Konzertreview

Fuchsteufelswild

Created by Reina, die Streunerin | |   Konzert

Support: Delva

29.03.2019

Spectaculum Mundi

München

Es heißt, ein Täter kommt immer zum Ort des Geschehens zurück. Dass das manchmal etwas länger dauert, habe ich dieses Wochenende gemerkt. Nachdem ich letzte Woche in Hamburg war, bin ich mal wieder in Richtung München unterwegs, meinem Namen „Streunerin“ muss ich ja auch gerecht werden. Heute Abend spielen DELVA und Fuchsteufelswild zum Tanz auf. Es ist mein zweites Konzert der Musica Antiqua Viva-Reihe und ich fühle mich in der Zeit zurück versetzt. Nicht nur musikalisch, ein bisschen Nostalgie schwingt auch mit.

Fuchsteufelswild hab ich auf dieser Bühne vor genau zwei Jahren das erste Mal Live spielen gehört und sie sofort musikalisch in mein Herz geschlossen. Ich freue mich, den Abend mit alten Bekannten und guten Freunden genießen zu können. Außerdem wartet die ein oder andere Überraschung.

Doch bevor ich mich den Klängen der Füchse widme, laden DELVA zum Tanz ein. Das erste Mal mit Andi am Schlagzeug und überhaupt mit Schlagzeug auf der Bühne spielen Johanna, Michael und Judith ein buntes Programm aus alten und neuen Stücken. Ich freue mich, Johannas Stimme endlich Live hören zu können. Dass sie fast blind ist, fällt kaum auf. Ich mag ihre Art auf der Bühne, die Leichtigkeit, die sie beim Klavierspiel und Flötenspiel ausstrahlt. Zwischendurch steht sie ein bisschen zu nah am Mikro, aber das macht nichts. Voller Gefühl und Kraft singt und spielt sie und zaubert mir dabei ein Lächeln auf das Gesicht.

Als ihre Schwester Judith ihren Bogen auf die Geigensaiten setzt und die ersten Töne entlockt und Michael die Saiten der Gitarre anschlägt, schließe ich die Augen, um die Musik voll und ganz zu genießen. Die vier Musiker harmonieren wunderbar zusammen, nicht nur musikalisch. Für einige Zeit entführen uns DELVA in irische Lande, bevor es zurück in die heimischen Täler geht und sie mit „Schattentanz“ zum Tanzreigen aufspielen. Alles in allem ist es ein schöner Einstieg in den Abend. Und Andi hat seine Feuerprobe eindeutig gemeistert! Ich freue mich auf jeden Fall auf das nächste Konzert mit ihm.

Als der letzte Ton verklingt, ist es Zeit für Fuchsteufelswild. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Band spielt neben alten Liedern wie Zauberkreis und Venuskind auch Stücke der im Februar erschienenen Platte „König Zeiger“. Ich muss etwas lachen, als Drummer Done sich mit roter Langhaar-Rocker-Perücke ans Schlagzeug setzt und loslegt. Die muss jedoch nach dem ersten Stück einer Melone weichen. Mit dem typischen fuchsteufelswilden Witz wird außerdem Dones Können als „begnadeter“ Komponist gezeigt. Beim Anstimmen von „Dorian Gray“ spielt er sein Intro um ein Vielfaches langsamer und wird dafür von allen Seiten bejubelt. Auch musikalisch nicht ganz ernste, aber vor allem aktuell akute Themen wie Bassismus, von dem besonders Chewie betroffen ist, der seines Zeichens für die tiefen Töne in der Band verantwortlich ist, werden angesprochen. Dass Bassisten aber besonders in der Folk-Rock-Szene wichtig sind, zeigt er gekonnt mit einer ordentlichen Portion Witz und Lockerheit.

Bevor das nächste Stück angestimmt wird, fragt Basti Simone: „Ist die Bouzouki gestimmt?“ Als Antwort erhält er ein resigniertes Kopfschütteln von Gefragter und ein amüsiertes von den anderen Bandmitgliedern, auf das lautes Lachen folgt. Aber Basti wäre nicht Basti, wenn er keine Lösung hätte. Kurzerhand übernimmt er das Stimmen, während die ersten Töne von „Wenn weiße Rosen blühen“ erklingen, das an die Widerstandsgruppe um die Geschwister Scholl erinnert.

Ich habe ein Faible für Drummer, aber noch mehr liebe ich Violinenklänge. Da kommt eben das Romantik-Kind in mir durch. Das Buhlen um die Rheinbraut in „Wassermanns Fluch“ zwischen Basti und Phillip an den Geigen genieße ich daher umso mehr. Aber Schluss mit dem Schwärmen, zurück zur Musik. Denn fast ist das Konzert vorbei, aber anders als sonst, schließt Fuchsteufelswild nicht mit „Hafen der Seele“. Dafür gibt es als Zugabe „Meisterdieb“ mit Johanna.

Das Konzert ist vorbei und ich habe noch Zeit, mich mit einigen zu unterhalten. Ich tausche meine Gedanken zum Abend aus, als es um kurz vor Mitternacht noch einmal ruhig wird. Phillip und Basti stimmen auf ihren Geigen ein „Happy Birthday to you“ an. Geburtstagskind Johanna ist sichtlich überrascht. Das ist der Abschluss eines wunderbaren Abends, so wie ich ihn mir wünsche.

Hab ich übrigens schon mal gesagt, dass ich ein Faible für Drummer habe? Oh ja, vor allem, wenn besagte Musiker für (fast) jeden Spaß zu haben sind. In ein Glücksbärchi-Kostüm gesteckt macht er einfach ein zu gutes Bild ;) Wie jemand so schön feststellt: „Schlimmer als dich zur Feindin zu haben, ist es, mit dir befreundet zu sein!“ In diesem Sinne: Egal, was ist, habt Spaß!

Für mich geht es ins Bett und morgen zurück nach Berlin. Ich freu mich auf das nächste Konzert und bin schon Feuer und Flamme, mich wieder auf den Weg durch die Lande zu machen. Oder um es mit den Worten von Basti zu sagen: Auf die nächsten 1.000 Kilometer!

Danke an alle für einen wundervollen Abend, besonders an die Floriette, ohne die einiges den Bach runtergehen würde, an Eric am Mischpult und Vaddern am Fuchsteufelswildmerch und die Mutter von Judith und Johanna. Und natürlich an zehn wundervolle Musiker, ohne die der Abend ziemlich ruhig gewesen wäre :)

Setlist Delva:

Gestrandet/ Nebel/ Verblassen/ Schwarz Und Weiß/ Der Rabe/ Columbus/ Hill Of The Thieves/ Wearin The Britches/ Der Frühling Soll Warten/ Versprich Mir/ Die Spur/ Zugabe: Schattentanz

Setlist Fuchsteufelswild:

Intro/ König Zeiger/ Carpe Diem/ Dorian Gray/ Hör Auf Dein Herz/ Drosselbart/ Zauberkreis/ Narrenschiff/ Feuer/ Stein Auf Stein/ Wenn Weiße Rosen Blühen/ Uns're Zeit/ Wassermanns Fluch/ Venuskind/ Zugabe: Meisterdieb mit Johanna von DELVA