Konzertreview

Beast In Black

Created by Reina, die Streunerin | |   Konzert

Support: Turmion Kätilöt

11.03.2019

Columbia Theater Berlin

Berlin

„Warum lässt du mich im Regen stehen?“, begrüßt mich Kalle, der schon vor dem Columbiatheater wartet. Leider hat er recht, das Wetter ist äußerst bescheiden, dafür die Vorfreude auf das Konzert von Beast in Black umso größer. Also schnell rein ins Getümmel, die Halle ist schon gut gefüllt. Für einen Montagabend ist das echt überraschend. Es ist schon ein Akt, sich zur Bar durchzukämpfen, um etwas Flüssigkeit für die Kehle zu beschaffen. Aber dann ist auch die erste Hürde geschafft, die Plätze gesichert. Eigentlich kann es losgehen.

Als Vorband sind Turmion Kätilöt (zu deutsch: Die Hebammen des Verderbens) aus Finnland angekündigt. Von den Erzählungen her bin ich gespannt, was mich erwartet und bin auf jeden Fall positiv überrascht. Der scheinbar bunt zusammengewürfelte Haufen mit Kriegsbemalung macht ordentlich Stimmung. Mit einer Mischung aus melodischen Klängen und Geschrei oder eher Gegröle heizen sie voll ein. Einer der Frontsänger trägt einen überlangen Lendenschurz, der von Ketten zusammengehalten wird, Shorts scheinen in Finnland etwas teuer zu sein. Ein Stoffaffe vollendet den Look. Aber irgendwie fällt der Bassist aus der Reihe. Ein bisschen erinnert der an School of Rock mit seinem weißen Outfit mit roter Krawatte und den Ringelkniestrümpfen. Auf jeden Fall kann ich sagen, dass die sechs Finnen sympathisch sind, sprechen sogar ein bisschen deutsch – naja, so mehr oder weniger. „You should learn better German“, wird einer von ihnen scherzhaft aufgezogen. „Well, then let's continue in Finnish“, erwidert dieser.

Nach vierzig Minuten Finnen-Elektronik-Crossover und dem Umbau kommen Beast in Black auf die Bühne. Selten habe ich so viel Präzision und Synchronität in der Choreo gesehen. Wie bei einer Boyband stimmen die Bewegungen. Sie sind eindeutig die Backstreet Boys unter den Metalbands. Wobei Gitarrist Anton mit seinen Schlaghosen auch gut bei ABBA hätte mitspielen können. Bassist Kasperi hat irgendwie Ähnlichkeit mit Axel Stein und Drummer Atte kann auf jeden Fall mit Drummer Animal von der Muppet Show mithalten.

Eins muss man Beast In Black lassen: Sie wissen auf jeden Fall, wie man Party macht! Mit knapp 700 anderen Fans bewege ich mich zur Musik der Finnen und dem Frontsänger aus Griechenland. Das mit dem Headbangen übe ich dann bis zum nächsten Konzert. Neben mir steht eine Mischung aus Meister Propper und Homer Simpson, was die Frisur angeht, den Kopf schwingt er aber wie der Master of Metal. Da kann ich mir auf jeden Fall was abgucken für das nächste Mal.

Als Atte zu Crazy, Mad, Insane ansetzt, muss ich kurz lachen. Die Gitarristen Kasperi und Anton und der Bassist Mate tragen Ninjaturtlemasken mit rot und blau blinkenden Lämpchen in den Augenhöhlen. Der Sänger trägt eine Zwangsjacke und auf seiner Sonnenbrille erscheint das Wort „Crazy“. Alles ist ziemlich durchgeknallt, aber immer noch geil.

Neben alten Songs spielen sie auch Stücke ihrer neuen Platte From Hell with Love. Ich muss wohl ziemlich erstaunt aussehen, als Yannis zu From Hell with Love ansetzt. Das Stimmvolumen und Stimmumfang sind aber auch erstaunlich. Ich hatte zwar Videos gesehen, aber Live...Gott, hat der ne geile Stimme. Wir haben Glück, wie ich von einer Zuhörerin erfahre, die bereits auf mehreren Konzerten der Tour war. Yannis hatte mit Erkältungen zu kämpfen und endlich ist seine Stimme wieder voll einsetzbar.

Als das offiziell letzte Lied zu Ende ist und alle von der Bühne gehen, kommt Drummer Atte noch einmal nach vorne und schnappt sich das Mic von Yannis. Während er redet, probiert er einige Frontmanmoves aus. Schließlich sitzt er ja sonst immer hinter seinen Drums und hat dazu keine Möglichkeit. Während er noch redet, kommen die anderen auch wieder auf die Bühne und Yannis schnappt sich das Mic. „Hey, a mic is like your girlfriend, you don't steal my girlfriend!“, sagt er nur mit einem gespielt bösen Blick zu Atte, der entschuldigend die Arme hebt und sich wieder an die Drums setzt, damit die Zugaben gespielt werden können.

Und dann ist das Konzert zu Ende. Ich möchte am Liebsten: „Nochmal! Nochmal!“ rufen und als hätten Beast in Black das geahnt, versprechen sie, dass das nicht das letzte Konzert in Berlin war.

Eine Frage bleibt für mich am Ende und zeigt mir, dass ich eben doch ein Mädchen bin. Wo hat Yannis, der Sänger von Beast in Black seine Jacke her? Die will ich auch haben!

 

Setlist:

Turmion Kätilöt:

Grand Ball/ Love Is Dead/ Verta Ja Lihaa/ Pirun Nyyrikki/ Hades/ Usch/ Faster Than God/ Helvetin Torvet/ Sikiö/ Jalopiina/ Lataa Ja Varmista

 

Beast in Black:

Cry Out For A Hero/ Unlimited Sin/ Beast In Black/ Eternal Fire/ This Is War/ The Fifth Angel/ True Believer/ Heart Of Steel/ Born Again/ Repentless/ Ghost In The Rain/ Die By The Blade/ Zodd The Immortal/ Crazy, Mad, Insane/ Sweet True Lies// From Hell With Love/ No Surrender/ Blind And Frozen/ End Of The World