Interview – Tanzwut

Wenn Tanzwut aufspielt, kann Teufel nicht weit sein. Am WGT-Wochenende haben die Berliner ihr CD-Release gehabt und natürlich anständig gefeiert. Dass man sich auf die Musiker auch in schweren Stunden verlassen kann und was uns in der nächsten Zeit erwartet, dazu hat Teufel von Tanzwut Corinna von Kalle-Rock Rede und Antwort gestellt.

Corinna/ Reina: Hallo erstmal 🙂

Teufel: Hallo, hallo!

Corinna/ Reina: Wir sind ja jetzt hier auf dem WGT, mehr oder weniger und ihr seid ja tatsächlich schon alte Hasen mit sieben Auftritten….

Teufel: Ich war schon so oft hier. Ich kann’s nicht mehr zählen. Ich glaube, es waren mehr als sieben Mal.

Corinna/ Reina: Auf jeden Fall öfter als viele andere. Ist dir denn da ein Auftritt besonders im Gedächtnis geblieben?

Teufel: Unser schönster war definitiv, als das WGT pleite gegangen ist. Weißt du das eigentlich?

Corinna/ Reina: Ne, das weiß ich noch nicht.

Teufel: Da wurde abgebaut während des Spielens. Das WGT ist mal einmal pleite gegangen oder es ist jemand mit der Kasse abgehauen…irgendwie so war das und dann haben wir gesagt, das wird den ganz alten Hasen, was wir gerade hatten, wird denen auch im Gedächtnis sein.: wir spielen auch ohne Kohle, weil wenn jetzt die Agra-Halle voll ist, da waren irgendwie 5.000 Leute gerade in der Halle. Die Anlagenfirma hat schon angefangen, die Boxen abzuschrauben, während wir gespielt haben, was natürlich ein bisschen Mist war. Und wir haben gesagt, wir spielen trotzdem ohne Gage….das ist mir auf jeden Fall im Gedächtnis geblieben. Ansonsten war es ja immer ganz angenehm, organisiert und immer sehr cool. Ich weiß auch nicht, was da genau los war, aber es war auf jeden Fall desaströs, das Wochenende.

Corinna/ Reina: Aber ihr freut euch bestimmt auch immer, wenn ihr hier angefragt werdet…

Teufel: Das sag ich dir. Wir hätten ja eigentlich gar nicht hier im Heidnischen Dorf gespielt, heute.

Corinna/ Reina: Ach ok?

Teufel: Jaa, da hat ne andere Band abgesagt, weil angeblich der Sänger ausgestiegen war oder irgendwie so und ich wollte sowieso im Darkflower die Release-Party machen. Und dann hatte ich angefragt bei Sven, ob wir spielen können, aber unsere Zeit war noch nicht rum. Es gibt so gewisse Abstände, die man einhalten muss, damit nicht immer dieselben Bands spielen. Und unser Abstand war zu kurz, ich glaube, wir haben vorheriges Jahr erst gespielt oder so. Vorheriges oder vor zwei Jahren?…Ich weiß es nicht. Es war auf jeden Fall zu nah dran. Und dann sind wir davon ausgegangen, dass wir eigentlich nur ne Release-Party machen. Und im Endeffekt ist dann diese Band abgesprungen und das war für uns natürlich n Segen. .Da haben wir gesagt: Na klar, machen wir sofort! Fand ich auch gut, dass er sofort an mich gedacht hat.

Corinna/ Reina: Du hast gerade eure neue Platte angesprochen und die Release-Party und dass du die Party auf jeden Fall im Darkflower machen wolltest. Gibt es da eine besondere Verbindung für dich?

Teufel: Genauso wie mit dem Veranstalter vom WGT. Ich kenn den Besitzer vom Darkflower, den kenn ich schon sehr, sehr lange. Ich hab da früher auch öfters aufgelegt und Parties gemacht. Wir sind gute Freunde und deshalb haben wir angefragt und in dem Rahmen ist es natürlich auch ne gute Sache, weil gerade viele Musikinteressierte, Kulturinteressierte in der Stadt sind. Und deswegen haben wir gesagt, wir machen das im Rahmen vom Darkflower, wir spielen noch n bisschen Dudelsack. Ist mal noch was anderes da unten außer DJ- Club-Musik und deswegen war das für mich eine wunderbare Angelegenheit.

Corinna /Reina: Ihr ward ja dementsprechend auch schon öfter in Leipzig. Gibt’s denn hier in Leipzig einen Ort, an dem ihr gerne mal oder nochmal auftreten würdet?

Teufel: Das haben wir ja gestern gemacht. Gestern war unser Erinnerungstag. Ich hab ja früher mal in Leipzig gewohnt. Als die Mauer noch da war, also zu Ost-Zeiten, zu DDR-Zeiten, hab ich in Leipzig gewohnt und da ging das los mit Mittelalter und Dudelsäcken. Und da haben wir Straßenmusik gemacht und das war verboten. Polizei kam..blablabla…weil zu DDR-Zeiten waren öffentliche Darbietungen anmeldepflichtig, mehr als drei Leute auf der Straße waren ne Demonstration und so weiter. Und wir haben halt da angefangen, diese Mittelaltersache zu machen. Gestern waren wir auf der Straße, haben auch n bisschen was gepostet bei Facebook und Instagram..und haben Straßenmusik gemacht, genau an den Orten, wo wir früher auch gespielt haben, also in der Mädlerpassage und der Moritzbastei, in der Gegend so. Und das war erinnerungsmäßig sehr schön. In der Mädlerpassage kam natürlich sofort die Security, wir haben zwei Lieder gespielt, dann waren wir schon wieder draußen. Da dacht ich, oh, zu DDR-Zeiten hab ich es manchmal geschafft, ein bisschen länger zu spielen, bis die Polizei kommt. Aber das ist ja mittlerweile, ich sag mal, der Westen ist so, dass das so eingedämmt wird, dass die Security kommt,. In Köln hab ich nach der Wende auf der Domplatte gespielt, da kam nach fünf Minuten die Domplatten-Security da..du musst alles anmelden. Alles vorher, damit keene…was weiß ich warum…Soviel freier sind wir dann in der Beziehung auch nicht. Jetzt regiert das Geld die Welt und damals hat’s die Polizei gemacht oder der Staat…aber das waren die Orte, wo ich unbedingt mal wieder spielen wollte. Das war gestern ne coole..ich sag mal ne Messe war das für uns. Die Leute fanden’s natürlich großartig. Die haben abgefeiert da gestern.

Corinna/ Reina: Wenn du jetzt über Deutschlands Grenzen hinaus denken würdest, wo würdest du gerne mal hin und eure Musik präsentieren?

Teufel: Also wir waren ja weltweit schon viel unterwegs. Also in Mexiko, Amerika..China…Marokko, Frankreich….Frankreich hat mir sehr gut gefallen, muss ich sagen. Frankreich ist ein Land mit ner Kultur, die mir sehr gut gefällt. Da hat’s auch Spaß gemacht, Straßenmusik zu machen. Da haben wir in nem Club neben dem Moulin Rouge gespielt, La locomotive oder so ähnlich…auch schon ein paar Jährchen her, aber das war sehr schön. Ich mein, jede Ecke in der Welt hat so seine Reize. Frankreich…und Spanien, Italien..Italien war schön!

Corinna/ Reina. Ich finde auch, gerade in Frankreich und Italien hat ja die Straßenmusik noch andere Werte…

Teufel: Genau, da kommt nicht gleich irgendne Security an. Das ist alles ein bisschen anders da. In Wien zum Beispiel kannst du aufm Boulevard gar nicht spielen, da kommen die sofort an.

Corinna/ Reina: Das ist schade eigentlich, für mich zum Beispiel ist Musik eine Weltsprache, in der man sich mit allen unterhalten kann.

Teufel: Es fühlen sich halt Leute gestört…die wollen dann keine Bettler haben, die das schicke Straßenbild von Glanz und Chrom versauen könnte. Es ist nicht so, dass ich das verstehe, ich find’s eigentlich völlig bekloppt, aber..es ist halt so.

Corinna/ Reina: Du stichst ja doch auch so ein bisschen raus mit deinen Hörnern, mit deinem Aussehen..

Teufel (mit dem Schalk im Nacken): Echt jetzt? Hab ich noch gar nicht gemerkt. Ich bin fast ein bisschen geschockt. Dass du sowas zu mir sagst! Das hat noch niemand zu mir gesagt! Das ist das erste Mal, ich muss sofort zum Friseur!

Corinna/ Reina (lacht): nee, bitte nicht, das wäre ja schlimm! Aber kriegst du da manchmal was zu hören?

Teufel: Ich glaube, das trauen die sich nicht bei mir. Oder ich höre das nicht. Es sehen die Leute vielleicht auch nicht so krass. Ich hab bis jetzt keene richtig schlechten Erfahrungen gemacht. Also ich war mit Hörnern und mit Anzug und Fliege in der Semperoper in Dresden. Da haben die alten Damen mit mir sofort angestoßen mit ihren Perlenketten, haben mit mir Sekt getrunken. Andererseits bin ich in Punkschuppen und da ist das genauso ok. Also vielleicht kann man das nicht so einschätzen. Wenn man mich reden hört, denkt man jetzt nicht (mit verzerrter Stimme): Ich bin Satan!!

Corinna/ Reina: Du bist auf jeden Falle in sehr angenehmer Gesprächspartner.

Teufel: Danke.

Corinna/ Reina: Aber kommen wir mal zurück zu eurem neuen Album. Das ist gerade draußen, auch mit einem sehr schönen Musikvideo zu Seemannsgarn. Und ich hab gelesen, dass du das deiner Tochter gewidmet hast…stimmt das?

Teufel: Ja, klar. Man erzählt ja seinen Kindern, gerade, wenn man Spielmann ist..ich erzähl gerne Geschichten und das war mal so ne Herzensgeschichte, die ich jetzt aufgreife…Käptn Blaubär und so =) und dann rollen die mit den Augen und sagen: Oijoijoi, das kann doch gar nicht alles stimmen, was der da erzählt. Aber ich find’s schön und die hören ja auch zu…die Lämmer, die drei Bärchen =)

Corinna / Reina: Als ich gelesen hab, dass du das Video deiner Tochter gewidmet hast, hat das Video noch einmal eine ganz andere Ausdrucksstärke für mich gehabt. Für mich war das wirklich so, du erzählst diesem Mädchen diese Geschichte und im Hintergrund spiegeln sich die Bilder.

Teufel: Genauso war der Gedanke.

Corinna/ Reina: Und genau das find ich an dem Video so schön, dass das, was erzählt wird nochmal im großen und ganzen präsentiert wird. Und ihr hattet ja auch viele Gaukler und Künstler dabei, die man in der Szene kennt, zum Beispiel die Beatrice Baumann..

Teufel: Die kommt heute Abend übrigens auch. Mal sehen, ob ich sie überredet kriege, ob sie auf die Bühne kommt. (lacht)

Corinna/ Reina: Wenn du ganz lieb fragst, bestimmt. (lächelt) Und dann waren ja noch einige andere Gaukler dabei…

Teufel: Es war so ein bisschen Familienmäßig. Wir haben da gedreht auf diesem Schloss Trebsen, das ist gar nicht weit von hier, von Leipzig. Das ist ein alter Freund von mir, dem das Schloss gehört. Der macht da Veranstaltungen, hat da nen Kneipenbetrieb, ist n alter Mittelalterfan, macht auch selber Musik. Den kenn ich auch noch aus der DDR. Im Osten gab’s die Einstufungskommission. Wenn du mit deiner Band irgendwo auftreten wolltest, musstest du vorher vor einer Kommission auftreten und dann haben die gesagt: top oder flop. Wie Deutschland sucht den Superstar, nur auf DDR gemacht. Du dürftest halt nur mit diesem Schein spielen. Und er saß dann damals und solange kenn ich den schon. Und den hab ich halt gefragt, ob wir da drehen können und er hat uns die Location umsonst gegeben, was schon großartig ist. Ich mein, du zahlst ja schon für die Location…wenn du in Berlin irgendwo suchst, zahlst du dich ja dumm und dämlich. Du hast nicht son Budget. Da musst du halt gucken…dann hab ich meine ganzen Leute gefragt, meine Freunde und Bekannte, die ich alle so kenne.

Und da waren ganz viele, dabei, die Zeit hatten, und dann mit uns dieses Video gemacht haben und nichts verlangt haben. Es wollte keiner Geld von mir. Was ich großartig finde, dass es Freunde, Leute gibt, heutzutage, in dieser Geld dominierenden Welt, die sagen: nö, wir machen auch noch was so. Es gibt so viele Leute, die immer noch darüber nachdenken: was kriege ich denn dafür? Ohne was dafür zu kriegen, kann ich das nicht machen, mach ich nicht. Und das ist ne schöne Angelegenheit, Leute um sich rum zu haben, wo man sagt: nö, eine Hand wäscht die andere.Wenn wir dich mal brauchen, rufen wir an. Das finde ich einfach großartig. Deswegen ist das auch son Familienvideo geworden. Klar geht’s um meine Tochter. Das im Video ist nicht meine Tochter, weil ich das auch nicht machen möchte. Ich möchte meine eigenen Kinder nicht in die Medien stellen. Ich mach das auch nicht bei Facebook, ich mach das für meine Tochter und meine Tochter bleibt da, wo sie ist. Und dann ist auch Ruhe. Und das auch übrigens gute Freunde, ihr Vater ist Fotograf, sehr guter Fotograf, der auch die Foto für unser Booklet gemacht hat. Und der brachte dann gleich noch die Tochter mit, die gut schauspielern kann und ne ganz nette ist und so fügte sich das alles zusammen.

Corinna / Reina: Ich finde die Geste auch echt schön und so wie du es gerade erzählt hast, merkt man auch, Familie muss nicht immer blutsverwandt sein.

Teufel: Nee. Ich hab früher mal gesagt: Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen, Freunde schon (lacht)

Corinna/ Reina: Davon kann ich auch n Lied singen (verdreht die Augen und seufzt). Aber es geht ja um euch und zum Glück nicht um meine Verwandten.

Teufel: Aber das wäre mal ein schöner Songtitel, fällt mir gerade so ein…Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen, Freunde schon…

Corinna/ Reina: Das wäre doch ein Thema fürs nächste Album! Apropos neues Album oder vorausschauend auf das nächste halbe Jahr: gibt es was großes, dass ihr jetzt geplant habt?

Teufel: Also der nächste Schachzug…Schachzug ist ja totaler Schnulli…das nächste, was wir jetzt machen, ich weiß nicht, ob du mitgekriegt hast, dass wir Marionettentheater machen?

Corinna/ Reina: Ja, hab ich mitbekommen.

Teufel: Also wir sind auch als Puppenspieler unterwegs, ich hab ein Theater gebaut, Marionetten geschnitzt und Stücke geschrieben und so weiter..und jetzt spielen wir beim Kaltenberger Ritterturnier und ich bin gerade dabei, ein Stück zu machen, das heißt Memento Mori – wir alle sind sterblich. Und da gibt’s zwei Skelette, die hab ich jetzt gebaut, 1,20 Meter groß. Das eine spielt Geige, das andere liegt dann in Knochen auf der Bühne. Der Geiger spielt und lässt seine Frau auferstehen, alles mit mystischer Musik, ohne Text. Da sind wir gerade dabei, das ist fast fertig. Wir proben jetzt, wenn wir nach Hause kommen. Und da muss noch die ein oder andere Deko an die Marionette ran, vielleicht kriegt sie noch ein paar Blümchen ins Haar, wenn sie aufersteht. Das wird ne coole Show, das ist so der Plan. Außerdem gehen wir ab Herbst auf Tour, haben ne Menge Festivals, Wacken wird nochmal son Highlight.

Corinna/ Reina: Sag mal, eine letzte Frage noch: Du hast ja vorhin gesagt, du läufst auch privat mit deinen Hörnern rum. Wie lange dauert das denn, bis du wirklich Teufel bist?

Teufel: Also ich mach das nicht jeden Tag, aber mit dem Stylen…Glatze rasieren ist wie Haare kämmen mittlerweile,weil ich das schon so gewöhnt bin, und die Hörner hochdrehen dauert wirklich nicht so lange. Also nicht länger als andere, du machst dir deine Löckchen schön und ich mir meine.

Corinna/ Reina (auf sich bezogen): Joa, einmal aufstehn, bisschen schütteln..(lacht) Dann danke auf jeden Fall für deine Zeit. Und bis heute Abend!

Leider musste der Auftritt Wetterbedingt abgesagt werden, aber ich freue mich auf jeden Fall auf das nächste Wiedersehen.

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