Lynyrd Skynyrd

Support: Blackberry Smoke
18.06.2019
Max-Schmeling-Halle
Berlin

verfasst von Kalle

Eine legändere Band sagt „Farewell“. Die Southern Rock Legenden von Lynyrd Skynyrd verabschiedeten sich an diesem Abend von Berlin, einer ihrer drei Stationen durch Deutschland auf ihrer Abschiedstour. In der gut gefüllten Max-Schmeling-Halle, ca. 6000 Leute waren vor Ort, sorgten sie 90 Minuten für tolle Stimmung vor und auf der Bühne. Doch den Beginn machten ihr Support Blackberry Smoke, die für ungefähr eine Stunde die Bühne für sich hatten. Die Southern Rocker aus Atlanta, Georgia, gibt es nun bereits seit dem Jahr 2000 und sie haben sich einen ordentlichen Namen erspielt. So war es nicht verwunderlich, dass einige Fans ihre Shirts trugen und fleißig mitsingen konnten. Mir persönlich war der Bandname ein Begriff, nicht nur wegen Mobiltelefonen, sondern eben auch musikalisch. Gesehen hatte ich Blackberry Smoke aber noch nicht. Es passiert jetzt auch nicht viel auf der Bühne, so dass ihre Musik eher zum genießen da ist. Sänger Charlie Starr wirkte etwas eingeschlafen bei seinen Ansagen, das ist aber so sein Stil. War dennoch ein wenig verwirrend, da das Publikum euphorisch jubelte und ihm nur wenig über die Lippen kam bzw. er ein ruhiges Auftreten hatte. Das galt für fast die gesamte Band. Speziell Basser Richard Turner stand oft im Schatten und trat nur sehr selten hervor. Mit zunehmender Spieldauer wirkte der Sound dann aber sehr eintönig und hier und das einschläfernd. Da half die gut koordinierte Lichtshow auch nicht weiter. Dann war die Show auch schon vorbei und der Umbau begann.

Auf der Bühne wurde fleißig gewuselt, so dass um kurz vor 21 Uhr der Auftritt von Lynyrd Skynyrd starten konnte. Zur Einleitung gab es ein wenig AC/DC mit Thunderstruck vom Band. Es folgte ein kleines Intro auf der Leinwand, das ein Radio zeigte, welches die Sender wechselte. Immer wieder kamen Rockhymnen aus den Boxen, bis es dann Zeit war für die Headliner. Die Bühne war groß und so passten alle Musiker und Sänger gut verteilt drauf. Drei Gitarristen, ein Bassist, ein Schlagzeuger, ein Klavierspieler, Sänger und zwei Backgroundsängerinnen sind eine ordentliche Besetzung, wobei leider nur noch ein Originalmitglied in der Band ist. Gitarrist Gary Rossington ist seit der Gründung 1964 mit dabei. Wer ein wenig die Geschichte der Band kennt, der weiß, wie viele Schicksalsschläge die Band hinnehmen musste. Gesundeitliche Tode oder der tragische Flugzeugabsturz usw. pflastern den Weg der Band. Davon war an diesem Abend, bis auf einen ganz besonderen Moment, nicht viel zu spüren. Man wollte sich ordentlich von den Fans verabschieden und eine ordentliche Rockshow liefern.

Das ist ihnen durchaus gelungen. Das Klavier auf der linken Bühnenseite komplett in weiß, darauf ein Keyboard platziert, war schon einmal ein Hingucker. Sänger Johnny Van Zant, der seit 1987 dabei ist, hatte die Südstattenflagge am Micro. Später kam noch die deutsche Fahne dazu. Die zwei Backgroundsängerinnen standen auf der rechten Bühnenseite auf einem Podest und hinter den Musikern war eine Leinwand mit Liveübertragungen zu sehen. Nur selten gab es andere Einblendungen oder Animationen. Die Lichtanlage war extrem beeindruckend. Da hat man sich mal richtig was einfallen lassen. Leider kam sie nur von der Mitte aus richtig zur Geltung. Ich saß rechts von der Bühne im Unterrang, stehen war durch eine Schienbeinverletzung nicht drin, und hatte eine tolle Sicht auf die Bühne. Zwischendurch schaute ich mir die Show mal von hinten an und dabei stellte ich nicht nur das mit dem Licht fest, sondern auch ganz feine Unterschiede im Sound. Während wir an der Seite oft die Höhen vernahmen, kam es hinten sehr druckvoll und klar an. Das war sehr satt und kräftig. Man kann also sagen, der Tontechniker hat einen sehr guten Job gemacht.

Dies gilt ebenso für die Band, wobei ich auch hier leider ein paar Abstriche machen muss. Die Show wirkte hier und das sehr routiniert und einstudiert. Jeder stand immer an einer bestimmten Stelle, der Lichttechniker war mit seinen Spotlights von oben immer auf den Fersen. Fand ich persönlich etwas schade, da so die Flexibilität verloren ging. Den Fans war das egal, die haben die Songs genossen und ab und an sah man einige sogar auf die Absperrgitter im Innenraum klettern. Einer stand sogar mit Flagge auf dem Tresen und konnte nur von Ordnungskräften dort runter geholt werden. Man hat die Musik gespührt und genossen. Es gab nur bei den ganz großen Hits die obligatorischen Smartphonefilmer. Textsicher waren viele Fans, genauso wie voller Emotionen bei den Balladen. Sänger Johnny hatte nicht allzu viele Worte für Berlin. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft er uns gesegnet hat, wie oft er Berlin – Germany gerufen hat und wie oft er wissen wollte, ob es uns gut geht. Das war ein bissel langweilig in meinen Augen.

Dafür hatten meine Ohren mehr Unterhaltung, denn die Gitarrensolos hier und da waren echt ein Knaller. Woah… ein absoluter Hochgenuss. Und Gänsehaut sollte es bei der Show auch geben. Für mich ging es los mit dem Klassiker „Tuesday´s Gone“. Tatsächlich kannte ich den Song damals erst durch Metallica und bin dann auf Lynyrd Skynyrd gestoßen. Mir gefallen beide Versionen, doch jetzt das Original hören zu können… ein geiler Moment! „Simple Man“, welches von Videos aus der Kinderzeit einiger Bandmitglieder begleitet wurde“ war bekannt, wie auch „What´s Your Name“ und natürlich ihr Welthit „Sweet Home Alabama. Das der natürlich zelebriert wurde und die Fans auf Höchststimmungen bringen sollte, war klar. Doch das Highlight war die Zugabe. „Free Bird“ setzte einen Schlusspunkt, der sich gewaschen hatte. Zunächst wurde eine Adlerstatue auf das KLavier gestellt, die Bühne bekam Bodennebel und das Licht war in einer ganz besonderen Stimmung. Während des Songs erschien dann auf der Leinwand deine Grafik mit glimmenden Kerzen und Namen. Dies waren die Namen der bereits verstorbenen Bandmitgliedern und diese Kerzen gingen nach und nach aus. Zum Schluss erlosch die Kerze von Ronnie van Zant, der dann nur wenig später auf der Leinwand erschien und den Song zu Ende sang. Johnny Van Zant ging zu diesem Zeitpunkt von der Bühne. Es folgte dann ein so geiler Instrumentalpart, der das Lied zu Ende brachte. Ein hoch emotionaler Moment, mit einem so geilen Finale. Das war fett.

Und dann war die Show, nach besagten 90 Minuten vorbei. Man war musikalisch voll auf seine Kosten gekommen. Wäre weniger Routine in der Band und mehr Flexibilät, würde sich die Bewegung auch auf das Publikum übertragen. Aber klar… die Herren sind auch nicht mehr die Jüngsten und es ist ihre Abschiedstour. Man hat sich würdig von Berlin verabschiedet. Ich danke meinem Kollegen von Arbeit, der kurzfristig mit mir noch den Dienst tauschen konnte und dem Concertbüro Zahlmann für die Akkreditierung. So konnte ich eine weitere Band von meiner „Must See Liste“ streichen. Ein toller Konzertabend… schade das es das letzte Mal Lynyrd Skynyrd in Berlin war.

Setlist Berlin:

Workin‘ for MCA
Skynyrd Nation
What’s Your Name
That Smell
Gimme Back My Bullets
I Know a Little
The Needle and the Spoon
Saturday Night Special
The Ballad of Curtis Loew
Tuesday’s Gone
Don’t Ask Me No Questions
Simple Man
Gimme Three Steps
Call Me the Breeze (J.J. Cale cover)
Sweet Home Alabama
Free Bird

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