momentan einfach in zu vielen Produktionen. Aber das ist definitiv ein guter Ansporn um da live so richtig einen drauf zu setzen. Ich arbeite seit dem Review aber auch mal wieder verstärkt an meinen high pitch Sachen. Also danke für den Tipp! Unsere Rückkehr auf die Bühne wird also knallen!

Kalle: Ich gehe jetzt mal bewusst nicht auf alle Songs ein, doch ein Track hat mich im Intro sofort gecatcht. „Kiss Me Today“. Mal ehrlich… wie oft habt ihr davor „Holy Diver“ von Dio gehört?

Benno: Den Vergleich hab ich so noch gar nicht gemerkt. Aber jetzt wo du es sagst, merkt man es voll! Solche Prozesse habe ich aber relativ oft. Man macht total viel unterbewusst denke ich. Die selbe Situation habe ich auch als Hörer oft. Und den Schreibern geht es dann gerne mal wie mir. So richtig bewusst macht man das gar nicht.

Kalle: Du kannst mir jetzt aber nicht sagen, dass ihr das Riff nicht mit Absicht so gewählt habt oder? Das hört doch jeder gute Metalfan sofort raus, dass hier „Holy Diver“ drin steckt. Ich gebe dir direkt noch ein Beispiel. Euer Song „The Game“ Nur die erste Gitarrennote… die so lang gezogen ist… vergleiche die mal mit dem gleichnamigen Song von Motörhead und sag mir, dass ihr das nicht mit Absicht gemacht habt! Das ist doch so offensichtlich.

Benno: Ja, das stimmt natürlich. Allerdings ist das ne Rhythmik, die schon hunderte Bands angewandt haben und auch Dio war damit nicht der erste. Aber man geht ja auch nicht bei jedem Bluesriff hin und sagt „Ey das ist aber von Stevie Ray Vaughan“ geklaut. Letzlich ist ja auch unser ex-Gitarrist Hannes für die Riffs verantwortlich. Welcher Song also bei der Grundidee Modell stand, kann ich dir dann so direkt auch nicht sagen.

Kalle: Bleiben wir mal bei Einflüssen. In eurer Beschreibung zum Album steht drin, dass ihr verschiedene Genre abdeckt und für viele Fans interessant seid. Das kann ich unterschreiben, da wirklich viele Einflüsse bestehen. Hat das mit dem Reifungsprozess von euch zu tun? Wenn ich da ein paar Jahre zurück denke… textlich nicht, aber optisch seid ihr die jungen Steel Panther gewesen.

Benno: Ja wir haben nun mal auch sehr facettenreiche Musikgeschmäcker. Das zeichnet sich in der Musik natürlich auch ab. Ich denke, dass der Reifungsprozess damit auf jeden Fall etwas zu tun hat. Ich merke, dass ich Musik mittlerweile noch bewusster und intensiver wahrnehme als früher. Das wirkt sich auch auf unsere eigene Musik aus. Unsere optisch Komponente hat sich ähnlich gewandelt. Der steigenden Bekanntheitsgrad von Steel Panther hat auch dazu geführt, dass wir uns optisch verändert haben. Die Musik der Jungs ist gut. Keine Frage. Aber wir wollen nicht so gerne in genau den gleichen Topf geworfen werden.

Kalle: Ich würde euch heute auch nicht mehr in den gleichen Topf werfen, da eure Musik und Bühnenshow einfach spontaner und geiler wirkt, als das durchgescripptete von Steel Panther, wo man praktisch nach einmal sehen schon weiß was kommt. Bei euch ist das anders. Das war euch bei den Aufnahmen auch sehr wichtig, dass die Platte klingt, als würde sie direkt von der Bühne kommen. Nun ist es kein Live-Album… daher meine Frage… wie bekommt man es denn hin, ein Album zu produzieren, was nach live klingt… aber es ist gar nicht live?

Benno: Naja, ganz so radikal ist es ja nicht. Aber wir haben uns gedacht, dass das Album nicht so 100% klinisch klingen soll wie viele Produktionen momentan. Darum klingen die Songs ansich auch sehr unterschiedlich. Wir haben auch versucht jedem Song ein mehr oder weniger anderes, aber passendes Gewand zu schneidern. Live klingen wir meiner Meinung nach nochmal eine Spur rotziger und aggressiver als auf der Platte. Das finde ich aber auch ok. Da kommt ja die Show und die Performance dazu. Das wirkt insgesamt ja ganz anders.

Kalle: Ja das mit dem eigenen Gewand kann ich unterstreichen, denn Abwechslung gibt es auf der Platte in jedem Fall. Ihr spielt auch textlich nicht so mit den Klischees, sondern geht auf ganz individuelle Dinge ein. Woher kommt da die Inspiration? Textlich bist du ja sicherlich der Hauptakteur oder?

Benno: Das stimmt! Ich hab da nahezu überall meine Finger drin. Ein bisschen was ist auch nur von Hannes. Das meiste haben wir aber zusammen geschrieben und hier und da ist auch was nur von mir. Die Inspirationen ziehen wir echt aus so ziemlich allen Sachen, die einem so über den Weg laufen. Bücher, Fernsehen, Politik, Zeitschriften. Da ist alles dabei. Wir waren schon immer recht sozialkritisch und haben das eigentlich noch ausgebaut. Man kann eigentlich sagen, wenn uns was auf die Nerven geht, gibt es n Song dazu. Aber natürlich gibt es auch hier und da einfach mal ne Liebesgeschichte oder n bisschen Party Rock. Das macht einfach Spaß und gehört genau so dazu.

Kalle: Ohne Party Rock würde das Genre das Glam Metal usw. gar nicht funktionieren. Allerdings bin ich an einem Song auch hängen geblieben, der mich sehr fasziniert hat: „Prime Minister Of Rock“. Nun bin ich persönlich kein großer Fan von Politik in Musik, außer es geht wie in „Schrei Nach Liebe“ von den Ärzten, mal so richtig gegen Rechts. Der Song von euch hat mich aber so fasziniert, dass ausgerechnet du ein Prime Minister Of Rock sein möchtest. Wie kam es denn zu dieser Wahl?

Benno: Ja, der Song hat auch eine klare politische Message.
Da wird recht fleißig mit dem lyrischen Ich gespielt. Es geht dabei gar nicht um mich. Es geht um einen fiktiven Prime Minister Of Rock And Roll, der seine Band um sich schart und mal so richtig aufräumt. Dass es sich dabei auch um eine 4-Piece Besetzung wie bei uns handelt ist natürlich kein Zufall. Aber direkt auf uns bezogen ist der Track eigentlich nicht.

Kalle: Wen würdest du denn auf diese vier Positionen setzen? Lebend oder bereits verstorbene Musiker/Sänger sind erlaubt.

Benno: Das ist schwer. In dem Song sollen es ja auch wirklich gute und ehrliche Politker sein, die den Job ernst nehmen und den Wohl des Volkes im Sinn haben. Daher würde ich mal mit mir total sympathischen Leuten arbeiten. Steve Lee, die unvergessliche Stimme von Gotthard wäre auf jeden Fall geeignet. Dann hätten wir Matt Sinner einen total kompetenten Tieftöner. Rob Marcello ist nicht nur ein total geiler Gitarrist, sondern auch mega nett. Und als Governor of drums könnte Michael Ehré super passen. Der ist so nett, das ist ja schon fast kriminell!

Kalle: Kommen wir mal zum Song „Comet“. Der unterscheidet sich ja massiv zu den anderen Songs auf dem Album, denn er klingt tiefgründiger und nachdenklicher. Was steckt genau hinter dem Song?

Benno: Dabei geht es um die Vorstellung, dass die Welt von einem gewaltig großen Meteoriten bedroht wird. Die Menschheit dreht erst völlig durch und besinnt sich dann aber auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. Liebe, Vertrauen, Offenheit. Als der Stein dann knapp am Ziel vorbei segelt, stellt sich heraus, dass es eigentlich ganz einfach wäre in Frieden zu leben. Man muss nur wollen.

Kalle: Da hat jemand fleißig Armageddon vor dem Songwriting geschaut oder?

Benno: Da muss ich peinlicherweise sagen: Hab ich noch nie gesehen… der Text stammt aber von Hannes, da müste man ihn mal fragen.

Kalle: Eure Videoclips habt ihr ja schon im letzten Jahr gedreht, somit existieren die Songs schon alle eine ganze Weile. Hättest du lieber gerne noch was an den Stücken verändert, wenn die Möglichkeit bestünde?

Benno: Ich glaube man muss irgendwann auch einfach mal einen Strich drunter setzen und sagen „Ist gut jetzt!“. Wenn man lange grübelt, findet man immer noch die eine Stelle, wo man was anders machen könnte. Live setzen wir Songs deswegen ja auch oft ein bisschen anders um, weil wir konstant weiter entwickeln. Aber so wie es jetzt auf dem Album ist, finde ich es alles sehr stimmig.

Kalle: Das nehme ich mal als gutes Schlusswort für unseren kurzen Plausch und danke dir für die Einblicke in euer neues Album. Wer mehr Eindrücke haben möchte, der muss sich noch ein paar Tage gedulden, denn erst am 28.08. wird „Power To Power“ das Licht der Welt erblicken. Eine Empfehlung wenn man auf guten und angemachten Metal steht, der eine Vielseitigkeit aufweist und keine Langeweile bringt und dennoch hier und da als Rohdiamant gelten kann. Benno, dir vielen Dank und ich hoffe das Bier wurde zwischenzeitlich ausgetauscht. Macht bitte weiter so, lasst euch von Covid und Co. nicht unterkriegen und ich, so wie viele Fans freuen sich, wenn es live wieder weiter geht und man eure Songs auf den Bühnen des Landes erleben darf.

Benno: Benno: Ich hab zu danken! Es ist immer eine Freude mit dir! Ebenso. Bleib gesund und viel Erfolg mit Kalle-Rock! Und natürlich ist es nicht bei einem Bier geblieben.

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