Versengold

Support: Mr. Irish Bastard
19.10.19
Huxley´s Neue Welt
Berlin

verfasst von Lena H.

„Es ist Zeitverschwendung, etwas Mittelmäßiges zu machen“, hatte schon damals Madonna gesagt. Und wie Recht sie hat. Wer am 19.19.19 sich im Huxleys Neue Welt in Berlin einfand, um Versengold zu lauschen, der hatte sich wahrlich ein gutes Abendprogramm gesucht. Mittelmäßig war Versengold noch nie. Zwar hatte es einige Zeit gedauert, bis ich das auch bemerkte. Ich hatte sie schon ziemlich oft nebenbei auf Festivals live gesehen.. zuletzt auf dem MPS. Aber sich einen ganzen Abend Versengold gönnen – das ist schon was. Die Vorband Mr. Irish Bastard muss der Menge schon ziemlich eingeheizt haben, denn die Stimmung war einfach toll. Beim ersten Betreten der Halle wirkte es trotz der Menschenmassen, als wäre man in einem Wohnzimmer mit Freunden.

Rotes Licht, bekannte Gesichter auf der Bühne, absolute Harmonie und Freunde in der Menge. Klingt jetzt etwas softie, aber das kriegt nicht jeder hin. Es war sehr sympatisch, dass einfach mal die Bühne und Halle mit warmen Licht beleuchtet war, statt Blitz, Donner und grünes Feuer speiende Drachen auf der Bühne. Die Halle war echt gut gefüllt, dennoch kam keine Platznot oder ähnliches auf, wie auf anderen Konzerten. nd so startetete ein Abend, der die deutsche Musikszene um ein Vieles bereicherte.

„Wir brauchen halt Publikum, und schon fühlen wir uns wohl!“ sagte erst vor kurzem Sänger Malte Hoyer in einem Interview. Und das was er sagt, das kommt auch auf der Bühne so rüber. Er war ja schon von Anfang an Mittelalterfan und übte sich in der Kunst eher seltener Instrumente. Gerade das macht die Show und Musik so authentisch. Die Jungs haben einfach Spaß an der Sache und das merkt man ihnen immer zu 100% an. Gleich zu Beginn wurde mit „Durch den Sturm“ aus dem 2019 erst erschienenen neuen Album „Nordlicht“ so richtig eingeheizt. „Komm wir springen in die Brandung Trotzen allen Widrigkeiten Tanzen gegen jede Strömung Schwimmen raus in die Gezeiten“ Sind es nicht grade solche Lieder, die Spaß machen mitzusingen und die einen kurz in einer anderen Welt leben lassen?Das Repertoire hält sowohl „Sauflieder beim Tringelage oder am Lagerfeuer“, Balladen oder Instrumentals bereit. Auch etwas Gesellschaftskritik ist dabei. Die Jungs versprühen frische Energie, viele Lieder haben auch Tiefgang und man kann sie so oder so auslegen. Man spürt aber immer diese Leichtigkeit und dass die Jungs alle Ihre Leidenschaft zur Folkmusik leben und einfach sie selbst sind. Perfekt wäre sowas ja auch beispielsweise zum St. Patricks Day. Wo einfach alle zusammen kommen, egal welcher Lebenssituation und Herkunft, Spaß und einen unvergesslichen Abend haben. „Wir sitzen alle hier im selben Boot“ – so die Lyrics des zweiten Songs „Niemals sang- und klanglos“ aus 2017. Auch das nächste Lied „De rode Gerd“ aus dem neuen Album zeigt, wie die Band auf die Fans eingeht.

So handelt es sich hier mal wieder um etwas geschichtliches, wie sich nämlich ein Torfsklave zu Mitte des Neunzehnten Jahrhunderts aus dem Elend erhob, und als Schmuggler sein Unwesen trieb. Er wurde gefürchtet als auch bewundert. Und sind es nicht solche Geschichten, die uns als Kinder schon fesselten – und irgendwie sind wir alle noch ein bisschen Kinder geblieben. Und so nahm das Konzert seinen Lauf. Irgendwie wirkt Malte wie der Junge von nebenan. Er hat sowieso eine Vorliebe für gestreifte Hemden, in dem heutigen Fall ausnahmsweise rot-weiß. Sehr sympatisch – oder der Wolf im Schafspelz ^^ Besonders bemerkenswert ist es ja, dass Versengold, kaum dass sie derzeit ihr aktuelles Album präsentieren, schon am nächsten Album feilen. Diese soll um Geschichten aus dem Osten gehen, da dieser oft unterschätzt und missverstanden wird. Die Menschen dort sind sehr herzlich, haben aber auch eine Geschichte erlebt, die sich nicht jeder wünscht, erlebt zu haben. Und vieles ist dort auch nicht in Ordnung. Nun ja, wir dürfen gespannt sein. „Verliebt in eine Insel“ war dann wieder eher ein nostalgisches Party-Lied. „Denn wenn sie tanzt, verschwimmt ihre Welt im Lichtermeer“. Ein Auszug aus „Solange jemand Geige spielt. Und da haben sie Recht. Solange jemand Geige spielt (Florian Janoske) kommt ein Heimatgefühl auf. Hier braucht es nicht groß E-Gitarre oder sonstiges – hier geht es zurück zum Ursprung.

Und der Sound in der Halle war so, wie ich es vom Huxleys gewöhnt bin: ziemlich gut! Das ist echt eine Konzert-Location, die einen in dieser Hinsicht nie enttäuscht. Mein persönliches Highlight war ja „Hoch die Krüge“. Ein Ohrwurm schlechthin. Außerdem ist es einer dieser Klassiker (von „Zeitlos“ aus 2015), den einfach jeder kennt und bei dem selbst der größte Bewegungsgegner mit einem Bein wippen muss. (Spotify gibt dem Recht – dort wurde es über 2 Mio. mal angehört). Generell spielte Versengold meist Lieder, die nach einem Wandel (2015) in Richtung rockigere Schiene geschrieben wurden. Was mir aber ziemlich Recht war. Bei diesem „Tag, an dem dei Götter sich betranken“ gingen natürlich alle Krüge, äh Bierbecher hoch und es wurde viel getanzt. Generell war es ein Abend voller Freundschaft, Nostalgie und Ausgelassenheit und ich glaube, an diesem Abend war wirklich etwas für jeden dabei. Was damals bei Bremen seinen Anfang fand, wird uns noch ein ganzes Stück erhalten bleiben und wir freuen uns auf viele weitere Konzerte und Shows auf Festivals.

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