Finsterforst – Zerfall

verfasst von Henry E.-S.

Ich glaub, es hackt! Echt jetzt? Da schickt man mir die neue Scheibe “Zerfall“ von der Band “Finsterforst“ nicht als ganz normalen Download, sondern als Link zum Online-Hören! Leute, zuhause erhole ich mich und die schreibe die Kritiken. Aber das Hören geschieht draußen auf der Straße! So viel Zeit nach Feierabend hab ich auch nicht, vor allem weil man sich ja auch mal mit den eigenen Dingen beschäftigen will. Habt ihr Angst, dass ich die Dateien weitergebe? Man man, jetzt muss ich hier todmüde nach Feierabend am PC hören, was “Zerfall“ so zu bieten hat. Aber ich bin dann doch Bass-Erstaunt! Die sind ja doch nicht einfach hochgehyped.

Die können ja was. Auch wenn man überspitzt sagen könnte, wir hätten hier einen Männer/Shanty-Chor mit Black Metal gekreuzt. Zu aller erst jedoch etwas Verbraucherschutz und das Wegräumen sämtlicher Erwartungshaltungen. Ich rechne mich zu dem Personenkreis, zu dem auch einige von euch gehören werde, die da regelmäßig kurz Wikipedia bemühen. Dort wird die Band in die Kategorie Folk und Pagan Metal gepackt. Das wird der ganzen Sache irgendwie nicht gerecht. Vielmehr würde ich sagen, hält sich noch ein großer Teil der Essenz des Black Metal im Sound von “Zerfall“. Die Band bezieht sich in Ihrer Musik, wie auch mit Ihrem Bandnamen auf den Schwarzwald. Und das hört man.

Die Grundstruktur der Songs, ist die Schaffung einer Atmosphäre, welche gut auf ausgedehnte Wälder passt. Als reinen Black Metal oder Schwerpunktmäßige Black Metal-Verwendung, darf man das Ganze aber trotzdem nicht münzen. Es herrschen eher noch Post Black Metal-Elemente vor und doch sehr viele Elemente, die eher im Pagan und auch im Folk Metal zu finden sind. Die Grundatmo ist Black Metal und das macht es ganz gut. Die Pagan-Elemente sind es, die die Epischen Seiten aufziehen lassen. Männerchöre (ja, Männerchöre. Am Anfang denkt man wirklich an Shanty-Chöre.) bringen eine schöne Diversität in den Sound hinein. Dabei werden sie von Blasinstrumenten begleitet, was den Epic-Faktor verstärkt. Nein, ich erkläre jetzt nicht, was das ist. Googlets halt. Und hört euch direkt mal ein bisschen Blues an. Als weiteres tragendes Instrument ist ein Schiffer-Klavier anwesend (ich komm aus dieser Shanty-Nummer echt nicht mehr raus. Aber es passt auch einfach auch zur See wie zum Wald).

So oft hört man das im Metal nicht, vor allem nicht bei einer Wald-Thematik. Der Gesang ist wahlweise Black Metal-eskes Screaming oder Klargesang, der in seinem Rahmen bleibt und gar nicht erst versucht in höhren Notengefilde zu gelangen. Das Tempo ist gut gewählt, ganz Black Metal-typisch. Es wird sich Zeit gelassen, getragen gespielt und mal eine Passage ausklingen gelassen. Ich suche irgendwie den Folk dann doch vergebens. “Zerfall“ ist eher eine Mischung aus Pagan und Black. Was für mich jedoch das wichtige an “Finsterforst“ neuer Platte ist, ist die Eigenständigkeit. Mit dem Gesang, den Black Metal-Vibes und vor allem Trompete und Schiffer-Klavier, hat sich “Finsterforst“ ihren eigenen Stil erschaffen.

Und wenn sich auch Jemand über die Männerchor-Haften Klargesangspassagen des Sängers beschwert: Scheiß doch der Hund drauf. Textlich steuert das Gesamte in Wald- und Mensch-trifft-auf-Natur-Gefilden. Da muss man sich erst einmal drauf einlassen. Ist halt der Black Metal-Unterbau. Woran das Album nach hinten raus etwas zerbricht, ist die Geduld, die es einfordert. Vor allem Dank Track 05. “Ecce Homo“, der über 35 Minuten geht. Man muss sich einfach für den Genuss der Scheibe Zeit und Geduld nehmen. Dann wird man auch belohnt. Zum Headbangen ist das Nichts, aber das ist der Naturelle Black Metal ja auch nicht. Und jetzt entschuldigt mich, ich hab Feierabend.

Tracklist:
01.Wut
02.Zerfall
03.Fluch des Seins
04.Weltenbrand
05.Ecce Homo

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