Amon Amarth

Support: Hypocrisy / Arch Enemy
04.12.2019
Velodrom
Berlin

verfasst von Kalle

Ich hab lange überlegt, welche Überschrift ich dem Bericht geben soll. Da war zur Auswahl: „Amon Amarth fackeln die Hauptstadt ab“ / „Amon Amarth – Herren die mit dem Feuer spielen“ / „Amon Amarth machen Rammstein neidisch“ oder „Amon Amarth – die Vikinger erobern die Hauptstadt“. Zutreffen könnten eigentlich Alle und jeder wird seine Überschrift für diesen Konzertabend finden. Ich bin geflashed, aber auch etwas enttäuscht, wobei das in erster Linie an der ersten Band liegt.

Der Einlass hatte ordentlich zu tun, war die Show offizielle ausverkauft. Ein paar Restkarten gab es für etwas mehr als 50 Euro an der Abendkasse noch zu erwerben. Die meisten in der langen Schlange hatten ihre Karten schon fest in der Hand und waren, trotz kühlerer Temperatur, frohen Mutes und gut gelaunt. Ich schlich mich frech dran vorbei und nahm einen kleinen Extraeingang. An der Gästeliste rasch durchgekommen mit dem Ticket in der Hand zum Merch. Vorher natürlich wieder viele Freunde und Metalheads getroffen und am Merch auch wieder ein bekanntes Gesicht. Hach was vermiss ich manche Leute und die ganzen Show. Durch den Beruf klappt es ja leider nicht mehr so häufig auf Konzerte, da die Zeit hier und da fehlt oder man am nächsten Tag einfach mal fit auf Arbeit sein mag. Aber so ein Abend wie heute, der geht immer. Also ab zum Innenraum und ein schönes Stehplätzchen suchen… ja das war eigentlich mein Plan. Allerdings war die liebe Dame an der Treppe zum Innenraum da anderer Meinung und musste erst einmal Rücksprache halten. Ihr Vorgesetzter hatte so eine Karte, wie ich sie erhalten hatte, noch nicht gesehen und wusste auch nix davon. Okay… aber gemeinsam zum Einlass und dort kurz geklärt, wo ich denn mit der Karte überhaupt hin dürfte. Leider nur Sitzplatz, was sich später fast als Volltreffer herausstellen sollte.

Denn kaum geht man durch einen Eingang rein, sieht man auch schon wieder bekannte Gesichter. Und schon hatte ich dann auch einen Platz. Erste Reihe direkt an der Bande zur Radrennbahn stehend, Blick rechts zur Bühne stand man perfekt. Wobei… bei Hypocrisy hab ich tatsächlich gesessen. Die Schweden fingen super pünktlich an. 18:45 Uhr das Licht ging aus und Nebel hüllte die Bühne ein. Keiner hatte geahnt oder gedacht, das dies so bleiben würde. Grünes und blaues Licht erstrahlten die Bühne von hinten und direkt ins Publikum, doch ähm… wo ist da die Band? Sind das diese Schatten, die hier und da vor den Strahlern auftauchen? Man hat einfach mal kein Frontlicht eingesetzt, was ich extrem Scheiße finde, wenn ich auf Konzert gehe, um die Band zu SEHEN! Hören kann ich eine Band auf CD oder Vinyl… aber auf Konzerten möchte ich ja was sehen von den Jungs. Okay… also hingesetzt und eine Lichtshow mit Musik genossen. Wobei der Sound bei Hypocrisy noch nicht ganz optimal war und somit die Freude über einen Auftritt der Jungs echt getrübt wurde. Denn musikalisch und live sind die Jungs echt ne ordentliche Nummer. Hier und da hat man Peter Tägtgren und seine Kollegen headbangen sehen… aber sonst war halt duster. Schade.

Um 19:45 Uhr, wobei gar ein paar Minuten früher, kamen dann Arch Enemy auf die Bühne. Wer mich kennt… ich liebe diese Band ja einfach, weil da soviel Melodic im Death Metal steckt und die Songs einfach derbe abgehen. Also hingestellt, Bier geleert und Nacken kreisen lassen. Das ging nach dem Intro direkt los mit „The World Is Yours“. Den Track nutzten die Schweden um ein wenig an ihrem Takt und Ryhtmus zu arbeiten, denn ab und an hörte man ein paar Verspieler und falsche Einsetzer. Sollte im Laufe des Sets tatsächlich noch ein paar Mal vorkommen. Mit „War Eternal“ und „My Apocalypse“ hatten Alissa und Co. das Publikum schon. Wobei… leider nur einen kleinen Teil, denn überraschenderweise zeigten viele Fans auf… sie haben Arch Enemy noch nie live gesehen. Alissa fragte danach und es gingen nicht viele Arme hoch. Das war für mich dann auch ein wenig die Erklärung für den kleinen Moshpit und die nur vereinzelt zu sehenden Headbanger. Man genoss mehr die Show auf der Bühne, wobei die natürlich durch Powerfrau Alissa geprägt wird. Lichtshow war wieder phänomenal, man hat aber auf Feuer und Nebelfontänen verzichtet. Dennoch war da Bühnenbild echt cool gemacht. Ein großes Backdrop mit der Hand, die Flügel hinten dran und ein Auge in der Mitte hat, dazu ein paar Strahler und Leuchten in Stahlgitterboxen… war schon echt nice. Das galt auch für die Songauswahl. „Ravenous“ oder „The Eagle Flies Alone“ und „First Day In Hell“ kamen vor.

Ich Honk musste dann aber mal kurz aufs Örtchen und dachte mir… komm gehst schnell noch zum Merch. Ja klar… schnell und Merch… Gut das ging wirklich recht flott, doch dann trifft man hier wieder jemand und da jemanden und schon bekam man erste Eindrücke. Für einige war der Sound optimal, andere waren nur am fluchen, weil zu übersteuert, manche Instrumente lauter als andere usw. Es war ein breites Spektrum an Eindrücken, die sich dann später etwas verschieben sollten. Natürlich hab ich dann einer meiner Lieblingssongs verpasst. Gerne hätte ich das melodische Gitarrensolo zu „As The Pages Burn“ gehört und gesehen. Leider verpasst… egal… dann eben „No Gods, No Masters“ abfeiern. Nach „Dead Bury Their Dead“ und dem fulminanten Finale mit „Nemesis“ war dann auch schon leider Schluss mit Arch Enemy. Hätte aus meiner Sicht echt noch weiter gehen können. Und dennoch gibt es aktuell ein Manko, was auf ganz hohem Level daher kommt. Arch Enemy wirken aktuell zu routiniert. Die Show bietet viele Möglichkeiten, auch wenn, wie erwähnt, auf Feuer und Co. verzichtet wurde. Das war alles zusehr auf den Punkt und nach Schema F für das geschulte Auge. Aber das machen die Setlist und eben die Ausstrahlung von Alissa einfach mal weg 😀

Dann war Zeit für den Umbau. Während das Schlagzeug von Arch Enemy noch an der Seite der Fans im Stehplatzbereich zum Ausgang gefahren wird, hat man auf der Bühne ein großes Banner mit der Aufschrift „Berserker“ und den Runenzeichen heruntergelassen. Man durfte also noch keinen Blick auf die Bühne werfen. Um 21:15 Uhr, kurz eingeläutet von Iron Maidens „Run To The Hills“ und dem Intro von Amon Amarth, fiel der Vorhang mit einem lauten Knall und Johan und seine Mannen standen bereit für die Metalschlacht. Und die sollte es echt in sich haben. Ich hab Amon Amarth diverse Male sehen können und von Mal zu Mal wird die Show größer. Vom Huxleys, über die Columbiahalle, jetzt im Velodrom… das sind Welten und für die Band und ihre Crew ungeahnte Möglichkeiten. Klar will man dann protzen. Ich hätte mir ja das Wikingerschiff als Bühnenbild gewünscht, doch das gibt es ja nicht mehr. Dafür gab es einen Wikingerkopf und auf dessem Helm war der Schlagzeuger positioniert. Daneben gab es ein paar Stufen und das war es fast. Ja… das dachte man zum Anfang. Die Augen vom Wikinger waren mit LED Leinwänden bestückt, die hier und da immer mal wieder tolle Motive anzeigten, oder eben gar zu Augen wurden.

Mit „Raven´s Flight“ und „Runes To My Memory“ wurde die Setlist eröffnet und direkt war die Kälte von draußen vergessen. Meterhoch schossen die Flammen in Richtung der Hallendecke. WOW! Im zweiten Song standen die Runen neben dem Helm plötzlich in Flammen… hier wurde echt mit dem Feuer gespielt… was ein Bühnenbild! Und dann eine weitere Überraschung… Johan begrüßt Berlin in fast perfektem Deutsch. Da hat er doch sicher Unterricht für genommen. Zu „Death In Fire“ schossen dann überall Feuerfontänen hervor… ich war baff… Soviel hatte Rammstein noch nicht einmal abgebrannt und dabei sind die eigentlich die Showpyrokönige. Nix da… jetzt kamen die Schweden. Und nicht nur das Feuer sorgte für Unterhaltung. Zu „Deciver Of The Gods“ stand ein kostümierter Herr auf der Bühne. Sah von weiten aus wie Hellboy, sollte wohl aber Odin darstellen. Wobei ich Hellboy echt witzig gefunden hätte. Als „Fist Kill“ ertönte gab es einen Backdropwechsel und es regnete Pyro von der Traverse. Und dann kam etwas, damit habei ch bei Amon Amarth wirklich nicht gerechnet…. Zu „Fafner´s Gold“ haben sie doch tatsächlich goldenes Konfetti in die Menge geschossen. Konfetti… auf einer Death Metal Show… Ähm.. wo stehen die Einhörner für die nächste Tour. Sorry aber das war dann doch ein Step zuviel des Guten.

Soundtechnisch waren Amon Amarth natürlich die am besten abgemischte Band des Abends. Allerdings hätte ich mir auf den Rängen noch ein wenig mehr Bassdruck gewünscht. Dennoch, selbst die Kritiker bei Arch Enemy´s Sound waren bei Amon Amarth positiv gestimmt worden. Lichtshow gab es nicht unbedingt große Besonderheiten… drehende Strahler und Co. Aber die Effekte fanden mehr auf der Bühne statt. „Crack The Sky“ und Johan steht mit dem Hammer da. Der zündet ebenfalls wieder Pyro ab. Ja… Wenn Til Lindemann, gut befreundet mit Peter von Hypocrisy (gemeinsames Projekt: Lindemann), in der Halle gewesen sein sollte, konnte er durchaus staunen. Zu „The Way Of Vikings“ wurde die Bühne dann etwas voller. Zwei Vikinger lieferten sich einen schönen Showkampf, während sie von den Augen aus dem Wikingerschädel verfolgt wurden. Der Moshpit wurde dann immer größer. Nachdem „Prediction Of Warfare“ gefeiert wurde, gab es „Shield Wall“ auf die Ohren gedrückt. Und hoppla… wo ist der Drummer gelandet? Plötzlich war der ein paar Meter höher, denn sein Helm war mit einer Hebebühne etwas nach Oben gefahren worden. Das lies das Bühnenbild gleich noch geiler aussehen.

Und als wenn das noch nicht genug gewesen war, gab es neben einem Bannerwechsel noch zwei große Wächter aus Asgaard links und rechts vom Helm. Welcher Song dazu gehört, erklärt sich praktisch von selbst… „Guardians Of Asgaard“. Was ein grandioses Bühnenbild sich da bot… da sieht man die Möglichkeiten bei einer großen Bühne. Und Johan war besorgt um Berlin… keiner sollte eine trockene Kehle haben und somit gab es „Raise Your Horns“. Zuvor sprach Johan noch vom deutschen Reinheitsgebot und exte dann mal eben sein Horn und lies einen guten Rülps los. Da liesen sich seine Bandkollegen nicht lumpen und namen auch ein Schluck vom Humpen. Ohje… Reimstimmung… zackig zum Finale der Show… und ja das mein ich Ernst, denn nachdem die Hörner leer waren, war die Band von der Bühne. Hoppla… nach einer knappen Stunde schon runter… ne oder?! Doch leider ja… das bedeutete jetzt jeden Song noch ordentlich feiern und headbangen. Was könnte da besser passen als „The Pursuit Of Viking“. Erneut war ein neues Backdrop hängend und die Guardians verschwunden. Dafür kamen die Stimmen der Fans jetzt mal so richtig zur Geltung, denn an einer bestimmten Stelle lässt die Band die Fans gerne mal singen. Kam ganz gut an.

Welcher Song fehlt denn dann noch, wenn es eine geile Show sein soll… klar… „Twilight Of The Thunder God“. Blitze und Donner stimmten auf den Song ein, während sich das Schlangenmonster aus Ragnarök aufbaute, um später dann von Johan niedergeschlagen zu werden. Der Hammer von Thor donnert und lässt Funken sprühen, wie auch regnen. Ein grandioses und fulminantes Finale einer sehr geilen Show von Amon Amarth. Nur irgendwie kamen die eine Stunde und zwanzig Minuten Show einem sehr kurz vor. Die Zeit ist gut verflogen, weil man einfach soviel geboten bekam. Das muss ich den Schweden echt lassen.. Live sind sie eine Macht geworden. Sie legen sich ihre Messlatte echt enorm hoch. Dennoch… man muss die Show gesehen und genossen haben. Das Package war super, die Crowd… für Berlin auf nem Mittwoch okay (da geht definitiv mehr)… und einfach ein geiler Metalabend. Danke an die Crews, Techniker und Co. für einen super Ablauf und eine großartige Produktion. Darauf erst einmal ein Schluck Met… Skól \m/

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