Opeth – In Cauda Veneum

verfasst von Tim Otterbeck

Es gibt kaum Bands, deren musikalische Entwicklung in den vergangenen 29 Jahren abwechslungsreicher und zugleich auch polarisierender war, als die von Opeth (mit Ausnahme vielleicht von Ulver). 1990 in Stockholm gegründet, spielten Opeth zu Anfang noch düsteren Death Metal nach schwedischer Schule. Doch schon das Debütalbum Orchid überraschte mit der bis dahin noch ungewöhnliche Mischung aus Death Metal und 70iger Jahre beeinflusstem Progressive Rock. Åkerfeldt experimentierte auch hier schon mit dem Wechsel von Growl und Klargesang. Letzterer wurde auf den folgenden Alben stetig ausgebaut, ohne jedoch auf die nötige Härte zu verzichten.

Auch die progressiven Elemente wurden mehr und mehr zu einem elementaren Bestandteil des einzigartigen Sounds von Opeth. Unumstrittener Meisterwerkstatus erlangte das Album Blackwater Park von 2001. Zehn Jahre und vier hervorragende Alben später dann der Schock für alle Opeth-Fans: Auf dem 2011 erschienen Album Heritage verzichteten Opeth vollkommen auf die Death Metal Elemente und spielten ein lupenreines Progressive Rock/Metal Album ein. Åkerfeldt verzichtete nun auch gänzlich auf seine Growls. Was erst noch als Ausrutscher betrachtet worden ist, war tatsächlich der Beginn einer neuen Ära für Opeth. Mit In Cauda Venum legen sie nun das neue Machwerk aus dieser Ära vor.

Das Album wurde in zwei verschiedene Sprachen eingespielt: Schwedisch und Englisch. Uns lag nur die englische Version vor. Ein direkter Vergleich zu der schwedischen Variante war daher nicht möglich. In Cauda Venum beginnt erstmal mit dem etwas langatmigen Intro The Garden Of Delights, bevor Opeth mit Dignity auf die 12 hauen. Dignity ist ein Feuerwerk für alle, die auf Progressive und 70er Jahre stehen. Man kann die Einflüsse von Bands wie Rush und Jethro Tull deutlich spüren. Åkerfeldt zeigt sich hier vielseitig wie noch nie. Auch vor rauerem Gesang schreckt er nicht zurück (Nein, er growlt immer noch nicht). Wenn Heart in Hand etwas gitarrenlastiger ausgefallen wäre, hätte es so auch durchaus seinen Platz auf Watershed gefunden. Treibendes, opethtypisches Riffing und großartiges Schlagzeugspiel von Martin Axenrot vermischen sich zu einem gigantischen Song, der von großartigen Soli abgerundet wird. Auf Next of Kin wechselt perfekt zwischen Laut und Leise hin und her. Immer wieder driftet Åkerfeldts Stimme in die souligen Gefilde ab und man möchte einfach niederknien.

Nach drei Krachern gönnen uns Opeth eine kleine Verschnaufspause mit dem balladesken Lovelorn Crime, das auf seine eigene Art und Weise überzeugen kann. Mit dem jazzigen Charlatan läuten sie dann die zweite Hälfte ein und man fühlt sich dezent an Emerson, Lake & Palmer und King Crimson erinnert. Vielleicht weniger eingängig als die vorrangegangenen Songs, dafür zeigen Opeth hier ihr gesamtes musikalisches Können.

Vielschichtig, aber zugleich wieder eingängiger geht es mit Universal Truth weiter. Auch hier kommen Jethro Tull als Vorbild in den Sinn. The Garroter klingt wie der kleine Bruder von Charlatan und kommt ebenfalls jazzig daher, wenn auch weniger intensiv. Mit den beiden aufeinander aufbauenden Songs Continuum und All Things Will Pass (ihr versteht den Widerspruch?) beenden sie In Cauda Venum mit einem grandiosen Finale, bei dem sie noch ein letztes Mal ihr gesamtes Repertoire zur Schau stellen

Fazit
Ja, es ist schon wieder ein Album geworden, auf dem Åkerfeldt nicht growlt und ja, manchmal wünsche auch ich mir ein wenig alter Härte wieder zurück. Doch wer Opeth oder in Cauda Venum allein aus dieser Tatsache ablehnt, der verpasst hier etwas ganz, ganz großartiges. Mit In Cauda Venum haben Opeth sicherlich kein neues Blackwater Park der neuen Generation geschaffen, doch es ist trotzdem ein Meisterwerk für sich geworden. Nach drei Alben scheinen Opeth hier nun endgültig ihren neuen Stil gefunden zu haben und haben ein Album vorgelegt, dass vielleicht etwas weniger offensichtlich progressive Elemente enthalten, aber gerade wegen seiner auf den ersten Blick eingängigen Wirkung sofort überzeugen kann. Abgesehen von dem Intro The Garden Of Delights ist es ein Album, dass man gerne einfach auf Repeat setzen möchte. Das sollte man auch, denn erst bei mehrmaligem Hören fallen einem kleinen Details auf, welche dem Album eine wunderbare Tiefe verleihen. Positiv fällt hier auch die Produktion auf, welche, im Vergleich zu den vorrangegangen Alben, nun wesentlich wärmer und dichter ausgefallen ist. In Cauda Venum ist ein Album geworden, an dem auch Opeth-Puristen gefallen finden werden und aber gleichzeitig auch für alle Progressive Metal und Rock Fans eine Kaufpflicht darstellt.

Tracklist

The Garden Of Delights
Dignity
Heart In Hand
Next Of Kin
Lovelorn Crime
Charlatan
Universal Truth
The Garroter
Continuum
All Things Will Pass

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