Amaranthe

Support: Warkings, Follow the Cipher
04.02.2019
Gruenspan
Hamburg

verfasst von Louisa

An einem Montag bei eisiger Kälte in Hamburg spielen zu müssen, ist wohl nicht der dankbarste Wochentag. Die bis obenhin in Schals vermummten Gesichter in der Warteschlange draußen sagen auf jeden Fall, dass das Aufwärmen heute ein bisschen mehr Aufwand erfordern wird. Die ersten, die sich an dieser Aufgabe versuchen dürfen sind Warkings, deren Mitglieder als Viking, Crusader, Spartan und Tribune verkleidet in sehr sommerlicher Kluft versuchen, die Gedanken an den Winter zu vertreiben und ganz ungeniert ein paar stramme, haarige Männerbeine unbedeckt auf der Bühne präsentieren.

Leider macht der Sound den Kriegern einen kleinen Strich durch die Rechnung – ob es an den Helmen der Bandmitglieder liegt oder der Mann hinterm Mischpult einfach in Montagsstimmung ist, es klingt alles wie durch eine Blechdose gefiltert. Der langsam steigenden Stimmung tut das aber keinen Abbruch, das eher verhaltene (weil frierende) Hamburger Publikum holt nach und nach die Hände aus den Taschen, um mit wachsender Euphorie die Fäuste gen Hallendecke zu recken und die ersten Reihen singen lautstark mit. Als Gastsängerin “Queen of the Damned“ dann noch sehr leicht bekleidet die Bühne betritt und ein paar Growls auspackt, steigt die Temperatur im Gruenspan noch einmal spürbar.

Optimale Voraussetzungen also für Follow the Cipher, einfach die steigende Euphorie-Welle zu reiten und die Vorarbeit von Warkings zu nutzen. Ob es daran liegt, dass hier keine nackten Männerbeine auf der Bühne zur Schau gestellt werden oder einfach am eher poppigen und etwas zu leisen Gesang, die Schweden können die aufgebaute Spannung in der Halle leider nicht halten und die eben erst aufgewärmten Fäuste verschwinden wieder in den Jackentaschen.

Auch der Aufforderung zur ultimativen Aufwärm-Übung – zum Mitspringen – kommen leider nur gefühlte drei Leute nach und auch die eher aus Höflichkeit als vor überschäumender Stimmung. Die größte Beteiligung erhalten Follow the Cipher bei ihrem Cover von Carolus Rex, das Gitarrist Ken Kängstörm zusammen mit Joakim Brodén geschrieben hat, zumindest hier ist die Halle textsicher unterwegs. Die meiste Beteiligung bei einem Song zu bekommen, der genau genommen nicht einmal der eigene ist, ist natürlich aber auch nicht das Ziel.

Als Amaranthe dann endlich die Bühne betreten ist alles wieder vergessen. Um ihr Publikum aufzuheizen brauchen die Schweden sowieso keine andere Band, das haben sie selber ganz gut im Griff. Sängerin Elize Ryd gehen die natürlichen Metalposen nach wie vor nicht so leicht von der… Hüfte und dafür, dass sie sich kürzlich in einem Interview darüber beschwert hat, immer nur auf ihren Körper und weniger auf ihre Leistung als Musikerin reduziert zu werden lassen ihre Outfits sehr (!) tief blicken, aber das gehört mittlerweile zum Bandauftritt felsenfest dazu.

Das Hüpfen auf Ansage klappt hier nach kurzer Zeit schon sehr viel besser als beim Vorprogramm, trotzdem merkt man dem Publikum eine kleine Montagsmüdigkeit an. Die Zuschauer blicken zwar etwas müde, aber mit glänzenden Augen auf zur Bühne und die Aufforderung, zum Klassiker “Amaranthine“ die Handylichter auszupacken, muss Elize nicht zweimal aussprechen. Auch sonst sind die Zuschauer bedacht zu gefallen und helfen gerne aus, als Elize die Melodie von “That Song“ kurzzeitig entfällt.

Wie immer, wenn es (endlich) kuschelig warm ist, gehen die Zeit und der letzte Song viel zu schnell vorbei, aber Bassist Johan Andreassen lässt sich noch für eine Aufwärm- und Comedy-Runde auf die Bühne bitten. Als das Publikum beim klassischen “rechte Seite gegen linke Seite“ Spiel adäquat aufgewärmt ist kommt die Band mit Elize (in ihrem dritten Outfit) zurück auf die Bühne, um es bei der Zugabe noch einmal ordentlich krachen zu lassen. Die kurze Einstimmungsrunde von Johan zeigt hier eindeutig Wirkung, auf einmal scheint die Montagsmüdigkeit wie vergessen und die Anzahl der Hände, die im Takt in der Luft mitwippen, scheint sich schlagartig verdreifacht zu haben.

So geht ein kalter, ungemütlicher Montag dann doch noch aufgewärmt und in guter Stimmung zu Ende. Insgesamt war die Stimmung den Abend über leider etwas durchwachsen und auch der Sound nicht immer der beste. Stellenweise konnte der kleine Club die raumgreifende Musik von Amaranthe nicht richtig tragen, was aber nicht Schuld der Band ist sondern nur zeigt, dass die Schweden eben doch für die großen Bühnen gemacht sind.

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