Konzertreview

Manowar

Created by Kalle | |   Konzert

03.04.2019

UFO im Velodrom

Berlin

Dies wird der wohl ungewöhnlichste Berich von mir, den ich je geschrieben habe, denn ich habe vom Konzert fast Nichts gesehen. Ich war da, die Frage stellt sich ja nicht, aber ich war ein wenig verhindert, um die Show komplett zu sehen. Dazu gleich mehr. Viele Bekannte und Freunde standen schon viele Stunden in der Schlange, damit sie sich die besten Plätze in der ersten Reihe sichern konnten. Ich persönlich bin, da ich es mit der S-Bahn auch nicht weit hatte, erst kurz vor 19 Uhr an der Location angekommen. Verwirrte Ordner wussten nicht, ob es einen "Gästelisteneingang" geben wird. Erst als ich mich vorne in der großen Schlange dann einordnete kam die Ansage, man könne doch ganz vorne einen anderen Eingang nutzen. Gesagt getan. Kurze Kontrolle, aber zur Liste und abstreichen lassen und dann nix wie nach Vorne. Immerhin musste meine Flagge ja noch an den Wellenbrecher. Zum Glück wurde mir von meinen Freunden Alex und Biance ein Stück erste Reihe freigehalten. Das war zwar ziemlich weit auf der rechten Seite, aber da war mir in dem Fall auch egal. Ich konnt noch was von der Bühne sehen und hatte direkt Boxen vor mir. Kann also los gehen.

 

Bis es aber soweit war, dauerte es noch einige Zeit, denn Manowar kamen erst um 20:45 Uhr auf die Bühne. Bis dahin füllte sich das UFO im Velodrom recht gemütlich. Am Ende waren knappe 4000 Fans vor Ort, wenn man der Aussage vom örtlichen Sicherheitsdienst glauben darf. Lag es an der Show von Avantasia, die gleichzeitig im Huxleys stattfand, das doch nicht ganz so viele den Weg zur Location schafften oder doch wirklich an dem Eintrittspreis von über 90 Euro? Der ist tatsächlich sehr deftig und viele überlegen sich das drei Mal, ob sie den bereit sind zu zahlen. Gemessen derer, die auf der Tour viele Shows mitfahren, egal ob aus Deutschland oder International, sind viele bereit Manowar auf der "The Final Battle" Tour zu erleben. Es soll, und so hatte man Joey verstanden, die wohl letzte Tour sein und dann Ende. Doch in einer anderen Stadt machte er genau davon einen Rückzieher, wie ich erfahren habe. Gut so! Denn Manowar und aufhören? Sie haben passend zur Tour jetzt eine neue EP auf den Markt geworfen. Ob auch Songs davon in der Setlist sein würden. Wer jetzt übrigens darauf wartet, ob es einen Support gibt, der kann noch eine Weile weiterlesen und wird keine Info über einen Support bekommen. Es gab natürlich mal wieder keinen.

 

Um auf Temperatur zu kommen brauchen Manowar auch nicht lange. Und jetzt kommt der Grund, warum ich von der Show nicht viel mitbekommen habe. Es gibt nicht viele Bands, wo ich wirklich riesiger Fan bin und einfach auch genieße. Manowar ist eine solche Band und die Erfahrung zeigte mir, irgendwann fließt das Wasser vom Kopf und meine Brille könnte ins Rutschen geraten, also habe ich sie vorsorglich vor dem Intro abgesetzt und eingesteckt. Ich war praktisch blind, aber dafür vor eventuellen Schäden sicher. Erste Überraschung... das übliche Intro von "Ben Hur" kam nicht, dafür der erste Song von der EP, was gleichzeitig auch ein Intro ist. "March Of the heroes into valhalla" nennt es sich. Es passt sehr zum Bühnenaufbau, den ich im Laufe der Show erkannt habe, aber bereits von einigen Fotos her sah. Eine Felsformation mit Vulkanen und Höhle bot sich auf. In der Mitte genug Platz für die Herren. Dahinter erstreckte sich eine riesige Leinwand, von der ich nur Bruchteile sehen konnte. Nach dem Intro ging es direkt ab mit "Manowar" und "Call To Arms". Tja und da war dann mein Kopf mal unten und das Gebrüll laut. Ich konnte nur noch headbangen und mitsingen. Zum Glück war es wieder ordentlich laut und man hat meine schiefen Töne nicht gehört.

 

Die Setlist wurde ja im Vorfeld von Fans bestimmt und daher kamen die Lieblinge nacheinander an die Reihe. "Brothers Of Metal", "Thor (The Powerhead" und "Blood Of My Enemies" bildeten einen geilen Auftakt. In einer der Songs standen dann bereits zum ersten Mal Wikinger auf den Felsen. Die Vulkane hatten übrigens einen tollen Specialeffect. Innen waren Lampen versteckt die durch einige Stellen durchschimmerten und so den Eindruck von Lava ergaben. Das sah schon cool aus. Mit "The Gods Made Heavy Metal", "Hand Of Doom" und "Swords In The Wind" kamen mehr und mehr Leckerbissen von der Liste. Und jetzt kann ich auch was zu den "Neuen" in der Band sagen, denn es hatte sich ja Einiges getan, was die Besetzung angeht. Karl Logan ist nicht mehr in der Band, dafür ist jetzt E.V. Martel mit dabei. Ein sehr dynamischer Gitarrist, der ein wenig probiert an die Art und Weise von Karl ran zukommen, es ihm aber nur bedingt gelingt. Sollte er auch sein lassen, denn er steht für sich selbst. Allerdings hatte ich das Gefühl, Manowar haben einige Songs bewusst ein wenig verändert, damit er die nicht so mitspielen muss, weil er evtl. noch nicht Alles drauf hat. Das fiel mir dadurch auf, weil er oftmals einfach gar nicht zu hören war und so laut können sie Joey nicht gedreht haben, das die Gitarre übertönt wird.

 

Das zweite neue Gesicht in der Band ist ein alter Bekannter. Anders Johansson dürfte vielen noch als Schlagzeuger von Hammerfall bekannt sein. Er schlägt seit dieser Tour die Drums und hat die EP mit eingetrommelt. Der erfahrene Herr braucht natürlich nicht lange, um mit den Songs vertraut zu werden, hatte aber hier und da doch noch ein paar kleine Fehler drin, speziell was das Timing mit der Doublebass anging. Irgendwann flog mir dann ein Ohrstöpsel raus und wollte auch nicht mehr so rein, wie ich es wollte. Zum Glück nur der, der nicht in Richtung Boxen gerichtet war. Somit hatte ich direkten Schutz und konnte dennoch volle Power vernehmen. Der Sound war bis hier hin schon brilliant und doch fehlte mir etwas... der harte Druck, der auf die Brust drückt. Laut war es, das war keine Frage, gut abgemischt auch, doch ohne den gewissen Druck auf der Brust ging mir ein wenig was Besonderes verloren, da hätte mehr kommen dürfen. Licht und Co, kann ich nur bedingt jetzt beurteilen. Ich sah Eric fleißig im Scheinwerferlicht über die Bühne flitzen. Und was war der bei Stimme. Woah... Gänsehaut ist nur ein bedingter Ausdruck. Klar wurde er hier und da von ein paar zusätzlichen Effekten unterstützt, aber die Basis kam sehr geil von ihm.

 

Mit "House Of Death" und "Sons Of Odin" schmetterten sie dann zwei weitere geile Tracks in das "UFO" vom Velodrom, das von der ersten Sekunde an bei Stimmung war und laut mitsang, bevor es dann zum ersten Mal ruhiger wurde. Eric begrüßte Berlin und zeigte mit einem ordentlich Scream seine Power. Die Fans probierten sich an der gestellten Aufgabe und schrieen gut mit, sofern man das überhaupt konnte. Danach holte er Joey auf die Bühne. Und auch wenn es dazu gehört, so finde ich die Bass Solo Nummer von Joey immer so unpassend. Nicht weil es immer das Gleiche ist, sondern man gerade auf Temperatur gekommen ist, der Nacken will weiter headbangen und dann kommt diese "Pause". Nach "Sting Of The Bumblebee" ging es dann ordentlich wieder ab mit "Fighting The World" und "The Power Of Thy Sword". Einen Vorteil hatte es mit dem Headbangen. Der nette Security, ja er war wirklich cool drauf, traute sich nicht vor mir auf das Podest vom Wellenbrecher zu steigen, um die Handyfilmer usw. zu unterbinden. Ich musste somit nur einmal unterbrechen und hatte sonst freien Platz und war vor Zusammenstößen geschützt. Sehr praktisch.

 

Nachdem "Kings Of Metal" zelebriert wurde, war bereits Zeit für "Warriors Of The World". Wo früher die Fahnen im Publikum hochgehalten wurden, standen jetzt Wikinger mit Flaggen auf den Felsen und schwenkten fleißig. Und dann war schon Schluss? Fast... denn Manowar verabschiedeten sich zum ersten Mal. Wie ungewöhnlich, fehlten doch noch ein paar geile Songs. Nach einer kurzen Verschnaufpause kam Joey gewohnt mit Bier in der Hand zurück, um einer seiner berühmten Reden zu halten. Er mag den "Deutschen Weg" vom Lebenstil und Co. sehr und hasst den amerikanischen Weg. Verständlich ja... aber ich hätte gerne mehr Musik. Für die Rede hab ich mir sogar mal wieder die Brille aufgesetzt. Es gab dann noch einen Mitsprechpart, der sehr zum Schmunzeln war. Nunja... "Hau weg die Scheiße!" durfte auch nicht fehlen. Wenn sich was an einer Manowar Show nicht ändert, dann genau das. Jetzt aber ab in die Zugaben, man war gerade wieder so schön dabei. Es folgte die gemütliche Einleitung zu "Hail And Kill", welches dann grandios mitgebrüllt wurde. Als letzten Song hatten sie "Black Wind, Fire And Steel" mit dabei. Das war ein geiles Finale, aber war jetzt wirklich schon Feierabend?

 

Was ist mit Songs wie "Heart Of Steel", "Battle Hymns", "Defender" usw. usw. Da hätten locker noch fünf oder mehr Songs kommen dürfen. Sie kamen aber nicht mehr. Nach dem obligatorischem Halten des Basses in der rechten und der Gitarre in der linken Hand von Eric, und Joey und E.V. spielten gleichzeitig drauf und dem dann folgendem Saiten vom Bass reißen von Joey, war die Show tatsächlich vorbei. Die Zeit ist gut verflogen, doch es waren knapp über 90 Minuten. Aus meiner Sicht zu wenig, auch wenn man dann schon gut am schwitzen und pumpen war... da war mehr möglich. Die Setlist war geil, keine Frage, die Show mit den Feuerfontänen und den sehr guten Animationen auf der Leinwand auch anständig, doch irgendwo hatte man den Wunsch nach noch einer Stunde mehr. Es folgte unser Gruppenfoto vor der Bühne und dann war der Plan gewesen ins Halford zur Aftershowparty zu gehen. Gesagt getan und nach ein paar Bierchen, guter Musik und jeder Menge toller Gesprächen mit internationalen Manowarriors (u.a. Japan / Finnland / USA), ging es für mich auf den Weg nach Hause.

 

Ich hoffe sehr, und da bin ich zum Glück nicht alleine, Manowar kommen noch ein paar Mal auf Tour und dann auch mit den neuen Songs im Gepäck. Und bei aller Fanliebe für die Musik usw., sollte man wirklich überlegen ob 90 Euro ein angemessener Preis ist. Das kann man sich bei der Dichte an Bands auf Tour kaum leisten, will man dann noch weitere Bands sehen. Hinzu kommen ja noch evtl. Preise für Bier (glaube der lag bei 5 Euro oder so) und für Merch (Shirt 40 EUro). Wenn man sich da mal was gönnt, ist man gut und gerne 170 Euro insgesamt los. Für viele Fans ein Vermögen. Sicher ist die Saalmiete und sind die Personalkosten etc. nicht gering, dennoch bekommen es andere Veranstaltungen auch hin und die Fans sind dankbar. Das zeigt dann oftmals das "Sold Out". Mein Vorschlag wären 50 Euro für das Ticket und maximal 25 Euro für ein Shirt. Das wäre fair und für die Fans bezahlbar. Das sei zum Abschluss halt noch einmal erwähnt, denn das Thema hört man leider viel zu oft und es ist nicht unbedeutend. Vielleicht wird ja eines Tages darauf eingegangen. Jetzt heißt es erst einmal Nacken pflegen und die Haare entwirren. In diesem Sinne \m/ Hail and Kill \m/ Danke für einen geilen Konzertabend an alle Verantwortlichen und vor Ort Beteiligten und an alle Manowarriors. Wir sehen uns beim nächsten Mal, denn "Other bands play.... MANOWAR KILLS!! \m/