Festivalreviews

Rockharz 2018

Created by Henry G. | |   Festival

04.07. - 07.07.2018

Flugplatz

Ballenstedt

25 Jahre Rockharz - wenn das nicht ein Grund zum Feiern ist! Die Jubiläumssause in Ballenstedt konnte wieder mit einem spitzenmäßigen Lineup aufwarten und war dazu mit optimalen Wetterprognosen gesegnet. Das Festivalgesamtpaket war seit Monaten ausverkauft und auch die einzelnen Tagestickets gingen rasch zur Neige im Vorfeld. Da wollten wir es uns natürlich nicht nehmen lassen, in diesem Jahr wieder ausführlich von der größten Party im Harz zu berichten.

Der Mittwoch war traditionell der Anreisetag und erste Festivalabend zugleich. Mehr und mehr verlagert sich die Anreise vieler Besucher aber auf den programmlosen Dienstag vor Beginn des eigentlichen Festivals. Der Campingplatz war am Mittwochnachmittag jedenfalls schon weitestgehend belegt gewesen. Doch erstmal musste man dorthin kommen und da stand mal wieder ein ordentlicher Anreisestau im Weg. Dieser war zwar nur auf den letzten wenigen hundert Metern vor der Einfahrt auf den Flugplatz gegeben, zog sich aber zeitlich enorm in die Länge. Mit an die fünf Minuten Wartezeit für eine Autolänge Fortschritt zehrte das bei nachmittäglicher Gluthitze schon ein wenig an den Nerven - zumal nach fünf Stunden Autofahrt, unter anderem quer durch den kurvenreichen Harz.

Endlich auf dem Gelände angekommen, wurde schnell das Bändchen überreicht und mit ein wenig Glück fand sich noch eine freie Ecke für Zelt und Auto.

Nach der Warterei im Stau und dem organisatorischen Krams ging es am beeindruckenden Flieger im Eingangsbereich, der Harz Force One, vorbei direkt vor die Bühne, wo bereits Winterstorm vor einer sehr großen Zuschauerschaft in der prallen Abendsonne spielten. Die Bayern sind auf dem Rockharz keine Unbekannten und der partytaugliche Folk Metal des Quintetts schaffte es auch dieses Mal, für eine ausgelassene Stimmung zu sorgen. Schon zum zweiten Song, Windkeepers, ließ es sich vortrefflich mitklatschen, mit dem flotten Titeltrack der zweiten Platte Kings Will Fall wurde die Stimmung nochmal gesteigert und die Band kräftig angefeuert. Spätestens zur Schunkelstunde mit einer Runde Winterhumppa war es dann vollends um das Publikum geschehen, ein Circle Pit folgte und kreierte das bezeichnendste Phänomen dieses Rockharz: die Staubwolke! Bei so viel Staub muss man viel trinken und Winterstorm-Sänger Alexander Schirmer war in der glücklichen Lage, Bier trinken zu dürfen, da sich sein Bassist als Fahrer bereit erklärt hatte. Das hymnische Into The Light und Dragonriders schlossen einen tollen und mitreißenden Auftritt ab.

Es fiel beim ersten Umsehen auf dem Gelände sofort auf, dass - anders als in früheren Jahren - nun bereits das gesamte Festivalgelände für die Besucher geöffnet war. Vorbei die Zeiten, als am Mittwoch auf einer kleinen Vorbau-Bühne im vorderen Drittel des Platzes gespielt wurde. Stattdessen konnten die Bands die große Anlage auf einer der Hauptbühnen nutzen - somit ist der ursprünglich als Dankeschön für die Fans gestartete und später zum Labelprogrammtag weiterentwickelte Mittwochabend jetzt als nahezu vollwertiger vierter Programmtag mit in die Running Order eingeflossen.

Auch die ganze Vielzahl an Fressständen war schon besuchbar: Das Angebot zeigte sich sehr reichhaltig, mit großer Auswahl für jeden Wunsch, angefangen von diversen Fleischspeisen - zwei Höhepunkte hier waren das Spanferkel und der lecker gewürzte Mutzbraten - über gegrillten Fetakäse, Pizza, süße Snacks und Eiscreme. Natürlich ist das Festivalessen als solches nicht gerade preisgünstig und in der Summe alles andere als gesund. Trotz oder gerade wegen der riesigen Auswahl an Fast Food-Produkten sucht man zum Beispiel einen frischen Salat oder etwas Obst vergebens. Für diverse Ergänzungen für Selbstverpfleger und natürlich zur Frühstücksversorgung gab es dann noch den kleinen Festivalsupermarkt draußen. Ansonsten war da noch der übliche Metalmarkt mit Shirts, Patches, CDs und allem anderen, was der Metaller so braucht. Das Wichtigste war aber selbstverständlich das Programm auf der Bühne.

Und das ging weiter mit Bannkreis, einer neugegründeten Band einiger Mitglieder von Subway To Sally, darunter deren Sänger Eric Fish. Bannkreis spielen Folk Rock mit Akustik-Gitarre, Mandoline, Leier sowie zusätzlich Cello und Flöte, ergänzt mit einem Gesangsduo. Aus einem irischen Traditional namens Black is the Colour haben Bannkreis, beziehungsweise insbesondere die ebenso hübsche wie stimmgewaltige Sängerin Johanna das Lied Rabenflug gemacht. Mit anderen Stücken wie Nimmermehr und Ich weiß Es beeindrucken sie das Publikum und sorgen für weiterhin ausgelassene Stimmung. Eine in den eigenen Stil eingepasste Coverversion des von Marilyn Manson in Rockkreisen bekannt gemachten, aber ursprünglich von der Popgruppe Eurythmics geschriebenen Sweet Dreams, das schließlich noch in eine deutschsprachige Version überführt wurde, war definitiv unerwartet. Es folgte der Fährmann als Zugabe zum krönenden Abschluss.

Ross The Boss, also die Band um den gleichnamigen originalen Manowar-Gitarristen haben dieses Jahr ein neues Album herausgebracht. Seit letztem Jahr touren sie aber im Wesentlichen als Manowar-Cover-Band mit zahlreichen Klassikern der Heavy Metal-Legende im Programm. Daher war es interessant, wie die Setlist in diesem Jahr aussehen würde, ob sie also auch oder vielleicht sogar ausschließlich eigenes Material der inzwischen drei Alben seit 2008 spielen würden. Der Opener Blood Of The Kings machte gleich deutlich, dass auf jeden Fall nochmal mit reichlich Manowar-Material zu rechnen ist. Anfangs war es vor der Bühne relativ leer, aber mit den weiteren Manowar-Songs wie Death Tone, The Oath und Sign Of The Hammer füllte sich der Platz schnell. Mit This Is Vengeance brachten Ross The Boss dann den ersten neuen Titel von der aktuellen Platte By Blood Sworn zu Gehör, später sollte mit Fistful Of Hate eine weitere neue Nummer folgen. Aber natürlich kamen so unsterbliche Klassiker wie Kill With Power, Fighting The World, bei dem das Rockharz seine Mitsingqualitäten zeigen konnte, und Battle Hymn ungleich besser bei der Masse an. Eine Runde Hail And Kill krönte einen denkwürdigen Co-Headliner-Auftritt.

Für den Mittwochabend haben sich die Rockharz-Macher mit Kreator gleich einen überaus hochkarätigen Headliner gesichert. Mit Phantom Antichrist eröffnete die Essener Thrash-Legende die Show und direkt begann sich ein großer Moshpit in Bewegung zu setzen. „The Kreator has returned“ begrüßte Mille standesgerecht die moshenden Horden; zeigte sich stolz, beim 25-jährigen Rockharz-Jubiläum dabei zu sein und rief sogleich die „totale Zerstörung“ aus. Doch wer nicht im Pit mitlief bekam viel zu sehen: Das Bühnenbild war durchaus opulent gestaltet mit großen LED-Screens im Hintergrund, dazu einige aufstellbare Screens in klassischer Wandspiegel-Optik und ein großer dreidimensionaler Dämonenkopf im Hintergrund, der wirkt wie der Eingang in Thulsadooms Tempel. Anstatt einfach nur eine Lichtshow zu bieten, muss es heute eine Videographie mit farblich zum Bühnenlicht passenden Mustern und Bildern sein, dazu dürfen Dampffontänen, Flammenwerfer, Pyro-Bombetten und Lametta-Schnüre, die auf das Publikum herunterrieseln, nicht fehlen. Thrash-Meilensteine wie Enemy of God, Flag Of Hate und Phobia sowie Titel neueren Datums wie Satan is Real und Civilization Collapse ergaben eine kräftig knüppelnde Kreator-Show, die zwar nicht die ganz vielen Klassiker aufbot, aber nichtsdestotrotz den einen oder anderen Circle Pit über den Flugplatz von Ballenstedt wirbeln ließ. Die Thrash-hungrige Masse fraß Mille und seinen Mannen praktisch aus der Hand. Ein Gänsehautmoment ist immer bei Fallen Brother garantiert, wenn die Bilder verstorbener Größen der Musik wie Lemmy Kilmister, Scott Columbus und David Bowie über die Screens flimmern. Mit Hordes Of Chaos und Violent Revolution durfte weiter Vollgas gegeben werden, am Ende wurde nochmal alles mobilisiert zu Pleasure To Kill und schon war der erste Tag des Rockharz mit einem großen Knall zu Ende gegangen. Und das Feld vor der Bühne war übersät von silbrigen Lametta-Schnüren, wer das wohl alles bis Donnerstagmorgen wegräumt?

Den ganzen Abend über hatte es stets eine große Menschentraube am Merchstand gegeben, wo außer dem Bandmerch vor allem Unmengen an Rockharz-Merch, darunter etwa 14 verschiedene T‑Shirt-Motive, 3-4 Sorten Hoodies, Flaggen, Badetücher und anderes Zubehör verkauft wurden. Die Wartezeiten für standfeste Merchkäufer dürften bei deutlich über einer Stunde gelegen haben. Etwas unschön war nach der Kreator-Show, dass die Security etwa 20 Minuten nach deren Ende alle noch dort Anstehenden harsch aufforderte zu verschwinden, damit der Platz geräumt werden konnte - manch ein Kaufwilliger hatte da schon über eine halbe Stunde umsonst gewartet und durfte sich das am nächsten Morgen erneut antun.

Die erste Nacht blieb warm, so dass man unmittelbar ohne kleidungstechnische Aufrüstung am Campground weiterfeiern konnte. Wer noch etwas Schlaf bekommen wollte, musste sich aber ranhalten, denn der Festivaldonnerstag startete programmtechnisch zwar erst kurz vor Zwölf, aber schon vormittags knallte die Sonne aufs Zelt und machte jeden Gedanken an Schlaf unmöglich.

 

Gegen halb 12 Uhr am Donnerstagmorgen wartete eine lange Schlange von einigen hundert Festivalbesuchern am Einlass neben der opulent silbrig im Sonnenlicht glitzernden Harz Force One und die in diesem Jahr meist sehr strengen Einlasskontrollen führten zu etwa einer Viertelstunde Wartezeit, bis man drinnen war. Erster Anlaufpunkt war für viele wieder der Merchstand, wo schon kurz nach Öffnung des Areals erneut eine Traube von gut 500 kaufwütigen Fans geduldig anstand.

Für alle anderen begann das Tagesprogramm mit einer halben Stunde Blind Channel. Die Finnen starteten mit einem Dance/Elektro-Intro und legten dann los mit ihren Songs in einem wilden Stilmix zwischen Rock, Metalcore, Pop, Elektro und anderem. Etwa 2-300 Leute, und damit deutlich weniger als am Merchstand, fanden sich vor der Bühne ein, um dem Treiben der ganz in Weiß gewandeten, wie frisch aus dem Krankenhaus entlaufen aussehenden Musiker zu lauschen, die die meiste Zeit auf und ab sprangen wie Duracell-Hasen auf Speed. Violent Pop Revolution liest man auf dem Hintergrundbanner des Quintetts aus Helsinki, so lautet also die Bezeichnung der Musiker für ihr Schaffen. Als sie bei einem Titel auch noch zu rappen anfangen, ist endgültig klar: mit richtigem Metal hat diese eher disco- und elektropartytaugliche Truppe nichts am Hut, sie nehmen sich von allem ein bisschen für eine seltsame, aber eigenständige Mischung.

Cellar Darling sind eine vor zwei Jahren gegründete Band von früheren Mitgliedern von Eluveitie. Die starke Metal-Orientierung ihrer früheren Truppe hat das Schweizer Quartett plus Gastviolinistin weitgehend hinter sich gelassen und den Sound stattdessen stärker in Richtung Folk Rock ausgerichtet, der teilweise auch recht poppig daherkommt. Die Drehleier blieb erhalten und Anna Murphy ist jetzt allein für den Gesang zuständig. Etwa 500 Zuschauer fanden sich vor der Bühne ein, dem Auftritt beizuwohnen und benötigten erst einige Songs zum Warmwerden. Die Sängerin mochte zwischen den Stücken des Debütalbums wie The Hermite und Avalanche nicht viel erzählen, sondern lieber die Musik sprechen lassen. Dies ging aufgrund der kurzen Spielzeit aber nur mit wenigen Titeln des Debütalbums. Gegen Ende ließ sich das Publikum zum Mitklatschen bewegen, immerhin eine deutliche Sympathiebekundung so früh am Tag.

Wesentlich härter wurde es im Anschluss nebenan mit Nothgard, das bayrische Quartett könnte man als süddeutsche Antwort auf Ensiferum und Children of Bodom bezeichnen. Folk-beeinflusster Melodic Death Metal war die Ausrichtung der nächsten 40 Minuten und für die Mittagszeit war es doch überraschend voll vor der Bühne geworden. „Habt Ihr Bock Gas zu geben?“ will Frontmann Dom Crey, der nebenbei bei Equilibrium Gitarre spielt, wissen. Natürlich ließen sich die Rockharz-Besucher nicht lumpen, zu Stücken wie Age Of Pandora, Warhorns of Midgard und In Blood Remained ordentlich abzugehen. Die Songs weisen zumeist Hochgeschwindigkeits-Gitarrensoli auf, die auch Freunde melodischerer Spielarten ansprechen. Mit Lex Talionis verabschiedeten sich Nothgard nach einem starken Auftritt, der zusätzlich zur Mittagshitze weiter einheizte.

Skalmöld aus Island konnten sich, ebenso wie Nothgard, über eine große Zuhörerschaft freuen, die die sechs Musiker mit zahlreichen, an die Erfolge der isländischen Mannschaft bei der letzten Fußball-EM erinnernden, Huh-Rufen empfingen. Der Viking/Folk Metal mit den in Isländischer Sprache gehaltenen Titeln wie Gleipnir und deren in altisländischer Strophenform verfassten Texten kam sehr gut bei den feiernden Massen an. Moshpits, Rowing Pits und ähnliches wurde zelebriert zu den Heavy Riffs, die da aus drei Gitarren den Harz erschütterten. Zum Abschluss gab das Rockharz den Isländern nochmal ein kräftiges Huh mit auf den Weg! Skalmöld mussten direkt im Anschluss an den Auftritt wieder zurück nach Reykjavik, da ihr Drummer am selben Tag vermählt werden sollte. Immerhin müssen die Bandmitglieder da nicht lange überlegen, was auf der Party für Mucke gespielt wird - isländischer Viking Metal natürlich!

Wieder leichter verdauliche Kost wurde im Anschluss auf der Nachbarbühne geboten mit Diablo Blvd. Die Modern Hard Rocker klingen sehr amerikanisch in ihrem Sound, so dass man denken könnte, sie kämen aus Übersee. Sind aber aus Belgien die Fünf und rockten den Harz am frühen Nachmittag mit deutlich weniger Zuspruch als vorherige Bands. Schade insbesondere, da Diablo Blvd Ende Juni angekündigt haben, zum Jahresende die Segel zu streichen und die Band nicht weiter zu führen. Sänger Alex Agnew begrüßte die Zuschauer in einer Mischung aus deutsch- und englischsprachigen launischen Ansagen und stellte vorwiegend die neueren Titel von der letztjährigen Platte Zero Hour vor, darunter Animal, Demonize und Life Amounts To Nothing. Gegen Ende gab es mit Sing From The Gallows ein tanzbares Stück, zu dem das Publikum mitklatschen sollte; dies aber erst, nachdem der Frontmann ihm den Rhythmus richtig beigebracht hätte - um den Drummer nicht noch mehr zu verwirren. Soviel Spaß muss sein.

Spaßig ging es im Anschluss wieder bestens besucht weiter mit den Grailknights: Ein weiteres Mal ist Schloss Grailskull, und damit auch der Heilige Gral, in die Hände des fiesen Dr. Evil gefallen und nur fünf tapfere Superhelden können die Reliquie zurückerobern - mit der Hilfe eines mächtigen Rockharz-Battlechoires. Musikalisch hat man sich weitestgehend von den Death Metal-Anfängen verabschiedet, zugunsten eingängigeren melodischen Power-Metals. Dem überragenden Superhelden-Mythos sind die Grailknights aber natürlich treu geblieben. Einige Tausend Anhänger der Helden feiern entsprechend heldenhafte Songs wie Morning Dew oder Nameless Grave und sind sich auch nicht zu schade, anstelle des üblichen „Yes Sire“ als Antwort auf „Grailknights Battlechoir?“ wie ein Harzer Hirsch zu röhren. Selbstverständlich muss ein Superheld fit sein, wenn er Feinden wie dem Laser Raptor entgegen treten will, daher musste erstmal eine Runde Grailrobics mit dem Battlechoir durchgezogen werden. So viel Energie bei Musikern wie Publikum hat man selten gesehen! Später folgte ein Superhelden-Medley, gespickt mit metallisierten Titelmelodien von diversen Comichelden-Serien und kleinen Anleihen von Slayer bis Judas Priest, bevor in der finalen Schlacht - natürlich in Super-Zeitlupe - der Gral episch zurückerobert werden konnte. Die Grailquest Gladiators haben wieder gesiegt!

Die Niederländische Death Metal-Institution God Dethroned hat letztes Jahr das 25-Jährige Jubiläum ihres Debüts gefeiert und zudem ihre zehnte Platte veröffentlicht. Unter Tausend Leute blieben, um sich den Gig der Extremmetaller anzusehen. Die Stücke wie Villa Vampiria, No Man’s Land und Poison Fog knüppelten genauso kräftig wie die Nachmittagssonne auf die Besucher ein. Nach dem neuen Song Annihilation Crusade vom letztjährigen Album fragte Sänger und Gitarrist Henri Sattler, ob man lieber „old shit“ oder „new shit“ hören wolle. Natürlich wurde das ältere Material bevorzugt und mit Boiling Blood ertönte ein God Dethroned-Klassiker von der dritten Platte Bloody Blasphemy. Zum Abschluss folgte noch Sigma Enigma, eine fast schon rockige Nummer mit hohem Wiedererkennungswert von den Death Metallern.

Nach so viel Geballer war es an der Zeit für etwas komplett anderes: Die Letzte Instanz war angetreten, den Harz auf ihre Art zu rocken. Die sechsköpfige Deutsch-Rockband aus Dresden verwendet neben der rocktypischen Instrumentierung Geige und E-Cello, ist aber eher nicht der Mittelalter-Szene zuzuordnen. Sänger Holly wollte selbst bei sommerlicher Hitze nicht auf sein Markenzeichen, die schwarze Mütze, verzichten. Die Stücke wie Maskenball, Mein Todestag und Schwarz kamen durchweg gut beim zahlreich angetretenen Rockharz-Publikum an. Der Höhepunkt des Auftritts war mit dem Lied Rapunzel erreicht, welches mit einer Coverversion des Ärzte-Hits Junge garniert wurde. Nach dem melancholischen Tränen aus Stein, war noch Zeit für einen Tanz mit dem Publikum ehe die Letzte Instanz unter lautstarkem Applaus die Bühne verließ.

Mit Primal Fear ging es nun so richtig powermetallisch zur Sache, erst vor recht locker gefülltem Platz, nach einer von vielen Besuchern eingelegten Nahrungs- oder Trinkpause wurde es dann schnell doch recht voll vor der Bühne der schwäbischen Metal-Institution, die dieses Jahr das 20. Jubiläum ihres selbstbetitelten Debüts zelebriert. Mit dem Klassiker Final Embrace startete das Quintett um Mat Sinner und Ralf Scheepers seinen wie immer mitreißenden Auftritt. Der Sound war anfangs etwas zu stark drumlastig, besserte sich aber noch. „Habt ihr Bock auf Heavy Metal?“ fragte Scheepers die Masse. Neueres Material wie In Metal We Trust und Angels Of Mercy mischte sich mit den unsterblichen Bandhymnen wie Running in The Dust - sehr passend zum staubigen Rockharz-Wochenende - Angel in Black und Nuclear Fire. Die hierzulande wie international sehr erfolgreichen Primal Fear sind natürlich echte Profis, das Publikum zum Mitmachen zu animieren; so durfte zum Beispiel bei The End is Near ein Mitsing-Spektakel nicht fehlen. Nach dem allerersten Stück von Primal Fear, Chainbreaker, folgte zum Abschluss die Metal-Hymne schlechthin: Metal Is Forever fehlt bei keinem Konzert der Band. Man sieht sich im Herbst auf der Tour zum neuen Album!

Es wurde langsam Abend am Festivaldonnerstag und die Massen Tausender Metalfans begaben sich von ihren Camps in Richtung Spielort. Dort rockten als Nächstes Equilibrium vor einem bis nach hinten sehr vollen Bühnenvorplatz. Es war heiß und staubig vom Moshpit und die des Öfteren abgeschossenen Flammenwerfer heizten dem Publikum weiter ein. Ein Security-Mitarbeiter sprühte zwar Wasser mit einem Feuerwehrschlauch auf die Massen, Sänger Robse war das aber nicht genug; er forderte, lieber Bier zu versprühen. Songs wie Heimat, Verbrannte Erde und Blut im Auge knüppelten heftigst auf die Tausendschaften ein und die eine oder andere Wall of Death erschütterte den Harzer Flugplatz. Wohl dem, der an diesem trockenen Tage eine Staubmaske dabei hatte, zur Not tun es auch Tücher, deren Verkäufer sich auf dem Festivalmarkt großer Umsätze erfreuen durften. Mit Apokalypse von der vorletzten Scheibe Erdentempel endete der Auftritt der bayrischen Metaller vor Tausenden zufriedenen Besuchern.

Unterdessen sah man eine an die hundert Meter lange Menschen-Schlange beim Autogrammstundenstand übers Gelände kriechen - das konnten nur die Tagesheadliner von Powerwolf sein, die da fleißig alles unterschrieben, was ihnen unter die Nase kam; und das immerhin zwei volle Stunden lang.

Die Temperaturen wurden gegen Abend langsam erträglicher und auf der Bühne ging es unvermindert heftig weiter mit dem Gelsenkirchener Thrash Metal-Urgestein Sodom. Die spielen seit diesem Jahr in neuer Besetzung zu viert, haben somit neuerdings einen zweiten Gitarristen mit dabei. Außerdem ist Frank Blackfire wieder mit an Bord, der in den 80ern bei so wegweisenden Alben wie Agent Orange mitgeschrieben hatte. Die Klassikerdichte ist hoch bei den diesjährigen Festivalauftritten von Sodom, es werden hauptsächlich Stücke von den ersten Alben und EPs aus den 80ern und 90ern gespielt. Zum Beginn mit The Conqueror und Outbreak of Evil bildete sich nur ein sehr kleiner Moshpit und auch sonst war relativ wenig los mit dem Publikum. Nach weiteren Klassikern wie Sodomy & Lust und Christ Passion waren immerhin ein paar Sodom-Anfeuerungsrufe drin, aber erst zu The Saw is The Law brachen die Dämme und ein mächtig vor sich hin staubender Circle Pit drehte seine Runden und wurde zu Blasphemer gar nochmal gesteigert. Die bereits erwähnte Agent Orange-Platte war später noch mit ihrem Titeltrack und dem eingängigen Remember The Fallen vertreten - Tom Angelripper bezeichnet das Erscheinen der Platte gar als Ereignis, das die Welt für immer verändert hat. Zum Abschluss noch Bombenhagel und kurz die deutsche Nationalhymne mit reichlich Gitarrenpower angestimmt, schon war der mit 50 Minuten knapp bemessene Gig vorbei.

Wer lieber neues Material statt olle Kamellen hören wollte, war bei Amorphis gut aufgehoben, die im Anschluss gleich einige Titel von ihrem im Mai dieses Jahres erschienenen 14. Album Queen Of Time vorstellten. Die finnische Progressive/Melodic Death Metal- Institution hat live auch einen Keyboarder mit dabei, der die teils verspielten melodischen Arrangements stützt. Der Platz vor der Bühne war, wie zu erwarten am Abend, mit über 10000 Leuten sehr gut gefüllt. Von der vorletzten Platte Under Red Clouds spielten Amorphis mit Sacrifice und Bad Blood zwei weitere recht neue Songs, bevor einige ältere Nummern wie Against Widows und The Castaway zu früheren Werken der Band wie Tales From The Thousand Lakes zurückführten. Der Gesang von Frontmann Tomi Joutsen ist angenehm abwechslungsreich, mit melodischem Gesang zwischen den Growl-Passagen. Mit einigen weiteren Tracks wie House of Sleep konnten Amorphis am Donnerstagabend in den Sonnenuntergang spielen und läuteten damit den zweiten Festivalabend erst so richtig ein.

Denn mit einsetzender Dunkelheit war Schandmaul die erste Truppe des Abends, die die lichttechnischen Möglichkeiten der Rockharz-Technik so richtig ausnutzen konnte. Mit Vor der Schlacht begann die Folk-Rock-Truppe, die durch die Geigerin Ally von Subway To Sally verstärkt wurde, einen knapp einstündigen Auftritt. Der Sänger Thomas Lindner konnte sich zwar nicht erinnern, wann sie das letzte Mal hier waren, bekundete aber sein Gefallen für das großartige Festival. Die bayrische Band hat inzwischen selbst schon 20 Jahre auf dem Buckel und machte den Jubiläums-Rockharzauftritt zu ihrer eigenen Jubiläumsfeier. Bei Der Hofnarr zeigte sich das Publikum schon mal überaus textsicher, später durften allerlei Tanzeinlagen gezeigt werden. Mit Bunt und nicht braun erinnerten Schandmaul an die Ursprünge dieses Festivals als Rock-gegen-Rechts-Veranstaltung, unter lautstarkem Applaus der Besucher. Weitere Stücke wie das etwas poppige Vogelfrei und das wunderbare Trinklied Der Teufel hat den Schnaps gemacht ließen abermals das Publikum mitsingen und dabei wurden diesem nicht nur Freeze und Slow Motion-Bewegungen, sondern auch noch die Zombie Slow Motion beigebracht. Zur Walpurgisnacht waren nochmals zahlreiche Fans am Tanzen und genossen die restlichen Minuten der Show.

Zeit für den Headliner, wieder einmal sind Powerwolf zurück im Harz! Und nun haben sich weitere Besuchermassen aufs Festivalgelände aufgemacht, so dass für die Leute, die bei Schandmaul vor der anderen Bühne standen, keine Möglichkeit mehr bestand, weiter vor die vom Headliner bespielte Stage zu kommen: Der Flugplatz war komplett voll bis hinten an die Soundtürme und Bierstände! Zum Intro verdeckte erst ein Vorhang mit Powerwolf-Logo das Geschehen. Kurz nachdem dieser fiel, schossen die ersten Flammen in den Bühnenhimmel und die Massen an Fans zeigten sich zum Opener Blessed and Possessed schon sehr textsicher. Sänger Attila erzählte, wie er am Tag über den Zeltplatz gelaufen war - allerdings mit anderem Outfit - und dachte, diese Massen sind Powerwolfs Armee - die perfekte Überleitung zu Army of the Night. Nach weiteren Gassenhauern wie Resurrection By Erection und Amen & Attack war es an der Zeit für einen neuen Titel als Deutschlandpremiere vom niegelnagelneuen Album Sacrament of Sin - Demons are a girl‘s best friend ist von der ersten Note an eine absolute Mitgröhlnummer, die sofort in die Ohren und ins Herz jedes Powerwolf-Fans geht. Zu Armata Strigoi war ebenfalls voller Publikumseinsatz gefragt - die Musiker waren sehr angetan von der Lautstärke und Tontreffsicherheit des Rockharz-Publikums, welches immer wieder von Attila Dorn und Keyboarder Falk Maria Schlegel angestachelt wurde. Zu Let There Be Night wurden weite Teile der Bühne in Flammen gesetzt, was dem ganzen Treiben einen festlich-sakralen Charakter verlieh. Mit Fire and Forgive kam ein weiterer neuer Song zu Gehör, der nicht nur im Namen Feuer hat. Da der Headliner-Auftritt mit 75 Minuten sehr knapp bemessen war, folgten nur noch wenige weitere Stücke wie All We Need Is Blood und Sanctified With Dynamite. Natürlich durfte auch Werewolves Of Armenia nicht fehlen, was ebenso kräftig abgefeiert wurde. Zum Abschluss noch die übliche Ansprache vor Lupus Dei und eine Lobeshymne aufs Publikum, schon war der Headliner wieder verschwunden. Man kann sich Powerwolf aufgrund des immer gleichen Ablaufs und der nur alle paar Jahre veränderten Setlist durchaus irgendwann übersehen, aber nach längerer Abstinenz machte dieses Konzert wieder neuen Spaß wie beim ersten Mal!

Ohne Verzögerung nach dem Ende des Headliner-Auftritts folgte der Nach-Headliner: Mr. Hurley und die Pulveraffen waren schon im Vorjahr auf dem Rockharz und nun erneut vertreten Somit ging es gleich auf die Reise nach Tortuga mit „Eurer Lieblings-Piratenband aus dem karibischen Osnabrück“. Die Party war schnell am Kochen mit Nummern wie Ach ja... Komma Her und noch gut 2/3 der Besucher sind nach Powerwolf geblieben, um sich den vollkommen sinnentleerten und gerade deswegen so eingängigen Party-Folk-Rock reinzuziehen. Lyrik wie Schrumpfkopf im Rumtopf verdeutlicht die Härte des Piratenlebens. Das trockenste Trinklied der Welt, Nüchtern, wartet schließlich mit der Zeile „Blau werd' ich nur, wenn ich die Luft anhalte“ auf. Später starten die Pulveraffen ein Medley von Irish Folksongs, welches alsbald auch nicht vor David Hasselhoff (Looking For Freedom) und den Kassierern (Das schlimmste ist, wenn das Bier alle ist) halt macht. Zum krönenden Abschluss wird man doch noch Blau wie das Meer und Tausende Fans singen und tanzen in die langsam kühl werdende Harzer Nacht.

 

Der Festivalfreitag ist, genau wie der Samstag auch, selbst von den Tagestickets her ausverkauft und beginnt zeitig: Noch vor halb zwölf stehen I‘ ll be Damned auf der Rockharz-Bühne. Das Wetter ist wesentlich angenehmer mit einigen Wolken und nicht ganz so heißen Temperaturen wie an den Tagen zuvor. So ließ es sich aushalten vor der Bühne mit frischer Musik von den dänischen Modern Hard Rockern, die unter anderem schon Metallica in ihrer dänischen Heimat supporten durften. Es waren zwar nur 1-200 Leute so früh erschienen, aber die ließen sich schnell in den Bann von Songs wie People Hate People, Come Together, Real Monsters und Fever ziehen. Fette Riffs mit gutem Sound und ein charismatischer Frontmann, der einen bisschen verrückten Eindruck machte, wie er über die Bretter stolzierte, lassen den Auftritt zu einem Erfolg werden.

Aeverium spielten als Nächstes und die Alternative/Symphonic Metal-Truppe mit dem Gesangsduo konnte ebenfalls einige hundert Leute vor der Bühne versammeln. Der Freitag war irgendwie der Tag der Bands, die vor Elektro-Klängen nicht zurückschrecken, denn nicht nur Amaranthe und Battle Beast zählen dazu, sondern auch Aeverium verwenden solche Stilelemente. Die Elektro-Klänge, gepaart mit harten Gitarrenriffs, lassen zudem deutliche Nu Metal-Einflüsse erkennen. Aeveriums Songs wie Do You Remember, Hunted und The Other Side leben von der Ergänzung des hohen weiblichen Gesangs der blonden Sirene Aeva Maurelle durch die volle Stimme des männlichen Frontmanns Marcel „Chubby“ Römer, der außerdem für gelegentliche Growls zuständig ist. Gegen Ende der Show folgte noch dessen Plädoyer für den Kauf von Tonträgern und die damit verbundene Unterstützung von Bands und deren Schaffen bevor Aeverium sich unter lautstarkem Jubel verabschiedeten.

Auf der benachbarten Seite stand im Anschluss der Spaß im Vordergrund zur total ausgeflippten Metal- und vor allem Manowar-Parodie von Nanowar Of Steel. Wie Ernst kann man schon eine Band nehmen, deren Mitglieder im Tütü, mit pinker oder roter Perücke, im grünen Sultanskaftan oder als lederklüfterner Superheld mit einem großen N auf der Brust daherkommen? Dabei haben Songs wie Tricycles Of Steel gar richtige Metal-Power, mit schnellen Gitarrenriffs, donnerndem Bass und teils hohen Screams, ganz wie die großen Originale. Nanowar of Steel habe es musikalisch richtig gut drauf, es ist halt nur nicht wirklich ernst gemeint von den Italienern - vor allem die Texte enthalten oft aberwitzige Ideen. Später kamen noch eine Octopus-Maske und diverse Tanzbewegungen für Call Of Cthulhu zum Einsatz. Der Frontmann kann sehr gut deutsch sprechen, so dass er die meisten Ansagen in fließendem Deutsch hielt. So haben sich Nanowar of Steel beispielsweise für die Rückkehr zu Monarchie, Feudalismus und Mittelalter stark gemacht und wollen den Kampf für die Sklaverei aufnehmen. Dafür haben sie eigens die Partei „Alternative für Italien“ gegründet und mit Feudalesimo e Libertá die ultimative Parteihymne geschrieben. Was Grappa alles möglich macht! Als Höhepunkt präsentierten Nanowar of Steel ihre deutschsprachige Nummer vom Schwanzwald, dessen lachhaft schräger Text komplett vom anderen Ufer dem Publikum vorher beigebracht wurde. Später folgte noch eine Diskobeat-und Rap-Einlage, bevor die durchgedrehten Italiener mit Odino und Valhalla vom zweiten Album Into Gay Pride Ride ihre halbe Stunde Comedywahnsinn beendeten. Man muss es nicht mögen, aber man kann auf jeden Fall drüber lachen. Im November erscheint das neue Album Hail To Liechtenstein; mal sehen was dann wieder für neue abgefahrene Ideen auf uns zu kommen!

Nach so wenig Ernsthaftigkeit musste man sich erstmal sammeln, um im Anschluss den bierernsten Velbertern Obscurity lauschen zu können. Die Pagan Death Metaller legten mit Schicksal der Götter kräftig vor und mit einigen Tausend Besuchern vor der Bühne war es zum ersten Mal am Freitag gut voll geworden. Nach weiteren Stücken wie Naglfar ließen Anfeuerungsrufe für die Band aus dem großen Auditorium nicht lange auf sich warten. Die 1997 gegründete Truppe hat letztes Jahr ihr achtes Album rausgebracht und stellte daraus unter anderem Streitmacht Bergisch Land im Harz vor. Zum Abschluss folgte wie immer bei den Pagan-Metallern der Bergische Hammer, der mit voller Kraft auf das Rockharz eindrosch. Zum Auftritt von Obscurity kam langsam die Sonne hinter den Wolken hervor gekrochen und brannte im Anschluss kräftig auf die feiernden Horden.

Annisokay ist eine 2007 gegründete Metalcore-Truppe aus Halle, also wahrscheinlich die Band mit der kürzesten Anreise nach Ballenstedt in diesem Jahr. Es handelt sich um melodischen Metalcore, insbesondere Gitarrist Christoph Wieczorek bringt durch seinen Klargesang in Ergänzung zum eher schreienden Frontmann Dave Grunwald eine gewisse Eingängigkeit in die Musik des Quartetts. Eine beachtliche Menge an Zuschauern verfolgte den Auftritt mit Songs wie Thumbs Up Thumbs down, Unaware sowie Sky und ein größerer Circle Pit durfte ebenso wenig fehlen wie eine gelegentliche Wall of Death. Annisokay haben somit nicht nur zur musikalischen Abwechslung an diesem vorletzten Festivaltag, sondern auch enorm zur körperlichen Bewegung der feiernden Massen beigetragen.

The Other spielten nicht zum ersten Mal auf dem Rockharz: Die Kölner Vertreter des Horrorpunk haben diesmal zwar ihr Intro vergessen; machte aber nichts, die als Horrorclowns geschminkten Musiker spielten stattdessen gleich drauf los. Die Stücke der Band wie Party at Crystal Lake, Bloodsucker, Dreaming of the Devil und Dead and Gone punkten nicht nur mit einem morbiden Charme der Texte, sondern auch mit sehr eingängigen Melodien. Der Auftritt wurde am Nachmittag zwar von relativ wenigen Zuschauern verfolgt, aber nach einigen Minuten starteten einige Fans einen Punk-gerechten Moshpit. Zur Abwechslung hat das Quintett vereinzelte deutschsprachige Lieder im Repertoire, beispielsweise Der Tod steht dir gut, wozu vor allem einige weibliche Fans in den ersten Reihen am Tanzen waren. Weitere Titel wie Back to the Cemetary, Lovers Lane, Tarantula und What It’s Like To Be A Monster hinterließen zahlreiche sehr zufriedene Gesichter vor der Bühne.

Melodisch und düster ging es weiter auf der Nachbarbühne mit den schwedischen Progressive Metallern von Evergrey. Die Musiker sind nach Aussage von Frontmann Tom Englund erst kurz vor knapp auf dem Festivalgelände eingetroffen und mussten mit 200 Sachen über deutsche Autobahnen rasen, um es irgendwie noch rechtzeitig zu schaffen, da sie den Abend vorher in Barcelona gespielt hatten. Evergrey haben mit ihrem eingängigen, keyboardbetonten Stil einen sehr eigenständigen Sound geschaffen, der auf dem Rockharz sehr druckvoll und klar präsentiert wurde. Die Band spielte vorwiegend neuere Stücke der letzten Alben, darunter Passing Through und Leave it Behind Us. Selbstverständlich kamen die Schweden nicht umhin, ihren eingängigsten Titel mit Hitqualitäten, A Touch Of Blessing, zu spielen. Danach blieb nur noch Zeit für einen weiteren Song, den die stetig größer gewordene Masse nach Kräften abfeierte. Trotz Anreise-Stress haben Evergrey eine rundum überzeugende Show geliefert.

Crematory sind eine einheimische Truppe, die sich einer großen Anhängerschaft in der Szene erfreut und auf dem Rockharz eine dementsprechend große Anzahl Besucher vor der Bühne versammeln konnte. In diesem Jahr erschien mit Oblivion das 14. Studioalbum der Anfang der 90er gegründeten Mannheimer Gothic Death-Metaller. Aus der Platte stellten sie unter anderem Ghost of the Past bei dem Auftritt im Harz vor. Weitere Songs wie das sehr melodische Ravens Calling von der vorletzten Scheibe Monument und der Klassiker Tears of Time vervollständigten einen weiteren lautstark abgefeierten Gig auf dem Jubiläums-Rockharz.

Danach standen Amaranthe auf der Bühne und die Band, die zwischen diversen Metal- und vor allem auch Nicht-Metal-Stilrichtungen rangiert, konnte ebenfalls einige Tausend Zuschauer versammeln. Mit drei Sängern können die Schweden sowohl Growls, als auch männlichen und weiblichen Klargesang abdecken, wobei der für die Growls zuständige Henrik Wilhelmsson die meiste Zeit mit Posen beschäftigt ist. Stilistisch kann man das Ganze wohl am treffendsten als Pop Metal oder auch Disko Metal bezeichnen, entsprechend der Vielzahl an elektronischen Soundbestandteilen. Die melodische Musik hat zwar eine gewisse Härte, definiert durch den Gitarrensound; der weibliche Gesang klingt aber ausgesprochen poppig, ebenso die Refrains und diversen Zwischenparts. Da es bei ziemlich jedem Stück Dancebeats gibt, sind Amaranthe wahrscheinlich selbst für Leute interessant die mit Metal sonst nichts anfangen können. Die Schweden wurden am Freitagnachmittag mit Stücken wie Hunger durchaus heftig abgefeiert von einer großen Masse inklusive Moshpit-Action. Doch sind sie definitiv Geschmackssache: Oldschool Metallern dreht sich schlicht der Magen um, anders ausgedrückt: Diese Band vermag zwar viele Leute zu begeistern, ist dabei aber irgendwie alles das, was Metal nicht ist.

Battle Beast traten daraufhin an, die Party zum Start des Wochenendes weiter anzuheizen. Die 2005 gegründeten Finnen haben sich mit inzwischen vier Alben und unermüdlichem Touren einen Namen in der Szene gemacht. Allerdings ist ihr Sound auch poppiger, keyboardlastiger, weichgespülter und massenkompatibler geworden mit der Zeit. Auf dem Rockharz konnten Battle Beast ebenfalls eine riesige Zuschauerzahl anziehen - die Hälfte des Flugplatzes vor der Dark Stage bis hinten zu den Bierständen war gefüllt - deren Unterstützung ihnen von Beginn an sicher war. Bereits nach dem Opener Straight To The Heart wurde die Band lautstark angefeuert. Leider war der Sound nur mittelmäßig, etwas dumpf insgesamt und die normal sehr starken Vocals von Noora Louhimo waren zu leise abgemischt. Das tat der guten Partystimmung in der überhitzten Masse aber keinen Abbruch. Passenderweise wurde vom Fotograben aus mal wieder die Schlauchbewässerung gestartet, was einen veritablen Regenbogen im Sonnenschein produzierte. Die weiteren Songs wie Let It Roar, Black Ninja und Out Of Control wurden weiterhin abgefeiert und Battle Beast spielten ein deutlich längeres Set als geplant - insgesamt 15 Minuten mehr Zeit konnten die Finnen optimal ausnutzen. Den Grund für die plötzliche Verlängerung sollten die Festivalbesucher jedoch erst nach der folgenden Band erfahren.

Finntroll ließen dann ebenfalls noch einmal 15 Minuten auf sich warten - die Zeit wurde mit einem Dauerintro quäkender Frösche überbrückt. Die Massen warteten aber geduldig und gespannt auf den folgenden Auftritt; der Freitag war ja immerhin ausverkauft und nun mittlerweile der gesamte Platz vor beiden Bühnen gefüllt. Zur Unterstreichung des trolligen Erscheinungsbildes hatten der Sänger und ein Gitarrist Yoda-Ohren für den Gig angelegt. Die Optik interessierte die meisten in der Masse aber herzlich wenig, schließlich musste ordentlich gemosht werden. Dazu flog der eine oder andere Crowdsurfer über Tausende Hände und der Circle Pit produzierte abermals eine gehörige Staubwolke. Wer kein ausgewiesener Finntroll-Kenner ist, wartete den Auftritt über wohl vor allem auf die Partynummer schlechthin - Trollhammaren, alle anderen genossen ebenfalls die restlichen, nicht ganz so eingängigen Songs. Obwohl die zum Abschluss folgenden Stücke Jaktens Tid sowie Under Bergets Rot ebenfalls sehr stark in die Folk- und weniger in die Death Metal- Kerbe einschlagen. Der Finntroll-Gig ging mit einer Stunde schließlich auch deutlich länger als geplant war - zur Freude der vielen Fans vor der Bühne.

Im Anschluss an den Finntroll-Auftritt kam dann die Durchsage, warum das Programm sich bei den letzten beiden Bands schon etwas in die Länge zog. Der Grund lag bei Ensiferum, beziehungsweise deren Festsitzen an einem Flughafen aus unbekanntem Grund, was es den Finnen unmöglich machte, den Termin am frühen Abend einzuhalten. Das Programm wurde daher in der Mitte etwas nach hinten gestreckt und dazu eine halbstündige Bierpause eingeschoben, damit Alestorm wieder im Zeitplan spielten. Ensiferum wurden auf die Nacht verlegt, auf die Position an der Eisregen hätten spielen sollen, welche wiederum im Anschluss spielen durften. Das Programm war damit am Freitagabend bis 2 Uhr 30 verlängert worden.

Nach der Pause, die viele für ein schnelles Bier im Campground nutzten, waren endlich Alestorm an der Reihe und konnten von der schon sehr warm gefeierten, partywütigen Masse profitieren. Denn natürlich sind Alestorm gleichfalls nur zum Partymachen angereist - und außerdem, um das Bier der Festivalbesucher zu trinken. Und die Schotten hatten nicht nur ihr Bananenentchen-Hintergrundbild wieder dabei, sondern auch ein riesiges Quietscheentchen, das im Verlauf des Konzerts über die gigantische Badewanne der Rockharz-Besucherschar schwomm. Nach dem ziemlich nervigen Techno-Intro war die Party mit Keelhauled eröffnet, weitere Stücke wie Mexiko und The Sunken Norwegian steigerten die Stimmung beständig weiter. Wechselnde Windverhältnisse machten das Austarieren des Sounds allerdings schwierig, vor allem die Gitarre war zeitweilig viel zu leise. Ein Höhepunkt war Nancy The Tavern Wench, wobei der ganze Platz zu einem Wikinger-Ruderboot ertüchtigt wurde. Nach so viel Party hat man schon mal einen Kater, was mit der Covernummer Hangover entsprechend passend besungen wurde. Nach weiteren Piratenpartysongs wie Shipwrecked, Drink und Captain Morgan’s Revenge durften Alestorm sagen, was sie wirklich vom Rockharz-Publikum halten - mit Fucked with an Anchor ging die Fete zu Ende, mit welcher die Schotten bei den Zuschauern besonders ab- und das Gelände eingestaubt hatten.

Wo Alestorm eine Partyband sind, auf die sich fast alle einigen können, sind Eisbrecher hingegen eine stilistisch eher polarisierende Truppe, die eben Geschmackssache sind: Einige Tausend feierten die Musik mit einsetzender Dunkelheit ab, einige Hundert andere warteten dagegen nur ungeduldig vor der Nachbarbühne auf den Headliner danach. Der NDH-Rock der Marke Rammstein kam mit einem überaus brachialen Sound sehr gut zur Geltung. Die Nummern wie Fehler Machen Leute, Prototyp sowie Himmel Arsch und Zwirn sind hinlänglich bekannt und allesamt Stimmungsgaranten. Dazu konnten Eisbrecher mit einer anspruchsvollen Lichtshow punkten. Zum unverzichtbaren This Is Deutsch flimmerte der Schriftzug des Titels zudem fortwährend über die LED-Anzeigen und Frontmann Alexander Wesselsky machte einmal mehr den deutschen Roboter. Weitere Titel auf der Setlist waren Was ist hier los, Verrückt und Alle in einem Boot - Eisbrecher hatten die Massen vor ihrer Bühne die gesamte Show über fest im Griff.

Nun war also die Zeit für den großen Headliner aus Schweden gekommen - Hammerfall auf dem Rockharz! Angekündigt als Harz On Fire-Show waren die Erwartungen hoch gesteckt. Immerhin war das offiziell 25-jährige Bandjubiläum zu feiern und 20 Jahre Legacy of Kings. Das zweite Album der True Metal-Helden wurde dementsprechend gebührend gewürdigt. Hammerfall begannen mit Hector’s Hymn ihre Show, der Platz war randvoll und die Stimmung super, genauso wie der Sound. Wer vorne stand, hatte die meiste Zeit über im Wortsinne alle Hände voll zu tun bei der ungeheuren Menge an Crowdsurfern, die da über die Massen schwebte. Als ob der Heavy Metal-Sound alleine nicht knallig genug war, wurde außerdem eine derartige Menge Pyrobombetten gezündet, die Metallica alt aussehen ließe. Außerdem haben große Flammenwerfer auf der Bühne den noch immer sehr warmen Harzer Abend weiter erwärmt. Warm ums Herz wurde Tausenden Heavy Metal Maniacs sowieso bei Songs wie Riders Of The Storm, Dethrone and Defy, Blood Bound und Any Means Necessary. Frontmann Joacim Cans erzählte zwischendrin die Geschichte, wie er zum Metal gekommen war: Es war 1981 und er entdeckte Strong Arm Of The Law von Saxon in einem Plattenladen. Darauf hatte Biff Byford zu ihm von der Platte gesprochen und der kleine Joacim wusste fortan, was sein weiteres Leben bestimmen sollte: Bang Your Head!

Nach weiteren Stücken aus fast allen Schaffensperioden der schwedischen True Metaller war der Programmpunkt um das Legacy of Kings-Album ein klarer Höhepunkt: in einem Medley wurden diverse Tracks der Platte kurz angespielt und gewürdigt. Heeding The Call konnte man im Anschluss in Gänze genießen und der ewige Klassiker Let The Hammer Fall wurde ebenfalls nicht ausgespart. Zum großen Finale mit Hearts, pardon Harz On Fire wurden nochmal die Flammenwerfer ausgepackt und sowohl von beiden Externpunkten der Doppelbühne, als auch von den Soundtürmen hinten wurden etwa zehn Meter hohe Gasflammen abgeschossen, die die Harzer Nacht und das Rockharz-Gelände mit hoher Strahlkraft erhellten und flammenmäßig einrahmten.

Nach so viel Bombast und einer perfekt durchgestylten Show von Hammerfall würde es schwer haben, wer immer danach den After-Headliner-Slot bespielt, könnte man meinen. Aber weit gefehlt, Versengold konnten nicht nur die meisten Zuschauer auf dem Platz halten, auch die Stimmung war weiter sehr ausgelassen bei den Folk-Rockern. Niemals Sang- und Klanglos untergehen ist die Devise der Bremer und der mitreißende Beginn eines weiteren nächtlichen Partyauftritts. Das selbstbetitelte Versengold kam ebenso gut bei den Tausenden Rockharz-Besuchern an. Mit Verliebt in eine Insel haben Versengold ihrer Lieblingsinsel Irland und der Inspirationsquelle ihrer Folkmusik auf dem letztjährigen Album ein Denkmal gesetzt. Melancholischere Töne schlagen die Norddeutschen schließlich mit Haut mir kein Stein an, bevor es wieder heißt: Hoch die Krüge. Klar gehören Trinklieder zum Folkrock wie das Hasseröder zum Rockharz! Aber auch ein Gläschen Wein trinkt der Folkmusiker gerne mal - oder warum nicht gleich ein Fass: Ich und ein Fass voller Wein beendete eine kurzweilige nächtliche Folkrockparty mit einer gepflegten Schunkelrunde.

Ensiferum starteten danach auf dem ursprünglich für Eisregen gedachten Platz der Running Order. Die Folk Metaller, die seit geraumer Zeit nur noch als Quartett ohne weibliche Verstärkung spielen, waren sichtlich froh, es doch noch aufs Rockharz geschafft zu haben und das waren gleichermaßen die Fans, die zahlreich geblieben waren, um den Finnen die Treue zu halten. Die Masse ging nochmal kräftig ab zu vorwiegend neuen Songs vom 2017er Album Two Paths wie Way Of The Warrior, dem Titeltrack Two Paths und For Those About To Fight For Metal. Die zweite Hälfte der Show gehörte dem älteren Material der Finnen wie From Afar, Iron und Lai Lai Hei, wozu Mosher und Crowdsurfer nochmal alles gaben und die Band dazu nach Kräften anfeuerten. Wieder mal konnte man sich hier eine gepflegte Staublunge holen, sofern man seine Atemwege nicht schützte. Nach dem Ende des Ensiferum-Auftritts halbierte sich etwa die Menge der Zuschauer auf dem Festivalgelände.

Wer blieb, bekam noch Eisregen aus Thüringen auf die Ohren. Die Band spielt aufgrund ihrer teils schwer verdaulichen, sehr morbiden und teilweise auch indizierten Texte gewöhnlich auf den nächtlichen Plätzen der Running Order, um die Anwesenheit Minderjähriger auszuschließen. Durch den Ensiferum-Einschub mussten Eisregen nun noch später in der Nacht spielen als geplant. Frontmann Michael Roth hieß denn auch einige Tausend Zuschauer „Willkommen zum kleinen Nachtprogramm“, welches mit Gott der Panzer in die Vollen ging. Zudem habe er Schokolade für die Massen mitgebracht. Die Rede war natürlich von Panzerschokolade; ein Lied über das „Wundermittel“ Pervitin der Wehrmacht - eine Substanz, die heute unter anderem Namen als Droge bekannt ist. Das Quartett aus Tambach-Dietharz bewies Heimatverbundenheit mit der Thüringischen Flagge und dem dazugehörigen Wappen im Bühnenhintergrund. Von der neuen EP Satan Liebt Dich wurden unter anderem der Titeltrack und Onkel Fritze vorgestellt. Noch morbider wurde es mit N8Verzehr und selbstverständlich darf keine Eisregen-Show auf 1000 Tote Nutten verzichten. Während der Show leerte es sich zusehends; alle, die bis zum Ende blieben, wurden mit der Elektro Hexe in die Harzer Nacht geschickt.

 

Der letzte Festivaltag des diesjährigen Rockharz begann abermals zeitig und unter der brütenden Sonne mit den Leipzigern Walking Dead on Broadway. Das Quintett haute den ersten hundert Besuchern des Tages eine derart gehörige Portion Death Metal/ Metalcore vor den Latz, dass es selbst die letzten Bierleichen vom Vorabend wieder auf die Beine schafften. Songs wie Last Existence und Death Pilgrim donnerten mit voller Wucht aus den Boxen und ließen die ersten Mosher des Tages ihrer Bewegungslust frönen. Ende September erscheint mit Dead Era die dritte Platte der Extrem-Metaller, danach wird man sie sicher in einigen Clubs der Republik erleben können.

Der Platz war zum Tagesbeginn gut anfeuchtet: Vor Beginn des Programmes wurde einmal reichlich Schlauchwasser auf dem staubigen Wiesengelände vor der Bühne verteilt, so dass für einige wenige Stunden keine Staubwolken aufstiegen.

Erdling spielten im Anschluss vor deutlich mehr Leuten und das Gelände füllte sich beständig schnell weiter, was soll man auch sonst machen auf einem Festival um die Mittagszeit? Die NDH-Truppe aus Bayern dürfte außerdem zahlreiche Eisbrecher-Fans mobilisiert haben. Das Publikum feuerte die Band nach Kräften an und auch zum Mitklatschen ließen sich so früh am Tage bereits die Arme erheben zu Titeln wie Du bist Soldat, Angst und das ohrwurmbedingende Phoenix. Mit dem selbstbetitelten Erdling gab es noch eine Nummer vom niegelnagelneuen Album Dämon auf die Ohren, das zeitnah nach dem Festival erschien. Zum Abschluss komplettierte eine Runde Blitz und Donner die Show.

Weiter ging es mit Ahab, benannt nach dem Kapitän aus Moby Dick spielt das Heidelberger Quartett seit 2004 einen Death/Doom Metal, von der Band selbst als Nautik Funeral Doom bezeichnet, der über jegliche Partystimmung erhaben ist. Drückende tiefgestimmte Gitarrensoundwände, schleppendes Tempo, finstere Growls wie aus den Untiefen der Meere und Stücke jenseits der 10-Minuten-Länge sind die Merkmale der Musik von Ahab. Etwa 300 Zuschauer ließen sich in den Bann der doomigen Klänge ziehen, während die Sonne auf sie herabbrutzelte. Endloses Wasserplätschern als Intro zu einem Song ließ im Harzer Dürresommer von der Erfrischung des Meeres träumen, bevor die düstere Musik wieder wie die sturmgepeitschte See auf die Zuhörer einprügelte. Aufgrund der Länge der Stücke war bei dem mittäglichen Auftritt allerdings nur Zeit für wenige Tracks.

Denn auf der Nachbarbühne standen schon Serenity in den Startlöchern. Die Österreichischen Symphonic/ Power Metaller brachten nun wieder die Fröhlichkeit zurück ins Rockharz-Programm. Das Quartett aus Tirol konnte eine größere Schar Zuschauer versammeln und forderte regelmäßig Publikumsbeteiligung ein - „Alle Hände nach oben - auch im Scheißhaus“ war eine Forderung in feinstem Ösi-Deutsch von Sänger Georg Neuhauser. Sehr eingängige Stücke wie Hero, der Titeltrack des aktuellen Albums Lionheart und Rust of Coming Ages gingen direkt ins Ohr - schade nur, dass man für die Keyboard-Parts wieder mal auf die Konserve zurück griff. Der guten Stimmung tat das aber keinen Abbruch, an zahlreichen Stellen der Setlist ließen sich die an die tausend Zuschauer zum Mitklatschen und Anfeuern bewegen. Der Auftritt der Österreicher hätte somit auch gerne ein paar Minuten länger gehen können.

Als nächster Programmpunkt standen Skyclad auf der Rockharz-Bühne. Vor selbiger war es etwas leerer geworden, dennoch konnte die Folk Metal-Legende schnell für eine sehr gute Stimmung im Publikum sorgen. Die Briten waren wieder vollständig mit Geigerin Georgina Biddle, welche letztes Jahr auf dem Rock Hard fehlte und Sänger Kevin Ridley konnte sich noch gut an einen früheren Auftritt auf dem Rockharz im Jahre 2001 erinnern. Die neueren Titel wie A Change Is Coming konnten das Publikum ebenso begeistern wie älteres Material, insbesondere das allen Politikern gewidmete Parliament of Fools und Anotherdrinkingsong. Skyclad-Anfeuerungsrufe ließen nicht lange auf sich warten und begleiteten die Band verdientermaßen durch ihren gesamten Gig. Außerdem waren die folkigen Songs bestens zum Mitsingen geeignet. Das an nächtliche Sternenhimmel erinnernde Starstruck war in der prallen Sonne des Rockharz zwar etwas fehlplatziert, aber man konnte sich ja am Abend wieder die Sterne begucken. 40 Minuten waren für eine Truppe, die fast 30 Jahre existiert und auf einen Fundus von 14 Studioalben zurückblickt, doch ein wenig kurz gegriffen, eine längere Spielzeit wäre hier - wie so oft - schön gewesen.

Trollfest luden am Nachmittag zu einer fetten norwegischen Folk-Metalparty aufs Rockharz-Gelände. In khakifarbenen Tropenhemden und mit Luftballons an Mikroständern und Hüten enterten die sieben Musiker die Bühne. Einige Tausend Fans davor nutzten die Gelegenheit, die Norweger so richtig abzufeiern. Was zunächst als kleiner Moshpit startete, wurde schnell zu einer ausgewachsenen Polonäse. Seltsamerweise haben Trollfest es sich zur Aufgabe gemacht, Pop-Sternchen Britney Spears mit einer Coverversion von deren Hit Toxic zu würdigen. Ihre eigenen Stücke wie Brakebein, Steel Sarah und Kaptein Kaos sind dagegen in der fiktiven Trollsprache verfasst und gehen ungleich heftiger ab. Die Band fordert allerlei chaotisches und sinnloses Zeugs vom Publikum ein, hinten sollen sich etwa welche umdrehen, wieder andere Schokolade kaufen, Liegestütze machen und so weiter. Die Massen sind bereitwillig für jeden Quatsch zu haben, starten zeitweise einen Rowing Pit, machen den extra-komplizierten Trollfest-„Dance-move“ mit und bilden schließlich, angeführt vom Bassisten, zum Cabana Party-Song Solskinnsmedisin die längste Polonäse, die das Festival je gesehen haben dürfte. Wenn sich jemand an das Handy-Spiel Snake erinnert: Wenn die Schlange so richtig lang wird, dass sie sich ständig selbst zu kreuzen droht - so in etwa war es vor der Bühne. Trollfest hatten endlich genug Chaos und das Publikum endlosen Spaß, der nur noch durch das Rauslassen des Inneren Köters mit Helvetes Hunden GARM getoppt wurde. Was für ein kongenialer Abriss in nur 40 Minuten!

Nach so viel Gute-Laune-Wahnsinn, hat es eine Blues-Rock-Band allerdings schwer, die Massen begeistern zu können. Avatarium aus Stockholm konnten nur einige Hundert Zuschauer versammeln und überzeugten in erster Linie mit der bluesigen Stimme der Sängerin Jennie-Ann Smith. Die langbeinige Blondine wirkte allerdings etwas steif auf der Bühne, wo sie sich selbst die zu einigen Titeln verwendete Akustik-Gitarre hinbringen ließ, um ihren Platz im Rampen- beziehungsweise Sonnenlicht nicht verlassen zu müssen. Ganz anders Gitarrist Marcus Jidell, der sich zu jeder Menge Gitarrengniedel hinreißen ließ und seine Soli mit voller Leidenschaft auslebte. Avatariums Stücke wie Into The Fire und The Sky At The Bottom of the Sea laden dazu ein, sich tief in die Musik versinken zu lassen, sofern man in Stimmung ist, sich darauf einzulassen. Für alle anderen war es eben eine kurzweilige Untermalung zur nachmittäglichen Gerstensaftkaltschale.

Nach der etwas besinnlicheren Avatarium-Show war die Partyfraktion nebenan einheitlich wieder angetreten, um Gloryhammer gehörig abzufeiern. Die Power Metal-Truppe um Alestorm-Chef Christopher Bowes und den Schweizer Emerald-Sänger Thomas Winkler konnte schon bei ihrem letzten Rockharz-Auftritt vor einigen Jahren viele Zuschauer begeistern, nun war die Platzhälfte schon bis hinten komplett voll. Leider war der Sound etwas problematisch: Aufgrund des anschwellenden Windes wurde ein Großteil der Akustik schlicht davongetragen. Seitlich vor der Bühne war kaum etwas zu hören und mittig hinten klang es ebenfalls nicht viel besser. Die Songs wie Rise of The Chaos Wizard, Legend of the Astral Hammer und Hollywood Hootsman sind natürlich seit Jahren bekannt und wurden entsprechend abgefeiert und mitgesungen. Auch der durchaus als Disko-Metal zu bezeichnende Track Universe on Fire wurde ebenso gut aufgenommen. Mit der großartigen Unicorn Invasion of Dundee endete die Show, die garantiert nicht die letzte auf diesem Festival gewesen sein wird; nur wird die nächste sicherlich später und mit längerer Spielzeit sein!

Goitzsche Front klingt erstmal gefährlich nach Arbeiterbewegung und Partisanenkampf. Dahinter verbirgt sich aber eine Deutschrock-Truppe aus Bitterfeld, die sich nach einem aus dem Braunkohle-Tagebau entstandenen See in ihrer Heimat benannt haben. Das Quartett ist angetreten, den Beweis zu erbringen, dass Der Osten Rockt!! Die Massen verteilten sich stärker auf dem Gelände, vor der Bühne war es nicht ganz voll, aber Lieder wie Vier Asse oder Streichholz und Benzin machen auf Anhieb Laune und bleiben mit ihren Texten im Gehör. Dies trifft insbesondere auf Männer aus Stahl zu: „Nur Männer aus Stahl fahren Autos aus Pappe“ - eine Widmung an alle verwegenen Trabbifahrer. Damit grüßten die Bitterfelder vor allem die aus dem Osten stammenden Zuschauer. Mit N.S.O.W., alias Nord, Süd, Ost und West wurde später aber auch das verbindende Element betont: „Wir trinken auf uns“ heißt es da. Das Quartett veranstaltet im heimischen Bitterfeld sein eigenes Deutschrock-Festival und nutzte die Chance, etwas dafür zu werben. Auf dem Rockharz wurden sie auf jeden Fall schon mal gut abgefeiert, da dort viele Leute aus der Region sind, dürfte ihr eigenes Festival ebenfalls ein Erfolg werden.

Exodus holten danach wieder die Thrash-Keule hervor. Dabei war es weiterhin überraschend leer geblieben, immerhin spielte doch gerade eine Bay Area Thrash Metal-Legende. Außer wenigen neueren Titeln haben Exodus vor allem eine Menge Klassiker auf dem Programm, insbesondere vom legendären 1985er Debüt Bonded By Blood. Zu And Then Were None wurde der erste Circle Pit gebildet und Sänger Steve Souza fragte anschließend, ob man noch schneller werden sollte. Um dem Publikum „Exodus-style violence“ nahezubringen folgte der Klassiker A Lesson In Violence. Zu Bonded By Blood und Toxic Waltz wurde der Circle Pit nochmals intensiviert. Nicht weiter verwunderlich bei solchen Hochgeschwindigkeitsriffattacken, wie Exodus sie liefern. Zum Abschluss mit Strike Like A Beast wurde noch eine größere Wall Of Death abgehalten, die wieder einmal mächtig Staub aufwirbelte.

Als wären Exodus am Samstagnachmittag nicht heftig genug gewesen, folgten danach noch Cannibal Corpse. Die wohl kompromissloseste und heftigste Band des Festivallineups spaltet schon ein bisschen die Gemüter: Für die einen ist der Brutal Death Metal der Amerikaner große Kunst und die extremmetallische Offenbarung, für die anderen nur dumpfes Geknüppel ohne jegliche Songstruktur und mit unverständlichen Texten. Zur Show des Quintetts aus Florida war der Platz vor der Bühne recht locker gefüllt, manche moshten, viele starrten eher gebannt auf das Geschehen. Weder Ansagen noch Publikumsinteraktionen waren zu Anfang von Cannibal Corpse zu bekommen, dafür aber das pure Geknüppel. Einige Soundaussetzer wurden dabei noch zum spannendsten Bestandteil der Show. Da wirklich alles einheitlich gleich klingt, hätte eigentlich auch die halbe Spielzeit gereicht. Aber so konnte man sich immerhin mal ein wenig auf dem Metalmarkt umsehen oder etwas Fleisch am Fressstand bestellen - passend zur Musik am besten ungegrillt, lieber frisch und blutig!

Nach anderthalb Stunden hartmetallischer Breitseite hatte sich nun die Party-Fraktion erneut zahlreich auf dem Festivalgelände eingefunden, um die Apokalyptischen Reiter abzufeiern. Das Quintett spielte vor einer Bühnendekoration in Schlachthausoptik, die Cannibal Corpse eigentlich vor Neid erblassen lassen müsste. Soviel Blutspritzer auf den Betonblöcken machen schon was her. Dazu noch blutrote Gasmasken auf den Gesichtern der Saitenfraktion - da hat sich definitiv jemand Gedanken um die optischen Elemente der Show gemacht. Am Anfang stand programmatisch das sehr eingängige Es Wird Schlimmer. Zahlreiche Crowdsurfer erhoben sich zu den folgenden Titeln wie dem Seemann und der Reitermania. Schließlich gingen einige Wagemutige im Schlauchboot auf die Reise über das Menschenmeer. Viele neuere Nummern von der letztjährigen Platte folgten, darunter Der Rote Reiter, Auf und Nieder mit einem Drum Solo dabei und Hört Mich An. Weitere Stücke wie Friede sei mit dir und Franz Weiss wurden weiter abgefeiert und zu Herz in Flammen war es nochmals an der Zeit für einen großen Circle Pit. Die einstündige Show war nach dem Grad der Feierstimmung bemessen schon fast etwas kurz, aber es kann eben nur einen Headliner geben.

War der Platz zu den Reitern gut gefüllt, so bildete sich nach dem Ende deren Spielzeit eine große Staubwolke in Richtung Ausgang - die großen Massen blieben nicht für den folgenden Gig von Paradise Lost. Entsprechend locker gefüllt waren die Reihen zum Konzert der britischen Gothic Metaller. 25 Jahre Rockharz und 30 Jahre Paradise Lost sind die zwei Jubiläen, die hier zusammentrafen und entsprechend gefeiert werden wollten. Am Anfang der Show standen neue Songs vom letztjährigen Album Medusa - Blood and Chaos und From The Gallows wurden mit sehr druckvollem Sound dargeboten, wenn man vom gelegentlichen Knacksen aus den großen Boxen mal absieht. Insbesondere der Bass von Stephen Edmondson klang recht ruppig. Für die frühabendliche Zeit war es nicht nur relativ leer, überdies blieb das Publikum die meiste Zeit über sehr ruhig. Nun sind Paradise Lost nicht gerade die Band, die die ganz große Party veranstaltet; sie spielen eher fokussiert ihr Set runter, das mit Shadowkings und As I Die auch einige Klassiker aus den 90ern enthält. Dennoch genossen die Musiker ihre Spielzeit und einen malerischen Sonnenuntergang, den sie dabei beobachten konnten. Wieder einmal negativ fiel auf, dass Erased mit Keyboards und weiblichem Gesang aus dem Playback ergänzt wurde. Gegen Ende des einstündigen Auftritts mit Embers Fire füllte es sich allmählich deutlich stärker vor der benachbarten Bühne.

Bis zum Beginn des langerwarteten Konzerts von Deutschlands meister Band der Welt - das Rockharz musste immerhin 2 Jahre warten seit dem letzten Besuch - war die Platzhälfte dann komplett bis hinten hin gefüllt. Den wieder allerlei Spaß und Unsinn versprechenden Auftritt von Knorkator möchte eben kein Rockharz-Besucher verpassen. Und die Berliner zündeten erstmal symbolisch eine Kerze an für das Geburtstagsfestival. Stumpen freute sich am allermeisten, verbunden mit der Frage: „Wer bietet mehr?“ Mit Alter Mann ging die Party in die Vollen, die Crowdsurfer schwebten dutzendfach über die Masse - teilweise sogar auf einem aufblasbaren Einhorn. Ich lasse mich klonen und Ich bin der Boss folgten, bevor wieder einmal die Fotografen zur Dokumentation von oben auf die Bühne zitiert wurden. Stumpen hat erkannt, dass die Bandmitglieder schon nicht mehr die Jüngsten sind - also was macht man, um mit der jungen Generation in Verbindung zu bleiben? Man bindet seine Kinder mit ein und lässt sie live singen! So konnte Stumpens Tochter mit ihrem Vater ein Duett mit der Ballade Weg nach unten aufführen und Alf Ators Sohn Tim Tom, der schon die letzten Male auf dem Rockharz immer mit dabei war, durfte seine Growling-Fähigkeiten beim Stück Böse unter Beweis stellen. Weitere Highlights auf der Setlist waren Du nich und natürlich das jetzt schon als kommender Klassiker unverzichtbare Zähne Putzen, Pullern und ab ins Bett. Die Berliner wurden die ganze Zeit abgefeiert; von Knorkator hätte man auch nichts anderes erwartet. Trotzdem war die Botschaft am Ende klar, unmissverständlich und hart - Wir werden alle sterben!

Bevor In Flames die Bühne erklommen und das Festival allmählich auf die Zielgerade einbog, war es an der Zeit für eine Dankesbotschaft der Rockharz-Macher für ein Vierteljahrhundert Festivalgeschichte. Geehrt wurden dabei Leute, die das Rockharz entscheidend geprägt oder immer begleitet haben, wie der Mann an der Bändchenausgabe oder der Chef des Flugplatzes Ballenstedt, der den Umzug dorthin erst ermöglichte. Gedankt wurde natürlich vor allem dem über die Jahre immer zahlreicher gewordenen Publikum, das das Rockharz zu einer Erfolgsgeschichte und zu dem großartigen Festival werden ließ, welches es heute ist.

Dann war die Zeit für den Headliner gekommen und In Flames hatten optisch ordentlich aufgefahren: Die ganze Bühne war aus LED-Screens zusammengesetzt. Nicht nur der Hintergrund, auch 3D-Block-Elemente waren mit Bildschirmen bestückt, so dass anstelle einer gewöhnlichen Lichtshow eine optisch visionäre Bilderflut die Musiker komplett umgab. Trotz des hohen Schauwertes wurde natürlich auch ordentlich gemosht zu Titeln wie Delight and Angers, Here until Forever und Cloud Connected. Die Zuschauer waren im ersten Drittel der Show aber sehr ruhig geblieben, entsprechend beschwerte sich Frontmann Anders Friden, dass er die Massen zwar sehen, aber nicht hören konnte. Nach der freundlichen Ermahnung taute das Publikum langsam auf und skandierte Anfeuerungsrufe für die Göteborger Melodic Death Metaller. Mit jedem weiteren Song schien die optische Video-Untermalung noch gesteigert zu werden, so waren außer verschiedensten Farbenmustern und Bildcollagen selbst Kernspintomografien von einem menschlichen Schädel zu sehen. Weitere In Flames-Kracher wie Only For The Weak, Take This Live und Deliver Us wurden im Laufe der Show kräftig abgefeiert, mit Circle Pit, der einen oder anderen Wall of Death, Massen an Crowdsurfern und mitsingenden Fans - keine Spur von Erschöpfung nach vier Tagen Festival war da zu erkennen. Mit The End beendete der Headliner etwa fünf Minuten früher als geplant die Show, welche mit starker Musik und außergewöhnlichen Schauwerten in jeder Hinsicht fesselnd für die Sinne war.

Doch damit war das Rockharz 2018 noch nicht ganz beendet, auch am letzten Abend gab es noch einen Nach-Headliner-Night-Slot auf der Running Order. Und da standen Manntra, die an diesem Abend nicht nur ihren Auftritt auf dem Rockharz zu feiern hatten: Die Kroaten waren außerdem überaus glücklich über das Abschneiden ihrer Mannschaft beim Viertelfinale der Fußball-WM an diesem Abend - diese hatte nämlich Russland im Elfmeterschießen bezwungen. So spielt es sich gleich nochmal so fröhlich. Die großen Massen verließen zwar nach In Flames das Festivalgelände, aber einige Hundert harrten noch aus und ließen sich vom Auftritt der glücklichen Kroaten mitreißen. Stilistisch sind Manntra irgendwo zwischen Folkrock und NDH-Sound verortet, dazu gibt es ausschließlich kroatische Texte. Das machte aber nix, die mitreißenden Rocksongs luden einige Besucher mit reichlich Restenergie zum gepflegten Moshpit ein und die Musiker wurden immer wieder angefeuert. 10 Minuten vor Schluss fiel auf einmal der Ton aus, obwohl noch ein Highlight bevorstehen sollte: In Extremo-Sänger Michael Rhein kam gerade auf die Bühne, zur Verstärkung für den Titel Meridian. Nach wenigen Minuten war der Strom wieder da und der Rest der Show konnte wie geplant ablaufen, Rhein sang zur Freude der Zuschauer auf Kroatisch, machte ein paar Ansagen zur Unterstützung der Band und spielte später noch Gitarre mit. Laute Zugabe-Rufe am Ende bezeugten, dass Manntra im Harz sehr gut ankamen mit ihrem Gig.

So endete das Jubiläums-Rockharz 2018 spät in der Nacht mit einem weiteren Highlight. Dieses verlängerte Wochenende hat wieder einmal jede Menge Spaß gemacht, man hat viele tolle bekannte und auch unbekannte Bands sehen können: Es ist insbesondere immer schön, wieder neue Truppen mit spannender Musik zu entdecken.

Organisatorisch lief es fast alles wie geplant, die Änderungen im Ablauf durch die Verzögerungen bei Ensiferum lassen sich verschmerzen, sowas passiert immer mal. Soundtechnisch war es meistens gut oder zumindest in Ordnung, was zu hören war, manche Bands hatten ein paar Soundprobleme, vor allem wegen des ständig drehenden Windes auf dem weiten freien Feld am Harzrand.

Der Anreisestau war offensichtlich trotz zweiter Festivalzufahrt über die Landebahn nicht vermeidbar.

Wettertechnisch hätte es optimaler nicht sein können, noch vor der großen Hitzewelle des Sommers war es immer warm, meistens sonnig und komplett regenfrei. Problematisch konnte für manch einen höchstens die Dauersonne und der viele aufgewirbelte Staub vor den Bühnen werden. Eine Staubmaske oder ähnliches wäre da sehr zu empfehlen. Sollte man nächstes Jahr dran denken.

Neuerungen wurden umgesetzt in puncto sanitärer Versorgung: Zusätzlich zu den üblichen Dixies und Bezahltoiletten waren sowohl auf dem Festivalgelände als auch vor dem Eingang kostenlose Spültoiletten verfügbar, die sogar mit Papier ausgestattet waren. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung, dafür fehlten die berühmten Pinkelecken auf dem Gelände und es gab nur ein rundes Klohäuschen mit ein paar Pissoirs daran, das aber für die Massen sehr unterdimensioniert war. Obgleich es weder schön aussieht noch gut riecht, sind die Pinkelecken, die es in früheren Jahren überall auf dem Festivalgelände gab, wohl die effizienteste Lösung und somit hoffentlich bald wieder dabei.

Insgesamt war die Jubiläumsausgabe als voller Erfolg zu bezeichnen. Dass das Rockharz 2018 drei Monate vorher ausverkauft war, spricht ebenfalls eine deutliche Sprache über die Beliebtheit dieses Festivals. Die ersten zehn Bands fürs nächste Jahr wurden schon während des diesjährigen Festivals angekündigt; wer unbedingt dabei sein will, sollte sich rechtzeitig um Karten bemühen, da das Rockharz 2019 sicherlich trotz stetigen Größenwachstums ebenso wieder zeitig ausverkauft sein dürfte.