Romuvos – The Baltic Crusade

verfasst von Tim O.

Geschichtsbücher raus, jetzt wird es ernst! Dann folk-martiaten von Romuvos möchten euch etwas über die Geschichte ihres Heimatlandes Litauen berichten. Denn auf ihrem dritten Studioalbum erzählen sie von dem baltischen Kreuzzug und wie dieser von ihren litauischen Vorfahren erheblich erschwert wurde. Der Papst hatte nämlich im 13. Jahrhundert zur Christianisierung der baltischen Völker aufgerufen, aber nicht mit der Stärke der Einwohner gerechnet.

Hierzulande werden viele Romuvos wahrscheinlich noch nicht kennen, doch eingefleischte Fans von gutem Folk/Pagan Metal sollten hier mal ihre Lauscher spitzen. Im Vergleich zu manch anderen Kapellen aus diesem Genre spielen die Mannen von Romuvos die folkloristischen Elemente noch selbst ein. Lasst euch nicht verwirren, die Zahlen hinter den Songs sind Jahreszahlen und bis auf Track 6 beinhaltet jeder Song eine wichtige Schlacht, aus denen die Litauer ruhmreich hervorgegangen sind. Der Folk Metal fällt hier eher bedächtig und eher trocken aus und erinnert immer wieder stark an Heidevolk zu „Walhalla Wacht“ Zeiten. Wir haben es hier also nicht mit bewusst feuchtfröhlichem Folk im Sinne von Korpiklaani zu tun, was auch angesichts der besungenen Themen schwierig werden sollte.

Trotzdem vermögen es Romuvos ihre ganz eigene Stimmung zu erzeugen und verleiten einen gleich schon mit den ersten Klängen von Saule (1236) zum Tanzen. Dass Sänger Velnias mit stark litauischem Akzent singt stellt hier alles andere als ein Hindernis dar, vielmehr sorgt es noch für das Quäntchen Atmosphäre. Dank der eingestreuten Schlachtrufe glaubt man sich auch tatsächlich mitten in den Reihen der Krieger, die sich einem ruhmreichen Sieg gegenüberstehen. Nach gleichem musikalischem Konzept funktionieren auch die weiteren Songs. Klingt auf dem Papier vielleicht langweilig, ist es aber alles andere. Die einzelnen Songs gehen sehr gut ins Ohr und wie lange hatte ich wohl „Skuodas (1259)“ als Ohrwurm. Die folkloristischen Elemente wirken auch selten überspitzt oder kitschig und fügen sich perfekt in das Gesamtkonstrukt ein. Sie erzeugen zudem noch das nötige Quäntchen an epischer Stimmung, das dann zum Beispiel „Aizkraule (1279)“ (dem letzten großen Sieg der Litauer) zu einem ganz besonderen Hörerlebnis werden lässt.

Fazit
Mit „The Baltic Crusade“ ist Romuvos ein wahres Geheimtpp-Meisterwerk gelungen, dessen Songs zwar auf eine einfache Formel reduziert werden können, am Ende aber jedes für sich ihre ganz eigene Stimmung erzeugen. Dadurch wird das gesamte Album zu einem spannenden Gesamtkunstwerk, bei dem man gar nicht möchte, dass es aufhört. So kann Geschichte Spaß machen.

Romuvos sind dabei nicht die einzige Band aus dem baltischen Raum, die versuchen mithilfe von Musik ihre Landesgeschichte einem größeren Publikum nahbar zu machen. Auch die Letten von Skyforger machen dies schon seit nunmehr 25 Jahren. Und in diesem Sinne muss auch eine gewisse Vorsicht vor solchen Bands ausgesprochen werden. Denn ein gewisser nationaler Stolz kann solchen Bands sicherlich nicht abgesprochen werden (Skyforger hatten bis 2007 z.B. ein Hakenkreuz in ihrem Logo), wodurch es dann auch ganz gerne zur Verklärung historischer Ereignisse kommt. Nicht zuletzt gehören Romuvos der litauischen Romuva-Bewegung an, die den „heidnischen“ Glauben und Brauchtum als Volksreligion wiedereinführen möchten. Nichtsdestotrotz ist „The Baltic Crusade“ ein starkes Folk Metal Album geworden, dass in keiner guten Folk Sammlung fehlen sollte.
Tracklist

  1. Saule (1236)
  2. Memel (1257)
  3. Skuodas (1259)
  4. Durbe (1260)
  5. Pukarwis (1261)
  6. The Baltic Crusade
  7. Lubawa (1263)
  8. Karuse (1270)
  9. Aizkraule (1279)

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