Interview – Fiddler´s Green

Gäste: Frank / Rainer
11.05.2019
Columbia Theater
Berlin

Irish Folk, besonders Irish Speedfolk gibt es nicht nur im grünen Irland. Fiddler’s Green spielen auf ihrer Heyday-Tour im Columbia-Theater in Berlin und feiern nächstes Jahr 30jähriges Jubiläum. Corinna/ Reina hat sich Rainer und Frank geschnappt, die ihr Rede und Antwort zur neuen Platte, Rieseplänen und Zukunftsvisionen gestanden haben.

Corinna/ Reina: Wollt Ihr euch kurz vorstellen?

Frank: Du hast hier einmal den Rainer, Bassist von Fiddler’s Green, und Frank, Schlagzeuger von Fiddler’s Green.

Corinna/ Reina: Das heißt, ich hab gleich die Riege erwischt, die eigentlich immer son bisschen mit Bassismus zu kämpfen hat und mit diesen Vorurteilen.. 😉

Frank: Vorsicht, was du sagst..du sprichst hier mit dem Rückgrat der Band, mit der Wirbelsäule der Band. Ohne uns zerfällt sozusagen dieser Mensch, dieses Lebewesen von Fiddler’s Green komplett.

Rainer: Wir sind also sozusagen das Skelett, das wichtigste…

Frank: Wir sorgen eigentlich dafür, dass Fiddler’s Green aufrecht gehen kann.

Corinna/ Reina: Ich find das auch besonders wichtig! Das war jetzt auch gar nicht so gemeint, dass ich für Bassismus bin. Ich weiß, wie wichtig gerade Bass und Percussion ist. Ohne das funktioniert auch eine Band einfach nicht.

Rainer: So ist es.

Corinna/ Reina: Aber weshalb ich ja hier bin, ist ja die Band an sich. Und für euch hat alles im E-Werk in Erlangen angefangen mit dem Contest und heute steht ihr auf den großen Bühnen und habt sogar euer eigenes Festival auf die Beine gestellt. Aber sehnt ihr euch manchmal zurück an die Zeit in den kleinen Clubs, an die Anfänge oder auch einfach auf der Straße spielen zu können?

Rainer: Nein, tatsächlich nein. Also wir hatten jetzt im März zur CD-Veröffentlichung so ne kleine Tour durch Irish Pubs, vier Konzerte, um das Album vorzustellen. Das war schon eigentlich ganz cool, auf so ner 3×3-Meter-Bühne, wo man sich gegenseitig auf die Füße tritt, mit keinem vernünftigen Monitor. Aber nach so eins, zwei Konzerten ist man froh, wenn’s dann vorbei ist. Auch wenn Nähe schön ist und alles. So wie wir das gerade machen und spielen, fühlen wir uns am allerwohlsten.

Frank: Genau. Und es kommt auch immer wieder vor, dass es Besonderheiten gibt, dass wir Club-Shows haben oder wir haben ja auch Unplugged-Touren. Das heißt, wir sind eh sehr abwechslungsreich aufgestellt. Also wir spielen wirklich vom Wacken-Festival über kleine Shows dann auch mal Auslandstouren, wo wir dann noch nicht so bekannt sind. Von daher ist es eh sehr abwechslungsreich. Und wie der Rainer schon gesagt hat, wenn man so vier kleine Pub-Shows hat, reicht’s auch wieder. War lustig, aber gerade als Schlagzeuger muss man dann sehr diszipliniert sein und sich zurückhalten von der Lautstärke. Und da macht das dann auf den größeren Bühnen auf jeden Fall mehr Spaß.

Corinna/ Reina: Das glaube ich dir. Ihr habt ja gerade schon euer neues Album angesprochen. Das ist ja gerade rausgekommen und in den deutschen Charts direkt auf Platz 7 geschossen. Gratulation dazu =) Das wurde bestimmt ordentlich gefeiert. Wird dann mit Irish Whiskey oder eher mit nem guten Pale Ale angestoßen?

Frank: Also ganz ehrlich mag ich am Liebsten son Fränkisches Helles zum Beispiel. Ich bin überhaupt nicht der Whiskey oder Guinness Fan, aber wir sind ja zu sechst in der Band, da gibt es durchaus auch große Whiskey Fans und der Stefan ist auch großer Guinness Fan zum Beispiel. Das ist dann ganz abwechslungsreich. Was dieses Jahr schön war, wir hatten zum Release diese besagte Pub-Tour und dadurch konnten wir am Tag des Releases mit den Fans Heyday genießen und feiern. Das fand ich persönlich sehr schön, das hat es zu etwas besonderem gemacht. Da saßt du nicht zu Hause, sondern man hat es gemeinsam mit den Fans im Pub erfahren.

Corinna/ Reina: Das klingt sehr schön. Habt ihr denn vor euren Shows, wenn ihr euch vorbereitet, ein besonderes Ritual?

Rainer: Es gibt schon ein Ritual, aber das ist dann in den zwei, drei Minuten, bevor es losgeht. Die Zeit vorher versuchen wir dann zu nutzen, ein bisschen runterzukommen und den Kopf frei zu kriegen. Oft sind ja dann doch ein Haufen Leute da, dass wir dann nochmal unter uns sind. Früher war das noch so, dass alle irgendwie unterwegs waren. Einer war noch am Merch war, ein anderer hat noch dies gemacht und kam fünf Minuten vor der Show wieder.

Corinna/ Reina: Das heißt, ihr seid dann einfach auch ein bisschen ruhiger geworden, was die Zeit vor der Show angeht.

Rainer: Ja, es tut schon gut, sonst hast du den Kopf voll.

Frank: Kurz mal fokussieren, das ist schon nicht falsch.

Rainer: Und das Ritual für uns ist dann, während des Intro schlagen wir uns nochmal ein. Und wir wünschen uns ne gute Show!

Corinna/ Reina: Thema Show… Dazu hab ich tatsächlich ne Frage. Wir haben nämlich letztes Jahr gerätselt. In Weil am Rhein beim MPS 2, da stand im Backstage ein Trampolin und wir haben die ganze Zeit gerätselt, von wem das ist. Weil die Weltenkrieger hatten zwar ein Kind mit, aber das Trampolin war weg, genauso wie ihr. War das von euch?

Rainer: Das war von uns, ja.

Frank: Das sollte ein Experiment werden, das nicht funktioniert hat. Also ich sollte beim Wasser-Trommel-Solo, da sollte ich Trampolin springen und nen Salto machen. Ähm…ist am Salto gescheitert (alle lachen).

Corinna/ Reina: Ok, ich geh mal nicht weiter drauf ein 🙂

Frank: Aber interessante Feststellung, aufmerksam beobachtet!

Corinna/ Reina: Mal weg vom Trampolin. Was war denn das seltsamste, was ihr mal von einem Fan geschenkt bekommen habt?

Rainer: Wir waren jetzt in Japan, da haben wir viele seltsame Dinge geschenkt bekommen..Essstäbchen und diverse Dinge zum Essen, wo wir dann teilweise gar nicht wussten, was das denn jetzt eigentlich ist. Das fand ich schon seltsam.

Frank: Ja, seltsam…hm, so selbstgebackene Dinge zu Weihnachten. Gerade zum St. Patrick’s Day gab es Pralinen, die waren recht toll gemacht, aber nicht seltsam. Die waren toll! Auch Gemälde…also eigentlich sind es eher tolle Geschenke.

Corinna/ Reina: Oder irgendwas, was euch besonders in Erinnerung geblieben ist?

Frank: Also diese Japan-Geschenk-Box für jeden, die war schon cool. Diese Essstäbchen, da war noch der Name von jedem in japanischen Buchstaben eingraviert. Das war schon aufwendig und toll. Benutze ich auch zu Hause.

Corinna/ Reina: Es ist ja so, das ihr nächstes Jahr (kurze Verunsicherung) nächstes Jahr…?

Rainer: …werden wir 10 Jahre alt.

Corinna/ Reina(lächelt): Na, n bisschen älter…ihr seid grob aus der Pubertät raus 😉 Ihr feiert 30Jähriges Jubiläum.

Frank: Ja, das erste Drittel wär dann geschafft…

Corinna/ Reina: Wollt ihr schon was darüber verraten? Ihr habt bestimmt was geplant!

Frank: Zum Jubiläum? Ja, das ist tatsächlich zu früh. Also die Planungen laufen auf Hochtouren sozusagen. Da ist noch nichts so ganz klar.

Rainer: Was ich schon verraten kann, ist, dass es so wie bei Schandmaul eine Megashow gab..das können wir nicht machen. Das wäre uns irgendwie nicht genug. Das war ein Riesenact, aber für uns wird das ganze Jahr so n ein Jubiläumsjahr..also da kann man gespannt bleiben.

Frank: Dann haben wir im Jahreszyklus auch noch mal unser eigenes Festival, da würden wir uns vielleicht selbst Konkurrenz machen und das fanden wir unstimmig. Alles auf eine Karte setzen und dann verpufft damit auch alles. Dann würden wir lieber mehrmals zu diesem Thema in diesem Jahr was machen.

Rainer: Jetzt zum Beispiel auch mit unserer Tour… Wir haben jetzt das fünfte oder sechste Konzert, man kann es nicht glauben, aber es braucht ein bisschen, ehe sich das festigt, dass man sagen kann jetzt kommt das so langsam in Stand. Dass man dann auch die Energie spüren kann und das Feintuning dann machen kann. Das wäre schon bitterlich, wenn man ne Tour spielt mit sechs Konzerten und dann am Ende der Tour feststellst: Ach Mensch, das hätte man ja ganz anders machen können. Aber da bin ich dann immer über so ne gewisse Anzahl von Auftritten ganz froh drüber auch zu sehen, wie die Fans reagieren.

Frank: Wir sind sehr sehr gern unterwegs, weg von zu Hause. (alle lachen) Wenn du eine Show im Jahr spielst, dann hast du eine fette Show und bist du nur einen Tag weg. Das ist natürlich ne blöde Rechnung.

Rainer: Über 70 Shows Jubiläum feiern, da sind wir 100 Tage weg mit Hin- und Rückfahrt.

Corinna/ Reina: Aber wenn ihr euch aussuchen könntet, wo ihr unbedingt noch spielen wollt, was wäre das erste, was euch in den Kopf kommt?

Rainer: USA wäre cool, fänd ich jetzt politisch zwar nicht ganz so klasse, von daher wäre England besser, ist politisch jetzt auch nicht so..(alle lachen) wird dann n bissel eng irgendwann. Man muss sagen, Ausland ist immer ne Herausforderung. Japan war der Knaller, weil wir da schon vor zehn Jahren angefangen haben, CDs zu veröffentlichen und wir hatten dann ne richtig große Fan-Schar.

Frank: Es war auch top organisiert.

Rainer: Wenn du jetzt so im hintersten Tschechien spielst auf irgendnem Festival, da kennen uns die Leute nicht so sehr. Da denkt man sich: ist zwar schön, aber da ist keine Perpektive. Das ist jetzt nichts, wo man drauf aufbauen kann, das war in Japan anders. USA wäre da schon ne tolle Sache oder eben England. Irland waren wir schonmal. Da gibt’s so dies Szene in der Form und witzigerweise gar nicht so sehr und die Kids hören mehr Reggae-Pop.

Corinna/ Reina: Die denken dann vermutlich: Was finden die da dran oder so..

Frank: Bestimmt. Also ich hab mir mal vorgestellt, wie das ist, wenn eine Irische Band nach Deutschland kommt und deutsche Blasmusik spielt. Dann weiß ich auch nicht, was ich davon halten soll. (lacht)

Corinna/ Reina: Vielleicht noch ein kleiner Ausblick auf die zweite Hälfte des Jahres?

Frank: Also am Ende des Jahres sind wir mit Subway to Sally unterwegs bei den Eisheiligen Nächten. Ansonsten kommt nach unserer Tour die Festival-Saison. Das ist erstmal der Plan.

Corinna/ Reina: Das heißt, ihr seid erstmal unterwegs, in aller Band-Manier.

Frank: Genau. Januar, Februar zu Hause. Das reicht dann auch für’s Jahr. Man kann sich gar nicht vorstellen, immer zu Hause zu sein.

Rainer: Also es ist nicht so, dass wir unsere Familien nicht mögen…

Frank: ..aber das Reisen ist schon ein existenzieller Bestandteil unseres Lebens. Das möchte man nicht missen.

Corinna/ Reina: Ich denke, „das möchte man nicht missen“ ist ein schönes Schlusswort. Reisen ist besonders wichtig, vor allem, wenn man die richtige Musik spielt und auch dabei hört. Dann bedanke ich mich bei euch.

Rainer: Danke Dir!

Frank: Sehr gerne!

Danke an Frank und Rainer, das Interview war herrlich entspannt und ich hab mich sehr gut aufgehoben gefühlt.

Rock on und zeigt Berlin, was Irish Speedfolk heißt!

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