Interview – In Extremo

20.05.2020
Gast: Michael (Das Letzte Einhorn)
Interviewer: Tim O.
Telefoninterview (abgetippt von Sanji)

Tim: Hallo erstmal. In Extremo haben mit „Kompass zur Sonne“ nicht nur ein bärenstarkes, neues Album rausgehauen, sondern ihr feiert ja auch mittlerweile das 25. Bandjubiläum, erst mal Glückwunsch dazu.Könnt ihr als Band oder auch du als Bandmitglied es fassen, dass ihr das jetzt schon so lange durchgezogen habt?

Michael: Ja vielen Dank dafür. Das ist ja schon einige Zeit auf alle Fälle ja. Das ist ja natürlich Realität, da gibt’s natürlich schwierige Zeiten… Ich sage mal es ist wie immer in einer alten Ehe,du hast auch Schwierigkeiten, es gibt Sonnentage und das ist aber auch spannend und macht es eigentlich auch aus.

Tim: Wie fühlt es sich eigentlich an wenn man sagen kann man ist eigentlich schon Veteran in der Musikszene?

Michael: * lacht* Ja das ist ja nicht zu verleugnen mittlerweile. Aber.. ich meine man liest ja manchmal auch solche Kritiken… da war neulich so eine ganz komische…was heißt komische…es ist ja auch ganz normal… schrieb ein Journalist: “die sind ja auch bisschen gealtert.“ ich meine wir sind alle über 50 Jahre alt. Das ist also völlig normal kann ich nur die Antwort geben. Und als Veteran…ich meine ich würde das anders ausdrücken… das ist mehr so eine wunderbare schöne Erfahrung. Weil wir sind noch nicht am Ende.

Tim: Das hoff ich doch. Ihr spielt ja eine eher ungewöhnliche Kombi. Also Mittelater und Rock. Das ist ja nun mal nicht alltäglich in der Musikszene. Aber ihr habt es ja geschafft diese Mittelaltermusik ja quasi…ich will jetzt nicht Massentauglich sagen… aber sie zumindest populärer zu machen.

Michael: Ja wir haben die Sallonfähig gemacht. So würde ich das ausdrücken. Ich meine mich erinnert zu haben an die Anfangstage. Wir kamen von mittelalterlichen Märkten und haben die ersten Gehversuche mit Rock gemacht. Da gab´s halt ganz, ganz viele Leute die gesagt haben: „ach was ist das denn für ein Mist? Was soll das denn? Und was ist das denn?“, aber wir haben uns einfach nicht beirren lassen. Wir haben einfach nicht rechts und links geguckt, sondern sind einfach unseren Weg gegangen. Und wie man ja sehen kann schon ziemlich lange.Wir haben natürlich auch gute Fans das gehört alles dazu. Wir haben uns das ja auch letztendlich erspielt und da kann man schon…naja stolz ist ein doofes Wort, aber ja… man ist schon stolz da drauf.

Tim. Kannst du das mal für uns rekapitulieren wie es damals zu der Gründung kam?

Michael: Das war eine ganz einfache Sache.Ich komme aus dem Rockbereich. Ich hab früher in Rock, Blues und in Schweinerockbands gespielt, also so richtig dreckiger Rock. Und dann hab ich von 1990 an auf Mittelaltermärkten gestanden und immer die Vision gehabt: das muss verrockt werden. Und dann mit meiner alten Band, da ging dann garnichts mehr nach der Wende, schlussendlich hat sich alles verstreut. Ja und dann einige Jahre später hab ich meinen alten Kollegen gefragt: habt ihr nicht mal Lust hier so ein Konzert mitzumachen? Also paar Rocksongs?. Tja gesagt, getan und so ist dann In Extremo die Rockband entstanden. Also eigentlich mehr oder weniger eine Kneipenidee.

Tim: Wie schon gesagt ihr macht das Ganze ja schon sehr lange und habt diese Musik ja auch Sallonfähig gemacht. Aber wie war das denn damals zu DDR Zeiten? Weil heutzutage ist es ja recht einfach als Musikfan zu sagen „ich mach jetzt auch mal Mittelaltermusik.“ und kauf mir einen Dudelsack.

Michael: Ja das war ja auch selbst nach der Wende schwer einen Dudelsack zu bekommen. Heute gibt’s Dudelsackbauer da kannst du von der Stange kaufen. Wir haben die Dinger selber gebastelt, die haben manchmal auch schief geklungen, aber das war uns egal. Das hat alles Hand und Fuß gehabt. Ja wir haben selbstgebaute Instrumente gehabt und haben aus eigentlich nichts viel gemacht. Und ja… ich kann das gar nicht so genau erklären…. Da bräuchten wir Stunden zu * lacht*

Tim: Also ich hab Zeit * lacht *

Michael: * lacht * Ja ich hab auch Zeit. Ja wir haben einfach…. Also das kannst du eigentlich mit heute gar nicht vergleichen. Heute gehst du in einen Laden und kaufst dir so einen. Ich kann mich erinnern zu DDR Zeiten, ich hab damals noch in diesen sogenannten Rockbands gespielt, da haben wir stellenweise noch über diese alten Küchenradios gespielt. Die hast du dann vor dem Konzert umgelötet damit du keinen Radio empfangen hast. Das waren dann unsere Verstärker und Boxen. Ja das war schon krass ja. Aber das ist natürlich auch eine sehr gute alte Schule?!

Tim: Klar das kann man heutzutage nichtmnehr von sich behaupten.

Michael: Ja aber jede Zeit hat halt eben seine Zeit.

Tim: Wie seid ihr oder du damals auf Mittelaltermusik gekommen? Weil in der DDR war das ja nun nicht unbedingt en vogue.

Michael: Naja in der DDR hab ich das ja noch nicht gemacht, da hab ich ja noch in den Rockbands gespielt. Das kam dann eher zu der Wendezeit so ´89, ´90 rum hab ich damit angefangen. Und auch eine ganz alte Geschichte. Es ging ja nun nichts mehr, du musstest deine Miete verdienen irgendwo hab ich in irgendwelchen Kneipen gespielt und da kamen Nachts irgendwann mal paar Leute rein mit einem Dudelsack und Lederklamotten. Und einer fragte mich dann: „du sage mal kannst du Trommeln?“, „ klar einen 4/4 krieg ich noch hin.“. „Ja gut ich hol dich morgen früh ab, ich hab einen großen Mittelaltermarkt.“ und der stand wirklich morgens um 11 bei mir vor der Tür. Ich dachte er spinnt und 3 Stunden später stand ich in Rostock auf dem Mittelaltermarkt und da war´s um mich geschehen. Aber auch davor schon hab ich mich oft auf Mittelaltermärkten rumgetrieben, weil ich das einfach ínterressant fand und auch schön fand. Das war für mich auch so ein Auffangbecken für anders denkende.

Tim: Dann war die Begegnung auch eher so etwas schicksalhaftes.

Michael: So kann man das auch sagen ja.

Tim: Gibt es noch Kontakt zu denen?

Michael: Ja den ein oder anderen kennt man heute immernoch. Und wenn man sich sieht ist das wie ein altes Klassentreffen. Und man erzählt sich alte Geschichten und ja… ist einfach schön. Mit dem einen kann man besser, mit dem andern kann man nicht so gut, aber das ist auch ok so.

Tim: 98 habt ihr dann richtig angefangen Rockmusik zu machen….

Michael: Nja wir haben schon früher angefangen, wir haben schon richtig früh angefangen, aber da kam dann das erste richtige Album raus. Wir haben schon zwei, drei Jahre vorher die ersten Gehversuche mit Rock gemacht, aber das erste Album, also das erste offizielle Rockalbum kam Ende 97, 98… weiß ich jetzt garnicht mehr so genau.

Tim: Ich kann mir vorstellen, dass die ersten Bewertungen ziemlich eigenartig waren oder die ersten Kritiken dazu.

Michael: Ja. Für einige Leute war es natürlich total Grotte und für einige Leute war esnatürlich… oh das mal was anderes. Interessant was ist das denn?. Joar und der Rest ist dann schnell erzählt.den Werdegang kennt ja dann jeder.Wir haben uns da nicht beirren oder beeindrucken lassen von diesen Kritiken. Wir sind unseren Weg gegangen. Und heute gibt es ganz viele Bands die einen Dudelsack haben. Was auch Ok ist.

Tim: Ihr habt ja mittlerweile sehr gute und sehr große kommerzielle Erfolge mit den Alben. Vier eurer Alben sind auf Platz eins der Charts gelandet. Auch das neue, Glückwunsch dazu.

Michael: Ja da freut man sich besonders drüber. Gerade in der heutigen Zeit. Das war schon eine schwere Geburt… wir mussten das Album verschieben, weil alle Märkte zu hatten. Du kannst ja kein Album rausbringen, wenn alle Verkaufsstellen zu haben. Das ist albern. Man kann zwar viel bestellen über´s Internet, aber selbst dieser Button von Amazon war gesperrt eine zeitlang. Da steckt man natürlich die Köpfe zusammen und berätst was macht man nun. Das ist uns einfach nicht leicht gefallen, aber wir sind dann zu dem Entschluss gekommen und es verschoben. Da kann man sich nur bei den Leuten bedanken die einfach die Geduld aufgebracht haben. Und das ist einfach nur Grossartig.

Tim: Kann man das schon als Zeichen der Hingabe werten oder als Rückhalt?

Michael: Ja definitiv.

Tim: Hättet ihr denn zu der Zeit damals, also wenn ich an „Weckt die Toten“ denke, gedacht das ihr da ankommen würdet wo ihr heute steht?

Michael: Nein, nein * lacht *. Nee an sowas denkst du natürlich nicht. Weckt die toten das war schon ganz kurios. Das hat sich echt gut verkauft damals. Wir waren uns der Sache gar nicht richtig bewusst. Wir kamen von der Strasse, von Mittelaltermärkten und plötzlich kaufen ganz viele diese CD. Das war für uns irre. Wir haben dann auch schlechte Verträge unterschrieben und so weiter. Das typische Lehrgeld was jeder bezahlen muss und ja… aber wir hätten nie gedacht, dass das solche Ausmasse annimmt. Ich meine man gründet natürlich eine Band, weil mit der Band Erfolg haben möchte. Alles andere ist für mich eine Lüge. Es gibt ja Leute die sagen „wir wollen nur Musik machen für uns selbst und nur im Proberaum sitzen und unsere braucht überhaupt keiner hören.“. Das ist für mich so wie ein Journalist der sagt „ich schreibe nur für mich selber.“. Ein Journalist möchte auch, dass seine Zeilen die ganze Welt liest. Das ist auch in Ordnung und legitim, alles andere ist Blödsinn.

Tim: Ihr habt also nie gedacht „wir wollen mal regelmäßig die Columbiahalle vollmachen.“?

Michael: Nein natürlich nicht. Das waren Träume und ich meine wenn man das erwähnt…. Das Konzert mit den wenigsten Zuschauern was wir jemals hatten, dass war vor 70 oder 75 Leuten, das war Oppe und Texas und das größte was wir mal gespielt haben das war in Polen auf dem Woodstock Festival vor 650.000. Wenn das einer damals erzählt hätte, dann hätte ich gedacht ja du spinnst. Das ist unglaublich.

Tim: Also habt ihr versucht auf dem amerikanischen Markt Fuß zu faßen?

Michael: Wir haben dort sehr oft gespielt ja.

Tim: Wie ist es eigentlich in Amerika solche Musik zu spielen? Ich meine Rammstein haben Erfolg dort weil sie Deutsch sprechen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das mit jeder Band funktioniert.

Michael: Das war kurios. Es gibt zwei Geschichten. Also wir haben einmal, das ist auch schon eine ganze Weile her, in dem legendären leeren Whiskija Gogo? in Los Angeles gespielt und wir sind da angekommen und wir haben ja nur gewusst, dass da ein Haufen Bands spielen und dachten:“ja gut haben wir hier also die Arschlochkarte.“ Haben hier also mittags um drei gespielt. Dabei waren wir da Headliner, aber das wussten wir ja gar nicht. Das war einfach unglaublich was da auch abging. Und dieses Konzert von MTV das wurde einige Jahre lang wirklich wöchentlich oder jede zweite Woche in ganz Südamerika auf den Kanälen ausgestrahlt. Das lief rauf und runter. Dann haben wir da in Mexiko gespielt oder überhaupt in Südamerika und das Stellenweise vor 15/20000 Leuten. Oder sind dann nach Argentinien oder Chile. Also das war einfach wunderbar. So das was man sich einfach so erträumt eigentlich. Wir sind eigentlich sehr oft im Ausland. Wir waren fast überall auf der Welt. Außer in Australien und in Afrika noch nicht. Ansonsten haben wir den Globus schon ziemlich hoch und runter gehoopt.

Tim: Und was würdest du sagen war da das einprägsamste Konzerterlebnis International betrachtet?

Michael: Das war auf dem Frieda Carlos in Zuccalo in Mexico City. Wir hatten irgendwo gespielt und irgendjemand hat uns gesehen und uns gefragt ob wir da frei hätten und dort spielen können. Wir hatten dort wirklich frei und haben dann dort gespielt und das war ein Platz, der war bestuhlt. Und dann standen da plötzlich 15/20000 Leute,da war kein Autodach mehr ganz, die ganzen Straßenlaternen waren verbogen, weil die Leute dran gehangen haben, da stand kein Stuhl mehr. Danach wurden wir dann mit einer Polizeieskorte in einen Sicherheitsraum gefahren zu so einer Aftershowparty, mit gepanzerten Wagen. Das kann man sich gar nicht vorstellen, also wirklich wie im Film. Aber dann bist du so fünf Tage später wieder irgendwo in Deutschland auf einem Flughafen und alles ist normal.

Das ist natürlich ein einschneidendes Erlebnis gewesen. Oder wir haben da einer Wetten Das!? Show gespielt, die gibt es dort auch. Das wurde aber in ganz Südamerika ausgestrahlt, das hat irgendwie eine knappe Milliarde Einschaltquoten und dann haben wir da drin gespielt. Und dann war es nicht mehr möglich, dass wir das Hotel betreten können. Wir sind da durch Hintereingänge geschleust worden und so weiter. Das war wirklich ein schönes Erlebnis einfach auch. Das sind halt so kleine Anekdoten die mir dazu einfallen.

Tim: Verkaufen sich die Alben denn da auch gut oder ist das eher für Livekonzerte?

Michael: Eher Live. Das war natürlich damals eine ganz andere Zeit, da ging das ein oder andere Album, aber das ist natürlich auf der ganzen Welt so, dass das weniger geworden durch die ganze Streamerei oder die ganze Schwarzbrennerei als es damals angefangen hat. Also so ein offizieller Diebstahl so würde ich das bezeichnen.

Tim: Das Album mein rasend Herz war ja dann der richtige Durchbruch für euch. Das erste was die Top Ten geknackt hat.

Michael: Ich glaube Sünder ohne Zügel war auch schon Top Ten. Das ist leider zu einem ganz beschissenem Datum raus gekommen, und zwar am 11.11. als die Flieger in das World Trage Center geflogen sind. An dem Tag hatten wir Record Release Party und ja… wir saßen dort alle wie die Trauerklöße und, verständlicher Weise weil wir dachten jetzt :“ oh Gott was geht jetzt ab hier auf der Welt?“. Und es war ein Scheißdatum, trotzdem ist zur damaligen Zeit schon durch die Top Ten gegangen und dann ging es aber mit Rasend Herz weiter ja.

Tim: Das ist im übrigen auch das Album mit dem ich dann Fan geworden bin. Es ist ja mit so einer Grundstimmung von Sehnsucht zur See geprägt. Ist das auch ein Thema was dich persönlich angeht?

Michael: Ach das betrifft uns alle. Seemannsromantik hat immer auch was von Freiheit. Das ist auch kein Seemannsalbum. Der rote Faden zieht sich durch fast jedes Album, es gibt immer ein, zwei Stücke die von Freiheit und von Seemannsgarn handeln. Das bedeutet einfach auch Freiheit und man kann da auch richtig schöne Worte finden, weil das einfach auch einen richtig berührt logischerweise, sonst würden wir das ja auch nicht machen.

Tim: Ich frage deshalb weil du ja auch immer mal wieder in Kroatien unterwegs bist.

Michael: Das ist meine zweite Heimat ja.

Tim: Du gehst da auch richtig fischen wenn ich das richtig gesehen hab?

Michael: Richtig, jaja. Mit einem großen Kutter.

Tim: Also richtig professioneller Fischfang oder?

Michael: Jaja. Du bist dann auch mehrere Tage auf See, du siehst auch kein Land…gar nichts. Du schläfst auf einer Holzpritsche, zwischen den Planken und so jaja. Du hörst eigentlich nur den Dieselmotor 24 Stunden und das 5 Tage * lacht *.

Tim: Kann man sich bei einem Rockstar garnicht so richtig vorstellen. Andere Rockstars gehen im Urlaub nach Miami und sonnen sich *lacht *

Michael: Ja können sie ja alle machen, kann ja auch jeder machen wie will. Das ist für mich ja auch Entspannung. Das hat für mich was Handfestes, ich leg mich auch gern mal an den Strand, natürlich auch das.

Tim: Ihr habt ja auf Mein rasen Herz das erste richtige Duett gespielt mit Marta Jandová beim Titel Horinzont.

Michael: Die Marta von Die Happy jaja. Wir kannten uns… ich kann mich erinnern das wir mit Die Happy damals die ersten Rockshows, unter exhaldurs tours hatten wir die ersten Rockshows gebucht und Die Happy war mit uns zusammen. So haben wir uns damals kennengelernt, die hatten auch gerade angefangen und so hat man sich kennengelernt. Und natürlich entsteht dann auch eine gewisse Freundschaft daraus und man trifft sich immer wieder mal auf Festivals und so weiter. Und wir haben sie damals einfach gefragt ob sie nicht Lust hätte bei Horizont mitzumachen. Da hat sie ja gesagt und dann ging das weiter.

Tim: Die anderen Zusammenarbeiten mit anderen Künstlern sind ja jetzt etwas ungewöhnlicher würde ich sagen. Mit Heaven Shall Burn, Mille Petroza hätte man jetzt am wenigsten gerechnet.

Michael: Ach du wir haben mit Thomas D., mit Rey Garvey, mit Paddy Kelly, mit ganz vielen Leuten haben wir zusammen gearbeitet. Und bei In Extremo ist man vor keiner Überraschung sicher. Wir mögen das auch mit Leuten zusammen zu arbeiten, die aus anderen Genre, wo eigentlich keiner mit rechnet, weil bei einer Dudelsack zu fragen ist Quatsch das machen wir ja selber. Das ist auch ein Anreiz und das hat auch was mit Respekt zu tun. Das ganz viele Leute einem Respekt zollen und das einfach auch total schön.

Tim: Das heißt ihr sucht auch teilweise ganz gezielt die Kontraste. Sowas wie Johann Hegg von Amon Amarth oder so?

Michael: Ja natürlich. Und das sind natürlich auch Freundschaftsbeziehungen, man lernt sich auf den Festivals kennen oder beim Echo oder wo auch immer weißt du und mit dem einen kann man eben gut, oder ich werd ja auch ab und zu gefragt. Und was mir das gefällt oder zusagt mach ich dann auch sehr gern, sonst würd ich das ja nicht machen. Für uns ist das immer irgendwie schön auch manchmal mit anderen Leuten zusammenzuarbeiten, das macht einfach auch Spaß.

Tim: Das glaub ich. Musstet ihr auch schonmal Anfragen ablehnen?

Michael: Ja natürlich, aber da möchte ich jetzt auch nicht drüber reden. Das gab schon die ein oder andere Band wo ich mich gefragt hab:“ Äh Moment mal.“.

Tim: Du hast ja schon erwähnt das ihr auf der ganzen Welt tourt und ihr spielt ja auch in sehr großen Hallen. Aber hin und wieder seid ihr ja auch auf diesen kleineren Burgen auf Tour.

Michael: Naja was heißt klein, also da passen dann auch schon mal drei bis viertausend Leute drauf. Es sind schon große Burgen und große Schlösser die wir uns dann aussuchen, weil es ist einfach mit unserer Musik ein schönes ambiente und das haben wir auch vor zwölf oder dreizehn Jahren schon mal ins Leben gerufen und das dann fortgeführt. Ja heute gibt’s natürlich auch ganz viele Bands die dann auch auf irgendwelchen Burgen Shows machen wollen. Ja… man kann das gut finden oder auch nicht gut finden, dass muss jeder selber wissen. Ja manchmal ist es auch gut wenn man was eigenes im Kopf hat weißt du. Es gibt viele Sachen die man ausprobieren kann, aber wir werden das weiterhin fortführen. Das macht uns einfach total Spaß und das Ambiente das ist einfach…ja. Den Leuten gefällt das total, weil es was anderes ist als eine Rockhalle auf alle Fälle.

Tim: Wäre es nicht langsam Zeit sich Gedanken zu machen, sich eine eigene kleine Burg zu kaufen?

Michael: Ach das ist doch Quatsch * lacht *. Es gibt so viele schöne Burgen, das hast du richtig Arbeit. Wenn du eine Burg hast bist du ja nur am arbeiten, ich glaube das ist nicht so easy so ein Ding immer wieder in Stand zu setzen.

Tim: Du hast ja vorhin schon das Woodstock Festival erwähnt mit 650000 Leuten. Würdest du behaupten, dass das eins der größten Festivals der Welt ist?

Michael: Ja das kann man so sagen. Es gibt noch Rock in Rio… es gibt glaub ich noch ein, zwei. Das war damals glaub ich schon eins der größten der Welt und wir sind da auf die Bühne. Das ist… Wenn man Wacken kennt, dann muss man sich vorstellen dann stehen da noch 500000 mehr als auf dem Wacken vor der großen Bühne. Das ist fünf mal so viel, das ist unfassbar. So weit kann man gar nicht schauen. Ich hab da mal die Leute gefragt:“ könnt ihr alle mal eure Hände hoch nehmen?“ und die sind da mit Lichtern. Man konnte das gar nicht … das Auge konnte das gar nicht mehr wahrnehmen, das war unfassbar. Ein sehr schönes Erlebnis ja.

Tim: Gibt es eigentlich noch Luft nach oben?

Michael: Ja ich meine das weiß man nicht. Vielleicht kann man am Rock am Rio spielen, es ist alles möglich. Das ist bis Dato das größte Erlebnis, also das größte von den Zuschauerzahlen her. Wenn sich sowas nochmal anbieten, wär man ja dumm wenn man da nein sagen würde.

Tim: Klar. Und gibt’s noch irgendwas was du gerne mit In Extremo erreichen würdest?

Michael: Ja ganz einfach. Ich möchte einfach das wir weiter gesund bleiben, das wir einfach noch viele schöne und viele weitere Jahre Konzerte spielen können. Und vielleicht noch das ein oder andere Album rausbringen können. Das ist eigentlich ein Wunsch von mir.

Tim: Also alles sehr bodenständig.

Michael: Absolut.

Tim: Sehr gut. Wie vorhin schon erwähnt ist ja Kompass zur Sonne das neue Album von euch. Verdient auf Platz Eins wie ich finde. Das ist ja Album Nummer 13, welche ja eigentlich eine Unglückszahl ist. Hattet ihr vorab Angst, dass es unter einem schlechten Stern stehen würde?

Michael: Eigentlich nicht. Es gab auch Überlegungen ob wir das vielleicht auch irgendwas mit 13 nennen sollen, aber das wollte man dann auch nicht. Wir wollten auch in der heutigen Zeit einfach ein positives Signal in die Welt senden. Und daraus ist dann Kompass zur Sonne entstanden. Also jetzt unabhängig von der Coronakrise, also auch so. Weil es egal ist ob du TV anmachst oder Zeitung liest, du wirst nur noch mit Müll bombadiert und da war es ma wieder richtig nicht etwas mit 13 zu machen, sondern einen positiven Albumtitel zu wählen. Daraus ist Kompass zur Sonne entstanden, weil auch bei dem Titelsong dieser Satz mit vorkommt. Und ja… alle haben genickt und gesagt das ist gut. Und so ist das eigentlich entstanden.

Tim: Ok. Ihr habt ja, wie ich gesehen habe, zwischen Quit pro Quo und Kompass zur Sonne eigentlich die größte kreative Pause gemacht. War das Absicht oder Notwendig nach Quit pro Quo?

Michael: Was heißt kreative Pause? Es waren nicht mal vier Jahre. Das lag einfach daran, dass wir mit Quit pro Quo knappe vier Jahre nur getourt sind. Das war der Grund. Weil du brauchst ja auch Zeit um ein Album zu machen, du musst Songs schreiben etc.. Da hängt ganz viel dran und da brauchst du einfach auch Zeit, du kannst ja nicht mal auf die schnelle was da hin schreiben. Das bedarf alles schon Überlegung. Wir haben dann einfach uns die Zeit genommen, und ich finde auch persönlich, dass drei Jahre nicht so viel sind. Man muss nicht jede zwei Jahre ein Album raus bringen.

Tim: Ja das stimmt. Ich meine es gibt Bands die hauen alle halbe Jahre ein Album raus.

Michael: Ja… Das ist beachtenswert, aber das ist nicht unser Ziel.

Tim: Was mir aufgefallen ist, ihr habt ja klassische Songs wie „ schenk mir mal ein“ oder…

Michael: Ja „schenk mir mal ein“ ist natürlich ein sehr spezieller Song ne.

Tim: Ich meinte eigentlich Songs die für die Fans leicht mitzusingen sind. Aber auch Songs wie „Saigon und Bagdad“ genauso wie „Lügenpack“ die ja, für euch zumindest, ungewohnt politisch sind.

Michael: Also wir sind keine politische Band und werden es auch niemals werden. Wir haben das auch bei Quit pro Quo mit dem „Vaterland“ gemacht und haben das jetzt mit dem „Saigon und Bagdad“ auch ein Kriegsthema angefasst. Das hat auch einen speziellen Grund, weil du kannst keine Nachrichten mehr schauen ohne mit Kriegsbildern zugebombt zu werden. Wir wollten das einfach mal anfassen das Thema, weil man nicht drum rum kommt. Weil einen das selber beschäftigt den ganzen Tag. Wir leben hier in Saus und Braus und Frieden, das ist einfach total schön, aber wenn du mal die Landesgrenzen verlässt… was da manchmal… also was du da manchmal siehst, das ist einfach nicht schön.

Bei „Saigon und Bagdad“ kann man auch das Kind beim Namen nennen, haben wir auch ganz viel. Das sind alles Städte oder auch Länder wo die Amis schön ihren Fuß drinne hatten oder haben und dort verbrannte Erde hinterlassen haben. Und das war uns einfach mal wichtig. Da ist grad so ein Spacken an der Macht bei denen irgendwie, der die ganze Weltherrschaft durcheinander bringt irgendwie und das finden wir einfach nicht gut. Wie gesagt wir sind keine politische Band und werden das auch niemals werden, aber mal den Zeigefinger hochheben und einfach mal zum Nachdenken animieren, das war uns wichtig.

Wir werden´s nicht verändern können, aber einfach das die Leute vielleicht mal drüber nachdenken.Wir sind auch nicht die Band die mit Brechstange jetzt so auf den Finger drauf zeigt und sagt:“ du musst jetzt so und so machen.“ das waren wir noch nie. Und bei „Lügenpack“ ist das einfach so, das kann jeder für sich selber herausinterpretieren ob das politisch gemeint ist oder ob es um Leute die einen anlügen geht. Für uns ist es ganz klar, man braucht keinen Namen nennen, was man natürlich machen kann. Wenn du zum Beispiel das Desaster was gerade in Thüringen abgeht, dass dort so ein Faschist irgendwelche Reden auf der Strasse halten kann oder mit Hitlergrüßen durch die Stadt Leute gehen können ohne bestraft zu werden kotzt mich das einfach dermaßen an. Ganz einfach. Und das muss man einfach mal erwähnen und man muss einfach mal Flagge zeigen.

Tim: Das find ich auch super. Ich find´s gut, dass ihr das macht. Und es zumindest so eindeutig zweideutig macht. Das ist zumindest auch ein Song den ich mir Live gut vorstellen kann ohne das es eine politische Wirkung hat. „Salva Nos“ und „Biersegen“ sind ja wieder mal klassische Mittelaterstücke wie man´s von euch kennt. Wie kommt ihr eigentlich auf diese ganzen Stücke? Wenn ich überlege wie lange ich gesucht habe um für meine Review zu dem Album etwas zu dem Titel „Salva Nos“ zu finden.

Michael: Ja das ist ein uraltes Mittelalterstück, was die ganze Mittelalterfraktion von früher kennt. Viele kennen das gar nicht, aber das ist aus einer alten Liedersammlung. Aus denen kramen wir immer mal wieder etwas aus. Das macht halt Spaß das zu verrocken. Es ist halt ein traditioneller Text und wir schreiben die Musik dazu, was klar ist. Und beim „Biersegen“, das ist aus der Camina Burana, dort gibt es eine Benedikter Liederhandschrift. Das waren ein paar Pfaffen die verbotene Sachen aufgeschrieben haben. Biersegen bedeutet einfach soviel, der Papst säuft und hurt, wir huren und lass uns das doch einfach offiziell machen. Also das ist schon ziemlich und alle trinken, ob´s der Papst ist, ob´s der Pfarrer ist, ob´s der Bettler ist oder was weiß ich. Aber die Melodie… Das ist eine italienische Rotter, so heißt das Stück. Das haben wir früher schon auf dem Mittelaltermarkt gespielt und wir wollten das Lied schon immer mal verrocken und das haben wir hiermit jetzt getan.

Tim: Ist auch wirklich gut geworden.

Michael: ja danke.

Tim: Schwer mitzusingen wegen dem Latein, aber ich find´s ziemlich cool.

Michael: Einfach Lalala… Geht auch immer *lacht *

Tim: Vor allem mit ein, zwei Bier in der Hand.

Michael: * lacht *

Tim: Wer ist eigentlich diese Gogiya die ihr da besingt?

Michael: Gogiya ist ein Gebiet in Karkasien im ehemaligen Russland. Wir beschreiben einfach, wir haben ganz viele russische Fans, wir sind Fan und sind auch sehr viel in Russland, wir haben auch auf dem letzten Album schon einen russischen Song gemacht und das ist auch eine Aumage an unseren russischen Fans. Ja… das ist ein Gebiet in Karkasien, Gogiya, und ja… wir beschreiben einfach die Schönheit des Landes und ja… was soll ich dazu sagen?

Tim: Ok, ich hab´s versucht zu googlen und Google gibt mir nur euren Song wieder * lacht *. Du hast ja schon die Coronakrise erwähnt. Eigentlich wärt ihr ja schon wieder auf Tour fast.

Michael: Ja wir wären mit der ersten Tour schon fertig gewesen ja *lacht *.

Tim: Das heißt ihr habt ja jetzt ungewöhnlich viel Freizeit. Wie vertreibt man die jetzt?

Michael: Naja man beschäftigt sich natürlich. Ich hab zum Glück einen Garten. Ich spiele zur Zeit viel Gitarre, man beschäftigt sich viel mit Musik, ich höre auch ganz viel Musik in letzter Zeit. Ja… bin sehr viel draußen, mache hier und da was. Also mir wird’s nicht langweilig, obwohl mich das jetzt nicht auf Tour sein können, wir haben uns auch so drauf gefreut, das kotzt uns natürlich total an. Wir könnten alle im Strahl kotzen auf gut deutsch gesagt. Das ist einfach nicht schön und die Kultur wird auch wahrscheinlich das letzte Glied in der Kette sein was wieder starten darf. Und warum und weshalb? Ich weiß es einfach nicht und das ist alles nicht schön grad. Und wir können einfach nur abwarten und müssen alles da durch und ich hoffe das es bald weiter geht.

Tim: Alle fahren jetzt auf den Streamingdienst ab, also auf das sie jetzt Konzerte streamen. Ist das bei euch auch geplant?

Michael: Ich muss ganz ehrlich, ich möchte eigentlich nicht vor Computern spielen Punkt. Und jeder der eine Holzgitarre hat und Liedermacher und irgendwelche Bands spielen jetzt mit umgedichteten Coronasongs… wenn ich ganz ehrlich bin, ich finde das furchtbar.

Tim: Das kann ich gut verstehen. Ich find´s auch befremdlich Konzerte zu sehen wo die Band nur im Studio steht.

Michael: Ja klar… Ich meine die Leute haben nichts, ich meine viele freuen sich auch dadrüber. Ich will das jetzt auch nicht so verurteilen weißt du, ich rede nur von mir. Ich persönlich, dass ich das nicht gut finde. Manche mögen das total, das ist auch ok. Ich möchte jetzt auch nicht die große Klappe haben, dass irgendwie jetzt nieder zu schmettern, das Recht hab ich gar nicht dazu. Aber wenn ich jetzt nur von mir persönlich rede, finde ich das ganz furchtbar. Ich möchte nicht vorm Computer spielen.

Tim: Das kann ich gut nachvollziehen. Nutzt ihr denn die Freizeit für Album Nummer 14?

Michael: Nein überhaupt nicht. Wir haben viel zu tun gehabt, das Album ist jetzt gerade raus gekomm, ist jetzt die zweite Woche draußen, immer noch Top Ten wie ich vorhin gesehen hab. Das ist wunderbar und ich mache viele Interviews nebenbei. Ich habe auch gleich wieder noch eins und das gehört eben alles da zu. Wir wollen das Album erstmal promoten und das Album erstmal live spielen,bevor wir da an ein neues Album denken. Das ist nicht so unser Ding. Und außerdem leben wir alle verstreut und jetzt alle mal zu treffen und dann Wochenlang im Proberaum rumzuhäng, das haben wir gerade die ganze Zeit im Studio gemacht und ich glaube das ist mal ganz gut das wir wieder in die Welt raus gehen.

Tim: Also genießt ihr erstmal noch den Sonnenschein den der Kompass euch gebracht hat.

Michael: Ja natürlich klar.

Tim: Das waren jetzt so weit meine Fragen ich bedanke mich vielmals für deine Zeit.

Michael: Ja kein Thema. Sag liebe Grüße an die Hörer oder Leser.

Tim: Die sind hiermit ausgerichtet und ich hoffe das ihr auch weiterhin viel Erfolg mit dem neuen Album haben werdet und das wir uns sehr bald live sehen werden.

Michael: Ja vielen lieben Dank. Ja dann meld dich einfach. Ich danke dir. Tschüss

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