Der Detze Rockt 2019

14. – 15.06.2019
Daun-Rengen


verfasst von Henry G.

Die kleineren Festivals, die in fast familiärem Rahmen stattfinden und nicht die ganz großen, aber doch sehr handverlesene Bands präsentieren, sind für manchen Metalfan die bessere Wahl, als die bekannteren Namen. Lässt sich hier doch in gemütlicher Runde entspannt ein Festival genießen, ohne großes Tamtam nebenbei oder riesige Campingplätze, wo man sein Zelt erst nach langer Suche wiederfindet. Ein solches Festival ist Der Detze Rockt in der Vulkaneifel, wo Jahr für Jahr internationale Bands spielen, die man teilweise anderswo nicht zu sehen bekommt.

Zum neunten Mal galt es in diesem Juni, den Detzenberg bei Daun zu rocken, doch wie immer stand erstmal die Anreise dem Spaß nicht nur sprichwörtlich im Weg. An einem Freitagnachmittag ist es kein Vergnügen, an Köln vorbei fahren zu müssen; egal welche Route man wählt. Der eine oder andere Stau ließ sich bei sommerlichen Temperaturen um die 25 Grad nicht vermeiden, dennoch war die Route vom Ruhrgebiet diesmal in unter drei Stunden zu meistern gewesen. Somit war man rechtzeitig angekommen, sich ein passendes Plätzchen für Zelt und Auto auf dem überschaubaren Flachhang des Detzenberges zu suchen und bevor die ersten Musiker die Bühne betraten, war das Zelt auch aufgebaut.

GoatKing machten den Anfang am Freitagnachmittag bei sommerlich-sonnigem Wetter, welches leider den Abend über nicht halten sollte. Der Soundcheck dauerte schon etwas länger, so dass man direkt mit einigen Minuten Verspätung ins Programm startete. Die Hessen legten mit ihrem melodischen Thrash Metal einen sauberen Start hin. Das Quartett, das letztes Jahr die EP Uncrowned produziert hatte, konnte immerhin einige Zig Besucher vor der Bühne versammeln. Die meisten Leute standen jedoch nicht dort, sondern vorm Bonstand, wo man erstmal eine Verzehrkarte erwerben musste, mit der man dann die Biere an den Getränkeständen bezahlen konnte. Das System funktioniert ansonsten sehr gut, es wird einfach der Getränkewert auf der Karte abgestrichen, so muss nicht erst lang nach Wechselgeld gesucht werden. Die Frage von Sänger und Bassist Jonas, ob denn die Zuhörer schon besoffen sind, ließ sich somit klar beantworten – daran musste noch gearbeitet werden. Aber der Thrash von GoatKing, insbesondere mit einem Titel wie Goathammer! dabei, bildete schon mal den perfekten Soundtrack dazu.

Die Moontowers sind eine relativ neue Band aus der Koblenzer Szene, bestehend aus dem Gitarristen von Desaster, einem Gitarristen von Secutor und dem Drummer von Metal Inquisitor, ergänzt mit Sänger Dirk Dommermuth. Die Moontowers haben sich dem Heavy Metal verschrieben, wobei ihre Einflüsse vielschichtig sind; unter anderem Doom und Hard Rock klingen ebenso in der Musik mit, wie Heavy Metal. Dazu gibt es verspielte Soli und epische Instrumentalparts. Rund 100 Leute fanden sich vor der Bühne ein, um Songs wie The Cold and Mighty Ale, Demon’s Eye oder Farewell zu lauschen. Mit Lake Of The Dead haben die Moontowers außerdem ein Stück über die Sagenwelt der Eifel, genauer gesagt, übers Schalkenmehrener Maar geschrieben. Welcher Spielort könnte besser dafür geeignet sein, als der Detze? Zum Abschluss eines rundum überzeugenden Auftritts folgte noch das epische Moontowers Will Rise Again, welches mit einem klassischen Motörhead-Ende, also einem langen ausschwingenden Bassgitarrenton, sein Finale fand. Da kann man sich auf jeden Fall auf die nächste Veröffentlichung freuen, bisher gibt’s ja nur eine EP mit drei Songs.

Im Anschluss war es Zeit für einen indischen Albtraum: Indian Nightmare sind eine mit Musikern aus verschiedensten Ländern zusammengesetzte Band, die alle in Berlin wohnen und die weite Reise in die Eifel auf sich genommen haben, um den Fans auf dem Detze so richtig einzuheizen. Die 2014 gegründete Truppe hat dieses Frühjahr ihre zweite Platte By Ancient Force veröffentlicht. Beim Publikum kam die Mischung aus Speed Metal und Punk gut an; Stücke wie Warlords, Incursions of Death und Circles Of Fire knüppelten kräftig mit speedigen Riffs und garstigen Vocals aus den Boxen in den Eifelfeierabend. Optische Akzente setzten die Musiker außerdem mit der Kriegsbemalung im Gesicht sowie knöchernen Ketten, einem knöchernen Mikrohalter und, bei Speed Metal geradezu unverzichtbar, Patronengurten und Nietenarmbändern. Von der ersten Scheibe von 2016 stellte das Quintett weitere Songs wie Riders Of Doom und Betrayers in der knapp einstündigen Show vor. Eine Ansage von Frontmann Poison Snake richtete sich gegen die Ausbeutung von eingeborenen Völkern und deren Grund und Bodens. Im letzten Teil des Konzerts wurde dann schließlich der erste Moshpit des Abends gebildet. The Awakening von der neuen Scheibe beschloss den Auftritt der Berliner, der Abend sollte im Anschluss ähnlich heftig weitergehen.

Denn der Antichrist war geladen, genauer gesagt die Thrash Metaller dieses Namens aus Schweden. Antichrist feierten auf dem Detze gewissermaßen ihr zehnjähriges Jubiläum, da das erste Demo im Jahr 2009 erschienen war. Das Quintett mit ihrem rumpeligen Oldschool Thrash Metal lockte immerhin gut 300 Besucher vor die Detze-Bühne. Der einsetzende leichte Regen über dem Sportplatz machte da wenig aus; am Horizont war unterdessen noch ein orangener Sonnenuntergang zu beobachten. Antichrist-Anfeuerungsrufe erhallten die abendliche Szenerie und ein kleiner Moshpit fegte über den Platz. Antichrist spielten unter anderem Death Rays und Militia of Death von der 2011er Debütplatte Forbidden World. Sänger Anton Sunesson alias Steken erinnert stellenweise etwas an Lemmy; er hat auch so eine verrauchte Whiskeystimme, beherrscht aber außerdem höhere Screams. Über die Dauer von einer Stunde wird der Stil von Antichrist aber mit der Zeit etwas eintönig – es ist gute Mucke zum Abfeiern, nur etwas wenig abwechslungsreich insgesamt. Macht aber nix, denn nach den ersten paar kühlen Bieren auf dem Detze machte der Auftritt selbst im Regenschauer viel Spaß.

Iron Angel waren der Freitags-Headliner geworden; die Hamburger Speed Metal-Legende wurde 1983 von Sänger Dirk Schröder gegründet, der einziges verbliebenes Originalmitglied ist – die Originalgitarristen sind leider bereits verstorben. Mitte der 80er haben Iron Angel zwei Platten veröffentlicht, nach der Reunion 1997 kamen noch einige Compilations und ein Livealbum, bis 2018 die dritte Studioplatte Hellbound veröffentlicht wurde. Zahlreiche Besucher versammelten sich bei sich verschlechternden Wetterbedingungen vor der Detze-Bühne um dem Freitagsheadliner zu lauschen. Nach einigen Songs von den alten Alben aus den 80ern stellte dieser mit Ministry Of Metal ein Stück von der neuen Scheibe vor, das sich nahtlos einreiht in das speedmetallische Vermächtnis der Hamburger Band. Später wurde mit Hellbound zusätzlich noch der Titeltrack der Platte gespielt. Iron Angel konzentrierten sich aber ansonsten im Wesentlichen auf das Material von der Hellish Crossfire-Debütscheibe von 1985. The Hunter in Chains, Heavy Metal Soldiers und Sinner 666 ließen die Herzen aller Oldschool-Metaller höher schlagen. Dazwischen war Frontmann Dirk immer mit einem flotten Spruch präsent auf der Bühne; man kann es gar nicht alles wiedergeben, aber teilweise konnte man sich kaum Einkriegen vor Lachen, was der Kollege da so alles abließ, das hatte schon Comedy-Potenzial. Die zweite Iron Angel-Platte war unter anderem mit Son Of A Bitch live auf dem Detze vertreten. In der zweiten Hälfte der Show fing es richtig kräftig an zu regnen, das Publikum blieb zwar dabei, aber stimmungsmäßig war nicht allzu viel los. Irgendwo mittendrin wollte der Sänger gar den Auftritt beenden, weil das Publikum zu ruhig war. Das Konzert strengte ihn auch deutlich an, Bemerkungen wie „Leck mich am Arsch, meine Knochen!“ fielen dann schon mal. Weitere Klassiker wie das von einzelnen Zuschauern geforderte The Metallian und Legions Of Evil wurden schließlich bei strömendem Regen gespielt, ohne groß eine Zugabe draus zu machen, denn der Sänger musste ins Bett und die Zuschauer sollten ebenfalls ins Trockene zurückkehren können. Wenige Minuten nach dem Iron Angel-Headlinergig endete der Regen und die Party konnte auf dem durchnässten Zeltplatz weitergehen.

Der Samstag startete mit vielen dunklen Wolken, aber das Wetter blieb letztlich doch trocken. Bis zum Mittag konnte man sich auf dem Zeltplatz entspannen und sein Frühstücksbier genießen, bevor Fabulous Desaster um halb zwei das Programm des zweiten Festivaltages bei strahlendem Sonnenschein eröffneten. Zum musikalischen Tagesstart wurde noch etwas anderes geboten, nämlich Freibier an den Bierständen! Entsprechend war es dort erstmal voller als direkt vor der Bühne, wo die Bonner Oldschool Thrash Metal vom Feinsten präsentierten. Im Laufe des Auftritts mit Nummern wie Abra Cadaver und Toxic Nuclear War versammelten sich dann immerhin an die hundert Leute vor der Bühne, die inzwischen von einer kräftig brennenden Sonne beschienen wurde. Darauf befanden sich, außer den Musikern, einige Aufstellbanner mit Teilen des Artworks der neuen Scheibe Off With Their Heads. Sofern die Leute schon wach seien, wurden sie zum Moshen aufgefordert. Das war dann offensichtlich nicht der Fall. Auf jeden Fall schon wach waren die Soundleute, die hier, wie eigentlich das ganze Festival über, einen Spitzenjob geleistet haben, Glückwunsch dazu! Zum Abschluss wurde noch Faster Than Light um die Ohren geballert und Fabulous Desaster waren bereit zum Mitfeiern und Biertrinken.

Die nächsten im Bunde konnten etwas mehr Zuschauer verbuchen und für eine ausgelassene Stimmung auf dem Detze sorgen: Speed Queen sind eine junge Speed Metal-Truppe aus dem belgischen Limburg. Deren Performance lebt von dem dynamischen Agieren des charismatischen und, nach Aussage einiger Damen im Publikum, gutaussehenden Sängers Thomas Kenis. Speed Queen scheinen sich ihrer Wirkung auf das schöne Geschlecht bewusst zu sein; so hatten sie sogar Tangas mit ihrem Logo darauf im Merch-Angebot, welche im Anschluss direkt ausverkauft waren. Gut verkauft haben dürfte sich ebenfalls die EP aus dem Jahr 2017, die bisher einzige Veröffentlichung der Belgier. Da deren Songs wie der Titeltrack King Of The Road, Fly High oder Speed Queen nicht für eine selbst noch so kurze Festivalshow ausreichen, wurde noch eine Runde gecovert. Der weltbekannte Rose Tattoo-Klassiker Nice Boys bietet sich da als optimale Wahl an. Gegen Ende wurde noch das Kind eines Besuchers auf die Bühne geholt, um gemeinsam mit der Band abzufeiern und für „die nächste Generation des Metals“, wie der Sänger sagte, wurde auch vom Publikum kräftig applaudiert. Insgesamt ein überzeugender Auftritt der Belgier, die noch viel vor sich haben, sie müssten nur langsam mal mit mehr eigener Musik vorankommen.

Bei Booze Control hatte der Festivalablauf schon 15 Minuten Verspätung, die Braunschweiger Heavy Metaller feiern dieses Jahr ihr zehntes Jubiläum, haben die vierte Studioplatte veröffentlicht und wollen gleichzeitig Ende des Jahres die Stromgitarre für immer an die Wand hängen: Man habe einfach alles erreicht, was man wollte mit der Band. Die Entscheidung macht den Detze-Auftritt zu einer der letzten Shows von Booze Control überhaupt. Doch von Wehmut keine Spur, das Quartett zockte sich mit Freude durch den gut 40-minütigen Gig. Nach einigen Minuten wurde die Band lautstark von den Zuschauern angefeuert und genoss sichtlich den Zuspruch. Von der neuen Platte Forgotten Lands stellten die Braunschweiger neben dem Titeltrack noch Playing With Fire und Attack Of The Axemen vor. Weitere Nummern im Programm waren Strike The Earth, Vile Temptres und das selbstbetitelte Booze Control. Zum Ende folgte noch das eine oder andere Gitarrensoloduell zwischen dem Lead Gitarristen und dem Sänger, die Zuschauer konnten etwas mitsingen und der Bassist drehte eine Runde durchs Publikum. Schade, dass Booze Control aufhören, aber mit dem Auftritt auf dem Detze werden sie allen, die sie dort gesehen haben, in guter Erinnerung bleiben.

Mit Bütcher ging es im Anschluss wieder deutlich härter zur Sache, die belgischen Speed/Thrash Metaller hatten zudem das Lautstärkeniveau noch einmal deutlich angehoben. An die 150 Zuschauer fanden sich mit einsetzender Conan-Filmmusik als Intro vor der Detze-Bühne ein, um dem kräftig knüppelnden Sound der vier mit schwarzrotem Schlachtenschmodder angemalten Musiker zu lauschen. Optisch wurde das Geschehen ergänzt durch zu Kerzen umfunktionierten Schnapsflaschen auf den Amps, eine nach Marke Eigenbau aussehende tragbare Mikrohalterung in Form eines umgedrehten Kreuzes und zahlreiche Nietenarmbänder. Der garstige Gesang mit dem gewollt übersteuert klingenden Mikro-Sound geht schon in Richtung Black Thrash und machte das Zuhören über die Dauer des Auftrittes etwas anstrengend. Das Repertoire des Sängers Ruben Luts beinhaltete aber auch hohe Screams. Zuweilen sind sogar melodische Anklänge in der Musik von Bütcher festzustellen. Eine kurze Abwechslung vom übersteuerten Gesang bot das Instrumentalstück Flight of the Nazgûl von der noch aktuellen Debütplatte Bestial Fükkin‘ Warmachine. Weitere Nummern davon wie The Black Krusader wurden ebenso live vorgestellt. Ein interessanter, aber im Nachhinein unter den Festivalbesuchern durchaus kontrovers diskutierter Programmpunkt – hätte man ebenso zum Wachmachen als Tagesopener nehmen können.

Hellish Crossfire standen danach auf dem Programm und hatten arge Probleme, das immerhin recht zahlreich angetretene Publikum für sich zu begeistern. Die im Jahr 2002 gegründete Thrash Metal-Truppe aus Nürnberg hat zwar seit 2010 nichts Neues veröffentlicht, hatte aber dennoch zwei neue Songs namens Bones Horror und Morbid Slumber mit im Programm. Weitere gespielte Stücke waren Hallowed in Fire sowie Claw Of The Reaper von der 2006er Debütscheibe und At the Edge of Total Chaos von der bisher letzten Veröffentlichung Bloodrust Scythe.

Es war nicht der Tag von Hellish Crossfire, die keine besonders gute Show spielten und dementsprechend kaum Publikumsreaktionen hervorrufen konnten. Insbesondere der Sänger wirkte uninspiriert bis gelangweilt und machte sich von Anfang an keine Freunde mit seinem „Hallo Koblenz“; insgesamt schien er wenig Bock auf das Konzert zu haben oder war einfach nicht in der Verfassung dafür. Vor dem letzten Stück wollte er das Ganze sogar schon beenden. Wäre vielleicht besser gewesen, auf jeden Fall ehrlich. Der Lead-Gitarrist legte sich dagegen zwar ordentlich ins Zeug mit einigen fetzigen Solos, was aber alleine nicht alles raußreißen konnte. Also entweder waren die Herren gehörig verkatert vom Vorabend oder aber es hat zwischen den Musikern kürzlich ordentlich gekracht – so oder so haben Hellish Crossfire ihr Konzert auf dem Detze zwar pflichtgemäß abgeliefert, aber Spielfreude oder ein überzeugender Auftritt sehen deutlich anders aus.

Ambush spielten bereits im letzten Jahr auf dem Detze, ihr so schnelles erneutes Auftauchen war eigentlich nicht geplant gewesen. Aber nach der Absage von Demon Head konnten sie kurzfristig einspringen und so hat es eben für alle gut gepasst, dass Ambush nun erneut spielten. Die Schweden konnten bereits im letzten Jahr viele Festivalbesucher von sich überzeugen und so war es wenig verwunderlich, dass es nun gut voll wurde vor der Detze-Bühne. Der klassische Heavy Metal der Truppe aus Växjo mit Songs wie Desecrator, Southstreet Brotherhood und Rose Of The Dawn begeisterte die Fans am Samstagnachmittag schnell, immer wieder wurden Ambush von den Zuschauern angefeuert. In der Band spielen auch Musiker, die von anderswo her bekannt sind: so singt der Bassist Oskar Andersson außerdem bei Night und einer der Gitarristen war von Bullet entliehen. Ein Cover des Priest-Klassikers Metal Gods konnte die Stimmung nochmals steigern – diese Inspirationsquelle hätte man aber auch so schnell erraten. Mit Hellbiter wurde das erste neue Stück seit der letzten Platte von 2015 ebenfalls gleich noch dem Detze-Publikum vorgestellt. Weitere Songs wie Firestorm und das mitreißende Natural Born Killers von der ersten Platte hielten die Party samt Publikums-Mitsingrunde am Kochen. Da hatten sich die Detze-Besucher die Zugaben redlich verdient. Insgesamt konnten Ambush erneut die Massen auf dem Detze begeistern; wie schon im Vorjahr hatten die Schweden diesmal allerdings wieder nur Shirts und keine CDs am Merch-Stand dabei, nächstes Mal bitte mitbringen!

Wer nun gegen Abend hungrig wurde und sich am einzigen Imbissstand auf dem Detze mit Nahrung eindecken wollte, musste dafür eine ganze Menge Zeit einplanen, man hörte von Wartezeiten in der Schlange von deutlich über einer halben Stunde. Die Überfrequentierung des Imbissstandes zog sich hin bis in den späten Abend: Erst als Satan spielten, konnte man ohne langes Warten etwas dort kaufen, allerdings war dann das meiste schon aus. Hier besteht Verbesserungsbedarf, ein zweiter Essensstand für den Samstag, der zudem idealerweise ein ergänzendes Angebot hat, wäre auf alle Fälle wünschenswert.

Vulture hatten eine Woche vor dem Detze ihren triumphalen Auftritt mitsamt Livestream-Übertragung auf dem Rock Hard Festival. Nun waren sie also wieder zurück im Underground auf dem Detzenberg, wo sie schon vor zwei Jahren gespielt hatten. Diesmal konnten sie aber neue Songs aus ihrer nagelneuen Platte Ghastly Waves & Battered Graves vorstellen, darunter den Titeltrack und The Garotte. Zusätzlich folgten ältere Stücke wie Victim to the Blade und D.T.D. (Delivered to Die). Es handelte sich im Wesentlichen um den gleichen Auftritt wie eine Woche zuvor, nur eben in kleinerem Rahmen präsentiert und mit einer Nummer mehr. Bei Vulture weiß man immer, dass man einen herrlich-garstigen Speed Metal mit großartigen Solos geboten bekommt, da werden keine Gefangenen gemacht, und es gibt keine Überraschungen oder Ausfälle. Etwas mehr Abwechslung in Setlist oder Ansagen zum Gig der Vorwoche wäre aber schön gewesen.

Nachdem die vorherigen Auftritte insgesamt gut besucht waren, erwischte es Mindless Sinner, ähnlich wie Dealer im Vorjahr, dass der Platz vor der Bühne weitgehend leer war, als die schwedische Heavy Metal-Truppe spielte. Man kann nur sagen, Leute ihr habt eine großartige Oldschool-Show einer Original 80er-Jahre- Band verpasst! Mindless Sinner könnte man quasi als schwedische Antwort seinerzeit auf die New Wave of British Heavy Metal betrachten, da ihr Sound stark in diese Richtung geht. Sämtliche heutige Mitglieder sind seit Anfang/ Mitte der 80er mit dabei gewesen; so eine langfristige Besetzung findet man heute selten. Damals haben Mindless Sinner zwei Alben und eine EP veröffentlicht, eine neue Platte kam im Jahr 2015. Daraus wurde mit Men Of Steel auch eine Nummer auf dem Detze vorgestellt. Davon abgesehen wurde eigentlich nur Material von der ersten EP sowie der ersten Platte aus den Jahren 1983 und 1986 gespielt. Songs wie We Go Together, Live and Die, Broken Freedom, Voice Of The Doomed und Key Of Fortune sind zeitlose Heavy Metal-Juwelen, die von immerhin einer Handvoll Leute vor der Detze-Bühne abgefeiert wurden. Im Nachgang konnte man die Musik der Mindless Sinner sehr oldschoolig sogar auf Kassette am Merch kaufen – großartig und perfekt für die Rückfahrt im Auto.

Nach Einbruch der Dunkelheit waren Horisont als Co-Headliner der Ausreißer auf dem diesjährigen Detze. Aber, dass Classic Rock dort auch einen Platz hat, bewiesen in den letzten Jahren schon die Schweden von Dead Lord. Nun waren also deren Landsmänner von Horisont an der Reihe, den Detze zu rocken. Die Keyboard-betonte Variante des 70er-Jahre Retro-Rocks unterscheidet sich stilistisch natürlich stark von dem was sonst so gespielt wurde auf dem diesjährigen Festival, dennoch war der Auftritt recht gut besucht. Der psychedelische Space-Rock ist stark von Uriah Heep und ähnlichen Bands beeinflusst, jedoch ist das Keyboard nicht in allen Songs vertreten, beispielsweise bei On The Run. Stark keyboardbeeinflusst sind dagegen epische Nummern wie Odyssey, mit einem charakteristischen Sound dabei. Groovende Stücke wie Electrical und Writing on The Wall nehmen die Zuschauer in den Bann und entführen in eine andere Zeit; der hohe Gesang des stilecht bebrillten Frontmanns Axel passt dazu wie Schlaghosen und Rotzbremsen. Auf dem Detze stellten die Retrorocker dem tanzenden Publikum noch ein neues Stück namens Nexus vor. Zum Abschluss mit Nightrider wurden die Luftgitarren ein letztes Mal in Stellung gebracht, schon war die Reise zurück in die Vergangenheit beendet und man war wieder auf dem Detze Rockt 2019 angekommen.

Dort spielte im Anschluss der diesjährige Headliner Satan, die englische NWOBHM-Legende trat mit nochmal deutlicher Verzögerung auf die Bühne, insgesamt rund eine halbe Stunde nach dem geplanten Start, denn der Soundcheck zog sich wieder mal sehr in die Länge. Nach einigen Klassikern wie Trial By Fire und Blades of Steel, stellten Satan, die derzeit zur Promotion ihrer Ende 2018 veröffentlichten neuen Platte Cruel Magic touren, mit Doomsday Clock ein neues Stück davon vor. Sänger Brian Ross hielt nach fast jedem Song eine kurze Ansprache. Darin berichtete er unter anderem über seine Begeisterung für Zeitreisegeschichten, der bekennende Doctor Who-Fan kündigte daraufhin das dieses Thema behandelnde Twenty Twenty Five an. Das Publikum feuerte die Band immer wieder an und zu schnelleren Titeln wie Devil’s Infantry vergnügten sich einige Poger moshend vor der Bühne. Weitere neue Songs von der aktuellen Platte wie Ophidian und Legions Hellbound folgten. Überhaupt spielten Satan hauptsächlich neueres Material von ihren letzten drei Alben seit der letzten Reunion Anfang dieser Dekade. Bis heute sind die beiden Originalgitarristen Russ Tippins und Steve Ramsey dabei, die Satan 1979 aus der Taufe hoben. Sänger Brian Ross war erst 1983 dazu gestoßen, blieb Satan aber ebenfalls bis heute treu. In einer weiteren Ansage nahm er Bezug auf den Tower von London, wo man früher Verbrecher einsperrte und meinte, die noch amtierende Premierministerin May gehörte dorthin, wegen ihrer schlechten Arbeit. Als Zugabe zur mit geplanten 70 Minuten recht kurzen Headlinershow folgte noch der Klassiker Kiss Of Death, ursprünglich 1982 als Single erschienen. Damit beendeten Satan das diesjährige Programm des Der Detze Rockt Open Air.

Wie schon in den Vorjahren ist den Veranstaltern wieder ein rundum gelungenes, schönes kleines Metalfestival auf dem Detzenberg gelungen. Etwas Regen gehört in der Eifel eigentlich zum guten Ton. Nachts wurde noch Metaldisse veranstaltet und frühs wurden Kaffee, belegte Brötchen und Eier zum Frühstück angeboten. Immer wieder erstaunlich, was sich alles auf die Beine stellen lässt, wenn die lokale Bevölkerung dahinter steht.

Es sind außer dem Programm an Bands seine beschauliche Größe und die schöne Lage in der Eifel, die das Festival so liebenswert machen. Man darf schon gespannt sein, welche interessanten Bands des Undergrounds es im nächsten Jahr wieder auf dem Detze zu entdecken, genießen und zum Abrocken geben wird.

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