Alice Cooper

Support: Black Stone Cherry
13.09.2019
Max-Schmeling-Halle
Berlin

verfasst von Kalle
Bilder von Andreas Lemke

Es war Freitag der 13. und in Berlin stand ein Konzerthighlight an. Der Meister des Schockrock, der Meister der Bühnenshow und der Altmeister der guten Musik schaute an diesem Abend in Berlin vorbei… Alice Cooper. Ich hatte bereits das Glück ihn des Öfteren live erleben zu können, doch dieser Abend fällt unter die Kategorie: Legendär. Auch wenn es nur 90 Minuten waren, was Alice hier wieder reingepackt hat und wie es aufgebaut war… Hammer. Dazu gleich mehr, denn vorher gab es einen ordentlichen Support.

Black Stone Cherry hatten die große Ehre den Abend zu eröffnen. Die Souther Rock Band aus Kentucky kenne ich ebenfalls schon eine Weile und das speziell durch ihren Schlagzeuger. John Fred Young ist wohl einer der aktivsten Drummer, die man bei einer Show erleben kann. Mit seiner sehr markanten Haarpracht und seiner Art zu spielen, bekam er von mir direkt den Spitznamen Animal aufgedrückt. Animal ist der Drummer aus der Muppetshow, für alle die jetzt gerätselt haben sollten. Die Jungs sind voller Energie, das merkt man von Beginn an (20 Uhr). Einzig der Keyboarder wirkte sehr gelassen. Er war das komplette Gegenteil zu Animal. Ein Gitarrist und der Bassist wechselten häufig die Bühnenseite, der Drumtech (hätte Animals Vater sein können) stand ab und an an den Percussions und Sänger Chris Robertson durfte ordentlich abliefern. Leicht hatte er es nicht bei der geballten musikalischen Power. Allerdings hat die Band ein großes Manko. Irgendwann wirkt dir jeder Song gleich. Da können sie noch so viel über die Bühne flitzen, oder das Licht cool sein… irgendwann ist es einfach gleichklingend. Das ist aber mein persönlicher Geschmack. Vielen im Publikum hat es bis zum Ende gefallen, mir auch… hätte aber auch nicht länger als die 45 Minuten sein müssen. Angeheizt wurde das Publikum in jedem Fall. Die Setlist der US Rocker konnte sich sehen und hören lassen: Burnin‘ / Me and Mary Jane / Blind Man / In My Blood / Blame It On The Boom Boom / White Trash Millionaire / Lonely Train / Cheaper to Drink Alone / Family Tree

Black Stone Cherry – Bildergalerie

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Nach einer entspannten Umbaupause ging um 21:15 Uhr das Licht aus. Die Halle freute sich lautstark, als die ersten Intros ertönten und das Bühnenbild hinter dem Vorhang zu erahnen war. Dann ist der Vorhang gefallen und das Staunen durfte beginne. Mensch… endlich mal wieder ein anständiges Bühnenbild bei einem Konzert. Da hat sich jemand wieder richtig Gedanken gemacht. Eine kleine Burg mit Turm, dazu ein Tor, Turmfenster und oben hingen vier Kronleuchter. Sehr schön anzusehen und wirklich eine Sache, die manch Band gerne öfter machen könnte. Einfach nur ein Banner oder eine Leinwand… langweilig. Man möchte schon etwas mehr sehen. Das war in diesem Fall klar gegeben und dafür ganz großen Dank an die Bühnenbauer und Designer. Ganz starke Arbeit der Crew. Dann nehm ich es gleich vorweg… auch starke Arbeit der Lichtcrew und der Soundcrew. Es hat einfach super gepasst, was aus den Strahlern kam und es klang fantastisch, was die Boxen wiedergaben. Egal wo man in der Halle stand, es war ein Genuss. Und wo wir bei genießen sind, kommen wir direkt zur Show von Alice Cooper. Was hat der Typ mit seinen 71 Jahren noch so drauf… das ist unglaublich. Live gesungen… viel Bühnenperformance… grandiose Ausstrahlung… ich könnte noch lange so weiter machen.

Die Setlist des Abends war ein Leckerbissen für jeden Alice Cooper Fan. Direkt gestartet wurde mit „Feed My Frankenstein“, wo glatt die Riesenpuppe mit auf die Bühne kam. Hinterher schoss er mit „No More Mr. Nice Guy“ und als dritten Song, da waren sich alle einig, ein absolutes Highlight: „Bed Of Nails“. Sehr selten kam der Song in den letzten Jahren live.. jetzt haut er ihn zum Auftakt raus und Berlin feiert das mit voller Inbrunst. Das bunt gemischte Publikum kam mehr als auf seine Kosten. „Raped And Freezin´“, „Fallen Love“ und „He´s Back“ bildeten dann eine kleine „Verschnaufpause“ vor den nächsten Klassikern. Da hatte man Zeit genug, um sich dem Rest der Band zu widmen. Und Alice hat mit Nita Strauss eine Gitarrengöttin in den Reien. Die talentierte Gitarristin wirbelt über die Bühne, wirbelt ihre Gitarre, wirbelt ihr Haar… sie hat fast alle Männer in der Halle um den Finger gewirbelt. Absolut fantastische Musikerin, der man viele Stunden zuhören könnte. Was Nita für die Männer ist, sind Tommy Henriksen udn Ryan Roxie für die Damen. Ebenfalls grandiose Musiker und optisch so in die Show passend. Da hat sich Alice wirklich gute Leute in die Band geholt. Die halten ihn auch auf Zack.

Wobei… das übernimmt eigentlich, wenn man so will, seine Frau Sheryl. Sie kommt immer mal wieder mit auf die Bühne in verschiedenen Kostümen und verzückt ihren Vater. Verzückt wurden wir dann wieder mit Songs wie „I´m Eighteen“ und „Billion Dollar Babies“. Hier kam im Turmfenster ein riesiger Babykopf zum vorschein und auf das Mauerbackdrop wurden ebenfalls ein paar Köpfe gestrahlt. Und plötzlich erklang schon die Einleitung zu Alice seinem Welthit. Es war Zeit für „Poison“. Man merkte Alice aber im Gesicht an, das er froh war… den Song direkt weg zu haben. Das war jedenfalls mein Empfinden, als er sich in unsere Richtung aufmachte zum singen. Danach gab es das schöne Gitarrensolo von Nita und „Roses On White Lace“, gefolgt von „My Stars“. Dann war Alice mal weg vom Fenster und die Band hatte die Bühne bei „Devil´s Food“ für sich ganz alleine. Einer schöner kleiner Jam, der die Musiker super in den Fokus rückte. Die Show ist ja bekannt dafür, das Alice im Normalfall mehr als nur einmal stirbt und sich so manch Magier da eine Scheibe von abschneiden könnte. An diesem Abend hat er, wenn ich es noch richtig im Kopf hatte, nur seinen Kopf verloren durch die Guillotine.

Mit dem „Black Widow Jam“ ging es weiter, gefolgt von „Dead Babies“ und „I Love The Dead“. Überall gab es hier und da kleine Dinge und Effekte auf der Bühne zu entdecken, Alice zog sich oftmals um, verschenkte seinen Stab usw. Vollgepackte Show bis zum Ende. Das kam durch „Escape“ und „Teenage Frankenstein“. Die Zugaben haben dann nicht lang auf sich warten lassen und hießen „Under My Wheels“ und der nächste Klassiker und obligatorische Schlusssong „School´Out“, wo er immer wieder Ausschnitte von „Another Brick In The Wall“ gepackt hat. Es gab ein paar Gummibälle mit Konfetti drin, es flogen Luftschlangen und Konfettikanonen durch das Publikum und Alice zerstörte ein paar der Bälle mit seinem Stab. War ganz witzig zum Finale. 22 Songs in 90 Minuten gepackt, dazu noch eine grandiose Show mit tollem Sound und Licht. Da hätte man sich gerne eine ausverkaufte Halle gewünscht. Dennoch waren es nur gute 3700 Leute ungefähr, die bei diesem musikalischem Fest dabei sein wollten. Für einen Rockgiganten wie Alice… eigentlich zu wenig. Vielleicht hat der hohe Eintrittspreis abgeschreckt. Abschreckend war allerdings eher der Merchpreis. 35 Euro für ein Shirt… hoppla… das war nicht cool. Hatte vor mir eins zu holen, doch der Preis hier hat wirklich abgeschreckt. Das war der eigentliche Schock an diesem Freitag den 13ten. Die Show von Alice dagegen war ein freudiges Ereignis. Es hat sich mal wieder bewiesen, was viele Bands gegenüber dem Meister sind: Unwürdig!. Das was der Herr mit 71 auf die Bühne bringt, bekommen nur ganz wenige Bands, egal aus welchem Genre hin. Danke, Respekt und Anerkennung dafür \m/

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