Gernotshagen – Ode Naturae

verfasst von Carina

Ein Ruf aus alter Zeit, Geschichten aus länger vergessenen Tagen. Dies ereilte unser Team aus Thüringen per Mail, als die Mannen der Band Gernotshagen uns ihre nunmehr vierte Platte zukommen ließen. Mit der klanglich derben Mischung aus Pagan und Black Metal, dürfen wir uns nach 9 Jahren Wartezeit nun auf „Ode Naturae“ freuen und die insgesamt acht Songs könnten überraschender nicht sein. Aber kurz zurück zur Band. Gernotshagen formierten sich 1999 um Sänger Daniel „Askan“ Möller und Gitarristen Bastian „Daimonicon“ Techet im Ort Trusetal. Inzwischen wird die Band mit Gitarrist Roman Senschuries (seit 2018), Bassist Steffen Beck, Schlagzeuger Marcus Röll und Keyboarder Sebastian Jung komplettiert. Stilistisch betrachtet ist die Band im Black Metal angesiedelt, bekommt aber durch die massiven Keyboardeinflüsse die melodische Krone aufgesetzt und verleiht den Texten um germanische Mythologie und dem Leben und Leiden damaliger Zeit einen unverwechselbaren Epos.

Der Einstieg in „Ode Naturae“ ist klassisch gehalten. Ein reines Instrumentalstück mit dem Titel „Erwachen“ bietet uns die Band um uns gedanklich auf die Reise zu schicken. Streichinstrumente aber auch das Keyboard stehen im Fokus, nur von wenigen Percussion Elementen durchdrungen und begleitet von einem leichten Hintergrundchor und gelegentlichen Tierrufen und Naturgeräuschen. Allen voran das Röhren des Platzhirsches, der auch auf dem Cover wiederzufinden ist, sticht imposant heraus. Nahtlos ist der Übergang zu „Eibengang“. Dem Tode nahe und mystisch, mit einer gewaltigen Gitarrenfront beginnt der zweite Song des Albums. Askan besingt mit seinem gutturalen Gesang den Weg ins Totenreich. Umbrüche findet man hier im Refrain, der Wechsel in den Klargesang und der Wechsel in ein etwas langsameres Tempo vermitteln hier den buchstäblichen Gang durch die Eiben durch die schwere Note. Schon mit einem Schlagzeugsolo, das den langjährigen Musikerkollegen in nichts nachsteht, folgt nun „Fahle Wege“. Die Geschichte einer nicht näher benannten Kreatur, die des Nächtens Menschen raubt und mordet.

Instrumentalpassagen lassen diesen ganzen Mythos noch dunkler und blutrünstiger wirken. Einzeln von Askan gesetzte Growls lassen die Kreatur umso lebendiger werden und ich mag hier sagen das er seinem thüringer Kollegen Michael „Blutkehle“ Roth in nichts nachsteht. Neue Hörer dieser Band würden hier eine Verwechslung der beiden Männer nicht unbedingt ausschließen. Was ich hier auch nicht unbedingt ausschließen will, ist die Nähe des Albums zum Thema Tod in jeglicher Form. Denn mit „Zyklus Tod“ wird die Jahreszeit des Todes aber auch des Neuanfangs selbst beschrieben. Durch die Tempowechsel, aber auch dem Wechsel zwischen gutturaler Stimmlage und Growling erkennt man schnell ob hier der nahende Frühling spricht oder der Winter seine Klauen nach einem ausstreckt.

Immer wieder jagt mir hier ein Schauer nach dem anderen über den Rücken. Aber so schnell wie Gernotshagen auch an Fahrt aufgenommen haben, ist mit „Transzendenz“ leider viel zu früh Schluss. Einmal mehr zeigt die gesamte Band was sie können und welch schöne Stimme Askan im Klargesang haben kann. Die zum Ende hin immer längeren und vor allem ungewohnt ruhigen Instrumentalphasen läuten das Ende dieses recht kurzen Albums ein. Aber nicht ohne noch einmal mit Schlagzeuggewitter und sauberen Riffs zu glänzen. Vor allem mit der Länge des Musikstückes haben sie sich ordentlich was vorgenommen. Wo sonst die Tracks eine Durchschnittslänge von 9 Minuten haben, trumpft „Transzendenz“ mit über 17 Minuten auf. Etwas lang für meinen persönlichen Geschmack, aber gut Ding will weile haben und ein gutes Ende benötigt eben Zeit.

Fazit

Die lange Wartezeit zwischen dem letzten Album „Weltenbrand – Die Banner hoch der Nacht entgegen“ und nun „Ode Naturae“ hat sich auf alle Fälle gelohnt. Die Tempowechsel als auch die Wechsel der Gesangsarten innerhalb der einzelnen Lieder ist perfekt auf jede einzelne Passage abgestimmt. Sebastian Jung lässt am Keyboard nicht nur das Gesamtpaket melodiöser klingen als klassischen Black Metal, sondern zeigt auch immer wieder was kleinste Nuancen im Klangbild ändern kann ohne den Kollegen die Show zu stehlen. Einziges, persönliches Manko wäre die doch etwas knapp geratene Tracklist im Anbetracht der verronnenen Zeit, aber wie Gernotshagen schon immer bewiesen haben ist Qualität was zählt und nicht die Quantität. Für Wiedereinsteiger als auch neue Hörer kann ich das Album nur wärmstens ans Herz legen und freue mich jetzt schon auf die ersten Konzerte der Band, diesmal hoffentlich als Headliner.

Tracklist

  1. Erwachen
  2. Eibengang
  3. Eisenwald
  4. Blut Für Die Meute
  5. Fahle Wege
  6. Zyklus Tod
  7. Wildnis
  8. Transzendenz

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