Slipknot – We Are Not Your Kind

verfasst von Tim Otterbeck

Es ist soweit: Unsere allerliebsten Maskenmänner (Nein! Nicht Kiss) veröffentlichen mit We Are Not Your Kind ihr neuestes Studioalbum. Zwanzig Jahre nach Veröffentlichung ihres selbstbetitelten Debüts wollen es Slipknot noch einmal wissen. Es ist das sechste Studioalbum und das zweite nach dem tragischen Tod von Paul Grey und dem harten Rauswurf von Joey Jordison. Wenn Slipknot ein Album veröffentlichen, dann passiert das natürlich nicht klammheimlich über Nacht. Der Medienrummel im Vorfeld war gigantisch und tägliche Meldungen von Corey Taylor schon nahezu unausweichlich. Es sollte eine Rückbesinnung auf die alten Zeiten werden, ein Iowa für die neue Generation an Metaljüngern. Es sind große Worte, die da im Vorfeld verlautet worden sind. Doch können Slipknot nach 20 Jahren an der Speerspitze des extremen und ja irgendwie auch des mainstreamen Metals immer noch so überzeugen, wie sie es mit den Alben Slipknot und Iowa damals geschafft haben?

Typisch für jedes Album von Slipknot: Ein verstörendes Intro, dass die Stimmung für die weiteren Songs ebnen soll. Leider fällt Insert Coin im Vergleich zu (515) aus Iowa oder 742617000027 aus Slipknot hier eher dürftig, ja geradezu belanglos aus. Mit Unsainted starten Slipknot dann aber richtig durch. Erst langsam, mit dem sehr einprägsamen Refrain, dann in gewohnter Manie und es kommen durchaus alte Iowa Vibes auf. Jay Weinberg beweist hier auch schon, dass er ein wahrer Glücksfund für Slipknot gewesen ist. Unsainted überzeugte schon vorab und wird mit Sicherheit fester Bestandteil der zukünftigen Liveshows werden. Birth Of The Cruel rumpelt dagegen eher bedächtig vor sich hin. Der Song ist gut gespielt und hat seine Glanzmomente (Corey beweist hier sein volles Volumen), kommt aber an die Wucht von Unsainted nicht an.

Mit Death Because Of Death (was ein eigenartiger Titel) folgt schon viel zu früh eine Art Interlude. Kann man machen. Das darauffolgende Nero Forte ist wieder Slipknot, wie man es hören möchte: druckvoll, ein aggressiv spittender Corey und abgefahrene Percussionparts, die gerade live richtig abgehen werden. Garniert wird Nero Forte zudem noch mit einem mitsingbaren Refrain. Kurz: Bravo! Mit Critical Darling gelingt es Slipknot ihre alten Stärken mit neuen Ideen zu verfeinern. Ein würdiger Nachfolger zu Nero Forte. Nach zwei Songs voller Power ist dann aber auch wieder erstmal Schluss. A Liar’s Funeral stampft wieder behäbig vor sich hin.

Aggressiv zwar, dennoch steht der Song im großen Schatten von Nero Forte und Critcal Darling. Mit Red Flag drehen sie aber noch einmal auf. Ein Song der 1:1 auch auf Iowa sein könnte, allerdings wenig prägende Akzente setzt. Mit What’s Next folgt das zweite Interlude, mit dem sie auf das letzte Drittel des Albums vorbereiten wollen. Doch mit Spiders beginnen Slipknot dieses auf ungewohnte Weise. Spiders klingt modern, abstrakt, aber dennoch eingängig. Ein guter Song, der aber mehr nach Marilyn Manson, als Slipknot klingt. Auf Orphan besinnen sich Slipknot dann wieder auf ihre alten Zeiten und liefen einen Song ab, der so auch irgendwo zwischen Vol. 3: The Sublimal Verses und All Hope Is Gone stehen könnte. My Pain enttäuscht auf ganzer Linie. Fast 7 Minuten pseudoverstörender Droneklänge mit einem psychotisch klingenden Corey. Das haben sie schon mal besser gekonnt. Auch Not Long For This World ist ein Song mit verschenktem Potential. Ein Song, der erst nach 2,5 Minuten richtig beginnt, dann aber gut abgeht. An dieser Stelle hätten sie diesen auch kürzer fassen können. Wenn ich sowas hören will, höre ich mir Tool an, wo dies wesentlich dramatischer und spannender gelingt. Solway Firth ist dann endlich wieder das Slipknot, dass wir hören wollen. Ein gelungenes, letztes Aufbäumen.

Fazit

Kurz vorab: Ich selbst bin seit knapp 15 Jahren ein Anhänger der Maskenband und Slipknot haben mich – wie sehr viele von euch wahrscheinlich auch – mit ihrer Musik maßgeblich in meiner Jugend geprägt. Duality hat mich geschockt, begeistert und nicht mehr losgerissen. Ihre drei bis dato veröffentlichten Alben wurden Pflichtkäufe und liefen in Dauerrotation. Bands, wie Linkin Park gerieten dabei in den Schatten. 2011 durfte ich sie dann endlich auch live in der Berliner Columbiahalle (äh Knorkatorhalle) bewundern. Und auch heute noch erwischt man sich, wie man die alten Songs mitsingt. Daher war natürlich das Interesse groß, als Slipknot ihr neuestes Machwerk präsentierten. Doch leider können Slipknot mit We Are Not Your Kind 2019 nicht mehr vollständig überzeugen. Es liegt nicht daran, dass ihnen nach 20 Jahren die Energie ausgegangen ist. Ganz im Gegenteil. Songs wie Nero Forte, Critical Darling, Solway Firth, Unsainted oder Orphan zeigen deutlich, dass sie es durchaus noch draufhaben können.

Und auch bei den Liveshows präsentieren sich Slipknot immer noch energetisch wie eh und je. Doch leider sind die genannten Songs eine klare Ausnahme. We Are Not Your Kind strotzt nur so vor künstlichen Längen, die den Hörgenuss deutlich dämpfen. Die Interludes Death Because of Death und What’s Next und den Song Spiders hätte man sich sparen können. Titel wie A Liar’s Funeral und Not Long For This World hätten besser gekürzt oder in dieser Form als Bonus Tracks veröffentlicht werden sollen. Dadurch wird We Are Not Your Kind leider kein neues Iowa, bei dem wirklich jeder Track (mit Ausnahme von Iowa) ein wahrer Nackenbrecher ist. Und genau das möchte man ja als Slipknot-Fan haben. Sogar .5 The Gray Chapter konnte da wesentlich mehr überzeugen. We Are not Your Kind ist damit (leider) ein eher durchwachsendes Album geworden, dass definitiv seine Höhepunkte hat, allerdings auch ebenso viele Schwachstellen aufweist.

Tracklist

  1. Insert Coin
  2. Unsainted
  3. Birth Of The Cruel
  4. Death Because Of Death
  5. Nero Forte
  6. Critical Darling
  7. A Liar’s Funeral
  8. Red Flag
  9. What’s Next
  10. Spiders
  11. Orphan
  12. My Pain
  13. Not Long For This World
  14. Solway Firth

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