Interview – Fuchsteufelswild

Gäste: Basti & Chewie & Simone
29.01.2019
Mailinterview


Fuchsteufelswild aus Regensburg, das sind: Done am Schlagzeug, Chewie am Bass und Sousaphon, Simone am Gesang, an der Querflöte und am Dudelsack, Phillip an der Geige, Tom an der Gitarre und Basti am Gesang, an der Schalmei und am Dudelsack.

Corinna: Wie seid ihr zu dem Namen Fuchsteufelswild gekommen?

Basti: Tatsächlich haben wir damals mit freier Assoziation Namen gesammelt und über 600 verschiedene Begriffe auf der Liste gehabt. Dann wurde gestrichen. Übrig blieb Fuchsteufelswild.

Chewie: Als ich zur Band kam, hieß sie bereits Fuchsteufelswild und ich find den Namen auch passend.

Corinna: Und wie seid ihr zur Musik gekommen? Wer hat euch am meisten unterstützt und dazu inspiriert?

Chewie: Die Geschichten hierzu sind so unterschiedlich wie die Musiker in der Band. Ich komme zum Beispiel aus der Blasmusik und hab dort Tuba gespielt. Irgendwann wollte ich Rockmusik machen und bin dafür auf den Bass gewechselt. Den hab ich anfangs autodidaktisch erlernt und mir dann später einen Coach gesucht. Bei Done vermuten wir, dass er sein erstes Schlagzeug aus Töpfen im heimischen Gasthaus gebaut hat und wahrscheinlich schon als Krabbelkind auf seinem Kochtopfset die Songs im Radio rhythmisch unterstützte.

Basti: Ich bin in einem musikalischen Haushalt aufgewachsen. Somit war Musik bereits als Baby im Bauch allgegenwärtig und um mich herum. Meine Eltern ermöglichten mir dann eine klassische Ausbildung auf der Geige und später auf der Bratsche. Ich glaube, dass gerade diese völlig unterschiedlichen Wege zur Musik eine unserer Stärken sind. Wir haben damit einen musikalisch multikulturellen Hintergrund. Dadurch denkt die Band als Schwarm deutlich grenzenloser. Was die Unterstützung angeht, so spielen bei allen von uns die Eltern eine große Rolle. Ob sie uns an die Musik heranführten, eine erste Ausbildung auf einem Instrument ermöglichten oder uns mit Essen im Proberaum versorgten: Ohne sie wäre der Weg zur Musik für uns alle deutlich schwieriger gewesen.

Corinna: Wie habt ihr zu eurem Stil gefunden? Wolltet ihr von Anfang an Mittelalter- Folk- Rock machen?

Basti: Nicht gleich von Anfang an. Unser erstes Demo ist ja mehr Mittelalter als Folk oder Rock. Aber schon während den Aufnahmen dieses Demos zeigte sich, dass wir uns erst am Anfang eines Weges befinden und die Richtung war klar und auch, dass wir irgendwann einmal genau diese Musik machen würden, die wir heute machen. Aber der Weg ist auch nicht zu Ende. Stillstand ist Tod, das gilt auch in der Kunst. Ich sehe es irgendwie als Pflicht in der Musik, dass man sich in einem bestimmten Rahmen immer wieder neu erfindet und definiert.

Corinna: Ihr habt in den letzten Jahren einige Preise als Newcomer gewonnen, was war das für ein Gefühl?

Chewie: Wir haben uns über jeden einzelnen Preis und jede einzelne Auszeichnung gefreut. Wobei es bei Newcomer Preisen meistens nicht ums Gewinnen geht. Die Gespräche mit den anderen Bands, die Leute die man kennenlernt und die Bühnen die einem Wettbewerbe eröffnen, sind der eigentliche Gewinn.

Corinna: Seit 2018 ist Simone nach 2 Jahren Unterbrechung wieder dabei. Simone wie war es für dich, nach 2 Jahren zu den Füchsen wieder zurück zu kommen?

Simone: Es war wie nach Hause kommen. Zunächst war ich ziemlich nervös, wie es wohl wird und ob man nach so langer Zeit wieder in die Band und die Musik findet, aber letztlich waren die Sorgen unbegründet trotz vieler Herausforderungen. Einer meiner ersten Gigs war gleich das Feuertanz (Anm: Festival auf der Burg Abenberg) und kurz darauf ging es bereits ins Studio. Aber trotz diesem intensiven Start war ich sofort wieder voll und ganz Füchsin!

Corinna: Und wie war es für die anderen?

Basti: Es wäre gelogen, wenn ich jetzt einfach sagen würde. Mit Simone kam natürlich eine vertraute Person zurück. Aber es ist ein wenig, wie wenn man ein Kind hat und ein Elternteil ist zwei Jahre lang weg. Man kommt zurück und plötzlich kann das Kind laufen, reden und geht schon in den Kindergarten. Das schwierige in dem Fall war, dass sich viel verändert hatte und das ist manchmal schwerer, als wenn man neu mit einer Situation konfrontiert ist. Also braucht auch der Wiedereinsteiger Zeit, um sich an all das neue zu gewöhnen.

Chewie: Aber trotz Eingewöhnungsphase bleibt dieses vertraute Gefühl. Man kennt sich, weiß wie der andere Musiker arbeitet oder auf der Bühne ist. Das war definitiv schon cool und wir sind froh, dass Simone wieder da ist.

Corinna: Gibt es denn eine amüsante Geschichte die euch mal auf einem Auftritt passiert ist?

Basti: Da gibt es so einige…

Simone: …Ich kann mich zum Beispiel erinnern, dass ein bestimmtes Crew Mitglied mal seine Zimmernummer vergessen hatte und morgens um halb 5 durch klopfen an einer völlig fremden Tür einen kompletten Hotelflur weckte. Außer das Zimmer an dem er klopfte, wobei ich mir auch vorstellen kann, dass der Zimmerbewohner aufgrund des heftigen Klopfen und Rufens einfach aus Angst die Zimmertür nicht öffnete. Er wird sich gefragt haben: Wer ist das? Und warum sagt er dauernd: Tom mach auf!

Chewie: Oder als Dones Schlagzeug für nen Gig zur Hälfte vergessen wurde… Aber ich glaub, dass war das selbe Crewmitglied 🙂

Corinna: Gab es auch mal einen besonderen oder merkwürdigen Wunsch, den ein Fan hatte? (Natürlich FSK 6 😉 )

Basti: Merkwürdige Wünsche gibt es so einige, aber die sind nicht FSK 6 😉

Corinna: Welches war der aufregendste Auftritt, den ihr bisher hattet?

Basti: Auch da gab es so einige. Meine persönlichen Highlights waren Wacken, das Feuertanz Festival und Burg Satzvey.

Chewie: Haben wir in Satzvey nicht damals jemanden vergessen?

Basti: Stimmt, das war auch so eine amüsante Geschichte!

Chewie: Aber nur für uns. Erik unser Tonmann, fand das glaub ich nicht so lustig… Wegen der aufregenden Auftritte würde ich, mich der Liste anschließen, das waren alles besondere Highlights.

Corinna: Ihr hattet schon einige Gastmusiker auf der Bühne, u.a. Tommy Krappweis, den Autor von Mara und der Feuerbringer. Wie war das für euch?

Basti: Wir freuen uns immer über Gastmusiker, wobei gerade die Aktionen mit Tommy immer ein besonderes Highlight sind. Bei Tommy wissen wir auch eigentlich nie, was passiert, wenn er zu uns auf die Bühne kommt oder er uns auf seine Bühne einlädt. Von spontanen Country-Solos auf der Geige bis hin zu Soul Gesangseinlagen ist da alles möglich. Aber eines ist immer sicher: es macht unglaublichen Spaß.

Corinna: Und mit wem würdet ihr gerne mal auftreten oder seid ihr aufgetreten und würdet es gerne wiederholen? Und warum?

Basti: Dafür, dass es uns erst 5 Jahre gibt, ist die Liste der Gastmusiker inzwischen echt lang und wir würden jedem Gast mit Freuden wieder begrüßen. Angefangen von Alea von Saltatio Mortis bis hin zu Nico von Ignis Fatuu, es hat mit jedem einzelnen Gast Spaß gemacht.

Chewie: Wen wir gerne mal auf unserer Bühne hätten, wäre zum Beispiel „Das letzte Einhorn“, den Sänger von In Extremo. Auch mit Subway to Sally würden wir gerne mal was zusammen machen. In den Fällen, weil beides Bands sind, die uns musikalisch geprägt haben.

Basti: Natürlich sind auch dieses Jahr wieder einige Gastaktionen geplant. Wir sagen nur so viel: Bei unserem Auftritt mit DELVA im Spektakulum Mundi am 29.03. wird es bestimmt die eine oder andere Überraschung geben.

Corinna: Das neue Album „König Zeiger“ kommt am 01.02.2019 auf den Markt. Nach Märchen und Sagen habt ihr jetzt das Thema Zeit und Vergänglichkeit gewählt. Was verbindet Ihr mit diesem Thema? Was ist das erste, was Euch dazu einfällt?

Basti: Wenn wir ein durchgängiges Thema für ein Album wählen, stecken Wochen der Recherche dahinter. Daher ist es schwierig, diese Fragen zu beantworten. Grundsätzlich ist das Thema
der Platte Zeit, Vergänglichkeit ist nur eine Facette davon und war auch die erste, mit der wir uns beschäftigt hatten.

Chewie: Aber die Facetten sind natürlich vielfältig, auch Entwicklung, Veränderung, Beständigkeit und Endlichkeit sind Bestandteile davon. Wir haben versucht möglichst viele Unterschiedliche Blickwinkel zu wählen. Und trotzdem kann ein so philosophisches Thema wie die Zeit, nie in der Gänze abgehandelt werden, aber gerade das macht es so spannend.

Corinna: Ihr behandelt in „Stein auf Stein“ und „Zwei Brüder“ biblische Themen. Warum habt ihr euch gerade für diese zwei Geschichten entschieden?

Basti: Die Geschichte von Kain und Abel ist keine rein biblische Geschichte, tatsächlich findet man den Brudermord in fast allen Kulturen auf der Welt: zum Beispiel Romulus und Remus, Seth und Osiris – um nur zwei zu nennen. Der Grund, warum wir uns für Kain und Abel entschieden haben ist, dass ihre Geschichte den Beginn der biblischen Zeitrechnung darstellt, hier ist auch die Verknüpfung zum Thema Zeit.

Chewie: Die Geschichte hat aber noch nen wichtigen Punkt, nämlich Vergebung. Besonders in der islamischen Version spielt auch die Vergebung eine zentrale Rolle. Kain trägt die Leiche seines Bruders auf dem Rücken, trägt also die Schuld mit sich herum. Erst durch einen von Gott gesandten Raben lernt er, dass er die Leiche beerdigen muss, also die Schuld loslassen. Dieses besondere Motiv war ein Hauptgrund, diese Geschichte zu wählen.

Basti: Zu „Stein auf Stein“ hat Chewie einen wesentlichen Satz gesagt.

Chewie: Ein bisschen Kapitalismus Kritik, hat noch niemandem geschadet…

Basti: …und letztlich ist uns allen klar, dass es so nicht weiter geht und wenn uns nicht ein Umdenken gelingt, erwartet uns ein ähnliches Schicksal wie die Bewohner von Babel.

Corinna: In „Die weiße Rose“ ruft ihr einen Teil der Deutschen Geschichte zurück ins Gedächtnis und verwendet auch Original-Zitate. Wie war es, sich mit dieser Thematik zu beschäftigen?

Basti: Ich denke, dass es angesichts der aktuellen deutschen Geschichte wichtiger denn je ist, sich mit der Thematik NS Diktatur, Widerstand und Krieg zu beschäftigen. Für „wehret den Anfängen“ ist es zu spät. Der scharfe Wind, der Werten wie Freiheit und Demokratie entgegenweht, hat sich zum Sturm ausgewachsen. Aus diesem Grund war es uns wichtig, ein Zeichen für den Widerstand zu setzen um zu sagen „Rassismus, Hass und Fremdenfeindlichkeit ist nicht gut“, reicht nicht. Die Widerstandskämpfer der weißen Rose haben im Februar 1943 ihren Kampf für humanistisch- demokratische Ideale mit dem Leben bezahlt. Wir müssen alles tun, um diese Ideale aufrecht zu erhalten.

Simone: Als ich Zitate aus den Flugblättern der „weißen Rose“ einsprach, hieß es nach dem ersten Durchlauf „Hey Simone, das war schon ganz gut, wir machen das jetzt einfach nochmal und du denkst daran, dass für diese Sätze sechs Menschen gestorben sind.“ Nach kurzer Stille startete das Playback und ich begann zu lesen, während ich daran denken musste. Auch wenn wir den Song heute live spielen, ist der Teil mit den Zitaten für mich höchst emotional und es ist wichtig, dass wir diese Worte nie vergessen.

Corinna: Auf dem Album sind unter anderem auch die Stücke „Nimmerland“ und „Wassermannsfluch“ zu hören. Hätten diese nicht auch gut auf die Vorgänger-CD gepasst bzw. wie ist der Bezug zum Thema Zeit bei diesen Stücken?

Chewie: Bei „Nimmerland“ ist es sehr einfach: Peter Pan ist der Junge, der nie erwachsen wird, der nicht alt wird, an dem die Zeit vorüber geht. In der dritten Strophe geht es um Erinnerungen, die die Zeit überdauern, um nur zwei Bezüge zum Thema Zeit für „Nimmerland“ zu nennen.

Basti: „Wassermannsfluch“ ist der Bezug etwas schwieriger. Wir haben hier ein altes deutsches Märchenmotiv, das nahezu in jeder Region mit einem Fluss existiert, verarbeitet. Die Königstochter und der Wassermann, als Paar nicht vorstellbar und unvereinbar. Der eine kann nicht an Land leben, die andere nicht im Wasser. Unser Märchen endet damit, dass die Königstochter den beherzten Sprung ins Wasser wagt und es zum Happy End kommt.

Für viele Dinge im Leben, gibt es keinen richtigen Zeitpunkt, man kann nur in die Situation gehen und das Beste daraus machen, denn entscheiden heißt immer auch verzichten. Wir wollen mit „Wassermannsfluch“ sagen, dass es oft besser ist, die Entscheidung und den damit einhergehenden Verzicht bewusst zu treffen und nicht auf einen Zeitpunkt zu warten, der wahrscheinlich nie kommen wird.

Corinna: Und gibt es ein Lieblingsstück auf der neuen Platte?

Basti: Natürlich hat man seinen persönlichen Favoriten, dieser ändert sich aber auch ständig, zum Beispiel rangiert der Song Feuer erst seit den Gesangsaufnahmen zu König Zeiger bei mir ganz oben. Auch die Live-Proben haben wieder Stücke in den Focus gebracht, die da vorher nicht waren und ich denke, wenn wir „König Zeiger“ nun regelmäßig live spielen, wird sich da wieder einiges ändern.

Corinna: Zum Schluss ein kleiner Einblick ins neue Jahr: was erwartet uns oder auch Euch? Was wünscht ihr Euch für das neue Jahr?

Chewie: Es wäre natürlich toll, wenn „König Zeiger“ erfolgreich wird und die Band weiter voran bringt.

Basti: Das ist auch der größte Wunsch. Was uns und euch erwartet sind jede Menge Festival Gigs, auf die wir uns unsagbar freuen. Denn es ist eine Sache, eine Platte im Studio zu machen, aber etwas ganz anderes, die Songs dann live und mit Publikum zu performen. Ansonsten gilt der alte Satz: „Nach dem Album ist vor dem Album“ und wir sind gespannt, wie es weiter geht.

Corinna: Vielen lieben Dank an Basti, Chewie und Simone von Fuchsteufelswild.

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