Abschaumparty: Knasterbart

Support: Purple Otten
31.01.2019
Knust
Hamburg

verfasst von Louisa

In Hamburg gibt es offensichtlich so viel Abschaum, dass ein einziger Termin nicht reicht und aufgrund der großen Nachfrage eine halbe Woche später noch ein zweiter gespielt werden muss. Auch die Anreisebedingungen für den aus dem Umland stammenden Pöbel sind etwas erschwert, so stelle ich erst am Hamburger Hauptbahnhof fest, dass die schnellste U-Bahn-Verbindung zur Zeit leider gesperrt ist und trete nach einer kleinen Hamburg-Rundreise gleichzeitig mit Beginn der Vorband Purple Otten in das rammelvolle Knust.

Gutes Timing könnte man denken – da ich aber, wie noch viele andere, mit winterlicher Jacke bepackt bin, führt mein erster Weg mich zur Garderobe, deren Schlange sich über eine Wendeltreppe gefühlte fünf Stockwerke nach oben schlängelt und nur sehr selten einmal bewegt. Ersthelfer mit Wegbier bahnen sich nicht selten einen Weg durch die Menge, um die Wartezeittoleranz des Pöbels auf einem erträglichen Level zu halten.

Klassiker wie “Born to be Wild“ und “We Will Rock You“ schallen leise die Treppe herauf und sorgen auch unter den Wartenden für Bombenstimmung und einige schwingende Hüften. Als ich dann wirklich das Ende der Garderobenschlange erreicht und mir wieder einen Weg nach unten gebahnt habe, ist die Halle so brechend voll, dass ich nur einen kleinen Blick auf Purple Ottens Glitzerkostüm werfen kann, wenn ich mich wirklich lang mache. Was ich dabei sehe und die großartige Stimmung im Publikum sagen mehr als eindeutig, dass ich beim Warten in der Garderobenschlange vielleicht den Secret Headliner des Abends verpasst habe. Schade!

Die folgende Umbaupause nutze ich, um meinen Standort so zu wechseln, dass ich tatsächlich etwas sehen kann – eindeutig meine beste Entscheidung des Abends. Als das Intro von Knasterbart beginnt verbreitet sich schlagartig Stille im Knust, die nur von einem gelegentlichen kollektiven Kichern unterbrochen wird. Auch Fummelfips hat heute ein schweres Los gezogen und darf – wie vorher schon auf Facebook angekündigt – nur im Sitzen spielen, was ihm aber sichtlich schwer fällt. Die Begründung von Hotze: Er hat sich leider die Leber gebrochen.

Abgesehen davon ist die Stimmung (im Gegensatz zur Leber) aber ungebrochen und bei “Kein Erbarmen“ lässt sich das Hamburger Publikum nicht lange bitten und grölt aus voller Kehle mit. So gut gelaunt hat wohl noch nie ein Publikum “Scheiß auf gute Laune“ skandiert und zu “Fallerifallera“ tanzen die ersten Gute-Laune-Hasser sehr euphorisch mit. Sahnehäubchen des Abends bleibt allerdings der einwandfreie Sound, der vor allem im Knust nicht oft zu genießen ist.

Knasterbart geben dem Abschaum an diesem Abend genau was er hören will und spielen schon früh im Set “Mein Stammbaum ist ein Kreis“, wobei Fips nicht selten vom lautstark mitsingenden Publikum übertönt wird. Damit ist das Publikum adäquat aufgewärmt, um mal so richtig von Fidolin durchgefidelt zu werden – der Begriff “Abschaumparty“ ist heute definitiv nicht zu viel versprochen. Zwischendurch kommt Purple Otten immer mal wieder für kurze Gasteinsätze auf die Bühne und ich erhalte so doch noch die Gelegenheit, mir sein glamouröses Outfit noch einmal aus der Nähe anzuschauen. Respekt!

Wie immer ist der Abend natürlich genau dann vorbei, wenn es am meisten Spaß macht. Mit “Gossenabitur“ spielen Knasterbart ihren letzten Song vor der Zugabe, hier erreicht das ausgelassene Tanzen noch einmal seinen Höhepunkt. Das Hamburger Publikum gibt alles was es hat und applaudiert für jede Zensur auf dem Armutszeugnis überschwänglich – egal ob eine Eins mit Sternchen oder nur eine Drei.

Mit der Zugabe halte ich es genau wie mit dem Support Act und höre sie mir vorsichtshalber von der Schlange zur Garderobe aus an. Immerhin steht mir ja noch eine kleine Hamburg-Rundreise bevor, um den Hauptbahnhof wieder zu erreichen. Wie zu Beginn des Abends ist die gute Laune auch ein Stockwerk höher auf der Wendeltreppe ungebrochen und zu “Heiliger Hotze“ verbrüdert sich der Abschaum ein letztes Mal und schunkelt einträchtig von rechts nach links und wieder zurück, bevor die Gossenrocker ihr erschöpftes aber glückliches Publikum in die kalte Nacht entlassen.

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