Ironhammer-Festival 2019

14.09.2019
JUZ Live Club
Andernach


verfasst von Henry G.

Die dritte Ausgabe des Ironhammer-Festivals hielt im Programm eine handfeste Überraschung bereit: Anstatt der angekündigten Metal Inquisitor spielten zwei andere Bands. Welche das sind und wie die Änderung bei den Besuchern ankam, dazu später mehr. Das Ironhammer-Festival hat sich inzwischen als eintägige Herbst-Ergänzung zum seit Jahren stets ausverkauften A Chance For Metal-Frühjahrs-Festival etabliert. Es trägt somit seinen Teil bei, zum sich ständig erweiternden Angebot an schwermetallischen Veranstaltungen in der großspurig selbst-ernannten „Metal-Metropole Mittelrhein“, wie Andernach sich in letzter Zeit selbstbewusst tituliert.

Bei der Ankunft am JUZ fiel einem erstmal der im vorderen Teil drastisch verkleinerte Wiesenbereich, der immer als Campground für die diversen Festivals dort genutzt wurde, auf. Statt Campingwiese war dort nun ein eingezäunter Beete-Bereich mit diversen Anpflanzungen entstanden. Ein Gang über den hinteren, straßenabgewandten Bereich zeigte aber später, dass die Fläche an sich doch immer noch groß genug sein dürfte, alle Gäste des JUZ zu beherbergen. In diesem Fall waren allerdings nicht allzu viele Zelte aufgebaut – bei einem nur eintägigen Festival lohnt sich für die meisten einfach der Aufwand nicht, wenn man auch nachts zurückfahren kann. Vorausgesetzt, man hat nicht zu viel getrunken; aber die mittlerweile an Events in Großstädten angepassten Bierpreise in der 0,1-Liter-zu-Euro-Parität laden ohnehin nicht mehr allzu verlockend und günstig dazu ein.

Am Einlass in die Halle musste man bis zur Bändchenausgabe nur ein paar Minuten warten, dann hatte man schon sein Stoffbändchen am Arm. Richtig gelesen, lobenswerterweise gibt es beim Ironhammer sehr schicke und flauschige Stoffbändchen mit Metallverschluss und nicht die sonst für eintägige Veranstaltungen eher üblichen Papierklebestreifen!

Drinnen spielten schon Rising Glory ihren True Heavy Rock’n’Roll, eine Mischung aus sehr glücklichem Heavy Metal, um nicht zu sagen, eigentlich schon Happy Metal, und Hard Rock. Da wird bei Joyful schon mal die „Freude Schöner Götterfunken“-Melodie ins Gitarrensolo mit eingewoben. Überraschend heavy gestaltete sich schließlich die Halbballade The Child, nach dem sehr ruhigen Beginn wird noch eine richtige Headbanger-Nummer daraus. Trotz des noch eher bescheidenen Sounds – insgesamt eher dumpf und die Vocals waren viel zu leise abgemischt – herrschte im sich langsam füllenden JUZ gute Stimmung am Nachmittag. Das Mönchengladbacher Quartett spielte mit BBQ and Beer auch neueres, nicht auf der 2014er Debütscheibe veröffentlichtes Material. Trotz technischer Probleme am Drumset während der Show blieb nach dem selbstbetitelten Rising Glory noch Zeit für eine Zugabe – die bereits anwesenden Festivalbesucher dankten es der Band mit lautstarkem Applaus.

Eine deutliche Spur härter ging es im Anschluss mit Infernal Assault weiter. Das Koblenzer Trio spielt klassischen Black/Thrash. Der Sound wurde langsam besser als beim Opener, der Großteil der bereits eingetroffenen Festivalbesucher stand aber noch außerhalb des JUZ. Vor gut einem Jahr erschien die Infernal Assault-Debütscheibe, Spectres of the Night. Daraus spielte das mit Stage-Namen wie Obsessör und Iron Desecrator ausgestattete Trio Stücke wie The Sign of Mayhem und Black Vomit, welches schon auf dem ersten Demo von 2013 mit drauf war. Der Sound von Infernal Assault orientiert sich stark an Venom, Desaster und ähnlichen Konsorten. Sie sind damit für manchen Besucher eine willkommene Abwechslung auf dem sonst eher heavy-metallisch orientierten Spektrum des Ironhammer Festivals.

Spitefuel aus dem schwäbischen Heilbronn haben bis dato zwei Alben rausgebracht, die musikalisch eher im traditionellen Heavy Metal verwurzelt sind. Nach der letzten Veröffentlichung verließ Sänger Stefan Zörner allerdings die Band. Seit gut einem Jahr ist nun sein Nachfolger Phillipp Stahl am Start, um Spitefuel mit einem deutlich modernisierten Sound nach vorne zu bringen. Im Antlitz eines Hipsters mit Vollbart, teilrasierter Mähne und jeder Menge Tattoos tritt der charismatische Neu-Fronter mit Stimmgewalt und authentischer Bühnenpräsenz gehörig in den Allerwertesten. Hingabe ist auf jeden Fall reichlich da – so hat der Sänger sich gleich mal das Bandlogo großflächig über den ganzen Rücken tätowieren lassen. Im Gegensatz zu vorher, gehören nun auch häufigere Growls zum Repertoire in den Songs: Nicht nur die neueren mit diesem Frontmann entstandenen Nummern wie Bad Boy und Machines werden mit Growls angereichert, selbst älteres Material wie Never Surrender, Purified und Devil’s Darling wird entsprechend uminterpretiert. Das kann man machen, alte Fans könnte es aber vor den Kopf stoßen. Beim Auftritt im JUZ war die Halle leider weitgehend leer geblieben, viele Besucher verbrachten den Nachmittag lieber draußen in der Nachmittagssonne. Dennoch spielten Spitefuel eine absolut mitreißende Show mit einigen neuen Tracks des aktuell in der Produktion befindlichen nächsten Albums und einem sehr gut getroffenen Live-Sound. Starke Stücke wie Stand Your Ground gibt es reichlich, man muss sich nur eben erst an den neuen, andersartigen Gesang gewöhnen.

Die nächsten auf dem Programm waren die Duisburger von Ignition. Moderner Power Metal aus dem Ruhrpott stand mit dem Quintett auf dem Programm des Ironhammer. Das Repertoire von Sänger Dennis Marschallik reicht von Klargesang über Screams bis zu gelegentlichen Growls. Der Sound von Ignition erinnert teilweise etwas an Mystic Prophecy, ist aber insgesamt noch vielschichtiger. Ende 2017 erschien die erste Platte, Guided By The Waves. Die Songs daraus wie Unstoppable, Into the Fire und I‘ll take the Shelter sind genauso melodisch wie heavy und laden den geneigten Zuhörer zum gepflegten Headbangen ein. Das JUZ blieb allerdings abermals eher spärlich gefüllt, dennoch war die Stimmung recht gut beim Gig von Ignition. Into The Battle und We are the Force kommen im Laufe der Show noch etwas thrashiger daher. Der Zündfunke sprang hier in jedem Fall über, vielleicht sieht man die Herren ab und an auch mal daheim im Pott – jetzt, da man sie auf dem Zettel hat.

Im Anschluss hätten Metal Inquisitor spielen sollen, die aber scheinbar extremst kurzfristig krankheitsbedingt absagen mussten – auf der Ironhammer-Homepage war jedenfalls die Running Order am Vorabend des Events noch mit Metal Inquisitor darauf vollständig abzurufen.

Stattdessen musste man nun also kurzfristig umplanen und praktischerweise standen Vulture zur Verfügung, die gerade mit RAM im Supportslot unterwegs sind und in diesem Sommer ohnehin auf gefühlt zwei von drei Festivals spielten. Erstmals an diesem Abend war es auch im Inneren des JUZ so richtig voll geworden – der Speed Metal von Vulture kam offensichtlich bestens an bei den zahlreichen Besuchern. Die just am Tag des umjubelten und per Livestream in alle Welt übertragenen Auftritts auf dem Rock Hard Festival veröffentlichte neue Platte Ghastly Waves & Battered Graves schlug inzwischen überall kräftig ein, und die Stücke wie Murderous Militia sind hinlänglich bekannt. Ergänzt mit einigen älteren Nummern wie Victim to the Blade und Delivered to die wurde ein gewohnt heftiger Speed Metal-Abriss geliefert, der zwar keine Gefangenen machte und kräftig die Klinge ansetzte, im Vergleich zu den anderen Auftritten in diesem Sommer allerdings wenig Neues bot. Nach 40 Minuten folgte ein fliegender Wechsel auf der Bühne: die Vulture-Musiker gaben die Instrumente an Indian Nightmare ab – die Speedmetaller sind ebenfalls mit RAM auf Tour unterwegs. Die international zusammengesetzte Truppe mit Wohnort in Berlin hatte dann noch knapp über zehn Minuten Zeit, ein paar ihrer Hochgeschwindigkeitsattacken zu zocken und konnte immerhin einen größeren Moshpit für sich verbuchen. Insgesamt ein nettes Doppel-Feature, aber für alle, die sich auf Metal Inquisitor gefreut hatten, sicherlich kein adäquater Ersatz für die so kurzfristige Absage. Entsprechend stand die Enttäuschung dem einen oder anderen Shirtträger der Koblenzer Heavy Metaller an diesem Abend noch länger ins Gesicht geschrieben.

Mit den Schweden von RAM hielt im Anschluss wieder der melodische Heavy Metal Einzug ins JUZ und es war gut voll geblieben in der Halle. RAM haben einen Tag vor dem Ironhammer ihre neue Scheibe The Throne Within veröffentlicht und sind auf Europa-Tour, um das Werk zu promoten. Frontmann Oscar Carlquist trat zunächst mit eisern glänzender Maske auf die Bühne, zusätzlich zur üblichen Leder- und Nieten-Staffage. Einige Titel von der niegelnagelneuen Platte wie Blades of Betrayal, Spirit Reaper und Ravnfell wurden vorgestellt, ohne größere Ansagen an das Publikum. Lediglich eine Erinnerung, dass man auf einem Heavy Metal-Konzert sei und gefälligst mehr headbangen solle, wurde von der Bühne gebellt. Ältere Stücke wie der Stampfer The Usurper, die speedigeren Eyes of the Night und Sudden Impact wurden daraufhin durchaus amtlich von den ersten Reihen abgefeiert. Im letzten Drittel der Show bekam die Masse im JUZ schon mal einen Vorgeschmack auf den weiteren Verlauf des Abends, als Mr. Tippins von Satan die Bühne enterte und für einen Song lang Ram um die dritte Gitarre ergänzte. Im Laufe der Show gesellte sich noch eine Figur mit Hockeymaske und Mufflonhörnern zu den Musikern und reckte schamanenhaft bedeutungsschwanger einen gehörnten Tierschädel in die Höhe. Etwas Posing durch ein nettes Maskottchen kommt bekanntlich immer gut an bei Metalshows. Zum Abschluss folgte noch das sehr eingängige Machine Invaders. Ram haben wieder einmal ordentlich geliefert und dürften überdies einige neue Fans hinzu gewonnen haben mit diesem souveränen Auftritt.

Als Headliner traten pünktlich gegen 23 Uhr Satan ins Scheinwerferlicht des JUZ und spielten vor einer etwas über die Hälfte gefüllten Halle. Die New Wave Of British Heavy Metal-Truppe um den ebenfalls bei Blitzkrieg am Mikro stehenden Brian Ross und das Gitarrenduo Russ Tippins und Steve Ramsey tourte schon Anfang des Jahres mit Ram durch die Lande und schob nun noch einige Festivalauftritte nach. Nach wenigen Klassikern wie Blades Of Steel zur Eröffnung wurden hauptsächlich neuere Nummern wie Doomsday Clock und Twenty Twenty Five präsentiert, welche inzwischen zum Repertoire jeder Satan-Show gehören.

Frontmann Ross, der zwar kein Gründungsmitglied, aber seit der ersten Satan-Studioplatte dabei ist, ist außer für seine Leidenschaft für Zeitreise-Geschichten, hier insbesondere Doctor Who, bekannt für seine meinungsstarken Ansagen und er nahm auch diesmal kein Blatt vor den Mund. So beklagte er sich mehrmals über gähnende Zuschauer im Publikum, die just immer in dem Moment von großer Müdigkeit befallen schienen, wenn er anfing zu erzählen. Später drückte er sein Missfallen gegenüber der früheren britischen Premierministerin May aus, und fügte hinzu, dass er Boris Johnson für einen „guten Jungen“ hält. Außerdem erzählte er von seiner Frau, die im Gegensatz zu ihm, dem Christen, nicht nur Heidin, sondern eine echte Hexe sei und Magie praktiziere. Zudem präsentierte er sich stets schlagfertig: Wenn Fans im Publikum, einerseits ihre Liebe für die Band äußerten, und andererseits Blitzkrieg-Songs forderten, hatte Brian Ross stets eine passende Bemerkung parat. Bei der Ankündigung von Break Free aus dem Jahre 1983 durfte sich das stellenweise etwas ruhige Publikum ein flapsiges „Don’t get too excited!“ anhören. Dabei waren auch zuvor schon des Öfteren lautstarke Satan-Anfeuerungsrufe zu hören gewesen.

Weitere neuere Stücke wie Ophidian, das speedige Time to Die, Legions Hellbound und Testimony präsentierten Satan im Laufe der Headliner-Show eher als Band der Jetztzeit, denn als 80er-Jahre-Urgesteine. Als Zugaben spielten Satan dann doch noch zwei Klassiker von damals, Kiss of Death und Alone in the Dock, bevor sie um kurz vor halb eins das diesjährige Ironhammer-Festival beschlossen.

Im Vergleich zu den Vorjahren ist sich das Festival in der dritten Ausgabe stilistisch grundlegend treu geblieben; neben traditionellem Heavy und Speed beziehungsweise Thrash Metal, knüppelte diesmal zusätzlich noch Black/ Thrash auf die Ohren. Die für die meisten Besucher faktisch unangekündigte Absage von Metal Inquisitor ist etwas unglücklich gelaufen, aber Krankheit kann eben immer auch kurz vor knapp dazwischen kommen, da kann man nix machen. Man kann froh sein, dass sich so schnell überhaupt ein Ersatz finden ließ, Kompliment an die Veranstalter hierfür.

Etwas verschlechtert hat sich das Essensangebot im Vergleich zu früher, das sich nun auf die obligatorischen Wurst und Pommes beschränkte, aber es gibt ja noch die Pizzeria schräg gegenüber.

Insgesamt war das Ironhammer-Festival 2019 in Andernach wieder eine runde Sache, ein schöner schwermetallischer Konzertabend und ein weiterer erfolgreicher Meilenstein für die selbsternannte „Metal-Metropole Mittelrhein“. Man wünschte nur, mehr Besucher würden sich die einzelnen Bands auch tatsächlich ansehen, die sich in der Halle sprichwörtlich den Allerwertesten abspielen. Mit derart gesteigertem Publikumsinteresse könnte das Festival ein noch größerer Erfolg werden, als es bereits ist. Das Programm bot in jedem Fall auch beim diesjährigen dritten Durchlauf eine abwechslungsreiche und interessante Mischung. Mal sehen, wie das im Folgejahr eventuell noch gesteigert werden kann.

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