Rogers

Support: Marathonmann, Engst
05.04.2019
Gruenspan
Hamburg

verfasst von Louisa

Es ist Freitagabend und der inoffizielle Tote Hosen Fanclub – zumindest den T-Shirts der Anwesenden nach zu urteilen – hat sich vor dem Grünspan versammelt, um mit ein bisschen gepflegtem Punk das Wochenende gebührend einzuläuten. In der ausverkauften Halle wird es schon nach kurzer Zeit angenehm kuschelig und ich schaffe es gerade noch, mich in die erste Reihe zu drängeln. In diesem Sinne: Viele Grüße an Fabian und danke fürs Überlassen der Pole Position. Als Engst als erste Band des Abends die Bühne betreten wird nicht lange gefackelt und direkt beim ersten Lied auch der erste kleine Pit des Abends angezettelt. Auch ansonsten gewinnen die Berliner mit ihren sympathischen und persönlichen Ansagen schnell die Herzen des Publikums. Zu “Morgen geht die Welt unter“ feiern die Fans, als würde genau das zutreffen und auch die ersten Crowdsurfer bahnen sich ihren Weg nach vorne. Dementsprechend dauert es nicht lange bis die Band sich denkt: “Scheiß auf erste Supportband – habt ihr Bock auf eine Wall of Death?“ Und das hat Hamburg definitiv.

Ein bisschen gepflegte Romantik ab und zu darf natürlich auch nicht fehlen und als bei “Eskalieren“ funkensprühende Mini-Bengalos in die Luft gehalten werden, wird auch das härteste Punkerherz erweicht. Bei der ausgelassenen Stimmung kommt das Ende des Auftritts natürlich viel zu schnell und so nutzt das Publikum die Gelegenheit, den “offiziell“ letzten Song “Ich steh wieder auf“ aus voller Kehle mitzusingen, bevor der tatsächlich letzte Song den Auftritt der Berliner beendet.Als kurze Zeit später Marathonmann die Bühne erobern braucht das Publikum erst einen kleinen Moment, um sich einzugewöhnen. Die Münchener schlagen musikalisch in eine etwas andere Kerbe und scheinen nicht ganz so viele textsichere Fans im Publikum stehen zu haben wie Engst, Ansagen wie: “Ich möchte hier den größten Circle Pit sehen, den es in Hamburg je gegeben hat“ fallen also erst einmal nicht auf fruchtbaren Boden – aber das soll nicht lange so bleiben.

Den schnellen Nummern und der Intensität von Marathonmann kann sich das Publikum trotz anfänglicher Befremdung aber nicht lange erwehren und spätestens bei “Holzschwert“ hat das Grünspan die Betriebstemperatur wieder erreicht. Wenn Menschen am Rande des Pits verzweifelt versuchen, ihr Bier schneller zu trinken als es wieder verschüttet wird und die Temperatur in der Halle sich dem Punkt Kernschmelze nähert, kann eine Band nicht so viel falsch gemacht haben.Als die Rogers im Anschluss ihren Bühnenaufbau beendet haben wissen alle: Die machen keine halben Sachen. In großen goldenen Lettern haben sie ihren Bandnamen auf der Bühne aufgebaut und haben offensichtlich vor, es heute Abend so richtig krachen zu lassen. Immer noch euphorisch von der Energie der beiden Support Acts drückt die Menge schon vor Beginn des ersten Songs nach vorne und “Oooh“ Chöre ziehen vereinzelt durch die Halle.

Die Düsseldorfer starten direkt mit “Mittelfinger für immer“ von ihrer gleichnamigen neuen Platte und zeigen, dass sie live alles andere als zahm sind. Auch Sänger Michi von Marathonmann darf bei “Zu spät“ noch einmal auf die Bühne, um ein letztes Mal ins Publikum zu keifen. Die Menge tobt. Bei “Schon okay“ ist die maximale Luftfeuchtigkeit dann erreicht und die Security fängt an, den vom Pit erschöpften Fans Wasser auszuschenken. Auch die Crowdsurfer, die fast ohne Pause aus den hinteren Reihen nach vorne ziehen sind mittlerweile schon bekannte Gesichter – der wohl berühmteste Crowdsurfer des Abends ist der Sänger von Engst, der die Rogers genauso abfeiert wie alle anderen Fans.Sänger Chri hat das Publikum mit Zwischenansagen wie “Ihr geilen Schweinchen“ komplett im Griff und freut sich riesig über die Resonanz. Beim letzten Song “Früher“ sieht das Grünspan dann auf einmal erschreckend leer aus, aber die verbleibenden Fans haben die Situation in Sekundenschnelle analysiert: Mehr Platz im Saal heißt eigentlich nur mehr Platz für einen Circle Pit! Als beim letzten Song auf einmal zahlreiche Rogers-Flaggen überall im Saal auftauchen und den ganzen letzten Song über geschwenkt werden ist das Gänsehautfeeling perfekt. Die Rogers wissen auf jeden Fall, wie es geht.Zusammenfassend lässt sich eigentlich nur sagen, dass jeder, dessen Herz heimlich oder nicht so heimlich für etwas gepflegten Punk und eine ordentliche Party schlägt, sich die tödliche Kombi aus Rogers, Marathonmann und Engst auf keinen Fall entgehen lassen darf. Also nichts wie hin, ihr geilen Schweinchen.

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