Konzertreview

Waldkauz

Created by Reina, die Streunerin | |   Konzert

15.03.2019

Spectaculum Mundi

München

Was ich nicht alles auf mich nehme für gute Musik! Es ist Freitagmittag und mein Pagan-Zigeunerherz zieht mich zum Waldkauzkonzert. Die Hildesheimer Musiker sind das erste Mal in München im Spectaculum Mundi. Das Konzert ist Teil der Reihe Musica Antiqua Viva und verspricht einiges. Es ist das erste Konzert ohne Gina, das erste Konzert ohne Harfe – noch.

Es sind ungefähr 60 Gäste in dem kleinen Saal, der teilweise bestuhlt ist. Die Atmosphäre ist angenehm entspannt und ich entdecke mir bekannte Gesichter, unter anderem auch Niel Mitra, der bei Faun spielt. Ich freue mich auf einen wundervollen Abend und bin gespannt, wie sich Fabi an der Drehleier schlägt. Zwar hat sie schon mit Waldkauz gespielt, aber das ist ihre offizielle Premiere. Es ist das erste Konzert seit einem halben Jahr für die Band, ein halbes Jahr, in dem viel passiert ist.

Während draußen der Wind fegt und es regnet, bewegen sich die Zuhörer zum Paganfolk. Ich freue mich, dass auch Baba Jaga gespielt wird, dass ich bisher mit Harfenklängen kannte. Der ganze Abend  ist geprägt von guter Laune und verstimmte Instrumente, die alle Nase lang nachgestimmt werden müssen, werden mit Witz und Spaß überspielt. Alle fünf Musiker geben ein sehr schönes gemeinsames Bild ab. Sie harmonieren in Musik und Bewegung miteinander. Es ist fast wie ein Reigen, wie sie sich gemeinsam auf der Bühne bewegen. Als wäre es nie anders gewesen.

„Beim nächsten Stück gibt es eine Premiere für ein Instrument, das es bisher nicht bei Waldkauz gab“, kündigt Sänger und Bouzoki-Spieler Niklas an. „Lüge!“, kommentiert Peter am Schlagzeug und bringt Niklas kurz aus dem Konzept. Der schaut kurz auf die Setlist und erwidert: „Oh ja, stimmt. Dann hab ich die Überraschung leider kaputt gemacht.“ Ein herzliches Lachen erfüllt den Raum. Allgemein ist die Stimmung wunderbar gelassen. Keinerlei Aufregung ist zu spüren. Als es dann soweit ist, schnappt sich Nina den Dudelsack – das Überraschungsinstrument, um das nächste Lied anzustimmen. Es trägt den obligatorischen Titel: Dudelsacklied. Einfach, aber aussagekräftig ;)

Ein wunderbarer Abend geht zu Ende. Für Waldkauz war es ein wunderbares Debüt im Süden. Alle nehmen sich noch Zeit für ihre Fans und die Fragen. Ich gratuliere den fünf Musikern zu ihrem gelungenen Konzert und halte noch einen kurzen Plausch mit allen. Sie sind erstaunt und ein bisschen perplex darüber, dass ich extra aus Berlin nach München gefahren bin, um sie zu hören. Aber eins ist klar: die lange Fahrt hat sich allemal gelohnt!

Für mich ist es Zeit, ins Bett zu gehen, bevor ich mich morgen auf die Rückreise begebe. Ein Zwischenstopp in Leipzig ist noch geplant, aber das ist eine andere Geschichte =) Gerade das Musikerleben ist geprägt von Veränderungen und das Konzert hat mir gezeigt, dass es manchmal gut ist, sich darauf einzulassen. Sowohl als Musiker als auch als Zuhörer und Zuschauer. Ich freue mich schon aufs nächste Waldkauz-Konzert und Gina bei einem der Konzerte als Gastmusikerin zu sehen.

Setlist:
Intro/ Mati Zyra Zemlya/ Am Wegesrand/ Tawny Androwl/ Mond & Sonne/ Danse Macabre/ Baba Jaga/ Leshy/ Viento Y Onda/ Raigan Dannsa/ Waldlandreich/ Dudelsackstück/ Karneia/ Heiden Unserer Zeit/ Ostara/ Hobbit/ Tanzgeist/ Dimna Juda