Bleeding Utopia – Where the light comes to die

verfasst von Henry E.-S.

So bald etwas kommerziell eine Zeit erfolgreich ist, wird es immer Jemanden bis viele geben, die das ausschlachten. Die gibt es wirklich. Und das Ausschlachten wird so lange betrieben, bis wirklich nichts mehr übrig ist. Ich will solchen Produzenten und Konzernen ja nichts schlechtes andichten,… doch will ich.

Was würden Sie, geschätzter Leser, denn genau von einem Webseite mit dem Schwermetallischen Schwerpunkt erwarten? Das sie solche Machenschaften auch noch unterstützt? Man will gar nicht wissen, wie oft ein Produzent eine Band davon überzeugt hat, bestimmte musikalische Gangarten einzuarbeiten, weil es sich so besser verkauft. Und leider habe ich das dumpfe Gefühl, dass der Produzent von “Bleeding Utopia“ genau so ein Mensch ist. Zwar ein äußerst geschickter und Musikbegeisterter, aber immer noch so ein Mensch. So ein Mensch, der die Ganze neue Scheibe “Where the light comes to die“ versucht hat auf Göteborger Melodic Death zu trimmen und sich bei der Band nur zur Hälfte durchsetzen konnte. Die Problematik liegt nun in einem kleinen Punkt: Wenn er das wirklich erreichen wollte, hat er seinen Job leider gut gemacht.

Oder es war anders herum und die Band wollte den Melodic Death und der Produzent den anderen Teil des Albums, der sich eher nach glatt gebügeltem “Cannibal Corpse“ anhört. Den die ersten beiden Tracks sind genau das, extrem glatt gebügeltes “Cannibal Corpse“. Oder wie ich und Fenriz das gerne sagen: Kommerzieller Death Metal. Mit deutlichen Einsprengseln von Blackend Death Metal. Und das ist so glatt aus Versatzstücken des Genres zusammengefügt, dass es fast darüber hinwegtäuschen kann, dass die Scheibe echt kaum Eigenes besitzt. Im dritten Track vollführt sich nun die Wende der Scheibe, welche in Track 4 “Already Dead“ vollständig ausgeprägt wird: Schwedentod der Göteborger Schule, welcher einige Elemente von “Amon Amarth“ aufweist. Der Song geht richtig gut ab, weil er die Quintessenz der Göteborger Schule schön vertonlicht. So gut, dass man schon wieder fast vergessen könnte, dass einem das alles irgendwie bekannt vorkommt. Ich war mehrfach versucht den Produzenten zu recherchieren. Schreibt jetzt der Produzent die Musik oder die Band? Ich weiß es nicht. “Where the light comes to die“ bewegt sich genau auf der Ebene, bei der man es einfach nicht mehr sagen kann.

Die Soundproduktion ist so gut sie nur sein kann und der Sänger hat ein gutes, ruhiges aber durchdringendes Growling drauf. Jeder der Tracks ist gut durch kombiniert, führt das ein oder andere Soli auf und arbeitet gerne mit Double-Bass-Attacken, welche so aus dem Blackend Death Metal stammen könnten. Atmosphärisch wird auf den Klang einer dunklen Kriegsfestung gesetzt. Das ist wirklich alles schön eingängiger, recht düsterer Melodic Death. Melodic Death vom Reißbrett. Aus dem Reagenzglas. Von vorne bis hinten von irgendjemandem durchgeplant. Man kann diese Scheibe nicht einfach so beurteilen. Man muss sie musikalisch und danach, was sie ist beurteilen. Musikalisch ist das Ganze gut bis kurz vor sehr gut, jedoch fällt die Scheibe trotzdem auf eine gewisse Weise durch. Sie fällt durch das durch, was sie repräsentiert: Glatt gebügelten, kommerziellen Death Metal, welcher nicht anecken will, jedem gefallen will und sich schon längst von der kindlichen Freude und ehrlichen Liebe zur Musik verabschiedet hat.

Und eben vor diesem Punkt muss ich leider “Bleeding Utopia“s Scheibe negativ bewerten und die Band bitten, sich wieder daran zu erinnern, warum sie Musik machen. Und das ist nun mal nicht Geld. Und sie sollten ihren Produzenten rausschmeißen. Eine Ergänzung noch: Auch ich bin ein Mensch und bin fehlbar. Die Platte hat mir gut gefallen, jedoch verschwand sie konsequent wieder aus meinem Kopf heraus. So sollte das eigentlich nicht sein. Und jetzt entschuldigt mich, ich hab Feierabend und noch ein Stück Kuchen auf dem Teller.

Tracklist:

  1. Ascendants of hate
  2. Seek solace in throes
  3. Enhance my wrath
  4. Already dead
  5. Welcome to my pantheon
  6. Crown of horns
  7. Ruthless torment
  8. Ill and daunting perversions
  9. Heralds of hate and defiance

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