Korpiklaani

Support: Trollfest / Turisas
19.3.2019
Huxleys Neue Welt
Berlin

verfasst von Lena H.

Jaaaa, mal wieder ein Konzert, auf das man gespannt sein kann im – wer hätte das gedacht – „Huxleys neue Welt“ am Hermannplatz in Berlin. Immer wieder sehr belustigend: Das typische Neukölln wie es leibt und lebt – und setzt man den Fuß in die Hallen des Huxleys, befindet man sich sofort in einer anderen Welt! ich hoffe, diese Konzertlocation bleibt uns noch ganz lange erhalten! Trotz großer Nachfrage war dieses Konzert der »Wayfarers & Warriors Tour 2019« nicht ausverkauft: es waren knapp 600 Besucher.
Opener war Trollfest aus Norwegen, die selbsternannten „Pioniere des wahren norwegischen Balkan Metal“. Gegründet hatten sie sich 2003, da sie die normale Partymusik einfach satt hatten und auf der Suche nach ein bisschen Stimmungsmusik für Rowdys waren. Ein paar Biere und 2 Jahre später hatten sie Website, Songs und einen Plattenvertrag. Ja, so kanns laufen. Irgendwie nehmen sich die Jungs nicht allzu ernst, sie haben einfach Spaß an der Sache. Ihr Anblick mag so manchen schockiert haben: „Wer oder was ist das auf der Bühne? – Weibliche Trolle?“ Trollfest ist es anscheinend sehr wichtig, auch äußerlich darzustellen, dass sie auf der Suche nach Abwechslung, Spaß und Stress sind.

Norwegische Männer in Prinzessinnenkostümen, grell geschminkt und wild umherhüpfend. Nach dem Auftritt wird sich nicht abgeschminkt – nein, eine Dame wandelt vor den Trollen auf dem Weg zum Location-Außenbereich her und ruft „Achtung, achtung, die Prinzessinnen kommen!“ Man kann es auch übertreiben, muss man aber nicht. Auf jeden Fall ein Erlebnis. Und das war auch der ganze Auftritt. Mal erfrischend anders, einzigartig, irgendwie auch dumm. Aber es hat total Stimmung gemacht und das ist ja schon die halbe Miete. Eine Sache kann man sich auf jeden Fall merken: Das Leben mal nicht allzu ernst zu nehmen. Besonders einprägsam war das Lied „Illsint“ aus dem Album „Brumblebassen“: es war schwer definierbar, aber irgendwie hatte dieses Lied neben dem „Geschrei“ des Sängers auch sehr viele arabische und griechische Elemente in sich vereint. Insgesamt ein sehr interessanter Auftritt und jeder, der um 18:30 noch nicht wach war, war es danach definitiv. Ich weiß schon, warum diese Band als erstes spielt.


Turisas waren auch wieder etwas für die Augen: stark bemalt, aber eher Richtung Moonsorrow, also Blut im Gesicht und dergleichen. Oder besser gesagt, ein rot bemaltes Gesicht mit schwarzen Streifen. Aber auch diese nehmen sich selbst ordentlich auf die Schippe. Allein als ihre Interessen geben sie an: „booze and pinball“. Ok. Für Finnen auch ungewöhnlich – ist dort doch eher die etwas ernstere Musik zuhause – zumindest mag man das glauben. Der Auftritt widerlegt das auf jeden Fall. Spaß stand an erster Stelle. Doch die Meute wurde hier etwas ruhiger, wenns ums tanzen ging. Turisas hatten niemanden anders als Stargeigerin Caitlin De Ville an Board. Somit war auch dieser Auftritt etwas für die Augen. Ihre Präsenz nahm die ganze Bühne ein und rückte die eigentliche Band sehr in den Hintergrund. Ich finde es schon bemerkenswert, wenn jemand überhaupt Geige spielen kann. Aber dann noch in so einem Kostüm und ständig hin und her und whatever bewegend: Respekt! Gespielt wurden Klassiker wie „A Portage To The Unknown“ oder „Hunting Pirates“. Ich muss dazu sagen, dass mir der klare Gesang des Sängers so gar nicht zusagt, den Rest find ich toll. Der Sänger Mathias Nygård hatte mal verlauten lassen: „..The feeling could not be better. The band sounds better than ever, and everyone is super hyped about the upcoming tour,… you don’t want to miss this show!“ Und das hat man an diesem Abend definitiv gemerkt.


Last but not least waren dann gegen 22:00 die Headliner Korpiklaani am Start. Auch ein mega Auftritt und ein guter Abschluss zu den ersten zwei Bands. Insgesamt ne runde Sache, dieser Wayfarers & Warriors Abend. Die selbsternannten „Folk Metal Superstars“ lieferten auch echt ne gute Show ab! Alle 3 Bands eine bunte Mischung aus Spaß, Trank und Tanz, etwas Überheblichkeit, viel Selbstironie und nordischem Flair. 2003 muss ein gutes Jahr gewesen sein, denn auch Korpiklaani wurde in diesem Jahr gegründet.

Spätestens beim Klassiker „A Man With A Plan“ gab es kein Halten mehr und jeder ging irgendwie ab. Die Stimmung war echt ausgelassen, aber nicht so, wie ich es von Festivalauftritten von Korpiklaani kenne. So eine „Halle“ scheint die Menschen immer wieder einzuengen, räumlich wie auch innerlich. Korpiklaani punktet auf jeden Fall auch ohne sich groß verkleiden und bemalen zu müssen. Sie sind mit die authentischeren Skandinavier. Und sie können ruhig und wild. Sie spielten sehr viele Songs aus dem Album „Kulkija“ (2018) und auch einiges aus den Alben davor, wie zum Beispiel „Palovana“ aus dem Album „Tervaskanto“, was mir sehr gefallen hat. Es lohnt sich eben doch, sich mal einige Zeit in den finnischen Wald zurückzuziehen. Da kommt dann anscheinend sowas bei raus. „Beer Beer“ und „Happy Little Boozer“ – was wäre Korpiklaani ohne Lieder wie diesen. Irgendwie gehört doch Korpiklaani zu jedem gelungenen, durchzechten Pubabend dazu. Wer Korpiklaani nochmal sehen möchte, nimmt am besten viel Geld in die Hand und reist nach Australien – dort werden sie bald weiter auf Tour sein. Insgesamt war es ein sehr gelungener, fröhlicher Abend in einer meiner Lieblingskonzertlocations in Berlin. Läuft!

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