Steel Panther

Support: Wayward Sons
28.01.2020
Huxley‘s Neue Welt
Berlin

verfasst von Laura L.

An einem nasskalten Januartag war es mal wieder so weit – zum nunmehr sechsten Mal heizte die Glam-Rock Band Steel Panther das Huxley’s mit gewohnt anzüglichen Songs und Worten ein. Auch dieses Mal wusste man sofort beim Verlassen des U-Bahnhofes Hermannplatz, dass man sich nicht in der Venue geirrt hat. Überall begegneten einem Frauen – und auch Männer – die sich in ihre sexieste Spandexleggings gequetscht haben, sich entweder eine Perücke aufgesetzt haben oder wenigstens ein Bandana tragen und der Späti um die Ecke spielt auch schon „Community Property“ zur Einstimmung. Dieses Steel Panther Konzert sollte schon mein viertes oder fünftes werden, von daher wusste ich schon ziemlich genau, was mich erwarten würde 🙂

Mit zwei Sachen habe ich aber definitiv so nicht gerechnet: Erstens: Wie verdammt kurz die Schlange am Eingang war, als ich gegen 19:30 ankam. Und Zweitens: Wie verdammt lang die Schlange an der Garderobe war. Gefühlt stand ich dort eine halbe Stunde an, was die Laune leider ein wenig trübte.. Vielleicht wäre es zur Winterzeit, wo jeder mindestens eine Jacke dabei hat, besser auch die Garderobe im Erdgeschoss zu öffnen. Noch pünktlich schaffte ich es dann aber in die Menge, die noch sehr locker stand, so dass ich gar nicht mal so weit weg von der Bühne landete.

Um 19:57 betrat dann die erste und zugleich letzte Support-Band des Abends die Bühne. Wayward Sons ist eine Hard Rock Band aus Großbritannien von denen ich vorher tatsächlich noch gar nichts gehört habe. Vom geschätzten Alter und dem Look der Bandmitglieder hätte ich sogar fast gedacht, dass die Band schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat, jedoch wurde ihr Debütalbum „Ghosts Of Yet To Come“ erst vor drei Jahren veröffentlicht.

Leider schien ich aber nicht die einzige zu sein, die dieses Album nicht kannte und irgendwie auch nicht so viel mit der Band anfangen konnte. Man kann nicht sagen, dass sie sich nicht bemüht hätten… Vor allem der Sänger versuchte immer wieder durch Worte das Publikum anzusprechen, aber der Funke wollte einfach nicht überspringen. „Are you still with me???“ Hmm irgendwie nicht so richtig… Außer ein paar wenigen wackelnden Köpfen gab es nicht viel Reaktion aus dem Publikum. Irgendwie tut mir das ja auch immer sehr leid für die Supportacts, aber wenn ich so an die beiden Vorbands des letzten Steel Panther Konzertes denke, konnten sie damit einfach nicht mithalten. Wer meine letzte Review gelesen hat, weiß sicherlich, wie sehr mich Kissin‘ Dynamite und Battle Beast überzeugt hatten. Obwohl ich auch diese Bands vorher so gut wie gar nicht kannte, habe ich mich direkt in sie verliebt und bin danach auch zu ihren Headlineshows gegangen.

Vielleicht würde mir die Musik von Wayward Sons besser gefallen, wenn ich mir in einer ruhigen Minute das Album anhöre, aber an diesem Abend war ich fast erleichtert, als sie um 20:45 wieder die Bühne verließen. Und dabei möchte ich wirklich nicht die Band an sich schlecht reden, aber ich glaub jeder kennt diese Momente während des Supportacts, wo man sich fragt, wie lange es wohl noch geht und wann endlich der Headliner anfängt, damit man auch noch seine letzte Bahn nach Hause erwischt.

Was ich hier noch einschieben muss ist, dass sich während des letzten Songs eine größere Gruppe angetrunkener verkleiderter Steel Panther „Fans“ ohne Rücksicht auf Verluste nach vorne gedrängelt hat. Ich weiß ja, dass wir (fast) alle gern möglichst dicht an der Bühne stehen wollen, aber doch bitte nicht um jeden Preis und so verdammt dreist. Vielleicht nächstes Mal nicht so lange mit Vorglühen verbringen und sich früh genug für die erste Reihe anstellen 😉

Aufgeheitert wurde ich dann wieder durch die Musik, die während der Umbaupause durch die Lautsprecher hallte. So wurde sich mit Songs wie „Rock You Like A Hurricane“, „Lick It Up“ und „Poison“ schon mal warm gesungen.

Nach und nach verwandelte sich die Bühne dann in eine typische Steel Panther Bühne: das Backdrop fährt hoch, das Glitzertuch hängt an Lexi‘s Mikrofon Ständer, daneben liegen Spiegel und Haarspray bereit, am Drumset hängt ein Dildo und Michaels Hüte sind auch parat.

Na dann los: 21:15 – Licht aus und Intro an! Der Opener war mit „Eyes Of A Panther“ perfekt gewählt – „Don’t be afraid to rock, to rock, to rock„ – nein das ist die Menge im Huxley‘s definitiv nicht. Die Stimmung ist vom ersten Song an gut. Nach „Let Me Cum In“ vom Balls Out Album wurde dann mit „All I Wanna Do Is Fuck (Myself Tonight)“ der erste Song von der aktuellen Platte „Heavy Metal Rules“ gespielt. Welche im übrigen auch Namensgeber für diese Tour war. Umso überraschender ist allerdings, dass insgesamt nur 3 Songs von neuem Album gespielt wurden. Später in der Setlist kam dann noch „Fuck Everybody“ mit typischem Steel Panther Sound und Lyrics und gleich darauf das sehr viel ruhigere „I Ain‘t Buying What You‘re Selling“. Eigentlich ein Song den ich beim Albumhören mochte, aber live plänkelte er ein wenig vor sich hin. Schön war es jedoch Satchel an der Akustikgitarre und Stix am Keyboard zu sehen. Auch Michael‘s Stimme brilliert nicht nur bei diesem Lied. Um ehrlich zu sein, habe ich mich hier und da schon gefragt, ob Starr wirklich immer alles live singt, es klingt einfach zu gut. Aber meiner Meinung nach ist das Niveau dieser Band generell sehr hoch. Oft werden sie wegen ihrem Erscheinungsbild und ihren Parodiesongs in die Ecke von semi-professionellen Coverbands gestellt, dabei sind sie so viel mehr!

Richtig gute Stimmung kam dabei im Saal vor allem immer dann auf, wenn Songs vom „Feel The Steel“ Album gespielt wurden, die auch tatsächlich in der Setlist überwogen. Ziemlich textsicher wurde so zu z.B. zu „Asian Hooker“ und „Community Property“ gefeiert. Zwischen all diesen schnellen Songs gab es wie gewohnt einen etwas ruhigeren Part in der Mitte, bei der, wie schon eben erwähnt, auch Stixx nach vorne kam, um zum Tasteninstrumenten zu wechseln. Natürlich durfte es dann auch nicht fehlen, dass ein junges hübsches Mädchen aus der zweiten Reihe auf der Bühne Platz nehmen durfte und die Jungs gaben sich mal wieder die größte Mühe jene mit spontan komponierten kleinen Liedchen zu imponieren. Sarah hatte sichtlich Spaß und durfte dann bei „Weenie Ride“ sogar noch selbst für kurze Momente ans Mikrofon und überraschte mit einer tollen Stimme.

Doch wer Steel Panther kennt weiß, dass die Jungs gern mehr Östrogen um sich herum haben und so wurden ein paar dutzend, zum Teil leicht bekleidete, Mädels für „Party All Day (Fuck All Night)“ und „17 Girls In A Row“ auf die Bühne gelassen. Michael schien etwas enttäuscht, als er mich als fast einziges verbleibendes weibliche Wesen in der zweite Reihe sah und versucht noch mich zu überreden auch nach oben zu kommen. Ich dachte mir aber, dass das vielleicht nicht ganz so angebracht ist, wenn ich mit Pressepass dabei bin ;D Meinen Spaß hatte ich trotzdem und es war auch ganz schön mal ein wenig Platz zum Tanzen in der Menge zu haben.

Zwischendurch machte die Band den Vorschlag die Türen der Venue zu verriegeln und bis um 6 Uhr morgens durchzuspielen – Alkohol geht natürlich auf die Band. Trotz lautstarker Zustimmung, kam es dann doch leider nicht dazu. Aus dem Publikum gab es immer mal wieder „The Shocker“ Rufe und die dementsprechende „2 in the pink, 1 in the stink“ Handgeste. Dieser Song kam an jenem Abend aber nicht mehr. Das normale Set endete mit dem ebenso guten „Death To All But Metal“.

Viele schienen zu ahnen, dass die 4 Jungs Berlin nicht verlassen werden ohne einen ihrer größten Hits „Glory Hole“ zum Besten zu geben und so kamen sie natürlich nach wenigen Minuten unter begeisterten Rufen noch einmal zurück auf die Bühne. Dann war es 23:00 Uhr und es gab keine weitere Zugabe, sondern nur noch ein paar Huttricks. Die waren allerdings nicht neu, wie leider auch viele Witze die die Bandmitglieder während der Show gerissen haben. Ja.. wir wissen, dass natürlich nur Berlin ihre absolute Lieblingsstadt hat, ja wir wissen, dass Stixx einen „kleinen Schwanz“ hat und so weiter, und so weiter… Zwischendurch fragte Michael wie viele Steel Panther in dieser Nacht zum ersten Mal sehen. Wie erwartet war dies nur ein kleiner Teil in der Menge und die fanden die Witze sicherlich auch ganz gut. Hört man aber alle 1 – 2 Jahre immer wieder die gleichen Sätze zwischen den Songs, wird es leider irgendwann langweilig. Generell finde ich, dass hier und da zu viel erzählt wird. Vielleicht hat sich das schon ein wenig im Gegensatz zu den letzten Shows gebessert. Aber die Verwendung der immer gleichen oder zumindest ähnlichen Tricks und Witze lässt die Show ein wenig an Magie verlieren.

Es steht absolut außer Frage, dass die Vier absolut grandiose Musiker sind und es immer wieder toll mitanzusehen, wieviel Energie und Spielfreude sie mit auf die Bühne bringen, aber ich würde mir z.B. wünschen, dass sie sich nicht immer starr an eine Setlist halten, sondern auch spontan mal einen anderen Song spielen und vielleicht würden sich damit auch spontane, lustigere und neue Witze ergeben.

Also nächstes Mal ein wenig mehr Improvisation und mehr Abwechslung und ich komme gern wieder!

PS: Positiv sind mir noch die Merchpreise mit nur 25 Euro pro Shirt und die sehr nette Verkäuferin jener aufgefallen! Ach und ja, natürlich reichte die Schlange an der Garderobe auch nach der Show wieder bis nach Timbuktu.

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