Trivium

Support: While She Sleeps, Power Trip, Cane Hill
18.06.2019
Markthalle
Hamburg

verfasst von Louisa

SLOW MOTION. Ein kleiner Verbund von Speichelmolekülen verlässt – fast senkrecht – den Mund von Cane Hill Sänger Elijah Witt und steigt langsam auf zum Scheinwerferlicht wie Ikarus zur Sonne. Dieses durchdringt ihn mit einem göttlichen Funkeln, doch genau wie Ikarus muss auch der Molekülverbund schon viel zu bald wieder dem Sog zur Erde nachgeben, wo die Hand von Sänger Elijah schon auf ihn wartet um ihn – patsch – SLOW MOTION AUS – wieder aufzufangen und mit Hochgeschwindigkeit auf den eigenen Gitarristen zu befördern. Bitte was?!

Im Sympathiewettbewerb gewinnen die Amerikaner auch im weiteren Verlauf des Abends mit ihrer Attitüde und ihren semi-schmeichelhaften Ansagen keine Punkte. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb Cane Hill trotz einwandfreier, sauberer musikalischer Leistung in der Markthalle irgendwie keine Begeisterungsstürme hervorrufen.

Bei den folgenden Power Trip kehrt sich das Verhältnis dann um. Die musikalische Leistung ist vielleicht nicht die sauberste, allerdings auch definitiv nicht schlecht, aber in Sachen Sympathie sind die Texaner unschlagbar. Um zu zeigen, dass sie ihrem Namen gerecht werden, fangen sie ohne Umschweife an, die Hamburger Markthalle abzureißen. Der Mikrofonständer überlebt diese Eskalation leider nicht besonders lange, Kollateralschäden gibt es ja immer, aber das Publikum stört sich nicht weiter daran und schickt weiter breit grinsende Crowdsurfer auf den Weg nach vorne.

Vom Logo der Band über die Caps und Outfits bis zu den Schnurrbärten schreit hier einfach alles nach oldschool 80er Thrash – im besten Sinne. Als der sonst eher zurückhaltende Sänger Riley Gale zum letzten Song noch einen Circle Pit einfordert, macht das Publikum bereitwillig mit und ist hinterher ausreichend aufgewärmt für While She Sleeps, deren Bandmerch man fast genauso oft in den Reihen des Publikums sieht wie das von Trivium.

Dass While She Sleeps der geheime Headliner der Herzen sind merkt man auch daran, dass die Mädels schon in der Umbaupause zu kreischen anfangen. Als die Engländer dann endlich so weit sind, halten sie sich nicht lange auf sondern ballern direkt los und in der Markthalle tobt von der ersten Sekunde an ein Pit, der sich bis zum Ende von Trivium ohne Pause halten soll – und das bei gefühlten 40° in der ausverkauften Halle. Eindeutig siegt hier die Stimmung über die Hitze, trotzdem geht Sänger Lawrenze ‘Loz‘ Taylor lieber auf Nummer Sicher und fragt immer wieder nach, ob es auch allen gut geht.

Als While She Sleeps dann die ersten Töne von Four Walls spielen und die ersten Mädels ihrer Begeisterung wieder durch Kreischen Ausdruck verleihen, verbreitet sich in der Markthalle erst prickelnde Gänsehaut und dann totale Eskalation. Selbst die Security kann sich ein zufriedenes Grinsen zwischendurch nicht verkneifen und es wird noch einmal kuschelig in den vorderen Reihen, bevor die Engländer viel zu früh, nach weniger als einer Stunde Spielzeit, die Bühne für Trivium räumen müssen.

Diese kommen nach “Run to the Hills“ als kleine gesangliche Aufwärmübung auf die Bühne und legen direkt mit Nebel- und Konfettikanone los. Der Innenbereich der Markthalle ist ein einziger Pit und obwohl die Luftfeuchtigkeit mittlerweile so hoch ist, dass das Atmen schwerfällt, springt die Hamburger Markthalle zu “The Sin and the Sentence“ wie ein Mann und zaubert Sänger Matthew Heafy und dem Rest der Band ein breites Grinsen ins Gesicht, das dort auch den Rest des Abends kleben bleibt.

Zu “Like Light to the Flies“ drängt auch das Hamburger Publikum wie eine Schar Motten ins Licht nach vorne und sorgt für einen Gänsehautmoment, bei dem garantiert jede einzelne Faust bis in die hintersten Reihen in die Luft zeigt. Nicht nur das Publikum, sondern auch die Band genießt den Abend sichtlich und zeigt trotz der gefühlten 40° noch nach über einer Stunde Spielzeit dasselbe breite Grinsen und dieselbe unbändige Energie wie am Anfang – beachtliche Leistung!

Die Jungs aus Florida geben sich selbst und dem Publikum keine Pause und starten auch nach 23:00 Uhr noch ein brutales Circle fucking Pit als wären sie gerade beim Aufwärmen und kurz vor Ende geht die gesamte (!) Hamburger Markthalle noch einmal in die Knie, um ein letztes Mal zu springen, bevor Trivium kurz die Bühne verlassen und für ein letztes, wildes Aufbäumen wieder zurückkommen. Herzlich und unter dem Einsatz zahlreicher Plecs verabschiedet sich die Band am Ende des Abends von den Fans, die zwar sämtlich doppelt so erschöpft aussehen wie die Metaller aus Florida, aber dafür auch genauso glücklich.

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