Zig Zags – Youll never take us alive

verfasst von Henry E.-S.

Es ist schon einige Zeit her, dass ich derart auf einer New-Retro-Platte hängen geblieben bin. Ich weiß auch gar nicht, wann das angefangen hat, dass plötzlich überall New-Retro-Bands aus dem Boden geschossen sind wie Pilze aus dem Restmülleimer. Eine Weile überkam mich das Gefühl, dass wir es mit der nächsten großen Welle Mittelmäßigkeit zu tun hatten, wie damals als das Sturmtief Metalcore durch die Anlagen fegte. Tja, bis jetzt hab ich mich daher von weggedrückt. Meine Liste an nachzuholenden Klassikern ist eh viel zu lang, da hab ich nicht auch noch für sowas Zeit.

Aber es kam wie es kommen musste: Da hatte ich plötzlich mit eben diesem Album eine eben solche Retro-Scheibe vor den Gucklöchern. Und es ist mir gar nicht so sehr aufgefallen. Die in Los Angeles beheimatete Band “Zig Zags“ (bei deren Namen man unwillkürlich an eine neue Form des Sponsorings durch die Tabakindustrie denken muss) bringen hier mit ihrer neuen Schallplatte (und jede andere Form von medialen Speichereinheiten wird der Sache einfach nicht gerecht) dicke Retro-Atmosphäre. In welcher Art Retro das ist, werdet ihr fragen. Die Antwort liegt nicht so sehr im klassischen Heavy Metal, wie man glauben mag. Mehr liegt eine Verwandtschaft nicht nur zum Heavy Metal in Form der frühen Sachen wie “Black Sabbath“ und “Motörhead“, sondern auch zu den frühen Punk-Sachen! Also wer mit den ersten “Sex Pistols“ was anfangen kann, aber mit Metal nicht: Be welcome! “Zig Zags“ setzen auf eine reduzierte Besetzung aus Schlagzeug, Gitarre und Bass, mit welcher sie sich durch die Scheibe durch prügeln. Und prügeln ist da das richtige Wort.

Die Musik läuft einem relativ hohen Tempo, weshalb ich da auch gerne “Motörhead“ mit als Vergleich heran ziehe: Du könntest dich mit dieser Mukke auf einen Tretroller setzen und dich wie ein harter Biker fühlen, der einen Fick auf die Gesellschaft gibt. Und der Grund, warum das so gut funktioniert, ist die musikalische Arschbombe in eine der Weisheiten Lemmys, welcher da hervorhob, dass viele Bands heutzutage den Blues in der Musik vergessen würden. Ja. Hier ist er. Die Songstrukturen können ihr Tempo nur dadurch so gut behalten, dass jeder Track über dahin fließende Melodien verfügt, welche absolut geschmeidig dahin fließen. Oder dahin scheppern. Es klingelt ganz schön in den Ohren, während sich die Tracks vorwärts bewegen. Ruhephasen gibt’s hier nicht. Maximal noch der letzte Track der Platte, der fast komplett im Doom verwurzelt ist. Auch der Gesang ist angenehm rotzig, fast schon so ein bisschen wie eine tiefere Version des Sängers von “Suicidal Tendencies“. Und wie schön hier konsquent mit einem halleffekt gearbeitet wird. Es knallt einfach geil an jeder Ecke. Ebenso wie alles natürlich konsequent übersteuert.

Was gibt es zu meckern? Na was wohl bei einer solchen Retro-Produktion: Der Sound. Die Soundproduktion passt zwar wie die Faust aufs Auge, hat aber in den ersten 3 Tracks mit einer Schieflage zu kämpfen, die ziemlich laut das linke Ohr beschallt und auf dem rechten kaum zu hören ist. Aber mein Gott, kann passieren. Was hier wichtig ist, ist das “Youll never take us alive“ ein absolut schöne Retro-Metal/Punkrock/Motörhead Platte ist, die einfach nur Energie wie blöde liefert. Hört euch mal den Track 3 “Fallout“ als kleine Einstiegsdroge an. So geht Retro. Und jetzt entschuldigt mich, ich muss mich an meine neue Brille gewöhnen, bevor ich noch gegen was gegen laufe.

Tracklist:
01. Punk fucking Metal
02. Killer of killers
03. Fallout
04. No way out
05. Ms 45
06. The shout
07. Why i carry a knife
08. They’ll never take us alive
09. Nothing to do
10. God sized

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