Rock am Härtsfeldsee 2019

28./29.06.2019
Am Härtsfeldsee
Dischingen

verfasst von Laura F.

Hart, Härter, Härtsfeldsee. Am Wochenende, vom 28.-29. Juli, wurde es laut auf den sonst so idyllischen Feldern Dischingens. Bereits seit 1997 wird jährlich das kleine Festival Rock am Härtsfeldsee von der regionalen Dorfjugend organisiert und durchgeführt. Und das mit ganzem Erfolg: Bereits Größen wie Doro, Motörhead, Amon Amarth, Kreator, Alice Cooper oder Sabaton bespielten die Bühne in den vergangenen Jahren. Auch dieses Mal schien das Line-up zu ziehen, denn das Festival war bereits Ende April ausverkauft.

Aus zeitlichen Gründen fiel der erste Festivaltag leider für mich weg. Während ich noch arbeiten musste, feierten tausende Fans mit Mr. Irish Bastard, Onkel Tom, Sodom, Die Apokalyptischen Reiter, Alestorm und U.D.O schon am Freitag. Umso mehr freute ich mich allerdings auf den Samstag, doch noch lagen etwa 400 km zwischen uns. Meine Reise begann gemütlich um halb 10 morgens, da das Festival nicht wie gewöhnlich den ganzen Tag über bespielt wird, sondern die erste Band erst 17.30 Uhr die Bühne betreten sollte. Die Autofahrt verlief entspannt und so kam ich rechtzeitig ohne ungeplante Verzögerungen am Hotel an.

Etwas später am Festivalgelände angekommen, zog es mich erstmal zum direkt anliegenden Naturbadesee, dem Härtsfeldsee, der an diesem heißen Tag euphorisch von den Leuten angenommen wurde. Dafür wurden bis zum Einlass extra die Absperrungen vom Gelände geöffnete, damit jeder die Abkühlung genießen konnte. Um 17 Uhr strömten dann die ersten Besucher vom Tagesparkplatz oder Campingplatz in Richtung Veranstaltungszelt beziehungsweise stoppten vorerst an den Getränke- oder Foodständen. Diese zeichneten sich besonders durch ihre wirklich humanen Preise aus, was man auf Festivals gewöhnlich selten erwartet. Natürlich gab es auch einen Stand mit genügend Merchandise, das die Fanherzen höher schlagen ließ. Eine halbe Stunde später betrat dann auch schon die erste Band die Bühne. Die Oldenburger Punkrocker, Drunken Swallows, waren ein super Einstieg für den Tag, denn sie machten schnell gute Laune, auch wenn sich erst wenige Leute vor die Bühne verirrt hatten. Mit ihren Songs zeigten sie ihren klaren politischen Standpunkt, welche allesamt mit kraftvollen, schnellen Klängen gepaart waren, die eine ausgelassene Stimmung hervorriefen. Da vor der Bühne noch genügend Platz war, gesellte sich Sänger Frank Hoffmann zu den Leuten, der dort mit wortwörtlich offenen Armen empfangen wurde. Es dauerte nicht lange, bis sich auch ein Freiwilliger fand, der spontan seinen Gesangspart übernahm. Letztendlich haben sie trotz der kürzesten Spielzeit an diesem Tag viele neue Fans gewonnen.


Nach der Show traf man die Band direkt am Autogrammstand wieder, wo sie den Fans für Unterschriften, Fotos oder aber dem ein oder anderen kurzen Plausch zur Verfügung standen. Diese Möglichkeit gab es später natürlich auch mit allen anderen Bands, sodass niemand kurz kam.
Mittlerweile machte sich auch die Nachricht breit, dass Sonata Arctica, die als vierte Band spielen sollten, wegen eines Flugzeugdefekts nicht auftreten werden. Die Finnen hätten an diesem Tag den weitesten Weg gehabt. Durch den neu gesetzten Zeitplan verlängerten sich die Pausen zwischen den Auftritten und auch die Bands selbst bekamen ein paar Minuten mehr angerechnet.

18.30 Uhr ging es dann mit der Band Parasite Inc in Richtung Melodic-Death-Metal weiter. Bei diesem Festival sollte durch die verschiedenen Genres jeder auf seine Kosten kommen. Auch Parasite Inc waren mir, wie die Drunken Swallows, noch gänzlich unbekannt. Allerdings hatten die Jungs quasi einen Heimvorteil und dürften für die meisten Leute, mit ihrem nun schon 12 Jahren Banddasein, gar nicht mal so fremd gewesen sein. Die Aalener legten beim Tempo nochmal eine Schippe drauf und setzten einen charakteristischen Synthieklang in den Vordergrund. Dabei stand Sänger Kai Bigler beinahe emotionslos mit seiner Gitarre am Mikro, der ganz ohne Klargesang die Texte wiedergab. Während den einen die Growls und Screams dann doch zu eintönig waren, zeigten sich anderswo lange Haarbüschel, die sich rhythmisch zur Musik bewegten.

Für die Ruhe NACH dem Sturm sorgten End Of Green, die etwas sanfter und melancholischer den Abend fortführten. Die gefühlvolle Stimme von Sänger Michelle Darkness und die treibenden musikalischen Klänge erzeugten auch bei über 30 Grad schnell Gänsehaut. Den besonderen Kick bekamen wir mit “Black No. 1” von Type O Negative. Michelle kitzelte dabei wahrscheinlich Peter Steele zwei Meter unter der Erde am großen Zeh, denn die tiefe, dunkle Stimme ging durch und durch. Trotz des straffen Zeitplans ließ er sich auch den Smalltalk zwischen den Songs nicht nehmen – Themen wie Instagram, der Familienzuwachs des Gitarristen und ein paar andere Dinge, denen ich allerdings durch die schwäbische Dialektbarriere nicht gewachsen war, wurden auf eine fast familiäre Art verkündet. Natürlich musste auch der neue Basser von End Of Green vorgestellt werden, der eigentlich bei der Band Undertow ansässig ist. Dass “Hundi” die Jungs erst seit wenigen Auftritten begleitete, viel aber gar nicht auf. Mit dem gefühlvollen Cover “Hurt” kamen sie viel zu schnell zum Ende ihrer 45-minütigen Setlist.

Die meisten Fans schienen Kissin’ Dynamite anzuziehen, zumindest der Menge an Bandshirts nach zu urteilen. Und das spiegelte sich später auch bei ihrer Show wieder. Das Zelt füllte sich zunehmend und die Menschenmenge war schnell infiziert. Nicht wenige sangen die Refrains lauthals mit. Mit gewaltiger Energie heizten die fünf Schwaben ordentlich ein und hetzten ohne Stillstand über die Bühne. Optisch könnte Sänger Hannes Braun auch zu Steel Panther gehören: Blonde Föhnfrisur und ein Look, der im Gesamtpaket die 80er Jahre anmuten lässt. Gut, ein wenig pink fehlte hier und da vielleicht noch. Umso besser saßen die Posen. Ob mit schwingender Fahne oder Mikrofonständer in der Hand; das Auge kam kaum hinterher, da kletterte er auch schon die Bühnenkonstruktion hinauf. Aber auch die anderen Bandmitglieder reihten sich in die energetische Bühnenperformance ein und untermalten sie mit schmissigen Riffs.

Als Headliner betrat die Mittelalter-Rock-Band InExtremo um 22.50 Uhr mit kurzer Verspätung die Bühne, welche bereits mit lauten Rufen erwartet wurden. Mit ihren Feuerfontänen brachten sie das Zelt nun endgültig zum Kochen. Für uns Fotografen blieben nur eineinhalb Songs im Graben, dann mussten wir aufgrund der Pyrotechnik und der Crowdsurfer, die pausenlos nach vorne stürzten, weichen. Ja, die mittelalterlichen Instrumente und Klänge erhöhten den Bewegungsdrang sichtlich im mittlerweile randvollen Veranstaltungszelt. Mit ihrer Show boten sie nicht nur Unterhaltung für die Ohren – die Bühne war in Klinkermaueroptik verkleidet und es ragten drei große Straßenlaternen über die Bandmitglieder. Etwas benachteiligt waren die letzten zwei Bands durch das fehlende Tageslicht und den mittlerweile feuchten Dunst, der sich durchs Zelt zog und das Kunstlicht matschig machte. Trotzdem: die Stimmung war am Hochpunkt und die meisten Fans waren von Anfang bis Ende textsicher dabei. Mit einer vollen Setlist von insgesamt 18 Songs sprengten sie das geplante Ende um 0:10 Uhr und ließen die Leute noch einige Minuten weiterfeiern, bis sie dann letztendlich mit “Pikse Palve“ als Rausschmeißer das Rock am Härtsfeldsee 2019 ausklingen ließen.

Das Thema Festivalsterben wird in Deutschland immer lauter, vor allem zeigt sich das an kleineren Veranstaltungen. Dieses Festival scheint allerdings zum Glück einen Bogen darum zu machen. Was bei einem Besuch schnell deutlich wird – die Anwohner stehen hinter dem Festival und unterstützen es wo sie nur können. Dieses Herzblut spürt man, wenn man sich mit den Leuten vor Ort unterhält. Man kann sich nicht genug bedanken für diese tolle ehrenamtliche (!) Organisation und das super freundliche Team. Da kann sich so manch ein Festival eine Scheibe von abschneiden. Nächstes Jahr geht es am 26./27.06.2020 wieder los – also kommt vorbei!

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