Wave-Gotic-Treffen 2019

07. – 10.06.2019
Stadtgebiet
Leipzig


verfasst von Reina, die Streunerin

Schon vor einigen Wochen hat die offizielle Festival- und Markt-Saison begonnen. Umso schöner ist es, dass der Wettergott freundlich gestimmt zu sein scheint und die Sonne den Erdball wärmt. Doch wo Sonne ist, fällt meistens auch Schatten. Aber das ist vielleicht ganz gut, weil es wieder viele Fans der Düsternis und der alten Zeit nach Leipzig gezogen hat.

Für mich wird es das erste Wave Gotik Treffen sein und ich freue mich schon sehr darauf. Die schwarzen Klamotten sind bereit gelegt, die Schuhe, Schminke und Maskara eingepackt. Ich bin gespannt auf die Wesen, denen ich begegnen werde. Vor allem aber bin ich auf die ausgefallenen und vor allem imposanten Kostüme gespannt. Bereits vor Monaten haben sich viele der Fantasy-, Düsternis- und Alten-Zeit-Liebhaber an die Arbeit gemacht, um fantastische Werke zu schaffen. Immerhin soll es unvergesslich werden.

Was genau mich in den nächsten Tagen erwarten wird und auf welche Band ich mich stürzen werde, habe ich selbst kurz vorher noch nicht entschieden, zu groß und zu verlockend ist die Auswahl. Da ich bereits am Donnerstag vor Ort bin und ich ein bisschen das Tanzbein schwingen möchte, zieht es mich und einige andere ins Darkflower in der Innenstadt. Ein Schwarze-Szene-Club mit zwei Floors zum Abdancen und Schwitzen – im wahrsten Sinne des Wortes. Der zweite kleinere Floor kommt einer Sauna gleich, die Bar hat auf jeden Fall ordentlich zu tun. Nach ein paar Stunden des auspowernden Tanzens entscheiden wir uns für den vernünftigen Weg und fahren nach Hause. Immerhin wollen wir alle fit sein, das Treffen hat ja noch nicht mal richtig angefangen!

Bevor ich mich am nächsten Tag ins Getümmel stürze, benötige ich meinen Presseausweis. Dass das in einer Odyssee ausartet, hätte ich nicht gedacht. Nachdem ich aber mit tatkräftiger Unterstützung (danke liebe Laura) und dem ersten Kaffee endlich das große rote Gebäude erreicht habe, kann das Abenteuer losgehen. Mit meiner selbst ernannten Tourguide Laura geht es nach einer Runde in der Verkaufshalle auf der Agra – und einigen Euro weniger in der Tasche, schließlich brauche ich noch die passenden Accessoires – ins Heidnische Dorf. Mein Mittelalter-Pagan-Herz zieht mich an diesem Wochenende auf jeden Fall mehr als einmal dorthin. Zwischen lagernden Wikingern, einer Schmiede, die bereits seit vielen Jahren Bestandteil des Treffens ist, und allerlei Schmuckständen springt mich förmlich eine Attraktion an: die Jungfrauen-Versteigerung! Ein bisschen schauen wir zu und überlegen, ob wir spaßeshalber mitbieten, denn ein paar Leckerbissen sind schon dabei. Als dann ein Pärchen (und wow, sehen die geil aus) angeboten wird, sind wir uns einig: Natürlich bieten wir mit! Leider geht der Zuschlag an einen anderen, aber wir sind faire Verlierer und gratulieren!

Neben vielen bildgewaltigen Eindrücken steht für mich natürlich eines im Vordergrund: die Musik. An diesem Abend geben sich Hämatom in der Agra-Halle die Ehre. Ein Blick in den Saal reicht um zu sehen, dass die Stimmung unbeschreiblich sein muss, aber auch, dass der Platz für jeden einzelnen begrenzt ist. Also bleibe ich im Hintergrund und genieße aus der Ferne.

Am nächsten Tag zieht es mich wieder ins Heidnische Dorf. Nachdem ich gestern bei den Jungfrauen leer ausging, scheinen die Schicksalshexen ein Einsehen zu haben, denn ich darf kurz den Praktikanten von Federkram, einem kleinen Wagen mit allerlei Federschmuck, entführen. Als ich ihn nach einer Weile zurückbringe, scheint Rain, seine Chefin, fast schon etwas enttäuscht zu sein und sagt scherzhaft: „Ich dachte, du bietest ihn jetzt bei der Jungfrauenversteigerung an!“ Einen Moment hätte ich tatsächlich drüber nachgedacht, aber es war tatsächlich auch schon etwas zu spät. Außerdem hab ich noch etwas vor: Tanzwut feiern im Darkflower ihre Releaseparty von Seemannsgarn. Da möchte ich natürlich dabei sein. Es ist merkbar, dass es noch relativ früh ist, denn der Club ist kaum gefüllt, trotzdem, so erfahre ich, war die Autogrammstunde gut besucht. Als nächstes steht der Veitstsanz auf dem Programm und mit den zum Abend sinkenden Temperaturen strömen auch die Seelen zum Club.

In den Sonntag starte ich entspannt und da bin ich nicht die Einzige: das Wetter zwingt nicht nur mich in die Knie. Da sind die dunklen Klamotten natürlich genau das Richtige 😉 ! Ich verbringe den Tag in der Agra-Verkaufshalle, was nicht unbedingt die beste Entscheidung ist. Die Halle gleicht einem Gewächshaus. Da hilft nur eins: Met-Slushy! Ich habe eindeutig meine Seele verloren. Ein böse, aber geile Mischung aus Crushed Ice und Kirsch-Met. Das böse daran ist der unwiderstehliche Geschmack, der den Alkohol vergessen lässt.

Am Abend habe ich Lust, mich zu den seichten Klängen von Faun zu bewegen, was gar nicht so einfach ist, denn nicht nur ein paar andere haben genau den gleichen Plan. „Im Jahr 2003 haben wir hier an dieser Stelle unser Abenteuer angefangen. Wir wurden von euch herzlich aufgenommen“, erklärt Oli und ich kann die Dankbarkeit und Freude hören. Die Extase, gemischt mit Faun-typischen Klängen durchströmt auch meinen Körper und ich genieße die Zeit mit Gleichgesinnten. So lasse ich auch den Tag ausklingen, ehe ich meine Augen schließe und dem Tag entschlafe.

Wer Spaß hat, kann bekanntlich auch arbeiten. Nach drei Tagen Spaß, Entdeckung und Erfahrungswerten geht es am Montag nochmal an die Bouletten. Abends ist Gewitter angesagt, davon ist tagsüber aber zum Glück noch nichts zu merken. Ich husche von Termin zu Termin. Gar nicht so einfach bei den Backofentemperaturen und leider muss ich auch einige Verluste verkraften. Von Fuchsteufelswild bekomme ich leider nur den Soundcheck mit und kann zumindest ein paar Worte mit den Regensburgern wechseln. Bevor ich zu meinem Interview mit Teufel von Tanzwut fahre, kann ich noch einmal den Praktikanten von Federkram für meine Zwecke missbrauchen – er tanzt für mich zu den Klängen von Fuchsteufelswild mit. Ob er das tatsächlich getan hat, davon kann ich mich nach dem Interview überzeugen, denn kurz hab ich noch Zeit, bevor es in den Felsenkeller zu Schattenmann geht.

Darauf hab ich mich besonders gefreut, denn Schattenmann war eines meiner ersten Konzerte dieses Jahr und ich hab die Jungs ins Herz geschlossen. Umso mehr bin ich gespannt, welche der neuen Songs sie spielen werden. „Das ist das letzte Konzert, dass unter unserer alten CD „Licht An“ läuft“, verkündet Frank stolz. Die neue CD „Epidemie“ wird am 05.07.2019 erscheinen und gibt der neuen Tour ihren Namen. Aber zurück zum WGT: Für Schattenmann ist es das erste Mal auf diesem Festival und dafür haben sie sich hervorragend geschlagen. Neben alten Liedern wie Brennendes Eis, Gekentert, Generation Sex und einer weiteren Kriegerin des Lichts, die von Frank auserwählt worden ist, geben Ruf der Engel und Kopf durch die Wand einen Einblick in die neue Platte.

Danach zieht es mich – oh Wunder – zurück ins Heidnische Dorf. Oder eher würde ich gerne dorthin. Denn der Himmel hat sich bereits dunkel verfärbt, man könnte fast denken, er sei melancholisch oder solidarisch. Leider hat der Wetterumschwung auch einen bitteren Nachgeschmack: Das Heidnische Dorf wird geräumt, sodass auch die letzten zwei Konzerte von Bannkreis und auch Tanzwut ausfallen. Aber wir haben Glück im Unglück, denn obwohl viel Wasser vom Himmel kommt und die Blitze den Nachthimmel erleuchten, bleiben die schneeballgroßen Hagelkörner aus.

Zum Abschluss fahre ich noch einmal in die Innenstadt zum Darkflower. Für einen Moment bleibe ich noch und genieße die Atmosphäre, ehe es mich ins Bett zieht. Aufgrund des Wetters haben wir uns entschieden, erst am Dienstag zu fahren. Langsam, aber merklich geht es zurück in die Realität. Aber die Eindrücke und die Erinnerung an ein unvergessliches Wochenende bleiben in jedem Fall.

Zusammenfassend kann ich zu meinem ersten WGT sagen: Ich muss mir unbedingt eine Möglichkeit überlegen, mich zu teilen, denn viel zu viel lief leider parallel, sodass ich mich leider häufig entscheiden musste. Alles in allem hatte ich ein schönes Wochenende mit wundervollen Menschen und Wesen, die ich keinesfalls jemals wieder missen möchte.

Und zum Schluss das Wort zum Wochenende: Met-Slushy! Na dann Prost und bis zum nächsten Mal!

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