Belphegor

Support: Suffocation / God Dethroned / Nordjevel / DarkRise
07.04.2019
Kulturpalast
Hamburg

verfasst von Louisa

Ein Konzertbeginn um 17:00 bei sommerlichen Temperaturen sorgt unter Metallern für einige Verwirrung. Die altbekannte Metalszene einmal im Tageslicht statt nachts im Schein der Straßenlaternen oder im Dämmerlicht der Clubs zu sehen ist eine Sache, aber dass viele Anwesende sommerliche Outfits oder Sonnenbrillen tragen und aussehen als wären sie bereit für den Strand eine ganz andere.

Die ersten Sonnenstrahlen des Jahres sind für Darkrise kein leichter Gegner und so verpasst manch ein Konzertbesucher die erste oder sogar die ersten beiden Bands in den Korbstühlen vorm Club mit einem Bier in der Hand. Auch im Kulturpalast will die Stimmung noch nicht recht aufkommen, die Reihen vor der Bühne sind dünn gesät und die düstere Atmosphäre wird von den Sonnenstrahlen, die sich trotz Verdunkelung immer wieder einen Weg in den Saal suchen, regelmäßig unterbrochen.

Auch Nordjevel haben noch mit den sommerlichen Bedingungen zu kämpfen. Um das Corpsepaint und den kalten Black Metal der Norweger richtig zelebrieren zu können, ist es für die meisten leider einfach noch ein bisschen zu hell. Trotzdem gehen die Schreie und atmosphärischen Hintergrundchöre bis ins Mark und stimmen schon einmal auf das ein, was im Laufe des Abends noch folgen soll. Im Kampf gegen God Dethroned hat die schwächer werdende Sonne dann allerdings keine Chance mehr. Zahlreiche – mittlerweile angebräunte – Metaller finden den Weg in den sich füllenden Saal und die ersten Fäuste recken sich in die Luft. Die Niederländer bringen mit ihrem Groove die Nacken zum Kreisen und machen die Zuschauer mit ihrer düsteren Ausstrahlung schnell vergessen, dass draußen eigentlich bestes Sommerwetter herrscht. Beim letzten Song “Storm of Steel“ ist das Kulturzentrum dann ordentlich in Fahrt gebracht und ein kleiner Moshpit kreist beständig in der Mitte der Halle. Als God Dethroned sich mit einem sympathischen “Dankeschön“ verabschieden ist auch das Sonnenproblem endlich gelöst.

Eingeschüchtert vom brachialen Death Metal der Niederländer hat sie ihren Platz am Himmel aufgegeben, um endlich eine angemessene Düsterheit Einzug halten zu lassen.Suffocation zaubern schon vor ihrem Auftritt ein breites Grinsen in die Gesichter der ersten Reihe. Mit dem Angebot, ein Foto von zwei Zuschauern vor der Bühne zu machen, die gerade ein Selfie machen wollten, entführt Gitarrist Charlie Errigo das Handy der Hobbyfotografen und macht stattdessen ein paar alberne Schnappschüsse von der Band beim Bühnenaufbau, bevor es dann wirklich das versprochene Bild der beiden Fans gibt. So macht man sich Freunde.Der brutale Death Metal der New Yorker bildet einen krassen Gegensatz zur Freundlichkeit der Band. Innerhalb kürzester Zeit kreist ein wilder Circlepit in der Mitte vom Kulturpalast. “Some people said Suffocation are dead – but we are not”, verkündet Sänger Frank Mullen (übrigens ganz kollegial im Darkrise T-Shirt gekleidet) das Offensichtliche ohne weitere Zeit mit Zwischenansagen zu verschwenden. Bei der Brutalität und Energie, die die New Yorker abliefern ist es wirklich erstaunlich, dass das Konzert nicht komplett ausverkauft ist. Großes Kino!

Nachdem die Zuschauer sich gebührend ausgepowert haben nutzen „Belphegor“ die einkehrende Ruhe unter den Verbliebenen – denn viele haben in Erwartung des Montagmorgens scheinbar schon früh die Segel gestrichen – um mit ihrem düsteren Bühnenaufbau aus umgedrehten Kreuzen und Knochensäulen Gänsehaut und Düsternis zu verbreiten. Nicht nur der Sound und die Intensität, die den Bühnenaufbau beachtlich zum Wanken bringt, sondern auch die Beleuchtung sorgen für ein stimmiges Gesamtbild und ziehen die Fans in ihren Bann. Sänger Helmuth weiß offensichtlich, was seine Band auf dem Kasten hat und genießt es, sich vom Publikum feiern und anfeuern zu lassen. Als das Konzert mit dem letzten Song „Baphomet“ seinen Höhepunkt erreicht, schüttelt er noch einmal die Hände der ekstatischen Fans und drückt jedem, den er erwischt noch ein Plektrum in die Hand. Bevor die Band letztendlich hinter der Bühne verschwindet, macht er noch ein letztes Selfie mit einem Zuschauer aus der ersten Reihe – Fanservice muss sein – und entlässt die Hamburger Metalszene in die laue Frühlingsnacht, damit jeder noch ein paar Stunden Schlaf bis zum Montagswecker bekommen kann.

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