Devin Townsend

Support: Haken
18.11.2019
Markthalle
Hamburg

verfasst von Laura F.

Egal ob Sommer oder Winter – Hamburg ist für sein Schietwetter bekannt. So traf es uns auch an jenem Montagabend, als Devin Townsend in der Hamburger Markthalle spielen sollte. Der Einlass verspätete sich nur um wenige Minuten, die sich aber unter den nasskalten Einflüssen wie eine Ewigkeit anfühlten. Im Trockenen teilte sich dann die Menge in Richtung Bar, Halle und Merchstand auf. Letzterer zog neben den skurrilen Tourshirts mit Faultier-Print wahrscheinlich die meisten Leute durch sein großes buntes Glücksrad an, das viele Preise bereit hielt.

Und so verging die Zeit wie im Flug, bis um 20 Uhr der Abend von der Londoner Progressive-Metal Band Haken eröffnet wurde. Erst Anfang des Jahres machten sie auf ihrer eigenen Europatour in Hamburg halt. Auch wenn der Support oft nicht viel Aufmerksamkeit von den Fans des Headliner erhält, war die Halle bereits zu Beginn sehr gut gefüllt und auch die Stimmung im Publikum stieg ab dem ersten Song stetig an. Die komplexe Lyrik und die Tempiwechsel zogen sich durch jeden der insgesamt sechs Titel. Frontmann Ross Jennings untermalte seinen Gesang mit großen Gesten und suchte stets die Nähe zum Publikum. In langen Instrumentalpassagen überließ er aber seinen Bandkollegen die volle Aufmerksamkeit und ging dann öfter samt Mikrofonständer von der Bühne. Als besonderer Earcatcher stellte sich „Cockroach King“ heraus, der mal wieder zeigte, wie ehrlich vielfältig Progressive Metal doch sein kann: Denn erst die A Capella Einflüsse machten den Song komplett. Die lauteste Zustimmung erhielt aber der Titel „1985“, der soundmäßig kreuz und quer an Hits der 80er Jahre anlehnt. Durch die Überlänge der Songs konnte sich das Publikum eine Dreiviertelstunde lang für Devin Townsend aufwärmen – und das tat es auch. Selten sieht man eine Vorband, die das Publikum so sehr überzeugt, dass kaum mehr eine Steigerung zum Headliner möglich ist.

Nachdem Haken die Bühne geräumt haben, bauten die Roadies in bunten Hawaiihemden die Bühne für Devin Townsend um. Wenn man sich das neue Albumcover genauer anschaut, hätte man sich den Aufbau schon gedanklich vorstellen können. Allerdings wäre ich nie darauf gekommen, dass es dieses Ausmaß annehmen würde. Klar, kennt man – Kabel hier, Schlagzeug da und äh … Smoothiemixer dort. Oder doch eine Lavalampe? Für die Gemütlichkeit noch eine Lichterkette um den Mikrofonständer, ist ja immerhin bald Weihnachten. Ein paar Grünpflanzen fehlten noch. Oh nein, doch nicht. Das Intro der Band, „Borderlands“ vom neuen Album Empath, trugt dann den letzten Gedanken vom kalten Hamburg an einen warmen Stand einer fantasievolle Insel.

Und endlich kam auch die Wahrheit ans Licht: Es ist ein Smoothiemixer! Für diese Tour hat Devin Townsend sich eine eigene Band zusammengestellt, „die sich verändern und anpassen kann, so wie es die Musik erfordert“. Einer davon ist Diego Tejeida, der bereits wenige Minuten vorher mit Haken auf der Bühne stand. Zielgerichtet nahm er den Smoothiemixer in Betrieb, der sein Keyboard zierte, um anschließend seinen folgenden Kollegen einen frischen Cocktail überreichen zu können. Jeder brachte zusätzlich seine ganz eigene Deko mit auf die Bühne, während auf einer großen LED Wand ein „Abspann“ lief, der die Musiker vorstellte.

Während der ersten Songs wurde Devins Überstimme gesanglich von Sängerin Ché Aimee Dorval und einem dreiköpfigen Frauenchor ergänzt. So erhielten auch die schreiend und brüllenden, mit Aggression gefüllten Parts einen sanften Ausgleich. Aber sanft kann auch der Meister selbst: Von einer auf die andere Sekunden sprang Devin auf selbige Tonhöhen, während die Gitarren immer noch weiter nach vorne preschten. Für einen Break sorgten eine handvoll Songs, die unter der Band Devin Townsend Project erschienen. Schon die ersten Töne von „Lucky Animals” ließen Jubelschreie frei und die Menge folgte der Aufforderung, während des Refrains wild die Hände in der Luft zu schütteln.

Für musikalische Vielfältigkeit steht auch der Titel „Why”, den man eher mit einem orchestralen Soundtracks eines Disneyfilms verbindet, als mit einem Metalkonzert. Aber auch harte Metalfans stehen auf Disneyprinzessinnen. Da blieb auch Zeit für einen kurzen Outfitwechsel, bei dem Devin schnell in sein schwarzes Tutu geschlüpft war und nun grazil zum Song über die Bühne glitt. Auch hier wieder, die extreme Stimmvielfalt gepaart mit unfassbarem Gefühl, dass sich im Raum ausbreitete. Ein weiteres Highlight wurde mit „Genesis” abgeliefert, der ebenso brachial wie sanftmütig live hervor stach.

Zwischen den Songs blieb kaum Zeit zum Atmen und überall war eine gehörige Portion Humor beigemischt. Die Band hatte große Spielfreude und auch bei seinen Ansagen ließ sich Devin den kanadischen Humor nicht nehmen. Für die Zugabe blieben drei Songs übrig, wobei „Kingdom” der Rausschmeißer schlechthin war, da er mit seiner kraftvollen Energie nur noch Überwältigung hinterließ.

So viele Eindrücke wie auf diesem Konzert, können unmöglich an einem Abend aufgenommen werden. Man benötigt wahrscheinlich alle Konzerte dieser Tour, bis man einigermaßen alle Effekte und Kleinigkeiten wahrgenommen hat. Allein die Animationen und Videos auf der LSD … äh LED-Wand im Hintergrund hätten einen eigenen Kinofilm verdient.

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