U.D.O.

Support: Dead City Ruins / David Reece
12.02.2019
Zeche
Bochum

verfasst von Henry G.


Nach zwei Jahren des ausgiebigen Tourens unter dem Dirkschneider-Banner – wobei Udo Dirkschneider ein letztes Mal all jene Accept-Klassiker live präsentierte, wofür Millionen Fans ihn lieben – ist nun wieder die Zeit gekommen, mit seiner eigenen Band U.D.O. das neue und alte Material seines musikalischen Schaffens der letzten drei Jahrzehnte zu präsentieren. Dabei würde er von nun an plangemäß auf das Spielen von Accept-Klassikern verzichten. Es war absehbar, dass die zu bespielenden Hallen wieder kleiner werden würden, denn der Sensationseffekt, dass Udo Dirkschneider Accept-Stücke singt, war weg, aber in der Dimension dieses Dienstagabends hatte man dann doch nicht geplant, als das Konzert ursprünglich in der Oberhausener Turbinenhalle 2 angesetzt wurde. Der Vorverkauf ließ offensichtlich die Verlegung in eine kleinere Location vernünftig erscheinen, so dass die Tour nun statt in Oberhausen in Bochum Station machte, um abermals die Zeche zu rocken. Dabei hat das kleinere, gemütlichere Ambiente durchaus auch seine Vorteile für die Fans.

Bevor Udo mit seiner neu zusammengestellten Musikerriege die Zeche rockte, wurde noch ein Vorprogramm mit Supports geboten. Natürlich wurde wieder einmal nichts vorher auf den Seiten beider Veranstaltungsorte angekündigt; welche und wie viele Supports es geben würde war unbekannt, so dass der Überraschungseffekt gewahrt blieb.

Pünktlich um 19.30 Uhr ertönte ein kinematisches Intro zum Beginn der Anheizer-Show der Dead City Ruins. Der Fünfer legte los mit einem breitbeinigen Hard Rock, der sofort frisch und spielfreudig daher kam und so gar nicht das Klischee ihrer australischen Herkunft bedient, dass alles von dort nach AC/DC oder Airbourne klingen müsste. Der in der Zeche sehr gut abgemischte Sound der Truppe erinnert eher ein wenig an Slashs Interims-Projekt Velvet Revolver mit einer zusätzlichen Prise 70er-Jahre Hard Rock dabei. Die Zeche war nur etwa zur Hälfte gefüllt zu Beginn, dennoch konnten die Dead City Ruins schnell für viel Anfeuerung und schon nach zwei Songs für sehr kräftigen Applaus sorgen. Die 2010 gegründete Band hat sich durch jahrelanges Touren in Europa schon mancherorts einen Namen gemacht, musste im vergangenen Jahr allerdings einen neuen Sänger finden, als ihr Gründer Jake Wiffen ausstieg. Steve Welsh heißt der Nachfolger und der hat eine wirklich tolle Hard Rock-Stimme und beherrscht auch gelegentliche Screams sehr gut. Ebenso das unverzichtbare Posen auf der Bühne. Die Stücke wie der Opener Til Death, Run Away, Dirty Water und Broken Bones haben zudem erstklassige Gitarrensolos. Eine halbe Stunde Spielzeit lässt nicht viel Raum sich zu präsentieren, aber die Band konnte an diesem Abend ihr Potenzial ausschöpfen. Die Dead City Ruins erfinden das Rad des Rock’n’Roll sicherlich nicht neu, aber sie bringen es auf ihre Art gehörig ins Rollen.

Am Merchstand war im Vorbeigehen nicht so leicht zu bemerken gewesen, ob da Zeugs von einem oder zwei Supports verkauft wurde, so konnte man denken, dass nach dem Opener schon die Hauptband kommen würde. Aber weit gefehlt, es folgte ein besonderer Gast, der mit dem Gastgeber dieser Tour eine besondere Karriere teilt: Wie Udo Dirkschneider war auch David Reece Sänger bei Accept gewesen – zwar nur ein Jahr und ein Album lang, aber Eat The Heat ist heute ebenso ein Klassiker der Metal-Geschichte. Da bietet es sich natürlich an, einige Titel davon ins Programm zu nehmen. In erster Linie stellte Reece samt deutlich jüngerer Begleitband aber sein neues Werk Resilient Heart vor, welches letzten November erschienen ist und soliden Hard Rock präsentiert. Die sehr gute Stimmung der Dead City Ruins konnte beim Auftritt von Reece und seinen Mitmusikern allerdings nicht gehalten werden, der Altmeister hatte etwas Probleme, das Publikum richtig auf Betriebstemperatur zu bringen. Dabei erzählte er sehr schön anschaulich, wie er anno 1989 zum ersten Mal Dirkschneider getroffen und ihm in einer Geste der Ehrerbietung mitgeteilt hatte, was für ein toller Typ dieser wäre. 30 Jahre später touren sie nun also zusammen mit ihren aktuellen Bands. Aus der neuen Reece-Scheibe wurden Stücke wie Perfect Apocalypse, Live Before You Die und What About Yesterday vorgestellt: alles nett anzuhören, aber nichts was besonders mitreißend wäre oder sehr lange im Ohr hängen bleiben würde. Die immer wieder eingestreuten Accept-Klassiker von der Platte mit Reeces Beteiligung wie Generation Clash, X-T-C und das abschließende Hellhammer stechen dagegen schon eher hervor: Es war zwar seinerzeit etwas völlig anderes und eine etwas kommerziellere Gangart als mit Udo am Gesang, aber heute sind es dennoch zeitlose Metal-Klassiker mit dem typischen Accept-Gefühl dabei. Nach einer kurzweiligen Dreiviertelstunde waren Reece und seine Mitmusiker durch und verwiesen auf die Möglichkeit des Treffens am Merch nach der Show.

Der Hauptact des Abends ließ sich über eine halbe Stunde Zeit, bevor das Intro ertönte, die Ventilatoren der Stahlfabrik in Bewegung kamen und der Altmeister sowie seine wesentlich jüngeren Bandmitglieder die in gleißendem stahlfeuerrotorange illuminierte Bühne der Zeche betraten und den Tongue Reaper losließen. Es war gut voll geworden in der Zeche, aber bei Weitem nicht ausverkauft. Der Altersdurchschnitt des Publikums war interessanterweise deutlich im Ü40-Bereich, was sonst bei der sehr gemischten und vielfältigen Metalszene im Pott eher selten der Fall ist. Nach den ersten Minuten waren bereits Anfeuerungsrufe zu hören, ein guter Start für die Truppe um den Ausnahmesänger, der diesmal die Tarnklamotten im Schrank gelassen hat. 24/7 war eines der frühen Highlights der Setlist, die Nummer war schon eine Weile nicht mehr im Programm der Heavy Metaller, darauf folgte das Revueintro der 2007er Platte Mastercutor, gefolgt vom Titeltrack der Scheibe.

Man war im Vorfeld gespannt, wie die neue, sehr jugendliche Besetzung sich schlagen würde und ob es ohne Fitty Wienhold am Bass überhaupt funktionieren würde. Der Mann war schließlich seit 1996, also für die jüngeren Fans quasi schon immer an der Bassgitarre dabei und er war ein richtiger Charakter, der auch ab und an schon gut abgefüllt auf der Bühne stand und trotzdem eine tadellose Show spielte. Der neue Bassist Tilen Hudrap sieht dem Fitty sogar ein bisschen ähnlich, nur eben 30 Jahre jünger und halb so breit. Er hält sich, wie sein Vorgänger, eher im Hintergrund und lässt dem Gitarristen-Duo den Vortritt. Dieses heißt im Jahre 2019 Andrey Smirnov, welcher schon seit einigen Jahren dabei ist, und Dee Dammers, der im letzten Jahr dazu gestoßen ist. Letzterer ist ein Jungspund, der ständig so von der Bühne blickt, als ob er sein Glück, mit der Metallegende spielen zu dürfen, noch gar nicht fassen kann. An den Drums sitzt seit geraumer Zeit Udos Sohnemann Sven Dirkschneider, der wie sein Vater sein Handwerk ebenfalls sehr gut versteht – Udo Dirkschneider kann sich glücklich schätzen, sein musikalisches Talent weitervererbt zu haben und U.D.O. zu einer Familienunternehmung machen zu können.

Der erste Teil der Show war vorwiegend von Material der letzten Alben geprägt, weitere Highlights waren hier Metal Machine von Steelhammer und Vendetta. Sound und Licht waren erstklassig – anders ist man es von der Zeche aber auch nicht gewohnt; bei Vendetta war die Szenerie passenderweise in blutrotes Licht getaucht, welches mit dunkelblauen Strahlern ergänzt wurde. Älteres Material wurde beispielsweise mit Independence Day von 1997 präsentiert, wozu sich ein Mitsingspielchen anbot. Denn das Publikum war im Laufe der Show etwas ruhiger geworden. Mit In The Heat Of The Night und Rising High wurden zwei weitere Nummern von Steelfactory vorgestellt, das aktuelle Album bildete ganz klar einen Schwerpunkt der Setlist. Nach Rising High folgte ein kurzes Gitarrensolo, bei dem sich der neue Gitarrist mit seinem Können verstärkt präsentieren durfte. Das Posen und Grimassenschneiden zum Spielen beherrscht Dammers schon perfekt.

Mit In The Darkness folgte ein Klassiker und Fanfavorit vom 1987er Debüt. Nach der sehr ruhigen Ballade I Give As Good As I Get wurde die Geschwindigkeitsschraube glücklicherweise wieder angezogen mit Timebomb. Es folgte ein Drum Solo, welches bald darauf vom Basser ergänzt wurde, der zudem einige Worte ans Publikum richten durfte. Nach einem weiteren neuen Song kam mit Heart of Gold von 1990 abermals ein Klassiker zu Gehör. Bald darauf verschwanden die Musiker vorläufig von der Bühne und ließen sich eine Zeitlang bitten. Die Zuschauer in der Zeche waren laut genug und der Zugabenblock wurde mit Holy eröffnet. Wo in früheren Jahren Metal Heart und Fast As A Shark von Accept gespielt wurden, folgte nun stattdessen der U.D.O.-Klassiker Animal House. Unverzichtbar auf einer U.D.O.-Show ist außerdem Man And Machine, wozu man wunderbar headbangen kann. They Want War beschloss daraufhin den Abend in der Zeche nach starken 115 Minuten Heavy Metal. U.D.O. spielen also tatsächlich keine Accept-Songs mehr, aber wie zum Trost wurden einige davon bereits im Vorprogramm von Reece geboten.

U.D.O. sind endlich zurück auf den Bühnen, nach den nicht enden wollenden Dirkschneider-Retro-Touren als größte Coverband Europas. Mit einer jungen Besetzung, die den erhofften frischen Wind reinbringt, sind die Weichen Richtung Zukunft gestellt; die Verbindung funktioniert, insbesondere natürlich im Vater-Sohn-Gespann der Familie Dirkschneider. Aber auch mit den Gitarristen versteht sich Udo auf der Bühne sehr gut, man hat den Eindruck, dass die Chemie zwischen den Musikern insgesamt stimmt, was in den letzten Jahren nicht immer der Fall gewesen ist, wie man in einigen Interviews mit Udo liest. Bleibt zu hoffen, dass die Band das Momentum für sich nutzen kann und in der aktuellen Besetzung etwas erfolgreicher wird, um an große Festivalauftritte der letzten Jahre als Dirkschneider anknüpfen zu können – dann müssen auch nicht mehr die Konzerte in kleinere Locations verlegt werden.

Setlist U.D.O.

1. Tongue Reaper
2. Make the Move
3. 24/7
4. Mastercutor
5. A Cry of a Nation
6. Metal Machine
7. Independence Day
8. In the Heat of the Night
9. Vendetta
10. Rising High
11. In the Darkness
12. I Give as Good as I Get
13. Timebomb
14. Drum Solo/ Bass Solo
15. Hungry and Angry
16. Heart of Gold
17. One Heart One Soul
18. Holy
19. Animal House
20. Man and Machine
21. They Want War

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