CD Reviews

Evergrey – The Atlantic

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verfasst von Zonic

Mystisch, dunkel, spannend – das sind die ersten Attribute, die mir in den Sinn kommen, wenn ich dem neuen Werk von Evergrey lausche. Die schwedischen Progressive-Metaller um Tom Englund Sänger/Songwriter) hauen mit ihrem elften Studioalbum ‚The Atlantic‘ ein anspruchsvolles und musikalisch vielseitiges Album auf den Markt.

Bereits der erste Song ‚A silent Arc‘ zeigt, was die Jungs können. Er klingt nach rauer See, Sturm und auch nach Unwetter. In den Strophen hat man das Gefühl in einem Sturm zu stecken und von riesigen Wellen beinahe erschlagen zu werden; während einen der Refrain im Regen über den Ozean schiebt. Auf gut Deutsch: Es gibt gleich erstmal auf die Fresse! Mein musikalisch persönlicher Favorit ist ‚Currents‘, der inhaltlich jemanden beschreibt, der gerade ertrinkt und sich nach Rettung sehnt. Der Text ist (wie bei allen anderen Songs auch) sehr bildhaft und man darf die Metaphern gern interpretieren und möglicherweise Parallelen zum eigenen Leben finden. Ich persönlich finde so etwas ja großartig. ‚The Tidal‘ ist ein kurzes Intrumental bestehend (aus Synthies) das nach einem Sonnenaufgang am weiten Meereshorizont klingt. Eine kleine Insel zum Krafttanken. ‚This Ocean‘ bietet das Schlusslicht der Platte und hinterlässt ein positives Gefühl. Auch hier wird zeitweilig durch einen Sturm gefahren, doch im Refrain ist Sonne und am Ende sogar Land in Sicht...oder vielleicht auch nicht?!

Ich gebe zu, ich bin absolut hingerissen. Für gewöhnlich höre ich kaum bzw. selten Progressive Metal, aber ‚The Atlantic‘ ist absolut überzeugend. Bereits an dem Cover könnte ich im Handel nicht ohne Weiteres vorbeigehen und müsste wenigstens Probehören. Die Platte hält, was sie verspricht: Wir fahren mit unserem Schiff über die raue See und begegnen dabei sämtlichen Widrigkeiten, die einem das Meer zu zeigen hat. Das ‚Meereskonzept‘ zieht sich auch lyrisch durch das Album und lässt selbiges damit absolut rund erscheinen. Die Texte sind metaphorisch, dabei aber nicht kryptisch. Gefällt mir äußerst gut!

Die Mischung aus der düsteren, mystischen, manchmal brachialen Musik und Toms feiner, klarer Stimme ist absolut stimmig. Mir gefällt auch sehr, dass man bei Evergrey auch das Können des Bassisten außergewöhnlich deutlich zum Tragen bringt; Bassisten sind ja bekanntlich oft die vergessenen Helden innerhalb einer Band. Nicht zuletzt gibt es auch ein großes Kompliment für den Mix: Sehr durchdacht, sehr akzentuiert und wirklich die Musik unterstützend hat der Tonmann definitiv dazu beigetragen, dass wir als Hörer die Stimmung von ‚The Atlantic‘ in jeder Sequenz spüren und nachempfinden können. Alles in Allem ein wirklich gelungenes Werk und eine absolute Hörempfehlung!