Sunrise Avenue

Support: Tim Kamrad
12.03.2018
Mercedes-Benz-Arena
Berlin

verfasst von Kalle

Es ist Montag in Berlin… ja so haben schon einige Reviews bei mir angefangen… auch das es regenerisch war und man so gar nicht wusste, was einen wirklich erwarten würde, kam das ein oder andere Mal in meinen Berichten vor. Klar, Erwartungen an Sunrise Avenue sind da und sie sind nicht gering, spielen sie doch in der größten Halle von Berlin und das mit neuem Album im Gepäck. Doch so ganz wusste ich nicht, was mich an diesem Abend erwarten würde, kannte ich doch bisher nur die großen Hits von Sunrise Avenue und habe hier und da mal in einige Stücke gehört. Der große Auskenner und Fan bin ich nicht, doch die Musik hat was. Das liegt nicht zuletzt an der einzigartigen Stimme von Samu. Der sympathische Frontmann ist das Aushängeschild der Band und nicht erst seit „The Voice of Germany“ in aller Munde.

Die Arena war nicht ausverkauft, das ist der traurige Part gewesen, was aber nicht an dem Montag lag, sondern eher an den Ticketpreisen, die mit ab 70 Euro aufwärts wohl losgingen. Ganz ehrlich… n Tick zu hoch! Klar… ist ne weltklasse Band, gar keine Frage… aber Tickets für über 70 Euro… das haut in so manch jungen Geldbeutel, denn das Publikum war weitesgehend weiblich und im zarten Teeniealter. Hier und das hat man auch ältere Fans gesehen, die entweder die Eltern waren oder tatsächlich von der Musik begeistern waren und das Konzert genossen haben.

Um kurz vor 20 Uhr startete der Support in den Abend. Die ersten Minuten von Tim Kamrad habe ich verpasst, da ich noch am Eingang auf Norwin wartete, der die beschissene Parkplatzsituation rund um die Arena erleben durfte und es gerade so noch schaffte, zum Start im Graben zu sein. Bis ich dann an meinem Platz war, dauerte es aber noch ein wenig, denn im Foyer tummelten sich noch ein paar Leute und man kam hier und da ins Gespräch. Der Platz war grandios… Mittig zur Bühne… recht weit vorne sitzend, bester Blick… bester Sound… der Abend konnte starten. Doch wie hieß der Support gleich… achja… Tim Kamrad. Sorry… er hat sich leider bei mir überhaupt nicht eingebrannt. Einzig das Cover seines Debütalbums „Down & Up“, welches eine rote Fahrstuhltür ist, konnte in meinem Gedächnis bleiben. Seine Musik allerdings eher weniger. Er hat ne gute Stimme… kann gut mit seiner Gitarre umgehen, seine Bandkollegen sind auch recht fit, doch die Songs… sie bleiben einfach nicht haften. Umso erstaunter war ich, wie er das Publikum zum mitmachen annimieren konnte. Das muss man ihm lassen, schafft auch nicht jeder in Berlin. Doch ohne ihm Böses zu wollen… ich hab nach der Show wirklich viele Fans sagen hören, das sie nicht mehr wussten, wer da im Vorprogramm die gut 40 Minuten gespielt hat. Der Sound war anständig, das Licht sporadisch auf rote und ein paar blaue Töne beschränkt… naja… Bewegung hätte es auch mehr sein dürfen… hmmm… ganz nett… aber wie hieß er doch gleich?

Gut… er hatte es aber auch schwer mit den Fans in Berlin, denn die waren immerhin für Sunrise Avenue gekommen und wollten Samu seine Stimme hören. Ich persönlich war wegen der Gesamtshow da. Würde mich allerdings auch sehr wundern, wenn ich plötzlich einem Sänger hinterher schmachten würde. Egal… denn um 21 uhr gingen die Lichter aus… und welch Überraschung auch wieder an. Nur bei an, da waren es nicht die Hallenlichter, sondern die Lichter von der Bühne. Die waren heute ganz klar das Highlight der Show. Schon beim Umbau konnte ich mir einen Überblick verschaffen, was dort alles aufgefahren wurde. Strahler über Strahler, Leuchten hier, Leuchten da… wer hier nicht die Erleuchtung fand, dem kann man dann auch nicht mehr helfen. Die Fans flippten direkt aus, als Samu auch nur den Hauch des ersten Wortes angesetzt hatte. Es blieben viele aber noch verhalten auf den Sitzen hocken, als die Finnen mit „Prisoner In Paradise“ den Abend eröffneten. Schon jetzt zeigte sich die Qualität in der Band und ihrer Produktion.

Über der Bühne schwebten fünf LED-Wände, die mit fantastischen Projektionen / Animationen und Live-Bildern gefüttert wurden. Die Qualität konnte sich richtig gut sehen lassen, denn die Auflösung war enorm gut und es gab kein Ruckeln, Bildausfall oder schlechten Übergang. Die Untermalung der Songs war somit gesichert. Was konnten die Tracks in Sachen von Soundqualität bieten? Ich verrate es euch: Jede Menge. Es mag an meiner Sitzposition gelegen haben, doch der Sound war verdammt gut. In Rücksprache mit Norwin, der die ersten Songs im Fotograben verbracht hatte, wurde ich dann bestätigt. Die Soundqualität war überragend. Man kennt die Halle auch ganz anders. Hier hat der Tontechniker von Beginn an eine gute Figur gemacht. Das galt aber nicht für Samu. Der Sänger wirkte leicht angeschlagen und sah nicht wirklich fit aus. Später im Set erzählte er auch, dass er sich am Morgen nicht so gut gefühlt hätte. Das tat nur an ganz wenigen Stellen zur Sache, wo seine Stimme mal nicht so wollte, wie er. Samu wirkte schon zu Beginn, bei Liedern wie „Beautiful“, „Unholy Ground“ und „Little Bit Love“ sehr angespannt und hoch konzentriert.

Das war ich gar nicht gewohnt von ihm, kennt man den sympathischen Finnen doch eher als lustigen und humorvollen Typen. Okay… die Finnen sind ein sehr verhaltenes Völkchen, doch auf Konzerten gehen sie immer ab und liefern. Dieses Mal ebenso. Denn Samu verstrickte sich nicht in lange Ansagen und Geschichten zu den Songs oder über seine Zeit in Berlin usw. Nur einmal… da musste er etwas mehr ausholen, denn da ging es um Eishockey, was in Finnland ein Heiligtum ist. Das war vor dem Song „Flag“, der aber erst später im Set kam. Vorher kamen Stücke wie „I Help You Hate Me“, „Hurtsville“ und „Heartbreak Century“. Was mich ein wenig störte, das war das statische auf der Bühne. Keyboard Osmo und Schlagzeuger Sami waren für mich, nebst Samu, die mal etwas Energie auf die Bühne brachten. Sie wippten, sprangen und lebten die Songs. Basser Raul und Gitarrist Riku standen mir zu einfach auf der Bühne. Hier und das wippten sie mal ein wenig mit und spielten etwas mit dem Publikum, doch ich hatte mir da mehr erwartet. Hier mal hin laufen und abfeiern.. da mal hinlaufen und abfeiern. Der Bewegungsradius der Zwei lag aber höchstens bei 90 Zentimeter rund um das eigene Mikrofon.

Samu war jetzt auch nicht der Bühnenflitzer. Er ging dennoch ab und an mal auf die Bühnenränder und feierte mit dem Publikum auf den Rängen. Zu den Fans in der Mitte kam er näher, als er den kleinen Steg betrat, der in das Publikum hinein ging. Die Setlist war ein bunter Mix aus all den letzten Alben. Mit „Never Let Go“ und „Room“ ging es dann im Set weiter, bevor der erste große Hit kam, den fast die ganze Halle mitsingen konnte. „Lifesaver“ vom „Unholy Ground“ Album sorgte für die erste große Party im weiten Rund. Okay… ja vorher hatte auch u.a. „I Help You Hate Me“ für ordentlich Gesangseinlagen gesorgt, doch in dieser Menge war es der Erste des Abends. Und da kann man dann schon einmal Gänsehaut bekommen, denn das klang sowohl von der Band, als auch vom Berliner Publikum extrem stark. Weiter ging es dann mit „Questions Marks“, besagtem „Flag“ – wo Samu sich mit den Eisbären Berlin (Eishockey) verschworen hat und ihnen viel Glück wünschte in den Play Offs. Mit „I Don´t Dance“ kam dann, aus meiner Sicht, ein sehr untypischer Sound von Sunsrise Avenue. Hier gab es viele Keyboardpassagen, die mich eher an die Neue Deutsche Härte oder so manch Gothicband erinnert haben und ich dies nicht mit den Rockern verbinden würde.

Nach „Afterglow“, das durch seinen sehr druckvolllen Drumsound bestochen hat, folgte ein weiterer Track, den ich zwar im Ohr hatte, ihn aber so gar nicht mehr auf den Schirm hatte, das er mal ein Hit war, sogar mit Musikvideo. Zu „Forever Yours“ durfte das Strobolicht ran und das passte wir Arsch auf Eimer. War das eine geile Lichtkomposition. Die Band steht im Dunkeln und wird dann aus verschiedenen Richtungen weiß bestrahlt. Auf den Takt genau blitzte es hier und da… das war optisch ein Hochgenuss. Ein Lacher konnte sich dann Samu nicht verkneifen. Zu „Let Me Go“, wo er zum ersten Mal sang: „The last scene of the show“, rief eine Dame im Publikum lautstark „Nein!“. Warum konnte man das so gut hören? Der Song ist eine sehr gefühlvolle Ballade und verursachte schon gewisse Gänsehaut. Zum Finale setzte Samu noch einmal seinen Charme ein und sprach ein paar Sätze auf Deutsch. Die meiste Zeit blieb er aber in der englischen Sprache. Vor „Point Of No Return“ fragte er das Publikum, wer denn gerade auf seinem ersten Date ist und jetzt das Konzert gemeinsam besucht. Die Anzahl der Meldungen war jetzt nicht wirklich hoch, wie ihr euch sicher denken könnt.

Ich schaute dann auf die Setlist, die ich mir vorher ausgedrückt hatte, und stellte überraschend fest… ist ja schon fast vorbei… wo ist die Zeit denn bitte geblieben. Die Musik, die Lichtshow usw. haben einen richtig gefesselt und so ertönte schon der letzte Song des offiziellen Sets. Natürlich mussten jetzt ein paar Hits folgen, die Sunrise Avenue groß gemacht haben. Der erste davon war „Fairytale Gone Bad“. Berlin bewies hier wieder grandioses Gesangstalent, denn größere Passagen durfte das Publikum alleine singen. Der Song ist zeitlos und wird einfach nicht langweilig. Das gilt im übrigen für viele der Songs von Sunrise Avenue. Man denkt immer, die Songs klingen alle irgendwie gleich, doch das stimmt nicht. Es gibt so viele Feinheiten und Specials drin, das sie alle für sich stehen lässt, auch wenn im Gesamten vielleicht mal so ein Eindruck von Gleichheit entstehen könnte, den sollte man ablegen. Genau auch wie den Gedanken, das Sunrise Avenue ihren Höhepunkt hinter sich hätten. Samu hatte während der Show den Leuten von Universal Music gedankt, die immer an der Band festgehalten haben, egal wie erfolgreich oder still es um die Herren gewesen ist. Ich finde die Band, speziell jetzt nach dem erlebten Konzert noch großartiger, denn ich hab Songs erleben dürfen, die mir so vielleicht nicht in die Ohren gekommen wären, da sie nicht alltäglich irgendwo laufen.

Aber hey… wir sind ja noch gar nich am Ende. Es gibt ja noch die Zugaben. Die erste startete mit einem Keyboardintro und nannte sich „Home“. Samu setzte hier zu einer ganz besonderen tiefen Stimme an und während des Liedes erstrahlte die Arena in einem Lichtermeer. Der einzige Moment wo ich sage, ja da könnt ihr eure Smartphones aus den Taschen holen. Sonst lasst sie doch bitte in euren Taschen und genießt ein Konzert einfach mal mit euren normalen Augen. Glaubt mir… macht viel Spaß! Mehr sage ich zu dem Thema nicht mehr, sonst geht mein Blutdruck direkt wieder hoch 😀 Der letzte Song des Abends war dann der Klassiker „Hollywood Hills“. Berlin und Band geben noch einmal Vollgas, es wird geklatscht, gesungen, gesprungen… jetzt… wo das Konzert zu Ende ist. Einen schönen Moment hat dann die Kameraregie dann noch eingefangen. Im Publikum stand ein junges Mädchen, die ihre Hände als Herz geformt hat. Das Bild haben sie auf die Leinwand gelegt und Samu lief, ebenfalls von der Kamera eingefangen, genau durch. Da war man sehr kreativ und zeigt auch eine gewisse spontanität der Crew.

Im Gesamten war das eine sehr coole Show. Der Sound hat mich sofort überzeugt, die Lichtshow sowieso… da an beide Crews… ein großes Lob. Und die Band… n bissel mehr Bewegung und Interaktion und das Publikum kommt noch mehr aus sich heraus. Musikalisch bin ich jetzt wirklich überrascht worden und hab so manch Tracks, die ich immer mal wieder hören werde, weil sie verdammt gut gemacht sind. Sunrise Avenue sind eine sehr unterhaltsame Band und das nächste Mal geht es Samu wieder besser und er holt noch ein paar mehr Prozent aus sich heraus. Was der mit seiner außergewöhnlichen Stimme für Momente schafft, das hat so manch Herz schmelzen lassen und viel Gänsehaut bei den Fans hinterlassen. Ich bin beeindruckt gewesen und wenn sie die Möglichkeit bietet… so würde ich jederzeit noch einmal ein Konzert der Finnen besuchen. Ich kann euch nur das Gleiche empfehlen, wobei ihr euch überlegen müsst, ob ihr 70 Euro und mehr zahlen möchtet. Ich bleib dabei.. 40 – 50 Euro sind angemessen – auch für Weltbands, wie es Sunrise Avenue sind.

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