The GazettE

16.06.2019
E-Werk
Köln


verfasst von Charlotte B.

Zwei Stunden vor Einlass:
Um noch ein wenig Puffer zu haben, sind wir früh nach Köln aufgebrochen. Knapp zwei Stunden vor Einlass standen wir vor dem E-Werk und waren überrascht: die Menge war schon sehr groß und tatsächlich kam bei uns ein M’era Luna Feeling auf. Man konnte viele bunte Haare entdecken, die Klamotten natürlich überwiegend schwarz. Aber auch einige Lolita-Kleider waren dabei.

Eine Stunde vor Einlass:
Wir haben erfahren, dass es einen internationalen Fan-Club von The GazettE gibt. Das ist ja so erst mal nichts neues, Fanclubs von Bands gibt es ja viele, aber durch diesen Fanclub war es möglich, ein besonderes Bändchen zu bekommen. Mit diesem Bändchen kamen Besucher früher in die Halle und konnten sich neben Merch auch die besten Plätze sichern. Irgendwie eine coole Überlegung…

Viertelstunde vor Einlass:
Wir bekamen eine letzte Einweisung durch einen Secu. Der Typ war laut und lustig, als nicht alle gleich still geworden sind hat er einmal laut gebrüllt und tatsächlich sind alle leise geworden und haben ihm zugehört. Er hat erklärt, was alles nicht mit hinein darf, dass der Fanclub zuerst reinkommt, dann der Rest. Zuerst auf Deutsch, dann auf Englisch. Als er auf Englisch etwas gesagt hat, was er zuvor auf Deutsch nicht erwähnte, wurde er von einer Dame drauf hingewiesen und alle lachten. Dass die Ansprachen auch auf Englisch gebracht wurden zeigt, dass sehr viel internationales Publikum in Köln versammelt war. Etwas verwundert hat uns dann die Aussage, dass Geschenke an die Band einen besonderen Platz im Foyer haben werden, sie sollten da abgegeben werden. Wem’s gefällt…

Einlass:
Entgegen meiner Vorstellung lief der Einlass vollkommen gesittet ab. Zuerst durfte der Fanclub ins E-Werk, kurz darauf durften auch wir hinein. Seltsamerweise waren wir die einzigen Pressemenschen, oder zumindest die Einzigen, die sich als solche zu erkennen gegeben haben. Unser Weg führte zuerst zum Merch und dann ganz schnell wieder in die andere Richtung: ein T-Shirt für 30€, einen Hoodie für 55€ und einen kleinen Schlüsselanhänger für 12€, das war uns ehrlich gesagt etwas zu teuer. Der erste Eindruck vom E-Werk (wir waren beide das erste Mal da): ziemlich cool! Der rote Backsteinbau hat eine große Halle und eine Empore, auf die alle drauf dürfen. Auf der Empore sind Treppen, deren Stufen knapp 10cm hoch und etwa einen Meter tief sind, sodass man auch von ganz hinten was sehen kann. Davon sollte es sehr viel mehr geben!

Es geht los!
Nach einer zweisprachigen Ansage, unter anderem, dass die Band darum bittet, die Handys in den Taschen zu lassen und weder Fotos noch Videos zu machen (da sollten sich Bands hier mal ‘ne Scheibe von abschneiden), war das Publikum angeheizt. Auch da waren noch keine Fotografen im Graben zu sehen, es schien auch keine Foto-Akkreditierung für andere Magazine zu geben. Sehr schade, denn das Licht im E-Werk sah schon da ziemlich vielversprechend aus und im Nachhinein habe ich mich tatsächlich sehr geärgert.

Als um zehn nach acht die Band die Bühne betrat, warteten ihre Fans schon sehnsüchtig. Diesen Abend werden The GazettE 17 Songs spielen. Dass J-Metal-Konzerte eine vollkommen andere Welt sind, ist uns aber bereits nach dem ersten Lied „99.999“ klar: Wem die weibliche Headbanger-Dichte auf den bisherigen 08/15-Metal-Konzerten zu gering war, sollte mal in den J-Metal wechseln, nur so als Tipp. Die vorderen Reihen der Empore waren vor lauter Haaren nicht mehr zu erkennen, ebenso die vielen mitgebrachten Plakate am Geländer. Und spätestens beim zweiten Lied kribbelte es mich in den Fingern, weil ich so gerne in den Graben gesprungen und fotografiert hätte.

Schon allein, dass jeder der Band einen eigenen kleinen Ventilator vor sich stehen hatte, hat gerade bei den Gitarristen dazu geführt, dass die Haare sehr fancy angeweht wurden. Nach dem dritten Song „NINTH ODD SMELL“ trat anscheinend ein Problem auf, was etwas länger dauerte, sodass der Sänger Ruki sich die Zeit nahm, um das Publikum zu begrüßen. Das blieb allerdings auch so gut wie die einzige Situation, in der die Band eine aktive Verbindung zum Publikum aufnahm. Zwischen den Songs waren immer Phasen, in denen die Bühne komplett dunkel war, aber es gab keine Solos oder weitere Ansprachen. Es fühlte sich leider ein bisschen so an, als ob das Programm abgearbeitet wurde, aber vielleicht lag das schlichtweg daran, dass wir anderes gewöhnt sind. Musikalisch einzigartig und super abgemischt, ebenso mit fantastischer Lichtshow waren GazettE ohne Frage ein musikalischer Leckerbissen. Und auch die Fans waren begeistert. Doch uns persönlich hat die Interaktion mit den Fans gefehlt.

Schlussstatement von +1

Erst einmal vielen Dank, dass ich mit Kalle-Rock bei diesem außergewöhnlichen Ereignis dabei sein durfte. J-Metal bzw. J-Rock ist ja hier in Deutschland nicht wirklich bekannt. Aber wer ein bisschen an der Oberfläche dieser fernöstlichen Musikrichtung kratzt wird bemerken, dass sich dort viele talentierte Musiker verstecken. Unter anderem The GazettE oder aber gazetto, im japanischen für Kassette. Eine der bekanntesten Bands aus diesem Genre und wohl eine der Wenigen, die es nach Übersee geschafft haben, denn die japanische Musikindustrie konzentriert sich eher auf den Erfolg im eigenen Land. Aber bei The GazettE ist der Erfolg in Europa eigentlich auch kein Wunder, immerhin sind sie seit 2002 unterwegs, haben seither ziemlich viele Alben veröffentlicht und haben, dank der unaufhaltsamen Asiawelle, auch hier in Deutschland einige Fans angesammelt. Und, Halleluja, das ist mal ein ganz anderes Kaliber, als ich sonst auf Metalkonzerten gewohnt bin. Und ich muss sagen, ich bin wirklich froh gewesen, meine Ohrstöpsel mitgenommen zu haben. Denn es war laut. Sehr laut. Und das nicht wegen der Musik. Nein, wegen der Fans. Wie Lotte anfangs schon geschrieben hat: Wir haben wirklich noch nie so viele headbangende Frauen auf einem Haufen gesehen. Dementsprechend war auch die Geräuschkulisse ohrenbetäubend.

Besonders ulkig fand ich die Versuche des Frontmanns Ruki, Deutsch zu sprechen. Da waren dann solche Floskeln wie „Ich liebe euch“ oder „Ihr seid die Besten“ dabei, aber alles mit einem putzigen japanischen Akzent.

Fazit: Fans rasten aus, wir haben Hörschaden 😀
Da glaubt man gar nicht, dass aus diesem Japaner solch eine gewaltige, einzigartige und facettenreiche Stimme kommt, die selbst hier in Deutschland den ein oder anderen Metalkünstler alt aussehen lässt. Für mich eindeutig ein Merkmal dieser Band, denn Ruki gibt dem ganzen Auftritt mit seinen Gesangs- und Growlkünsten den letzen Schliff. Im Großen und Ganzen ein tolles, erstes J-Rock-Konzert. Ich würde jedem empfehlen, sich mal auf so ein absonderliches Musikabenteuer einzulassen, denn für mich hat es sich sehr gelohnt!

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