Toadeater – Codex

verfasst von Tim Otterbeck

Nachdem wir alle in den Genuss des Jahrhundertsommers kommen konnten, kündigt sich doch nach und nach doch so langsam die dunklere Jahreszeit an und man beginnt wieder melancholisch über welkendes Laub zu gehen, während man über den Sinn seiner eigenen Existenz nachdenkt. Kein Wunder also, dass langsam all jene Bands ihre Alben veröffentlichen, die genau diese Grundstimmung zu leben scheinen. Nicht anders scheint dies bei der Band Toadeater aus Osnabrück zu sein. Toadeater liefern mit Codex ihr Debütalbum ab, nachdem sie 2018 schon ihre mehr als vielversprechende Demo in Eigenregie veröffentlicht haben. Ganz im Stile vieler düterer Black Metal Bands üben sich auch Toadeater in Anonymität. So ist über die Mitglieder nicht mehr bekannt, als dass sie S (Schlagzeug), B (Bass) und M (Gitarre/Gesang) heißen.

Toadeater eröffnen ihr Album Codex mit dem Song Leviathan, dass in den ersten 30 Sekunden noch mystisch verklärt daherkommt, dann aber mit einem Schlag in dunkles Chaos stürzt und die volle Kapazität von Toadeater offenbaren. Schnelle, klassische Black Metal Riffs gepaart mit Blastbeats mit an Crust angelehnten Gesangspassagen. Doch wer glaubt, dass hier ein reines Black Metal Geknüppel folgt, der irrt. Denn Leviathan driftet schnell in die heiligen Gefilde des modernen Post Black Metals im Stile von Heretoir oder Harakiri For The Sky ab. An Ode To My Spy schlägt ebenso in die Post Black Metal Kerbe, ist aber von Beginn an Druckvoller, als Leviathan und könnte ein Bandklassiker werden. Der Song wird immer wieder durch kleine Pausen aufgelockert, wodurch die Nackenmuskeln eine angenehme Pause erfahren.

Mit The Disarmed Gaze fahren Toadeater alle ihre Geschütze auf. Der Song wirkt auf den ersten Hören nach einfachem Black Metal Inferno, überrascht bei genauerem Hinhören dann aber durch seine Diversität während des Riffings. Immer wieder werden kleine Twists eingestreut, die den Song angenehm frisch anmuten lassen, bis dann der große Break folgt und sie wieder zum Post Black Metal zurückkehren. Nach einem etwas unnötigem Interlude zaubern Toadeater Post Black par Excellence, wie ihn Harakiri nicht besser hätten machen können und der perfekt zu dem Cover von Codex passt (einem am Baum der Erkenntnis hängenden Adam). Bei In Retrospect machen Toadeater noch einmal ihre Einflüsse aus dem Crust geltend. Sänger M rotzt sich hier die Seele aus dem Leib, dass es einfach nur eine Freude ist, ihm dabei zuzuhören. Mit Sleep zaubern Toadeater abermals feinsten Post Black Metal, bevor sie dann mit dem Titeltrack noch einmal ihr ganzes Register auffahren: Crust trifft auf Black und Post Black Metal, bevor sie den Song in der zweiten Hälfte als Instrumental auslaufen lassen.

Fazit

Toadeater haben gleich mit ihrem Debütalbum einen großen Wurf gelandet. Mit ihrer interessanten Mischung aus Crust, Black Metal und Post Black Metal stehen sie selbstverständlich mittlerweile nicht mehr alleine da. Allerdings haben sie deutlich gemacht, dass sie eine kleine Naturgewalt sind, die sich durchaus jetzt schon neben Genregrößen, wie etwa Heretoir, Der Weg einer Freiheit oder Harakiri For The Sky stellen können. Fans dieser Bands sollten durchaus mal ihre Augen bzw. Ohren auf Codex werfen. Vielleicht kein Anwärter auf die Alben des Jahres Listen, dafür fehlt vielleicht noch der Abwechslungsreichtum á la Heretoir, aber definitiv eine Band, die Genrejünger auf dem Schirm haben sollten.

Tracklist

  1. Leviathan
  2. An Ode To My Spy
  3. The Disarmed Gaze
  4. Interlude
  5. Parasite
  6. In Retrospect
  7. Sleep
  8. Codex

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