Swallow the Sun

Support: October Tide / Oceanwake
14.11.2019
Cassiopeia
Berlin

Die herbstliche Trübnis hat die Hauptstadt fest im Griff. Es ist kalt, grau und matschig auf den Gehwegen von Berlin. Eine perfekte Zeit also, um sich herzzerreißendem Doom Metal hinzugeben. Wie gut, dass die Könige der Melancholie von Swallow the Sun uns die Ehre erweisen und im Zuge ihrer When A Shadow Is Forced Into The Light Tour 2019 auch im Berliner Cassiopeia Halt machen. Damit man auf den finnischen Schwermut gut vorbereitet wird, haben Swallow the Sun sich auch October Tide und Oceanwake als illustre Gäste geladen.

Leider gab es im Vorfeld von Seiten des Veranstalters eine falsche Information bezüglich der Spielzeiten. Laut Veranstaltungsseite sollte die Show erst um 20 Uhr beginnen. Allerdings begannen Oceanwake doch schon um 19.30 Uhr. Daher konnte ich leider nur die letzten fünf Minuten ihres Sets bewundern. Das ist besonders schade, da es diese fünf Minuten doch in sich hatten. Die ebenfalls aus Finnland stammenden Oceanwake setzen sich stilistisch nicht besonders von Swallow the Sun ab, können doch aber in ihrer Umsetzung Akzente setzen. Bei Oceanwake verschmelzen theatralischer Doom (z.B. ähnlich wie Khemmis) mit leicht Progressiven Elementen und Deatheinlagen. Das kam an diesem Abend bei den Berlinern besonders gut an. Denn trotz der falschen Information über die Spielzeit war das Cassiopeia schon frühzeitig sehr gut besucht (der Abend war ausverkauft) und man konnte förmlich spüren, wie das Publikum förmlich in Trance geraten ist. Auch am Ende ihres Sets wurden Oceanwake mit frenetischem Jubel empfangen. Eine Tatsache, die man von den Berlinern nur selten gewohnt ist. Und viele schienen sich danach gleich zu Oceanwakes Merchstand zu stürmen. Also scheinen sie alles richtig gemach zu haben. Vielleicht haben wir es hier mit der nächsten großen Band im Doom Bereich zu tun.

Nach einer kurzen Umbauphase ging es dann mit schwedischen Death/Doom Veteranen von October Tide weiter. Die Musik von Ocotber Tide kann als krasser Kontrast zu den vorangegangenen Oceanwake gesehen werden. Denn October Tides Songs fallen wesentlich dynamischer und energetischer aus. Keine ruhigen Passagen, keine Pausen für das Publikum. Und das kommt ebenso gut an. Die Berliner wachen auf der Trance auf und die Matten werden geschwungen, als gäbs kein Morgen mehr. Auch October Tide atmen die Berliner Luft ein und spielen sich in einen wahren Death/Doom Rausch. Sänger Alexander Högbom geht sogar so weit, während einer Bridge in das Publikum zu springen und mit einem weiblichen Fan zu tanzen. Sowas hat man bei einem Death/Doom Konzert wohl auch nur selten erlebt. Nach kanpp 40 Minuten ist dann Schluss und auch hier war der Jubel groß. Es wurden sogar Rufe nach einer Zugabe laut.
Die blieb leider aus, dafür betraten dann aber endlich Swallow the Sun die Bühne. Sie begannen ihr Set mit When A Shadow Is Forced Into The Light ihres neuen, gleichnamigen Albums und man sofort gefangen in ihrer Welt der finnischen Melancholie.

Zugegeben, ich war zuvor skeptisch, ob es Swallow the Sun schaffen werden, ihren Schwermut auch live richtig umzusetzen. Doch spätestens nach dem zweiten Song Lost & Catatonic wurden alle Zweifel beseitigt. Der Sound war überragend: keine übersteuerten Gitarren, die zarte Klargesangsstimme von Mikko Kotamäki war gut zu hören (hätte aber doch etwas präsenter sein können) und alle Instrumente waren gut aufeinander abgestimmt. Das ist besonders hervorzuheben, da das Cassiopeia nicht immer mit gutem Sound brillieren kann. Zudem sorgten Swallow the Sun bei eingefleischten Fans immer wieder für Gänsehaut. Sowohl ihr aktuelles Album, als auch die Tour sind ihrer ehemaligen Sängerin Aleah Starbridge gewidmet, welche leider vor drei Jahren viel zu früh verstorben ist. Ihr zu Ehren wurden auch bewusst vereinzelt Songs gespielt, auf der Aleah zu hören war. Ihre Audiospur wurde dann als Backtrack abgespielt. Insgesamt bestand das Set aus einer sehr stimmigen Mischung aus Klassikern, wie etwa New Moon, Swallow, Emerald Forest and the Blackbird und neuen Songs (Firelights, Stone Wings, Clouds on your Side). Sowohl neue, wie alte Songs passten perfekt zusammen und es entstanden keine künstlichen Längen oder langweiligen Momente. Ehe man sich versah, waren auch schon mehr als 90 Minuten vorüber. Ähnlich wie Oceanwake am Anfange vermochten es auch Swallow the Sun einem tief in ihren Bann zu ziehen und wie in Trance versetzt wachte man nach ihrem Set wieder auf und fühlte sich irgendwie leichter und unbeschwerter.

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