ROCKHARZ Open Air 2019

03.07. – 06.07.2019
Flugplatz
Ballenstedt


verfasst von Henry G. + Laura F.

Eines der beliebtesten Urlaubsziele in Deutschland ist der Harz. Auch für Metalfans, denn im Sommer findet am Rande des beschaulichen Örtchens Ballenstedt jährlich das ROCKHARZ OPEN AIR statt. Wie in den Vorjahren, lockte das ROCKHARZ 2019 wieder mit einem bunten Programm und einer Vielzahl an Bands unterschiedlicher Stilrichtungen, was das Festival über die Jahre immer beliebter hat werden lassen. Inzwischen ist es regelmäßig Monate vorher ausverkauft. So zog es auch in diesem Jahr rund 20.000 Besucher vom 03.-06. Juli in die Idylle.

Wie in den letzten Jahren sind wir froh, auch vom ROCKHARZ 2019 wieder berichten zu dürfen.

Mittwoch

Die Anreise begann am Mittwoch, für viele auch schon einen Tag eher. Für den Campground mussten die örtlichen Wiesen und Felder am Fuße der Teufelsmauer herhalten. Am frühen Nachmittag waren diese schon flächendeckend von Autos und Zelten belegt und so ließ sich auch ein kleiner Stau nicht umgehen. Die Einweiser waren sehr freundlich und organisiert, auch wenn sie nicht jeden auf ihren gewünschten Zeltplatz leiten konnten. Nach dem Zeltaufbau konnte es dann auch bald losgehen, immerhin warteten fünfzig Bands, die an den vier Tagen das ruhige Landleben aufmischen sollten.

An diesem Tag wurde nur eine von beiden Bühnen bespielt, die Rockstage. Den Anfang machten die Newcomer FROM NORTH und eröffneten das Festival um 16.30 Uhr. Bereits zu diesen frühen Stunden und trotz anfangs schwachem Sound lockten die Schweden hunderte Menschen an, die an der Mischung aus Viking und Folk Metal sichtlich ihre Freude hatten. Gegen Ende ihres Sets hörte man auch aus dem Infield immer mehr Leute mitsingen, die hörbar von der Band beeindruckt waren.

Nach nur wenigen Minuten Pause nahmen BROTHERS OF METAL die Bühne ein. Ebenfalls Schweden. Neben sieben “Brüdern”, darunter zwei Sänger, stand auch eine Sängerin auf der Bühne, die äußerlich wie die Kriegerin Lagertha anmutete. Die Band machte ihrem Namen alle Ehre. Zu der True Metal-Show feierte die Menschenmenge ab, die sich mittlerweile schon mindestens verdoppelt hatte. Was für eine Stimmung!

Todesmetallisch peitschten VADER voran und trieben die Leute zu dem diesjährig ersten Circle Pit auf dem Rockharz-Festival. Für ihre Premiere auf dem Festival feuerten sie so manchen Klassiker ab, darunter etwa „Black To The Blind“ oder auch „Incarnation“. Allerdings mussten sie direkt mit dem Sound der Gitarren kämpfen. Auch das Judas Priest Cover „Steeler“ kam gut an und bei dem Bandnamen durfte natürlich auch das altbewährte Darth-Vader-Outro nicht fehlen.

Etwas Abwechslung brachten COMBICHRIST ins Spiel, denn trotz metallischen Einschlags standen hier die elektronischen Klänge im Vordergrund. Dieser musikalische Wechsel zeigte sich auch im Publikum. Nach dem altbekannten Song „This Shit Will Fuck You Up“, der als Intro diente, betrat die Formation rund um Andy LaPlegua die Bühne und schmetterte mit „Hate Like Me“ den ersten Song ihres neuen Albums „One Fire” heraus. Die zwei Drummer übertrugen ihre ganze Energie auf die Menschenmenge, die schnell in Bewegung verfiel. Den Höhepunkt brachte schließlich der Song „What The Fuck Is Wrong With You?“, bei dem zumindest der Refrain lauthals mitgesungen wurde.

Nun kam Farbe ins Spiel! Auch die Grabenschlampen tauschten ihre dunkelblauen T-Shirts durch pinke aus und bereiteten sich somit auf die kommende Band vor – na klar, J.B.O. Dass die Fun-Metal-Band eine wahre Stimmungskanone ist, zeigte sich an dem immer voller werdenden Infield. Aktuell feiern J.B.O. ihr 30-jähriges Bandbestehen und diese Party konnte natürlich mit tausenden Menschen (aber auch Metal-Dinosauriern und anderen skurrilen Geschöpfen) auf dem ROCKHARZ Open Air ordentlich ausgeweitet werden. Altbewährte Hits und Ohrwürmer ließen das Publikum lauthals mitsingen und abfeiern. Aber auch „frisches” Material der letzten Platte „Wer lässt die Sau raus?” brachten die Franken mit „Hoffen und Bangen“ sowie dem Titelsong auf die Bühne. Besonders letzterer, der eine Hommage an „Who Let The Dogs Out“ darstellt, brachte stimmungstechnisch den Höhepunkt des Abends. Zwischen den Songs gab es immer mal wieder Ansprachen von Sänger und Gitarrist Vito C. und zuletzt konnte er auch ein „Wir haben euch Lieb!“ nicht mehr zurückhalten.

Die Umbaupausen von etwa 20 Minuten eröffneten die Gelegenheit, sich auf dem Gelände etwas umzusehen. Erneut war bereits am Mittwoch das komplette Festivalgelände mit allen Ständen zugänglich. Im hinteren Bereich waren wie immer die Metalmarkt-Stände mit allerlei mehr oder weniger Nötigem für den geneigten Metalhead: Von Shirts über Patches, CDs, Hosen bis hin zu Dildos ließ sich dort alles Mögliche erwerben. Nach vorne hin folgten die Essens-Stände – wie in jedem Jahr war die Auswahl erschlagend; von den üblichen Grillspezialitäten über Döner, Pizza bis zu veganem Essen und Black Food, was auch immer genau das sein mag, wurden alle Geschmäcker bedient. Letzterer Stand bot außerdem Exotisches wie Krokodilfleisch an – ob das wohl dem Washingtoner Artenschutzabkommen entspricht? Natürlich sind die Preise für Essen allgemein eher im höheren Bereich angesiedelt, aber im Vergleich zu manchem Street Food-Festival in den großen Städten geradezu erschwinglich. Neben dem Biergarten, dessen Größe nochmal erhöht wurde in diesem Jahr, wurden noch Schweinebratenspezialitäten, beispielsweise von der gegrillten Sau angeboten. Der Nepp des Jahres war allerdings der Stand mit dem Wildburger aus dem Ballenstedter Forst – für 8 Euro, bekam man da eine Bulette, die gerade mal ein Drittel so groß war wie das Brötchen.

Von der Getränkefront gibt es zu berichten, dass eine neue Brauerei den Vertrag zur Versorgung im Harz bekommen hat und man in dem Zuge gleich mal die Bierpreise im Vergleich zum Vorjahr ordentlich angezogen hat. Für den gleichen Preis wie ein Halblieterbier bekam man ebenfalls eine Dose Bembel in den Becher. Der gesprudelte Äppelwoi wurde gar in vier verschiedenen Varianten angeboten, am Besten verkaufte sich offenbar die Version mit Kirsche. Zudem wurde eine Wein- und Sektbar zum Angebot hinzugefügt – zusätzlich zu den bekannten Met- und Cocktailbars auf dem Gelände.

Der allerwichtigste Stand an den Nachmittagen war aber ohnehin der mit dem Eis, in allen möglichen Größen wurde da lecker Softeis mit diversen Toppings angeboten, so ließ es sich in der Sonne aushalten.

Wie auch immer gestärkt, ließ sich somit der Headliner genießen.

Die drei Punkte blieben im Bandnamen bestehen, nur die Buchstaben wurden für die nächste Besetzung ausgetauscht. Die ex-Accept-Legende Udo Dirkschneider sollte mit seiner Band U.D.O. den Abschluss des ersten Festivaltages einleiten. U.D.O. 2019 ist eine mit blutjungen Musikern runderneuerte Besetzung – darunter Udos Sohnemann Sven am Schlagzeug – die jetzt wieder ausschließlich eigenes Material aus dem U.D.O.-Universum spielt. Wie schon die Tour im letzten Winter deutlich machte, bespielt die Band damit wieder wesentlich kleinere Hallen als zuvor, bei der jahrelangen Accept-Vermächtnis-Verabschiedungstour unter dem Dirkschneider-Banner. Damit war es eigentlich etwas überraschend, dass U.D.O. als Headliner des Mittwochs eingesetzt wurden.

Das Festivalgelände leerte sich dennoch keineswegs, immerhin waren durch J.B.O. alle voller Euphorie und es hatte noch nicht mal 23 Uhr geschlagen. Wo sich am Anfang des Tages noch öfter Probleme beim Sound zeigten, war nun bei den rhythmischen und kraftvollen Gitarren ordentlich Druck dahinter. Alteingesessene Fans kamen mit Songs wie „24/7“ und „In The Darkness“ voll auf ihre Kosten. Trotz über 30 Jahre im Business konnten aber auch Songs der aktuellen Platte „Steel Factory“, zum Beispiel mit „Rising High“, das Publikum voll und ganz überzeugen. Der Rocker der alten Schule war sich sicher in dem was er tat und auch das Posieren der anderen Bandmitglieder wirkte authentisch und ganz und gar nicht eingespielt. Wo vorher bei J.B.O. jede Menge Crowdsurfer durch die Lüfte schwebten, war es nun allerdings ziemlich ruhig und der Altersdurchschnitt vor der Bühne war gehörig gestiegen. Dennoch oder gerade deswegen war die U.D.O.-Show mit jeder Menge Klassiker wie „Vendetta“, „Mastercutor“ und „Animal House“ eine sehr entspannte Show, die man selbst direkt vor der Bühne einfach mal für ihre musikalische Performance genießen konnte, ohne ständig von tobenden Moshpits oder Crowdsurfern umgehauen zu werden.

Auch für Zugaben blieb noch etwas Zeit und so bekam das Publikum gleich nochmal eine Handvoll Songs um die Ohren, bevor der erste Tag auf dem ROCKHARZ (zumindest musikalisch) wirklich vorüber ist. Mit einem Abriss der Marke Kreator – wie am Vorjahresmittwoch – lässt sich das natürlich nicht vergleichen, aber Spaß gemacht hat es allemal.

Donnerstag

Man könnte denken, in Finnland gäbe es beinahe so viele Metal-Bands wie Einwohner. Eine davon betrat bereits gegen Mittag bei bestem Festivalwetter die ROCKHARZ-Bühne, BLOOD RED HOURGLASS. Der brachiale Melodic Death Metal vertrieb schnell die Müdigkeit im Publikum und wärmte die durchgefrorenen Knochen der letzten Nacht auf. Innerhalb ihrer kurzen Spielzeit, kamen immer mehr Leute zusammen, die zumindest kopfnickend und klatschend das Konzert mit zufriedenen Gesichtern begleiteten.

Die nächste Band (natürlich aus Finnland) tat alles, um ihren Bandnamen in die Köpfe der Besucher zu pflanzen. Nach der Ansage „ROCKHARZ! We are STAM1NA from Finland!‘‘ fiel auf, dass auch alle Mitglieder ihre eigenen Bandshirts trugen. Zumindest für die Fotografen hatte das den Vorteil, dass sie beim Sortieren der Bilder mit den anderen Bands nicht durcheinander kamen. Aber auch musikalisch blieben sie in Erinnerung, denn Thrash Metal mit einem Keyboard hört man nicht alle Tage. Da das Mitsingen aufgrund der Sprachbarriere für die meisten nicht unbedingt einfach war, entschieden sich viele, den Nacken kreisen zu lassen – leider oder gerade weil das Publikum doch etwas lückenhaft war.

Mit brachialem, düsterem Gesang schritt die nächste bärtige Thrash-Metal-Band voran. Doch halt – ein Blick zur Bühne zeigte, dass die Formation NERVOSA alles andere als bärtig und männlich ist. Energiegeladen und aggressiv schlug das Trio vierzig Minuten ohne Atempause in die Vollen. Frontlerin Fernanda Lira hetzte über die Bühne und posierte bei jeder Gelegenheit. Zu guter Letzt entfachten sie mit dem Lied „Into The Moshpit“ noch eine gewaltige Staubwolke auf dem Gelände. Nun war erstmal eine Bierpause nötig.

LACRIMAS PROFUNDERE gönnten uns mit ihrem „Sad’n’Roll“ die verdiente Atempause und ließen es gemächlich angehen. Ihre melancholischen Texte wurden durch ihre Spielfreude wieder aufgelockert. Erst letztes Jahr machten Lacrimas Profundere ihren neuen Sänger Julien Larre bekannt, der allerdings wie alt eingesessen die neuen wie die alten Songs performte und auch das Publikum zum Mitklatschen animierte. Auch die Abstecher in den Bühnengraben, um mit den Fans wortwörtlich auf Augenhöhe zu sein, ließ er sich nicht nehmen.

THE UNGUIDED hoben kurz darauf wieder die Stimmung an und ließen ihre melodischen Töne mit einer Mischung aus Screams und Klargesang auf der Dark Stage erklingen. Schon war das Publikum wieder am lautem Mitsingen und Headbangen. Neben gefühlvollen Gitarren-Soli kamen mit der Zeit auch immer mehr elektronische Elemente hinzu. Besonders das Cover „Denied“, welches aus der ehemaligen Band „Sonic Syndicate” des Sängers Richard Sjunnesson hervorging, wurde am Ende aus vielen Ecken textsicher mitgeträllert. Als Dankeschön gab es für die ersten Reihen noch ein paar Fanshirts for free.

Eine Band ohne Gitarren und Bass auf einem Metalfestival? Jawohl! Doch tatsächlich musste das Publikum bei VAN CANTO nicht ganz darauf verzichten, denn die fehlenden Instrumente wurden stimmlich durch die Sänger imitiert. Und sie schienen damit viele Anhänger zu haben, die gespannt die A-Cappella-Versionen von AC/DC, Metallica oder Grave Digger zu hören bekamen. Doch auch eigene Songs wie etwa „To Sing A Metal Song“ fanden großen Anklang. So wurde die Band lautstark um weitere Stimmen ergänzt und zahllose Pommesgabeln in die Luft gestreckt.

Für die Extravaganz legten COPPELIUS noch mal eine Schippe drauf. Während „Der Nussknacker“ als Intro fungierte, animierte Butler Bastille das Publikum. Als der Rest der Band die Bühne betrat, zeigten sich auch hier eher ungewöhnliche Instrumente – so wird das Schlagzeug um Kontrabass, Cello und Klarinette ergänzt. Aber die Berliner sind ja keine Unbekannten mehr, immerhin feiern sie gerade ihr 10-jähriges Bühnendasein und in dieser Zeit waren sie schon des Öfteren auch auf dem ROCKHARZ Festival zu Gast. Neben der Musik ging das Geschehen auch vor der Bühne weiter: Für einen nicht näher bestimmten „guten Zweck“ wurde der Zylinder vom Haupt genommen und durchs Publikum gereicht, der auch gut gefüllt wieder auf die Bühne zurückkehrte. Zu Ende wurde bekannt gegeben: „Es wird kein neues Album geben – nicht vor dem 06.09.” Wir dürfen also auf neues Material gespannt sein!

Dö dö dödödö dö dödödööö! Nein, leider keine neue Staffel Game Of Thrones. Schnell ging die Melodie in das „Krieger des Mets“-Intro über und FEUERSCHWANZ stürmten die Bühne. Den Anfang machte aber Mieze allein, die mit ihren goldenen Flügeln alle Blicke auf sich zog. Nicht für jeden ist diese eingespielte Show mit den nie endenden Publikumsanimationen etwas, trotzdem war das Gelände bestens gefüllt und viele ließen sich darauf ein. Die Stimmung war am Höhepunkt und den Aufforderungen durch Songs wie „Die Hörner hoch” wurde auch nachgekommen. Während sich immer wieder Crowdsurfer nach vorn tragen ließen, bildete Violinistin Johanna von der Vögelweide eine Wall Of Death, liebevoll „Schubsetanz” genannt. Als Mieze ihre „zwei wunderschönen Hupen“ herausholte, ging es auch schon los und erneut wurde das Infield von einer riesigen Staubwolke verschluckt. Mittlerweile hatte man sich daran gewöhnt und Masken oder Tücher machten die Situation erträglich.

Mit lauten Rufen wurde in der kurzen Zwischenpause bereits die nächste Band erwartet. Nach so viel Party durften bei OVERKILL mal wieder etwas härtere Töne erklingen. Auch wenn nicht ganz so viele Leute zur Dark Stage wechselten, konnte sich der Staub nicht legen. Die Energie der New Yorker Thrash-Metal-Band schwappte schnell über; ein Pit nach dem anderen zeigte sich in der Menge. Sogar ein Rollstuhlfahrer wurde behutsam bis zum Bühnengraben getragen. Die Setlist war mit älteren und neueren Songs gut bestückt und sichtlich zur Zufriedenheit der Fans gewählt. Frontmann Bobby Blitz konnte sich nur wiederholen, wenn er wieder einmal sagte „Deutschland ist RRRRRotten To The Core!“ Weitere Highlights waren „Ironbound“ und natürlich der Klassiker, „Fuck You“, ein Cover von The Subhumans.

LORDI hatten für ihren Auftritt die Kostümkiste wieder komplett leergeräumt. Schon beim Zuschauen lief der Schweiß bei sommerlichen 25 Grad und auch Mr. Lordi bestätigte in gebrochenem Deutsch: „Es ist scheißeheiß hier!“ Die schweren Panzer und Gewänder sind mit Totenköpfen, gespaltenen Puppenköpfen und Augäpfeln verziert. Zu dem monströsen Erscheinungsbild gehören ebenso warzige Krallen, Hörner und aufwendige Gesichtsmasken. Dass diese Band ihren Durchbruch gerade durch den Sieg bei einem internationalen Songcontest geschafft hat, wo heute vor allem Mainstream-Pop besonders präsent ist, ist kaum vorstellbar. Für das ROCKHARZ Festival brauchten sie diesen Titel allerdings nicht. Ihre Songs wurden groß gefeiert, besonders bei „Would You Love A Monsterman?“, „Who’s Your Daddy“ oder „Devil Is A Loser“ gab es kein Halten mehr. Ein mehrminütiges Basssolo mit Techno-Untermalung ist allerdings auf einer 50-minütigen Festivalshow absolut überflüssig. Zum Schluss durften dann alle nochmal gemeinsam zu „Hard Rock Hallelujah“ mitsingen.

Neben so vielen finnischen Künstlern gab es dann tatsächlich auch mal eine deutsche Band am Donnerstag: HÄMATOM. Die Neue Deutsche Härte Band überzeugte das Publikum mit ihren sozialkritischen Texten und ausgefallenen Bühnenoutfits. Crowdsurfing gab es auch, allerdings diesmal in die andere Richtung. Drummer Süd ließ sich samt Schlagzeug von der Menschenmenge tragen. Völlig egal, ob alte oder neue Songs, den Fans gefiel „Zeit für neue Hymnen“ ebenso gut wie „Alte Liebe rostet nicht“. Als Rausschmeißer dienten ausgewählte Coversongs, unter anderen „I Want It All“, die natürlich von tausenden Stimmen lauthals unterstützt wurden. Dieses Jahr feiern die maskierten Franken ihr 15-jähriges Bestehen und machten daher noch auf ihr eigenes kleines Festival „Maskenball“, dass Ende August in Gelsenkirchen stattfindet, aufmerksam.

Und dann ging es auch schon wieder gen Norden. WINTERSUN sind gerade auf Festivaltour unterwegs und einen Stopp legten sie auch bei uns im wunderschönen Harz ein – endlich. Denn sie wurden schon jahrelang sehnsüchtig bei Umfragen gewünscht. Da auch Wintersun momentan ihr Jubiläum feiern, hatten sie sich entschieden, ihr selbstbetiteltes Debütalbum komplett am Stück zu spielen. Dabei kam natürlich nicht jeder Fan auf seine Kosten. Doch zumindest schienen sie sich bei „Sleeping Stars“ alle einig zu sein und schlossen sich der charakteristischen Gitarrenmelodie stimmlich an. Die Spielfreude der Band war spürbar und es lag ein nostalgischer Charme in der Luft. Heikki Saari von Finntroll vertrat allerdings Kai Hahto am Schlagzeug, der bei dieser Party nicht dabei sein konnte. Sichtlich beeindruckt von den ständigen WINTERSUN-Rufen und den zahlreichen kreisenden Mähnen in der Menge, dankte die Band nach ihrem Auftritt noch minutenlang ihrem Publikum.

Bei Dämmerung betraten die Co-Headliner des Abends CRADLE OF FILTH mit ihrem Intro „Once Upon Atrocity“ die Dark Stage. In hauptsächlich blaugrünes Licht gehüllt und von dichtem Nebel umgeben wurde die düstere Stimmung der britischen Extreme Metal-Band verstärkt. Fronter Dani Filth rannte und hüpfte mit seinen nietenbesetzten Plateaustiefeln über die Bühne. Musikalisch ist ihr Schaffen sehr vielfältig, so wurden bei „Beneath The Howling Stars“ Danis gewohnt hohe Stimmlagen und seine tiefen Growls von einem schaurigen Orgel-Part untermalt. Hin und wieder wurde er auch von Keyboarderin Lindsay Schoolcraft stimmlich unterstützt, beispielsweise bei dem Hit „Nymphetamine“. Auch „Her Ghost In The Fog” war sehr beliebt – klar, Klassiker gehen immer. Um den Sänger herum posierten die beiden Gitarristen und headbangten beinahe synchron zu den schnelleren Passagen. Da sich um diese Zeit auch der Wind gelegt hatte, war am Sound nichts auszusetzen und die Gitarren preschten bis in die letzte Reihe (was an dem Tag nicht immer der Fall war). Nach einer Stunde verklang auch die letzte Melodie und Cradle Of Filth verließen in lautem Beifall die Bühne. Das Publikum hätte aber definitiv noch länger mitgefeiert.

Nach siebenjähriger Abstinenz vom ROCKHARZ-Festival stürmten AMON AMARTH nun endlich wieder in den idyllischen Harz. Bereits bei Cradle Of Filth warteten tausende Menschen schon sehnsüchtig vor der Rock Stage auf die Wikinger. Als der Vorhang fiel, wurde erstmalig das Bühnenbild sichtbar, welches etwas spärlicher als gewohnt ausfiel. Mittig wurde ein riesiger Wikingerhelm platziert, auf dem das Schlagzeug auch mal für die vorderen Reihen sichtbar war. Dahinter das Backdrop mit dem Logo, später eine buchstäbliche Gewitterwand. Der kraftvolle Sound und die nahezu perfekte Songauswahl ließen keine Wünsche offen. „The Pursuit Of Vikings“ als Opener ist schon mal ein starkes Statement. Sänger Johan Hegg rannte über die Bühne und animierte das Publikum, das ohnehin schon in bester Stimmung schien. Mit etlichen Ansagen auf Deutsch zeigte Johan seine Dankbarkeit, nicht zuletzt für die Top-Platzierung ihres neuen Albums „Berserker” in den deutschen Charts. Mit „Asator“ und „Death In Fire“ schienen Amon Amarth die Bühne fast zu zerlegen, nicht zuletzt wegen den spektakulären Feuerfontänen. Aus der Staubwolke vor der Bühne erstreckten sich bei „Raise Your Horns” zahlreiche Arme, mit und ohne Trinkhörnern. Die letzten Töne erklangen schließlich bei „Twilight of the Thunder God” und übrig blieben nur zwei brennende übergroße Runen von diesem erinnerungswerten Konzert der Schweden.

Doch halt, einer geht noch! Für den Late Night Slot sollte WITT den Abend ausklingen lassen. Nicht nur das Infield hatte sich zu der Zeit gelichtet, auch der Bühnenaufbau wirkte sehr minimalistisch. Direkt zu Beginn krachte es gewaltig und damit ist nicht nur das Intro gemeint, welches den Opener „Herr der Berge“ einleitete. Der Mitbegründer der Neuen Deutschen Welle, Joachim Witt, schmetterte das ganze Konzert über dem noch verbliebenen Publikum vermeintlich arrogante Ansagen („Ich mag keine Besoffenen. Der einzige Besoffene darf hier auf der Bühne stehen.“) um die Ohren. Es scheiden sich die Geister, ob nun Ironie im Spiel war oder nicht. Zumindest die Songs kamen gut an und wurden in ausgezeichnetem Licht- und Soundgewand präsentiert. Nach einer ausgewogenen Mischung aus neuem und altem Material durfte natürlich auch „Der goldene Reiter“ zum Schluss nicht fehlen und wurde erwartungsvoll lauthals mitgesungen.

Freitag

Der dritte Festivaltag begann bedeckt mit wenig Sonne, aber angenehmen, nicht zu warmen Temperaturen. Es blieb am Freitag trocken.

Auf dem Programm standen an erster Stelle des Tages die Symphonic Metaller von ELVELLON. Die Truppe aus Moers hat vor etwa einem Jahr ihre erste komplette Platte namens „Until Dawn“ rausgebracht. Das Quintett um die attraktive Sängerin Nele konnte für ein gut gefülltes Gelände sorgen und das Publikum war durchaus in der Stimmung, zu den Songs wie „The Puppeteer“ und „Oraculum“ abzugehen. Beim Auftritt wurde der neue Bassist der Band vorgestellt und Elvellon freuten sich sichtlich über jeden, der trotz Kater schon so früh am Morgen vor die Bühne gekommen war.

Danach wurde es heftig mit MILKING THE GOATMACHINE, das Berliner Grindcore-Trio mit den Ziegenmasken versammelte noch mal deutlich mehr Zuschauer vor der Dark Stage. Der Drummer ist auch für die Growls zuständig, was den Gitarren- und Bass-Ziegen maximale Bewegungsfreiheit verschafft. Nach wenigen Minuten wurde der Tag endlich moshpitmäßig eröffnet. Beim folgenden Circle Pit machte es sich bezahlt, dass der Platz am Morgen gewässert wurde; die Staubentwicklung war deutlich geringer. Außer einem Dance-Musik-Intermezzo, welches Metal-Puristen vor der Bühne fluchtartig vertrieb, wurden Nummern wie „Human Domestication“ auf die moshende Masse eingeprügelt – nun war selbst der Letzte wach.

Es folgten die niedersächsischen Dark Metaller von NAILED TO OBSCURITY und große Teile der Zuhörerschaft der vorherigen Band verließen das Gelände. Einige Hundert blieben, um den düster-atmosphärischen Klängen des Quintetts zu lauschen. Die Musik dürfte in etwa abbilden, was all jene in sich fühlten, die noch arg verkatert vom Vorabend waren – die Grundstimmung passt sehr gut dazu. Letzten Januar brachten die 2005 gegründeten Nailed To Obscurity ihr viertes Album heraus, aus dem auf dem ROCKHARZ einige Stücke wie der Titeltrack „Black Frost“ und „Tears Of The Eyeless“ vorgestellt wurden. Insgesamt war zu dem Auftritt recht wenig los auf dem Vorplatz. Zu melancholisch war die Musik, um viel Stimmung zu produzieren.

Im Anschluss konnten Power Metal-Fans eine echte Entdeckung machen, denn die WARKINGS standen auf der ROCKHARZ-Bühne! Ein Spartaner, ein Kreuzzügler, ein Wikinger und ein Tribun traten ihren powermetallischen Triumphzug durch die Geschichte der Menschheit an. Musikalisch erinnert der sehr eingängige Power Metal mit Songs wie „Hephaistos“, „Never Surrender“, „Battle Cry“ und „Gladiator“ an frühe Bloodbound und Dream Evil. Thematisch bewegt sich alles um historische Schlachten. Die Band konnte die Massen leicht für sich einnehmen, in Gedenken an Braveheart wurde eine große Wall Of Death abgehalten und so mancher Circle Pit – sonst eher selten bei Power Metal – fegte über den Platz. Bei „Sparta“ kam eine Amazone als Gastgrowlerin dazu, die das Publikum noch stärker in ihren Bann zog. Im Zusammenspiel mit der Optik aus dem Historienkostümverleih und den mitreißenden wie melodischen Metalsongs dürfte den Warkings noch ein großer Eroberungsfeldzug bevorstehen – als Nächstes werden sie im Herbst mit Majesty auf Tour zu sehen sein.

In der wenige Minuten kurzen Pause vor der folgenden Band wurde bekannt gegeben, dass das Night Flight Orchestra sich verspäten und daher den Platz auf der Running Order mit Omnium Gatherum tauschen würde.

ELVENKING aus Italien bringen diesen Sommer ihr bereits zehntes Studioalbum raus. Auf dem ROCKHARZ hatten sie mit einem arg schlechten Sound zu kämpfen, der vor der Bühne einfach nur dumpf klang. Entsprechend blieben nicht alle Zuschauer für den Auftritt der Folk/Power Metaller. Nach einigen älteren Songs wie „Elvenlegions“ wurde mit „Under The Sign Of A Black Star“ eine neue Nummer der kommenden Platte als Live-Premiere angekündigt. Wenn man, während Elvenking spielten, seinen Standort nach hinten in die Nähe der Türme verlagerte, präsentierte sich der Sound dort deutlich besser als vorne. So ließ sich der weitere Verlauf der Show mit „3 Ways To Magic“, „Neverending Nights“ und „The Loser“ dann schließlich doch noch genießen, aber das Publikum blieb weitestgehend zu ruhig.

MR. IRISH BASTARD konnten dagegen deutlich mehr Leute vor der Bühne versammeln. Die zu acht angetretene Irish Folk-Truppe aus Münster spielt außer eigenen Stücken auch das eine oder andere Irish Traditional. „I Smell The Blood“, „Kingdom Of The Sun“ und „We Are The Drunks“ ließen etliche ROCKHARZER das Tanzbein schwingen. Die gelegentlichen Crowdsurfer waren den Musikern nicht zahlreich genug – gerade auch im Hinblick auf ihr Ansehen bei der Security im Graben – so dass sie wesentlich mehr davon einforderten. Weitere Nummern wie „I Only Like You when I’m Drunk“ und „Black Eye Friday“ erhöhten abermals das Stimmungsbarometer der anwesenden Massen und führten letztendlich zu einem großen Circle Pit. Das konnte nur noch von einer irischen Version von „Kalinka“, hier als „Darlinka“, überboten werden, womit der kurzweilig-vergnügliche Auftritt zu Ende ging.

Im Anschluss spielte dann, wie zuvor angekündigt, aufgrund der Verspätung von The Night Flight Orchestra, vorgezogen die finnische Melodic-Death-Truppe OMNIUM GATHERUM, die mit Keyboarder zu sechst die ROCKHARZ-Bühne enterten. Die 1996 gegründete Band hat vor etwa einem Jahr ihre achte Studioplatte „The Burning Cold“ veröffentlicht, woraus sie einige Songs live vorstellte. Es fanden sich an die 2000 Zuschauer ein, um den düster-melodischen Klängen der Finnen zu lauschen. Älteres Material im Programm von Omnium Gatherum stammte im Wesentlichen von den letzten zwei bis drei Alben, darunter „Frontiers“ und „Skyline“. Für die echten Fans sicher ein Fest, für alle anderen nur ein weiterer Gig von vielen an diesem Tage.

Nun war also das NIGHT FLIGHT ORCHESTRA endlich eingeflogen – oder vielleicht doch noch nicht ganz, denn die schwedischen Retro-Rocker um den Soilwork-Frontmann Björn Strid ließen lange auf sich warten. Wieder und wieder checkten die Roadies die Instrumente durch, bevor mit 15‑minütiger Verspätung endlich das Intro ertönte. Die Fans waren nicht so besonders zahlreich erschienen, aber dennoch mit viel Hingabe: So war in der Menge sogar das eine oder andere Stewardessen-Kostüm zu sehen, welches seit jeher die Background-Sängerinnen der Band tragen. Entsprechend euphorisch wurde das Orchestra von den ersten Reihen begrüßt und die groovigen Rocker wie „Living For The Nighttime“ und „Something Mysterious“ eröffneten direkt die Party mit zahlreichen tanzenden Fans vor der Bühne. Aufgrund der großen Verspätung mussten die Schweden ihren Auftritt deutlich verkürzen, da das nachfolgende Programm im Zeitplan bleiben sollte. So konnten nur noch wenige weitere Stücke gespielt werden, bevor das Night Flight Orchestra die Dark Stage wieder räumen musste – aber der Sänger würde ja wenig später mit Soilwork ein weiteres Mal spielen.

KISSIN‘ DYNAMITE kamen dann wieder fast pünktlich auf die Rock Stage; die Schwaben um den sehr extrovertierten Sänger Hannes Braun gehören inzwischen auch schon zu den erfahreneren Bands in der Szene mit mittlerweile sechs veröffentlichten Studioplatten. Sicher haben sie zu den Anfangszeiten von Kissin‘ Dynamite davon geträumt, einmal auf einem großen Festival mit jeder Menge Pyros zu spielen – auf dem ROCKHARZ haben sie sich diesen Traum zum Opener „I’ve Got The Fire“ erfüllt. Der Platz vor der Bühne war sehr gut gefüllt beim nachmittäglichen Konzert des baden-württembergischen Fünfers. Nach einigen weiteren neuen Songs wie „Somebody’s Gotta Do It“ wurden mit „Love Me, Hate Me“ auch die langjährigen Fans bedient. Die Jungs wissen genau, wie sie die Masse anstacheln, die zahlreichen Mitsingparts zu Nummern wie „Sex Is War“ und „I Will Be King“ laufen dementsprechend wie von alleine. Mit der Ballade „You’re not Alone“ endete schließlich eine wie immer mitreißende Rock’n‘ Roll Party mit Kissin Dynamite.

CALIBAN konnten im Anschluss sich ebenfalls über einige Tausend Besucher freuen, die Essener Metalcore-Truppe konnte den einen oder anderen Circle Pit für sich verbuchen. Für Metal-Traditionalisten war der Auftritt allerdings eine gute Gelegenheit, die Staubwolken aufwirbelnden Circle Pits mal hinter sich zu lassen und sich der Nahrungsaufnahme oder einem herrlichen Softeis zu widmen.

Nach dem verspäteten Gig mit dem Night Flight Orchestra war Frontmann Björn Strid nun abermals an der Reihe, den Harz zu rocken – mit seiner ursprünglichen Band SOILWORK. Die hatte ja in früheren Jahren öfters mal absagen müssen – umso froher war man vor Ort, dass es nun abermals geklappt hat. Die schwedischen Melodic Death Metaller haben am Abend den Platz so richtig voll bekommen und die ersten Circle Pits ließen natürlich nicht lange auf sich warten. Für die abendliche Uhrzeit hielten sich die Crowdsurfer allerdings sehr in Grenzen. Anfang dieses Jahres erschien die elfte Studioscheibe, „Verkligheten“, was sich mit „Wirklichkeit“ aus dem Schwedischen übersetzen lässt. Daraus wurden einige neue Songs wie „Full Moon Shoals“ vorgestellt. Älteres Material war mit „Nerve“ und „Stabbing The Drama“ ebenso vertreten und trug bei zum Gesamtbild eines rundum gelungenen Auftritts am Freitagabend.

Zeit für knackigen Power Metal, DRAGONFORCE, die Guitar Hero-Band um Herman Li stand im Anschluss auf der ROCKHARZ-Bühne! Schon der Opener „Ashes Of The Dawn“ strotzt nur so vor Eingängigkeit und lässt viele der gut Zehntausend auf dem Platz kräftig abgehen. Frontmann Marc Hudson, der inzwischen schon acht Jahre dabei ist, präsentierte seine Deutschkenntnisse und zeigte sich dabei als Scherzbold: „Wir sind Dragonforce und kommen aus Buxtehude!“ ließ er das verdutzte Publikum wissen. Aha, aber das war natürlich glatt gelogen, nur klingt es für einen Briten wohl noch deutscher. Für die Musiker, die gerade im Studio werkeln, war auf dem ROCKHARZ das erste Konzert dieses Jahres. Neue Musik haben sie aber absichtlich nicht gespielt, da das auf einem Festival sowieso niemand hören wolle. Die weiteren Songs wie „Heroes of Our Time“, „Seasons“ und „Cry Thunder“ schlugen kräftig ein bei den Fans und führten neben häufigen Anfeuerungsrufen auch zum einen oder anderen Circle Pit. Buhrufe fing sich Hudson allerdings ein, als ihm eine Bemerkung, Bier sei scheiße, rausrutschte. Mit der Ankündigung der Studioarbeiten zum neuen Album ließ sich die Meute zwar beruhigen, so richtig versöhnt waren sie aber wohl erst mit dem abschließenden Großwerk „Through The Fire and Flames“ von der dritten Dragonforce-Platte „Inhuman Rampage“.

HYPOCRISY waren danach an der Reihe, wieder die härteren Töne anzuschlagen. Die Melodic Death Metal-Truppe um Peter Tägtgren durfte vor einem herrlichen Sonnenuntergang spielen. Das Publikum war zahlreich angetreten, aber für den Frontmann deutlich zu ruhig. Vielleicht lag es ja an den als Playback eingespielten Chören? Hypocrisy spielten eine bunte Mischung aus Stücken von den meisten ihrer insgesamt 13 bisher erschienenen Alben, darunter den Titeltrack der letzten Platte „End Of Disclosure“ und „Fire in The Sky“ von der 2000er Plate „Into The Abyss“. Weiterhin wurden bei dem Auftritt „Warpath“ und „Roswell 47“ zur Freude der Fans gespielt. Kuriosum am Rande; während Hypocrisy spielten, war zum ersten Mal beim diesjährigen Festival die Schlange am Merchstand verschwunden, so dass man ohne Anstehen seine Textilien erwerben konnte. Allerdings waren dann natürlich nicht mehr alle der insgesamt 13 verschiedenen T-Shirt-Motive verfügbar.

SALTATIO MORTIS spielten im Anschluss quasi vor der ROCKHARZ-Vollversammlung; bis hinten hin war die Platzhälfte und auch ein großer Teil der anderen Hälfte komplett gefüllt und der Opener „Große Träume“ startete sofort die Party mit großartiger Stimmung in der Masse und unzähligen Crowdsurfern. Ob die Masse bereit sei, der Band ihre Energie zu geben, wollte Sänger Alea wissen – und wie immer auf dem ROCKHARZ, wurden „Salmo“ nicht enttäuscht. Die Mittelalter-Rocker begeisterten weiter mit Stücken wie „Brot und Spiele“, „Wachstum über alles“, „Europa“ sowie „Heimdall“, während riesige Flammenwerfer von der Bühne her in den Harzer Abend schossen. Die gut aufgelegten Musiker wetteten später mit dem riesigen Publikum, dass dieses es nicht schaffen würde, einen ganz Song über zu springen. Manch einer schaffte es doch. Die einstündige Show präsentierte weiterhin Nummern wie „Brunhild“, „Ich Werde Wind“ und den „Spielmannsschwur“, bevor die gute Laune ein Ende fand und nebenan der schwarzmetallische Headliner weiter machte.

DIMMU BORGIR führten den Abend in die schwarze Richtung, nachdem am Vorabend schon Cradle Of Filth den Black Metal in den düsteren Harzer Tann brachten. Dimmu Borgir haben schon des Öfteren Konzerte mit Orchestern gespielt; hier wurden die symphonischen Anteile des Black Metals der Norweger allerdings ausschließlich aus der Konserve eingespielt. Zu Beginn kam einiges neues Material von der aktuellen Platte „Eonian“ zu Gehör, darunter „Interdimensional Summit“ und „Aetheric“. Die Musiker traten mit Mönchskapuzen als Hohepriester der Düsternis auf die abwechselnd in tiefdunklem Blau und Höllenrot beschienene Bühne. Wo andere Flammenwerfer nutzen, beschränkten sich Dimmu Borgir auf Dampffontänen. Für einen Headlinerauftritt war das Publikum die meiste Zeit über allerdings viel zu ruhig, Anfeuerungsrufe waren nur nach Aufforderung von Frontmann Shagrath zu hören. Die Band, die sich von ihren reinen Black Metal-Anfängen Lichtjahre entfernt hat, feierte letztes Jahr ihr 25jähriges Jubiläum. Ihre aktuelle Setlist besteht aber hauptsächlich aus den letzten drei Alben, darunter das selbstbetitelte „Dimmu Borgir“ und „Gateways“, die mit einem sehr breitwandigen, kräftigen Sound vollends zur Geltung kamen. Als optischer Bonus wurden im Laufe der Show einige große Feuerschalen entzündet. Wenigstens die Hälfte der Anwesenden sollte den kurz vorm Schluss angekündigten Track kennen, meinte Shagrath; tatsächlich ist „Progenies Of The Great Apocalypse“ der wahrscheinlich bekannteste Song der Norweger, der auch schon wieder über 15 Jahre auf dem Buckel hat. „Mourning Palace“ ist dagegen der älteste Dimmu Borgir-Song, der zum Abschluss einer perfekt inszenierten Headlinershow an diesem Freitagabend gespielt wurde.

In die Nacht ging es mit einer weiteren Partyband, RUSSKAJA brachten russische Polka in den Harz! Direkt vor der Bühne war es kurz nach Mitternacht sogar noch voller, als zuvor bei Dimmu Borgir – wer hätte das gedacht. Vom Opener „Cosmopolit“ an, waren überall fröhlich tanzende Festivalbesucher zu sehen. Die Instrumentierung von Russkaja besteht neben den üblichen Rockmusikinstrumenten wie Gitarre und Bass aus zwei Trompetern und einer Geigerin. Sänger Georgij freute sich, dass die Massen geblieben waren und somit ein Kollektiv gebildet hatten, später brachte er den Fans gar noch ein wenig Russisch bei. Weitere Stücke wie „Love Revolution“ und das grandiose „Change“ mit der Zeile „I changed my Schaschlik for McDonalds“ hielten die Stimmung am Kochen. Richtig wild wurde es aber mit dem „Psycho Traktor“: Um die sogenannte „Mitte“, also um einige Fans mit einem Schild mit diesem Schriftzug drauf, bildete sich der wahrscheinlich größte Circle Pit des ROCKHARZ 2019! Das Ganze wurde verkauft als „Spiel zur Kollektivbildung“! Die Party ging noch weiter, unter anderem mit „Energija“, sie hatte ihren Höhepunkt aber schon zuvor erreicht.

Als Absacker spielten danach noch die Holländer von HEIDEVOLK, die dieses Jahr bereits mit Týr durch die Lande unterwegs waren. Es war zwar schon nach 1 Uhr und nach Russkaja leerte es sich deutlich, aber die verbliebenen Zuschauer feierten Heidevolk nach Kräften ab und die Musiker waren sehr erfreut angesichts des Zuspruchs. Der vorwiegend in holländischer Sprache gehaltene, melodische Pagan Metal mit dem charakteristischen, zweistimmigen Gesang und Stücken wie „Ostara“, „A Wolf In My Heart“, „Einde der Zege“ und „Britannia“ war das optimale Futter für alle, die noch nicht genug vom Headbangen und Moshen an diesem ROCKHARZ-Freitag bekommen hatten. Heidevolk freuen sich jedes Mal, im Harz zu sein, einer Landschaft, wo verschiedenste Legenden her stammen. Zu weiteren Songs wie „Saksenland“ und dem auf jedem Heidevolk-Konzert gespielten „Vulgaris Magistralis“, was ein Cover ist, wurde der letzte Moshpit des Freitages zelebriert. Musiker wie Publikum hätten am Ende noch länger gekonnt, aber die Zeit war leider vorbei und die Festivalbesucher wurden abermals in die Nacht entlassen.

Samstag

Der letzte Tag des ROCKHARZ 2019 begann wieder mit viel Sonne, Trockenheit und warmem Wetter – das sollte allerdings leider nicht bis zum Festivalausklang in der Nacht so bleiben.

Am Vormittag spielten als erstes FOLLOW THE CIPHER; die schwedischen Symphonic/ Modern Metaller aus der Heimatstadt von Sabaton konnten immerhin an die 500 Zuschauer zu so früher Stunde vor der Bühne versammeln. Die leuchtend rothaarige Sängerin hatte leichtes Spiel, das Auditorium zu begeistern. Die Frage, ob man Metal und Bier möge, war dann schon ziemlich überflüssig. Außer knalligen Power Metal-Riffs verwendet die Band auch Keyboard- und Synthie-Parts, die natürlich wieder mal als Playback hinzugeschummelt wurden. Von der letztjährigen Debütscheibe „Follow The Cipher“ wurden „Winterfall“, „The Rising“ und „Valkyria“ gespielt. Dazu wurde mit „The Pioneer“ eine neue Nummer aus diesem Jahr vorgestellt, die aber noch stärker in die Pop-Metal-Richtung tendiert.

HELL BOULEVARD folgten als nächstes und die Schweizer Gothic Rocker wollten deutlich mehr Leute sehen, als den ersten Programmpunkt des Tages. Die 2014 gegründete Truppe hat 2016 ihre erste und letztes Jahr die zweite Platte „In Black We Trust“ veröffentlicht. Daraus wurden „As Above So Below“, „Satan in Wonderland“, „Bitch Next Door“ und „Love Is Dead“ präsentiert. Etwas aus dem Rahmen fiel das Britney Spears-Cover „Oh Baby One More Time“, wie kommt man als Gothic Rock-Truppe nur darauf, sowas zu spielen? „Zero Fucks Given“ und der Titeltrack der zweiten Platte, „In Black We Trust“ beendeten die Show dann wieder mit eigener Musik von Hell Boulevard. Im Laufe des Nachmittags sah man die Musiker noch des Öfteren auf dem Gelände bei Auftritten anderer Bands im Publikum.

VISIONS OF ATLANTIS spielten in der prallen Mittagssonne, die österreichisch-französisch-italienische Symphonic Metal-Truppe mit dem gemischtgeschlechtlichen Gesangsduo zog einige Tausend Besucher vor die Bühne. Negativ fiel mal wieder das eingespielte Keyboard auf, aber das ist heute leider Standard. Nach einigen neueren Tracks wie „New Dawn“ und „Book of Nature“ wurde ein komplettes neues Album für Ende August angekündigt und „Heroes of the Dawn“ daraus präsentiert. Bei der Ballade „The Last Home“ stach das Keyboardplayback besonders deutlich hervor, da bei dem Song die Sängerin stellenweise nur von diesem Instrument begleitet wird. Ein weiteres neues Stück wurde mit „A Journey To Remember“ vorgestellt, bevor mit „Return To Lemuria“ unterhaltsame 40 Minuten Visions of Atlantis zu Ende gingen.

Die erste schon richtig bekannte Truppe des Tages waren im Anschluss die Nürnberger FREEDOM CALL, die ihren Happy Metal wie immer gekonnt in Szene setzten und sich über ein für die Uhrzeit geradezu riesiges und ausgelassen feierndes Publikum freuen durften. „Tears Of Babylon“ eröffnete die Show mit seinen Fanfaren und legte die Richtung fest: Gute-Laune-Power-Metal vom Feinsten. „Union Of The Strong“, das selbstbetitelte „Freedom Call“ und „Metal Is For Everyone“ folgten – die Band um Frontmann Chris Bay hat in 20 Jahren so einige Hits angesammelt. Die Stimmung war durchweg sehr gut in der großen Besuchermasse und man freute sich über die Ankündigung des neuen Albums für den 23. August diesen Jahres und einer gemeinsamen Tour mit Visions Of Atlantis. Leider spielten Freedom Call aber noch kein neues Material. Die Herren wurden konstant angefeuert, zu weiteren Stücken wie „Power and Glory“ und „Warriors“. Da die Musiker mit der Zuschauerreaktion am Ende nicht zufrieden waren, spielten sie das Ende von „Warriors“ zwei weitere Male, bis dann „Land Of Light“ den Auftritt gebührend beenden durfte.

Die BURNING WITCHES aus der Schweiz sind nach der Tour mit Grave Digger im letzten Winter schon zu einiger Bekanntheit in der Szene gelangt. Allerdings gab es seitdem in den Reihen der Heavy Metal-Frauen einen bedeutsamen Wechsel: Sängerin Seraina ist ausgestiegen, um sich anderen Projekten zu widmen und wurde durch Laura Guldemund ersetzt. Die neue Frontfrau muss sich nun auf den Sommerfestivals beweisen. Auf dem ROCKHARZ interessierten sich unter 1000 Leute für den Heavy Metal des gutaussehenden Frauen-Quintetts mit klasse Songs wie „Executed“, „Bloody Rose“, „Black Widow“ und „Hexenhammer“. Die Anwesenden feuerten die Damen häufig an und genossen den reichlichen Platz direkt vor der Bühne headbangenderweise. Die Burning Witches haben bisher zwei Alben rausgebracht, und die erste Platte mit der neuen Sängerin nochmal neu aufgenommen. Die nagelneue Single „Wings Of Steel“ wurde ebenfalls auf dem ROCKHARZ gespielt.

GRAND MAGUS sind eine der schwedischen Bands, die seit vielen Jahren hochkarätige Alben mit tollem Heavy Metal und leichter Doom-Schlagseite abliefern. Das Trio live zu erleben ist immer eine großartige Sache. So war es für viele Besucher des Festivals ein Pflichttermin, Grand Magus am Nachmittag im Harz zu sehen und es war entsprechend voll gewesen. Mit „I, The Jury“ rockten die Schweden los, bevor zwei neue Titel von der in der in diesem Frühjahr erschienenen neunten Studioplatte „Wolf God“ gespielt wurden. Danach hatte Frontman JB genug von neuen Songs und präsentierte älteres Material wie „Steel vs Steel“, das grandiose „Iron Will“ und „Like The Oar Strikes The Water“. Die kurze Spielzeit ließ nicht mehr zu, als dass schon sehr bald der Überhit „Hammer Of The North“ die Show abschloss, natürlich mit einem grandios vom ROCKHARZ-Publikum intonierten Nordmann- und -männinnenchor, der die Drei sichtlich mit Stolz erfüllte und auch nach Ende des Auftritts noch etwas weiter die hymnenhafte Melodie sang.

ANVIL begannen unverzüglich nach den letzten Klängen von Grand Magus auf der benachbarten ROCKHARZ-Bühne und konnten damit fünf Minuten hinzugewinnen. Leider wollten recht wenige Gäste diese schon legendäre kanadische Heavy Metal-Band live erleben – nur wenige Hundert blieben für Anvil. In Anlehnung an die seligen Motörhead begrüßte Sänger Lips seine Zuhörerschaft mit einem durch seine Gitarre gesprochenen „We are Anvil and we play Heavy Metal!“ und es folgte passenderweise „666“. Mit „Ooh Baby“ gingen Anvil dann ganz zurück, zur ersten Platte von 1981. In einer Ansage zeigte Lips Verständnis für sein alterndes Publikum: Er sah die mit vielen Haaren, und die mit keinen Haaren. Weitere Songs wie „Badass Rock’n’Roll“, die Klassiker „Winged Assassin“ und „Mothra“ sowie der witzige neue Track „Bitch In The Box“, der von den Tücken der GPS-Navigation handelt, rockten kräftig drauf los und demonstrierten die ungeheure Spielfreude des Trios um Frontmann und Gitarrist Lips und seinen besten Kumpel, Drummer Robb Reiner, die trotz jahrzehntelangem Misserfolg niemals aufgaben. Der Bassist Chris Robertson ist zwar erst einige Jahre mit dabei, ist aber mit seinem schelmischen Grinsen und seinen ständigen Grimassen schon eine Art Aushängeschild von Anvil geworden. Wie bei jeder Show der Kanadier, durfte das Solo mit dem Dildo nicht fehlen und am Ende wurde unter lautstarken Anfeuerungsrufen der wohl größte Hit von Anvil, „Metal On Metal“ zelebriert. Besser hätte das Trio die mit geplanten 40 Minuten arg kurze Spielzeit nicht nutzen können.

Weiter ging es mit HARDLINE; die 1991 vom heutigen Axel Rudi Pell-Sänger Johnny Gioeli gegründete Hard Rock-Truppe ist über die Jahre – sicherlich auch aufgrund der häufigen Touren von eben jener anderen Karriere des Frontmanns – nur sporadisch aktiv gewesen. In diesem Jahr erschien mit „Life“ wieder einmal ein neues Studioalbum der Amerikaner, mit welchem im Gepäck Hardline nun durch Europa touren. Das größte Problem der Band ist ihre Unbekanntheit, die auf dem ROCKHARZ zu einem weitgehend leeren Bühnenvorplatz führte: Keine 300 Leute wollten den Auftritt in der Nachmittagssonne verfolgen. Dabei konnten Hardline sowohl mit der neuen Nummer „A Place To Call Home“, als auch mit jeder Menge altem Material von der ersten Platte überzeugen, darunter „Takin‘ Me Down“ und „Dr. Love“. Der Sänger versuchte sich mit ein paar deutschen Phrasen und erklärte später, wie unglücklich ihre Anreise nach Ballenstedt verlaufen war – gut dass sie mit „Life’s A Bitch“ den passenden Track im Programm hatten. Einige weitere Klassiker schlossen die Show ab; wer Blut geleckt hat, kann Hardline im Herbst auf Clubtour erleben.

Die härteren Töne wurden danach wieder von GRAVE angeschlagen. Die schwedischen Death Metaller haben voriges Jahr ihr Dreißigjähriges unter dem Namen Grave gefeiert und holen nun auf dem ROCKHARZ zum Nachschlag aus. Für die Uhrzeit war es mit unter Tausend Leuten relativ leer geblieben, viele Festivalbesucher wollten scheinbar noch die Möglichkeit zum Einkauf im Metalmarkt oder Ausruhen auf dem Campingplatz nutzen. Eine gewisse Müdigkeit beim Publikum meinte das einzige verbliebene Grave-Gründungsmitglied, Sänger und Gitarrist Ola Lindgren zudem festgestellt zu haben. Nicht weiter verwunderlich, am vierten Festivaltag. Dabei wurde doch der eine oder andere Moshpit abgeliefert, nur eben von sehr wenigen Beteiligten. Klassiker wie „Soulless“ und „Into the Grave“ knüppelten so vor sich hin, am Ende wurde zur Grave-Rarität „Annihilated Gods“ dann immerhin noch ein 3-Mann Circle Pit veranstaltet. Die Band wäre ein oder zwei Tage früher wahrscheinlich wirklich wesentlich besser bei den Besuchern angekommen, als kurz vor Schluss.

Wie in den letzten Jahren, durfte auch 2019 auf dem ROCKHARZ mindestens einmal Deutschrock nicht fehlen. KÄRBHOLZ aus dem Bonner Raum waren angetreten, die zahlreichen Fans dieser Musikrichtung auf dem Festival zufrieden zu stellen – und diese kamen in Strömen vor die Darkstage. Das Quartett hatte es leicht, die Zuschauer mit ihren eingängigen Nummern wie „Das hier ist ewig“ und „Feuerräder“ von sich zu begeistern. Die Rheinländer erzählten von ihrer Herkunft vom Lande und fragten nebenbei, wer noch alles aus einer ländlichen Gegend kommt – überraschenderweise ist die große Mehrheit der ROCKHARZER nicht in Städten aufgewachsen. Das folgende „Kind aus Hinterwald“ sprach den Leuten entsprechend aus dem Herzen. Kärbholz sind eigentlich unpolitisch, aber auf ihrer aktuellen Platte „Herz & Verstand“ haben sie einen Track namens „Falsche Alternativen“ mit aufgenommen, welches ein Kommentar gegen Populisten jeder Art ist. Das Lied kommt auch im Harz live gut an. Weitere Stücke wie „Mein persönlicher Krieg“ und „Tiefflieger“ rockten gegen Ende der Spielzeit die Massen, verbunden mit der Einladung an die Besucher, mal zu Kärbholz‘ eigenem Festival und natürlich den Konzerten zu kommen, so es denn gefallen hat.

Wesentlich härter ging es im Anschluss wieder mit LEGION OF THE DAMNED zur Sache. Seit der Gründung 2005 sind die Holländer zu einer richtigen Institution in Sachen Thrash Metal geworden. Anfang dieses Jahres erschien die siebte Studioscheibe „Slaves Of The Shadow Realm“. Auf dem ROCKHARZ spielten die Mannen um die Gründungsmitglieder Erik Fleuren und Maurice Swinkels am frühen Abend vor weitgehend leeren Reihen. Kracher wie „Son Of The Jackal“ und „Black Banners in Flames“ wurden dennoch mit dem einen oder anderen Circle Pit bedacht. Die Band hat einen neuen Gitarristen dabei, der Legion Of The Damned zu einem Quintett werden lässt; soundmäßig haut das aber nicht unbedingt mehr rein als früher, außerdem waren die Vocals etwas zu leise abgemischt, was aber genauso am Wind gelegen haben kann. Zum Ende des Gigs mit dem selbstbetitelten „Legion Of The Damned“ wurde dann doch nochmal ein riesiger Moshpit abgehalten, der aber nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass das Publikum insgesamt etwas zu müde war für diesen Thrash Metal-Abriss.

Für die Düster-Fraktion, die traditionell recht groß ist auf dem ROCKHARZ, wurde danach wieder etwas geboten, als MONO INC. die Darkstage beehrten. Wie bestellt, zogen mit Beginn des Auftritts dunkle Wolken über das Festivalgelände. Die Massen waren zur Stelle, als die Hamburger Gothic-Rocker zum düsteren Tanze aufspielten und mit „Welcome To Hell“ von der gleichnamigen zehnten Studioplatte loslegten. Gitarrist und Bassist zeigten sich zunächst mit mittelalterlichen Pestmasken und schwarzen Talaren und wirkten wie Zeremonienmeister eines unheiligen Rituals. Im Hintergrund prangte ein riesiger weißer Vogel, der wie auf das Banner draufgeklatscht aussah. Weitere Nummern wie der „Funeral Song“, „Arabia“ und „Symphony Of Pain“ animierten die Massen problemlos zum Tanzen und Mitklatschen. Im Laufe der Show ging Sänger Martin Engler über den beide Bühnen verbindenden Mittelsteg bis fast zur Nachbarbühne, wo Epica ihren Soundcheck machten und forderte die auf dieser Seite wartenden Epica-Fans auf, doch auf die richtige Seite rüber zu kommen, wo die Party laufe. Weitere Stücke, die in Erinnerung blieben, war das symphonische „Banks of Eden“ und natürlich zum Abschluss das fast poppige „Children of the Dark“ von der vorletzten Platte „Together Til The End“, was Tausende glücklich dreinblickende düstere Seelen auf dem Infield hinterließ.

Sehr voll ist es im Anschluss ebenfalls bei EPICA gewesen, die holländischen Symphonic Metaller sind eine Bank für ein feierwütiges Festivalpublikum! Leider haben die dunklen Wolken von vorher nun etwas Regen mitgebracht; zunächst allerdings nur einen kurzen Schauer, der nicht unbedingt störte. Epica spielten mit einsetzender Dämmerung eine bunt gemischte Best Of-Setlist mit Stücken wie „The Essence Of Silence“, „Unleashed“ und „Victims of Contingency“, dazu loderten häufig Flammenwerfer und Dampffontänen. Die Band lebt seit jeher von der großartigen Stimme der Frontfrau Simone Simons, die durch den Gitarristen und Growler Mark Jansen konterkariert wird. Als optisches Gimmick und zur Steigerung der Dynamik, hatte Keyboarder Coen Jannsen ein halbkreisförmiges, tragbares Keyboard dabei, womit er seinen Platz im Bühnenhintergrund des Öfteren verlassen konnte. Mit dem langen und stellenweise sehr heftigen „Consign To Oblivion“ von der gleichnamigen zweiten Scheibe von 2005 verabschiedeten sich Epica schließlich von der leicht von oben her angenässten ROCKHARZ-Meute.

Im Anschluss ging der Regen wieder los, während KORPIKLAANI den Co-Headliner-Slot bespielten. Von Beginn an wurde in der riesigen Masse ein großer Moshpit abgehalten. Die Finnen spielten eine Menge neues und noch nicht so sehr bekanntes Material von ihrer letzten Platte „Kulkija“, so dass außerhalb vom Moshpit und mit der Ausnahme einiger Crowdsurfer nicht allzu viel los war in der Besucherschar. „A Man With A Plan“ war eines der Highlights auf der Setlist – natürlich ein Sauflied –ein anderes war das stellenweise sehr ruhige und repetitive „Kallon Malja“ von der aktuellen Platte. Zwischendrin wurde mit „Pellervoinen“ auch ein reines Instrumentalstück gespielt. Die Menschenmenge war mit der Zeit so ruhig geworden, dass man sich wünschte, jetzt würden sie endlich wieder eines ihres Sauflieder spielen, so dass endlich Stimmung aufkäme. Just in dem Moment fragte Sänger Jonne Järvelä, welches Lied die Zuschauer denn gerne hören würden. „Vodka“! So war die einhellige Antwort der Fans und als die Riffs von „Vodka“ daraufhin aus den Boxen schallten, war prompt die Feierlaune zurück beim ROCKHARZ-Publikum, auch wenn es kurz darauf stärker zu regnen begann. „Are you happy?“ fragte Jonne danach die Masse, woraufhin der Klassiker „Happy Little Boozer“ folgte. Danach verschwanden Korpiklaani um fast 5 Minuten verfrüht von der Bühne, ohne noch eine Zugabe zu spielen. Fast so, als wären sie enttäuscht gewesen, dass alle immer nur die Sauflieder hören wollen und die weniger trivialen Songs fast niemanden interessieren.

Es folgte vor dem letzten Headliner des diesjährigen Festivals, wie üblich die Ansprache der Veranstalter mit Dankesworten an alle Beteiligten, die die reibungslose Durchführung des Ganzen ermöglichten und an die treuen Besucher, die das ROCKHARZ Jahr für Jahr zu der entspannten kleinen Großveranstaltung machen, die es ist. Zu dem Zeitpunkt war, anders als in anderen Jahren, aber nicht der komplette Platz, sondern nur eine Platzhälfte gut gefüllt. Ob das am sich über den Abend stetig verschlechternden Wetter, welches manche zur verfrühten Abreise bewogen hatte, oder aber am folgenden Headliner selbst gelegen hat, ist schwer zu sagen.

Der letzte Headliner des diesjährigen ROCKHARZ-Festivals war kein geringerer als die Melodic-Death-Metal-Urgesteine CHILDREN OF BODOM aus Finnland. Nach dem sentimentalen Moment hüllte sich die Bühne in violettes Licht zu einem atmosphärischen Intro. Mit „Are You Dead Yet?“ wurde der wartenden Meute im Infield wieder eingeheizt, die mittlerweile vom strömenden Regen durchnässt war. Auch Songs des neuen Albums „Hexed“ wurden ohne zu zögern vom Publikum lauthals mitgesungen. Diese stimmliche Unterstützung kam ganz gelegen, denn Alexi schien beim Warten auf den späten Slot bereits ein Glas zu viel genippt zu haben, was hin und wieder zum Nuscheln führte. Aber es war der letzte Festivaltag und man hatte Verständnis dafür – viele Besucher schlossen sich noch einmal ihm an, bevor sie in Kürze wieder von ihrem Alltag eingeholt werden sollten. Für Highlights wie „Hate Me!“, „Downfall“ sowie „Everytime I Die“ war es jedenfalls noch nicht zu spät und so hatte sich für viele das Warten in der Nässe gelohnt. Nach gewohnten unzähligen Kraftausdrücken blieb am Ende des Sets noch Zeit für den Song „If You Want Peace… Prepare For War“, der den gelungenen Auftritt abschließen sollte.

Nach dem Headliner folgten noch zwei Bands als Rausschmeißer für die letzten Feierwütigen, die den Nachteil des schlechten Wetters auf ihrer Seite hatten, denn inzwischen hatte es sich nicht nur eingeregnet, es war zudem ziemlich kühl geworden.

Den Anfang der nächtlichen Regensause machten THE O’REILLYS AND THE PADDYHATS. Hinter dem etwas ungelenken Namen verbirgt sich eine 2011 gegründete Irish Folk-Truppe aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis, die seit 2016 drei Alben rausgebracht haben. Einige Hundert Interessierte harrten nach dem Headliner weiter im Regen aus, um die Show der siebenköpfigen Band, die auch akustische Gitarre, Geige und Mandoline benutzt, anzuschauen. Gegen die einsetzende nasse Kälte hilft am besten Tanzen und dafür war der punkige Folkrock die optimale Grundlage. Nummern wie „Come On Board“, „Black Sails“, „Yesterday’s Rebel“ und „We All Know“ ließen authentisches Irland-Flair aufkommen. Das Traditional „The Wild Rover“ ist den meisten Deutschen eher in anderem Zusammenhang bekannt – man sage nur Nordseeküste. Zum Abschluss mit „The Boxer“ konnte die Masse nochmal kräftig mitsingen, alle mal kräftig „Leileilei!!“ Bei so viel Pubstimmung machte auch das irische Seewetter nichts mehr aus.

Den allerletzten Auftritt des ROCKHARZ 2019 hatten die schwedischen Newcomer vom APOCALYPSE ORCHESTRA gegen ein Uhr nachts zu absolvieren. Allzu viele waren es nicht mehr, die weiter in Regen und Kälte ausharrten, um der atmosphärischen Performance der Schweden mit Instrumenten wie Dudelsack und Drehleier beizuwohnen. Immer wieder bedankte sich der Frontmann während der Show bei den hartnäckig dem Wetter trotzenden Zuschauern. Die Bühne war mal in tiefblaues, mal in pinkes Licht getaucht, dazu wurden kleine Feuerschalen entzündet. Die Musiker traten teils in Mönchskutten auf und, wie bei Mono Inc. am Nachmittag, fand abermals eine mittelalterliche Pestmaske Verwendung. Musikalisch lässt es sich schwer beschreiben, was das Apocalypse Orchestra macht, es handelt sich um eine Art Folk-beeinflussten Doom Metal mit Death Metal-Einflüssen, der fast rituell klingt und einen in den Bann zieht, wenn man sich darauf einlässt. Insofern bekamen die letzten Mohikaner des diesjährigen ROCKHARZ zum Abschluss nochmal eine außergewöhnliche Show zu sehen – alle die das verpasst haben, dürfen kurz seufzen.

Danach galt es, sich ins hoffentlich trockene Zelt zu begeben und auf die Abreise am folgenden Sonntagmorgen vorzubereiten. Durch die zweite Gelände-Ausfahrt an der Landebahn stand diesmal kein großer Abreisestau im Weg – wie auch bei der Anreise am späteren Mittwochnachmittag verlief alles problemlos.

Das ROCKHARZ 2019 war in seiner Gesamtheit wieder eine wunderbar runde Sache: Viele tolle Bands, bekannte wie unbekannte, zu 90 Prozent gutes Wetter und eine reibungslose Organisation ließen das Festival zu einem großen Erfolg werden. Kein Wunder, dass jedes Jahr mehr Leute kommen wollen.

Denn die Größe war nach offiziellen Angaben wieder gestiegen mit bis zu 20.000 Gästen – groß genug möchte man sagen, mit bangem Blick auf die regelmäßigen „Ausverkauft!“-Meldungen schon Anfang April sowie auf die heutige Größe von Wacken, welches auch mal ähnlich klein angefangen hatte wie das ROCKHARZ in den 90ern. Daher sollte sich sputen, wer im nächsten Jahr dabei sein will und rechtzeitig seine Tickets sichern. Mit bereits bestätigten Bands wie Running Wild, Accept, Subway To Sally, Eluveitie und Destruction wirft schon wieder ein weiteres hammerstarkes Lineup seine Schatten voraus, das die typische Harzer Mischung aus verschiedensten Spielarten von Rock und Metal verspricht. Bis zum nächsten Jahr, Ballenstedter Flugplatz, denn an den ersten Juli-Tagen rockt wieder der Harz!

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